Auf dieser Seite können Sie den Leitartikel der aktuellen Ausgabe unserer  Gemeindezeitung WIR lesen:

Ist das Erntedankfest noch zeitgemäß?

 

Noch vor Jahrzehnten wurde die Frage heiß diskutiert, ob unsere Erde die wachsende Zahl von Menschen ernähren könne. Inzwischen ist die Zahl erheblich angestiegen und zu viele verhungern. Aber die Ursache dafür liegt nicht in der zu geringen Größe der Erde oder dem verminderten Segen Gottes, sondern in der Entwicklung, die die Menschen selber bewirkt haben.

 

Positives

 

Eins soll dabei nicht vergessen werden: Viele Forscher haben auch gutes bewirkt. Heute ist es möglich, Ernten zu erzielen, von denen frühere Generationen nicht einmal zu träumen wagten. Gott sei dafür gedankt.

 

Moderne Trends

 

Aber die Hauptentwicklungslinie führt in die entgegengesetzte  Richtung. Wo Wissenschaftler im Dienst multinationaler Konzerne ihren ganzen Ehrgeiz darin setzen, zum Beispiel Getreide zu „entwickeln“, das nicht mehr keimfähig ist, damit die Bauern vom teuren Saatgut abhängig werden, läuft etwas grundsätzlich verkehrt. Und auch Patente auf Lebewesen gehören zu dieser Fehlentwicklung.

 

Die internationale Finanzmacht

 

Wir leben zwar in der wahrscheinlich besten Staatsform, der Demokratie, aber was nützt das schon, wenn immer mehr demokratische Staaten in den Bankrott getrieben werden und sich nicht mehr gegen internationale Gruppen von Finanzinvestoren wehren können, die immer stärker bestimmen, was zu geschehen hat. Und deren einziges Ziel ist es, ihre eigene Macht und Finanzkraft zu vergrößern.

 

Nach der Heuschreckenplage, von der die Bibel berichtet, haben die alten Ägypter bestimmt kein Erntdankfest gefeiert. Und gegenwärtig wird den Millionen Menschen, die durch die modernen „Heuschrecken“ aus ihren überkommenen Ordnungen hinauskatapultiert worden sind, auch nicht nach einem solchen Fest zumute sein.

 

Wo?

 

Ich meine damit die Landbevölkerung in Asien und Afrika, denen die Multis ihr Land geraubt und damit die Existenzgrundlage genommen haben. Wo seit eh und je eine traditionelle Kultur alle Menschen satt gemacht hat, sind sie jetzt in hoffnungslosen Elend angekommen, seit ihr Land den Multis zur halbindustriellen Erzeugung von Baumwolle, Südfrüchten u. ä. dient, wofür nur ganz wenige Menschen gebraucht werden. Arbeitslosigkeit und Hunger sind die direkten Folgen.

 

Arbeit für alle?

 

Vermutlich sieht es bei uns bald nicht viel besser aus. Unsere Arbeitslosenzahlen werden nicht sinken, sondern auf Dauer noch zunehmen, weil immer mehr Arbeitsplätze dahin verlagert werden, wo Arbeit nur einen Bruchteil kostet. Finanzoptimierung nennt man das.

 

Globalisierungsnormalität

 

Wirtschaftsexperten rechnen damit, dass auf Dauer nur noch 20 % der Gesamtbevölkerung Arbeit haben werden. Der Rest muss mit „Tittytainment“ bei Laune gehalten werden. Das amerikanische Wort ist eine Verschmelzung von „tit“ (= Mutterbrust) und „entertainment“ (= Unterhaltung); gemeint ist damit: dieser Rest muss durch öffentliche Zuwendungen mit dem Lebensnotwendigsten versorgt und gleichzeitig so unterhalten werden, dass er ruhig bleibt.

 

Die Schere

 

Der Abstand zwischen Arm und Reich nimmt überall auf der Welt mit rasantem Tempo zu. Auch da, wo Demokratien noch lebendig erscheinen, sind sie meist auf tückisch-geheimnisvolle Weise von der Oligarchie der Kapitalgruppen unterwandert und abgelöst worden.

Allgemeine freie Wahlen sind zu Unterhaltungsveranstaltungen verkommen und bewirken nichts mehr.

 

Klimawandel

 

Eine weitere menschengemachte Veränderung bekommen wir allmählich immer deutlicher zu spüren, den Klimawandel. Dass damit große Teile der Landoberfläche unseres Planeten im Meer versinken und sich die Wüstenflächen erheblich ausdehnen werden, sei nur am Rande erwähnt.

Dieses Thema – wie auch das des zunehmenden Wassermangels –

Verdient eine eigene Darstellung, für die hier der Platz nicht reicht.

 

Fazit

 

Solange uns Gott noch all das schenkt, was wir hier in Fülle haben, sollten wir ihm dafür von Herzen danken. Möge er die Menschheit davor bewahren, sich selbst umzubringen!

 

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich ein Erntedankfest, das Gott die Ehre gibt und bei dem die Benachteiligten nicht vergessen werden.

