Schulmenetekel  (11.04.2006)

 

 Postkarte aus dem Schulmuseum Ottweiler

 

Unsere Ellbogengesellschaft (englisch: „dog-eat-dog society“) hat nur dann eine Chance, Fehlentwicklungen, wie sie sich in den Schulmenetekeln¹ „Pisa“, „Erfurt“ und zuletzt „Rütli“ zeigen, zu entgehen, wenn das verknöcherte System aufgebrochen und für neue Ideen offener wird.
Manch ein Verantwortlicher müsste dazu aber erst einmal über den eigenen Schatten springen können.

 

¹ der Begriff stammt von Prof. Manfred Schneider, Neugermanist an der Ruhruniversität Bochum. Vgl. seinen lesenswerten Aufsatz „Unser Lexikon der Schulmenetekel“ („Frankfurter Rundschau“ vom 11.04.2006, Seite 15).

Pillenpreisinflation  (11.04.2006)
 Ulla Schmidt (Foto: die-gesundheitsreform.de)

So oder ähnlich hätte sicher Eugen Roth geschrieben, wenn er das noch erlebt hätte.

Ein Mensch, genauer: eine Frau,
verstand sich selber nicht genau.
Recht prominent, ganz ohne Frage,
erhob sie kürzlich ihre Klage,
die Pillen würden zu viel kosten –
gehört sich so auf ihrem Posten.
Ach nein, fragt da der Patient,
hab ich womöglich tief gepennt,
als jüngst sie selber unverdrossen
’ne höh’re Steuer hat beschlossen?
Der Mehrpreis, der ihr macht Verdruss,
erwächst aus eigenem Beschluss.
Drum sollte sie, statt nun zu klagen,
das eig’ne Handeln mal befragen.
Wer anhebt jene Mehrwertsteuer,
macht selbst die Pillen viel zu teuer.

Politische Merkwürdigkeit  (11.04.2006)

 Mein Medikament (Foto: F. Schmitz)

Zum 1. Januar 2007 dürften die Ausgaben für Arzneimittel ganz erheblich ansteigen, etwa um 750 bis 800 Millionen Euro im Jahr, allein für die Gesetzlichen Krankenversicherungen. Grund: Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 3 %.

Die Bundesgesundheitsministerin hat die zu erwartenden Mehrausgaben bereits beklagt. Da kann der normale Bürger nur den Kopf schütteln. Wer ist denn dafür verantwortlich, dass in Deutschland Arzneimittel dann bereits mit 19 % Mehrwertsteuer belastet sein werden?

Das mag verstehen, wer will. Mir jedenfalls fehlt dafür das geringste Verständnis. Allein mein Krebsmittel wird dann statt bisher € 610,40 pro Packung € 628,71 kosten, wovon € 119,45 Mehrwertsteuer sein werden.

Schade, dass ich kein Hund bin, denn Hundefutter wird auch weiterhin einem ermäßigten Steuersatz unterliegen!  

 

Ausweg aus der Staatsverschuldung (01.03.2006)

Man könnte es eigentlich wagen

und einfach die Alten erschlagen.

Sind die erst zur Ruhe gebettet,

dann sind die Finanzen gerettet.

Sie selber sind sicher dagegen;

auf  lange Sicht wär’ es ein Segen.

Die Jungen, die würden sich freuen,

erst später vielleicht mal bereuen,

wenn selber zu Alten geworden.

Dann spräch’ man vermutlich von „Morden“…

Halt! Hat mich der Wahnsinn gepackt?

Synapsen nicht recht mehr intakt…?

Ich wollte doch nur einmal zeigen,

wie weit sich die Waage kann neigen,

wenn alles, was machbar, erlaubt.

Vergesst es! Ich senke mein Haupt

und bitte euch all um Verzeihung,

besonders die Alten! Denn diese „Befreiung“

der Jungen wär’ schrecklicher Mist,

weil furchtbar unmenschlich sie ist.

 

Pragmatiker¹                              (12.11.2005)

Bist du ein Mathematiker,

dann kannst – vielleicht – du zählen,

jedoch, wenn nur Asthmatiker,

möcht’ man zu gern dir stählen

der Atemwege Lebenskraft,

dass auch mal deinen Lungen

es nicht gebricht an Meisterschaft,

du atmest ungezwungen.

Bist aber du Politiker

und lässt dich gerne wählen,

dann magst du keine Kritiker

und kannst – vielleicht – nicht zählen.

Doch halt! Politiker sind schlau,

und Zählen ist nicht wichtig.

Sie „wissen“ alles ganz genau

und machen alles „richtig.“

Wenn schon nicht Mathematiker,

nun ja, was heißt das schon?

So sind sie doch Pragmatiker

im Blick auf ihren „Lohn.“

Und wer „pragmatisch“ alles macht,

hat schließlich auch Erfolg.

Doch wer am Ende wirklich lacht,

ist leider nicht das Volk.

¹ Vertreter des Pragmatismus, d. h. einer Haltung, die stets auf das Nützliche, den praktischen Nutzen gerichtet ist. Der Begriff „Pragmatiker“ geistert zur Zeit durch sehr viele politische Kommentare und wird da als positiv empfunden.

Kauderwelsch                                                               (08.11.2005)

Als Sprachrohr der Bundestagsabgeordneten, die Lothar Bisky im 4. Wahlgang abgelehnt haben, gibt Volker Kauder als Grund an, das Amt des stellvertretenden Bundestagspräsidenten sei nicht mit dem eines Parteivorsitzenden vereinbar, da dann eine neutrale Amtsführung nicht gewährleistet sei.

Wenn man darüber nachdenkt, kommt einem schon höchst merkwürdige Vorstellungen...

 

Cindy Sheehan verhaftet           (27.10.2005)

US-Gefallenen-Mutter bei Antikriegsdemonstration festgenommen

(Übersetzung: Friedhelm Schmitz)

Washington (AFP) — Die amerikanische Polizei hat Cindy Sheehan verhaftet, die Mutter eines im Irakkrieg gefallenen US-Soldaten, die als Kriegsgegnerin bekannt geworden ist. Mit ihr wurden zwei Dutzend weitere Leute wegen ungenehmigter Demonstration vor dem Weißen Haus festgenommen.

Sheehan und die anderen Demonstranten führten ein „die-in“ vor dem Weißen Haus auf, indem sie sich auf die Erde legten, um im Irakkrieg gefallene US-Soldaten darzustellen.

Mehrere Dutzend Sympathisanten applaudierten, als Sheehan und die anderen abgeführt wurden, während Gegendemonstranten die Gruppe ausbuhten.

„Cindy Sheehan ist mit rund 25 weiteren Leuten wegen unerlaubter Demonstration vor dem Weißen Haus festgenommen worden“, sagte Leutnant Phil Beck von der US Park Police.

„Sie legten sich ohne Genehmigung auf den Bürgersteig, wurden dreimal aufgefordert, den Bereich zu verlassen, zogen es aber vor, nicht zu verschwinden. Deshalb sind sie verhaftet worden“, sagte Beck.

„Die meisten von ihnen werden wohl heute Abend freigelassen werden“, sagte er. Ihnen droht ein Geldstrafe von 75 Dollar.

Sheehan war zu einer Ikone der Antikriegsbewegung geworden, als sie im August vor der Ranch des Präsidenten George W. Bush kampierte, während dieser dort Urlaub machte. Sie hatte von ihm verlangt, sich ein zweites Mal mit ihr zu treffen. Sheehan war mit einer Gruppe von Familienangehörigen Gefallener zuvor schon einmal mit dem Präsidenten zusammengetroffen.

Am Dienstag hatte sie landesweit zu zivilem Ungehorsam aufgerufen, um der Forderung nach Rückzug der 140.000 amerikanischen Soldaten aus dem Irak Nachdruck zu verleihen, als die Zahl der US-Gefallenen die 2.000 erreicht hatte.

„Es kommt die Zeit, wo wir ein kleines Gesetz brechen müssen, wie [unerlaubt] vor dem Weißen Haus zu sitzen, damit deutlich wird, dass gerade ein größeres Gesetz gebrochen wird“, sagte Sheehan in einer Verlautbarung am Mittwoch.