 

Der Text ist der Leitartikel für die Oktober-November-Ausgabe unserer Kirchenzeitung „WIR “.

Und hier folgt der entsprechende Artikel der Ausgabe 1/2007 (Dezember/Januar):

 

Unser Weg in die Hölle

 

  Höllenbild: Hiëronymus Bosch (um 1505)

 

Im apostolischen Glaubensbekenntnis heißt es von Jesus, er sei „hinabgestiegen in das Reich des Todes.“ Vor der ökumenischen Einigung auf den neuen Text lautete diese Stelle: „Niedergefahren zur Hölle.“

 

Das Wort

 

Das Symbol „Hölle“ steht also – ganz allgemein gesagt – für den Tod. Und dass wir uns alle darauf zu- bewegen, steht wohl außer Frage. Das deutsche Wort kommt vom mittelhochdeutschen „helle“ < althochdeutsch „hell(i)a“, verwandt mit gotisch „halja“, altenglisch „hell“ und altnordisch „hel“, und hat dieselbe Bedeutung: die Welt, die die Toten birgt, verbirgt, „verhehlt.“

 

Die Bedeutung

 

Aber als symbolischer Begriff umfasst Hölle noch viel mehr, greift weit hinein in das Leben: Krankheit, Krieg, Misshandlung, Kindesmissbrauch, politische Verfolgung, Naturkatastrophen und ganz viele andere Aspekte der heutigen Wirklichkeit haben eine höllische Qualität, nicht erst seit der „Hölle von Stalingrad“, der „Hölle der Konzentrationslager“ und der „Hölle der Terrorangriffe“ im 2. Weltkrieg.

 

Zur Anwendung

 

Der Gedanke an die Hölle ist mir fast automatisch gekommen, als ich über das Thema eines Leitartikels zum Jahreswechsel nachgedacht habe. Ist nicht der Jahreswechsel gewohnheitsmäßig der Zeitpunkt der guten Vorsätze? Und schon sind wir wieder bei der Hölle. Dazu braucht uns nur ein Sprichwort einzufallen: „Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.“

 

Herkunft des Sprichworts

 

Das Sprichwort hat sich wohl allmählich aus einigen Sätzen entwickelt, deren älteste bis in den Anfang des 2. Jahrhunderts vor Christi Geburt zurück reichen. In dem apokryphen Buch Jesus Sirach heißt es im 21. Kapitel: „Die Gottlosen gehen auf einem gepflasterten Weg, aber an seinem Ende ist der Abgrund der Hölle.“ (Vers 11) Darauf hat sich wohl der englische Theologe George Herbert bezogen, als er um 1630 formulierte: „Hell is full of good meanings and wishings.“ (= „Die Hölle ist voller guter Absichten und Wünsche.“) Und auch Samuel Johnson benutzte 1775 einen ähnlichen Satz: „Hell is paved with good intentions.“ (= „Die Hölle ist mit guten Absichten gepflastert.“)

 

Wieso können gute Absichten schaden?

 

Aber weshalb sollen uns denn ausgerechnet so positive Dinge wie gute Vorsätze dem Tod und dem Verderben näher bringen? – Offenbar hängt das mit dem Wesen des Vorsatzes zusammen: Was wir uns vornehmen, das brauchen wir im Augenblick (noch) nicht zu tun.

 

Ein Beispiel

 

Vorgestern hat mir meine kleine Enkelin (4 Jahre alt) einen Bogen mit Glitzerstickern geschenkt, die ich mir an die Fensterscheiben kleben könnte. Mit einem kritischen Blick auf meine Terrassentür meinte sie allerdings: „Am besten putzt du die Fenster vorher, Opa, dann halten die Sticker besser.“ Natürlich habe ich mir sofort vorgenommen, entsprechend zu handeln. Ergebnis: Während ich diesen Artikel schreibe, ist es draußen schon ziemlich dunkel geworden, schlecht zum Fensterputzen. Hätte ich das vorgestern sofort erledigt, wären die Scheiben jetzt sicher schon geschmückt!

 

Verallgemeinerung

 

Zugegeben, das ist ein ziemlich dürftiges Beispiel gewesen, aber ich glaube, meine lieben Leserinnen und Leser, jeder von Ihnen wird ganz leicht eigene Beispiele in Fülle finden. Von solchen Vorsätzen wie, ab Neujahr das Rauchen aufzugeben, will ich erst gar nicht reden. Manchmal werden wir regelrecht erdrückt von der Menge der Dinge, die wir uns vorgenommen haben. Im Endergebnis kommen wir dann beinahe zu gar nichts mehr. Im Gegenteil: Der Leidensdruck nimmt zu und lähmt uns nur noch mehr.

 

Weihnachten und Neujahr

 

Deshalb wünsche ich Ihnen allen eine gesegnete Weihnachtszeit und einen Jahreswechsel ohne Selbstüberschätzung, vielmehr ein neues Jahr unter Gottes Segen, das Ihnen möglichst viel Gutes bringt – etwas, was heutzutage besonders wichtig ist.

Ihr Friedhelm Schmitz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

  

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