„Ich kann mir keinen größeren Rechtsbruch vorstellen, als dass in unserem Namen ein Krieg vom Zaun gebrochen wird, dessen Rechtfertigungsgründe sich erwiesenermaßen als falsch herausgestellt haben, der aber trotzdem weiter geht und Tausende Menschen das Leben kostet“, sagte sie.

...

[Im Original – nachzulesen bei www.michaelmoore.com und auf der Homepage von AFP – folgen noch fünf Sätze, in denen eine Parallele zur soeben verstorbenen Rosa Parks (92) gezogen wird, die in den 50er Jahren die Bürgerrechtsbewegung für die Rechte der Schwarzen angefacht hatte.]

SS

Nein, von der nationalsozialistischen „Schutzstaffel“, den „Schwarzhemden,“ ist hier nicht die Rede, obwohl „Schwarz“ dabei durchaus eine Rolle spielt.

Es geht vielmehr um Stoiber und Schavan.

In der „Rheinischen Post“ von heute (25.10.05) schließt Margarete van Ackeren einen Bericht (S. A4) über fraktionsinterne Probleme der CDU/CSU mit dem Satz:

„Im Streit über den Zuschnitt von Stoibers Wirtschaftsministerium und Schavans Forschungsministerium zeichnet sich eine Lösung ab, bei der ‚beide ihr Gesicht wahren können’, wie es gestern hieß.“

Bravo! Dann ist ja das Hauptproblem gelöst. Neben der Gesichtskosmetik unserer Politiker ist doch alles andere zweitrangig...

 

Integration                                

„Kopftuch-Verbot in NRW kommt“, lautet eine Schlagzeile auf der Titelseite meiner heutigen Lokalzeitung („Rheinische Post“,19.10.2005). Der Schluss des dazu gehörigen Artikels spricht von „Symptomen für eine unter Rot-Grün völlig gescheiterte Integrationspolitik.“

Das bringt mich zum Nachdenken. „Parallelgesellschaften“ können Gefahren bergen. Klingt einleuchtend. Deshalb sollten alle Anstrengungen unternommen werden, für eine bessere Integration unserer Mitbürger ausländischer Herkunft zu sorgen.

Also weg mit den Kopftüchern!

Nur gut, dass meine liebe Mutter das nicht mehr erlebt. Die hat nämlich früher viel mit Kopftuch erledigt. Aber Kopftücher sind wohl doch sehr gefährlich.

Noch gefährlicher aber scheint mir der Gebrauch von Fremdsprachen zu sein. Also weg mit Türkisch, Arabisch und Russisch! Und Ersatz durch unser vertrautes Denglisch. Schließlich soll doch jeder verstehen, wovon die Rede ist. Und in muslimischen Moscheen sind Arabisch und Türkisch durch die altvertraute lateinische Sprache zu ersetzen. Semper una sancta lingua!

Anders ist die Sache bei den Standesämtern. Deutschstämmige Vornamen sollten ab sofort verboten werden. Man stelle sich nur die Außenseiterrolle vor, die ihre Träger in einer völlig andersartigen Umwelt – voller ausländischer Vornamen – spielen müssten.

Eine besonders schwierige Frage drängt sich allerdings auch noch auf: Was ist mit den vielen kulinarischen Niederlassungen fremder Kulturen in Deutschland? Schwierig! —

Ach, Unsinn! Zurück zur „gutbürgerlichen Küche“! Das bisschen Übergewicht durch Eisbein und Knödel könnte sich zudem recht günstig auf die Altersstruktur unserer Gesellschaft auswirken und die Rentenproblematik entschärfen.

Aber das Kopftuch geht mir immer noch nicht aus dem eigenen. Was? — Ach, so: Kopf natürlich.

Seit wir demokratisch sind, gehört die „Gleichheit“ zu unseren Grundwerten. Unser Grundgesetz fordert unter anderem die Gleichheit der Geschlechter. Und da wird die Sache mit dem Kopftuch kritisch, denn: nur Frauen sind davon betroffen. Wie ließe sich nur eine größere Geschlechtergerechtigkeit herstellen?

Das Kopftuch ist schon auf den ersten Blick sichtbar. Wenn man gründlich nachdenkt, könnte man vielleicht auch verborgene Integrationshindernisse finden.

Ha! Jetzt hab ich’s! Der Unterschied zur deutschen Tradition bei den Männern ist: die Beschneidung! — Hm... ganz besonders schwierig... — Es sei denn, unser neu gewählter (ach, so demokratischer) Bundestag erließe schleunigst ein Gesetz zur Zwangs-Präputialtransplantation...

Unterstützung für Hillary

Von Cindy  Sheehan                                  (15.10.2005)

(Übersetzung: Friedhelm Schmitz)

Ich würde Hillary gern bei der Präsidentschaftskandidatur unterstützen, wenn sie sich nur gegen den Hohn im Irak wenden würde. Aber ich glaube nicht, dass sie gegen die Besetzung sprechen kann, weil sie sie befürwortet.

Ich will nicht noch einmal den Fehler machen, die Präsidentschaftskandidatur eines Demokraten zu unterstützen, der für den Krieg ist.

Unser Land möchte, dass diese Besetzung aufhört. Die Welt möchte das auch. Und die Menschen im Irak möchten das erst recht.

Senatorin Clinton, wenn Sie für den Frieden wären, würde das keineswegs Schwäche beweisen. Stattdessen würde es beweisen, dass Sie die stärkste und weiseste Präsidentschaftskandidatin wären. Als Mutter, als Amerikanerin, als Patriotin flehe ich Sie an, die Kraft und den Mut zu haben, den Kampf für den Frieden anzuführen.

...

[Der gesamte engagierte und lesenswerte Artikel ist etwas achtmal so lang und im Original unter www.michaelmoore.com zu finden]

Moralisch bankrott

Von Michael Moore, 14. Oktober 2005-10-15

(Übersetzung: Friedhelm Schmitz)

Es ist schon komisch, aber so, dass einem das Lachen im Hals stecken bleibt: Die GPO [= Grand Old Party (Republikanische Partei)] brüstet sich damit, gleichzeitig die Moral unserer großen Nation und die ihres freien Marktwirtschaftssystems zu verteidigen. Aber zusammen ergeben die beiden kaum Sinn.

Da gibt es zwar die offensichtlichen Beispiele (die führenden Republikaner Bill First und Tom DeLay, die sich beide alles andere als moralisch verhalten haben...), aber der wirkliche Schaden wird dem Gefüge unserer amerikanischen Gesellschaft angetan.

Sehen Sie sich das Insolvenz-„Reform“-Gesetz an. Da immer mehr Amerikaner sich in Schulden hinein manövrieren, geraten auch immer mehr Amerikaner in die Insolvenz. Die Kreditkartengesellschaften sehen Schulden ganz gern, aber Insolvenzen überhaupt nicht. Deshalb haben sie die Gesetzgebung dazu gebracht [im Original: „bought“ = bestochen; könnte aber ein Druckfehler sein für: „brought“], die Erklärung der Zahlungsunfähigkeit zu erschweren. Das neue Gesetz zwingt die Schuldner, sich der Kreditberatung zu unterziehen, einer Dienstleistung, die die Schuldner mit Geld bezahlen müssen, das sie nicht haben. Noch besser: Sie müssen das Geld an die Kreditkartengesellschaften bezahlen, bei denen sie schon verschuldet sind.

...

[In dem Artikel geht M. Moore noch ausführlicher auf die Diskrepanz zwischen persönlicher Verantwortung und regierungsbegründeter Staatsverschuldung ein, sowie auf die Tatsache, dass Schuldnerberatung vor dem Gesetz kostenlos war.]

...

Die Welt ist eine Einbahnstraße der Mächtigen; sie haben das Spiel zu spielen gelernt, indem sie die Spielregeln festgelegt haben. Für die verschwendungssüchtigen Republikaner ist das einzige, was noch herrlicher ist, als amerikanische Arbeiter durch billige ausländische Arbeit zu ersetzen, die Vernichtung sauer erarbeiteter Arbeitnehmerrenten¹. Der Präsident und sein Kongress liefern Lippenbekenntnisse..., aber ihre Wirtschaftsphilosophie lässt sie untätig herumsitzen. Schließlich ist der völlig ungehemmte Kapitalismus der freien Marktwirtschaft eine so wohltätige Macht von solcher Stärke, dass er keine bloße Moral mehr braucht.

George segne Amerika und die Republikaner.

¹ im Original (auf www.michaelmoore.com) verlinkt mit einem Artikel der „Denver Post“ von Al Lewis (14.10.2005): „Watching the pension dominoes fall.“

Darin wird an zahllosen Beispielen gezeigt, wie Hunderttausende amerikanische Arbeitnehmer durch dubiose Firmenpleiten ihre Pensionsansprüche verlieren, für die sie jahrzehntelang Beiträge gezahlt haben. 

Seligsprechung zweifelhaft

Die Seligsprechung des „Löwen von Münster“ hat nicht nur Zustimmung erfahren. Auch innerhalb der Katholischen Kirche haben sich Stimmen zu Wort gemeldet, die seine Seligsprechung für zumindest „ungeschickt“ halten.

So schreibt etwa Uta Ranke-Heinemann in der „Jungen Welt“ vom 7.10.2005, dass er sich zwar um das Leben Behinderter bemüht, nirgends aber gegen die Judenvernichtung oder den Krieg gegen Russland und England Stellung bezogen habe. Seine „wahre Gesinnung“ zeige sich in seinen Worten zum Sieg Francos im spanischen Bürgerkrieg: „Der gottlose Bolschewismus ist mit Gottes und Hitlers Hilfe besiegt worden.“

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Schon vor der inzwischen erfolgten Seligsprechung hatte PAX CHRISTI erklärt:

"Erklärung zur beabsichtigten Seligsprechung von Clemens August Graf von Galen, Bischof von Münster

Wie Pressemeldungen und Äußerungen des Bischöflichen Ordinariats Münster zu entnehmen ist, steht die seit Jahren geplante Seligsprechung des Münsteraner Bischofs im Jahr 2005 unmittelbar bevor.
Es ist zwar unbestritten, dass der "Löwe von Münster" durch seine mutigen Predigten gegen Hitlers Euthanasieprogramm und den sog. Klostersturm die Mauer des sonst üblichen bischöflichen Schweigens durchbrochen und ein Zeichen des Widerstands gesetzt hat, dennoch fordert Pax Christi, von einer Seligsprechung abzusehen.

Zur Begründung führen wir an:

Galen hatte eine nationalkonservative politische Grundhaltung und verhielt sich gegenüber der Demokratie und der Weimarer Republik äußerst reserviert. Hitler gegenüber bekannte er jedoch 1935, dass dieser "in den kirchentreuen Katholiken [...] die zuverlässigste und opferwilligste Gefolgschaft" finden werde.
Auch nach seinen Predigten 1941 lehnte er es ab, der bestehenden verbrecherischen Obrigkeit die Gefolgschaft zu verweigern.

Außenpolitisch stand Galen "mit dem vollen Einsatz der Kräfte" hinter Adolf Hitler.
Als Anhänger der sog. "Dolchstoßlegende" sah er wie Hitler im Versailler Vertrag eine Schmach und Erniedrigung Deutschlands. Die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland 1935 - ein klarer Rechtsbruch - begrüßte Galen ebenso wie den Einmarsch der Wehrmacht in das entmilitarisierte Rheinland.

Als Hitler 1939 mit seinen Angriffskriegen begann, forderte Galen die deutschen Soldaten zur "Treue, Gewissenhaftigkeit und Opferbereitschaft" auf und auch die Heimat möge stark bleiben "in Opferwilligkeit, Gewissenhaftigkeit und Treue".
Die Rechtmäßigkeit von Hitlers Angriffskriegen stellte er nie in Frage.

In Hitlers Angriffs- und Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion sah Galen rechtfertigend eine Abwehr der bolschewistischen Bedrohung Deutschlands und eine Befreiung des "von der Pest des Bolschewismus verseuchten" russischen Volkes.
Diese Linie hielt Galen auch noch nach der Niederlage von Stalingrad und von Goebbels Aufrufen zum totalen Krieg durch.

Zur Judenverfolgung und -vernichtung hat der Münsteraner Bischof wie seine deutschen Mitbischöfe und Papst Pius XII. in der Öffentlichkeit geschwiegen. Auch in Galen ist den Juden kein Helfer erstanden.

Wie schon bei der heftig kritisierten Seligsprechung des letzten österreichischen Kaisers, Karls I., steht auch bei der geplanten Seligsprechung Galens die Glaubwürdigkeit der Kirche mit ihren Friedensbemühungen auf dem Spiel.
Um dieser Glaubwürdigkeit willen und aus dem zentralen Friedensengagement von Pax Christi lehnen wir daher diese Seligsprechung ab und rufen die Verantwortlichen auf, auch ihre Stimme in diesem Sinne geltend zu machen.“
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Sicher ist er leicht, aus heutiger Sicht an von Galen Kritik zu üben. Dennoch wäre der Vatikan wohl besser beraten gewesen, wenn er auf die Seligsprechung verzichtet hätte.

Aus den Koalitionsgesprächen                        (12.10.2005)

„Nachdem wir nun die K-Frage gelöst haben, kommen wir jetzt endlich zu den wichtigen Fragen.“ —

„Genau! Wem geben wir denn am besten den Posten des Innenministers? Beckstein oder...“

 

Zur K-Frage

Die traditionelle K(asperle)-Frage lautet:

„Seid ihr alle da?“

— Darauf pflegt das Kinderpublikum mit lautem „Ja“-Geschrei zu antworten.

Unsere Polit-Kasperle-Figuren sollten sich eher selber fragen lassen:

„Ja, seid ihr noch gescheit?“

— Als Antwort darauf sollten sie schleunigst Schluss machen mit ihrem Kasperle-Theater.

Bitte an meine Leserinnen und Leser:

Ihr braucht mir nicht mitzuteilen, was mit dem Begriff „K-Frage“ tatsächlich gemeint ist. Das weiß ich selber. Also von diesbezüglichen Mitteilungen absehen. ;-)))

 

Aus einem Brief von Michael Moore

(Zusammenfassung und Übersetzung: Friedhelm Schmitz)

In einem Brief mit dem Titel „Ein Monat in New Orleans“ vom 4. Oktober 2005 zählt Michael Moore auf, was sein Stab und vor allem die „Veterans for Peace“ nach der Katastrophe in New Orleans und an der Golfküste geleistet haben.

Gegen Ende des Briefes heißt es:

„Die bittere Wahrheit, die ich Ihnen nicht vorenthalten kann, ist die, dass die Hilfsbemühungen der Bundesregierung und des Roten Kreuzes immer noch ein unorganisiertes und beschämendes Durcheinander sind, wodurch die meisten Betroffenen keine oder nur geringe Hilfe erfahren – und das über einen Monat nach Katrina. Es sind nur die Freiwilligen-„Guerilla“-Anstrengungen wie unsere, die etwas erreichen.  Wir warten nicht auf Anerkennung und wir hören nicht auf. Wir werden dafür sorgen, dass Bush & Co. hinterher für ihr Versagen bezahlen, aber im Augenblick sind Hunderttausende ohne Dach über dem Kopf, haben Hunger und brauchen medizinische Hilfe. Und wir haben die Verpflichtung, ihnen zu helfen.“

Er schließt mit dem Dank an alle, die zu den freiwilligen Hilfsmaßnahmen beigetragen haben und dem Versprechen, weiter zu machen.

Das Original ist auf www.michaelmoore.com zu finden.

 

Untersuchungsergebnis: Irakkrieg verzögerte Katrina-Hilfe

In einem Artikel mit der Überschrift „Iraq war delayed Katrina relief effort, inquiry finds“ hat die britische Journalistin Kim Sengupta heute (03.10.05) in der Zeitung „The Independent“ ausführlich dargestellt, dass die katastrophalen Pannen der Hilfsbemühungen beim Hurrikan „Katrina“ auf weit verbreitete Korruption und mangelnde Koordination beim Militär und Personalknappheit infolge des Irakkriegs zurückzuführen sind. Das habe eine dem Independent vorliegende offizielle amerikanische Unersuchung ergeben.

Der recht ausführliche Bericht ist leider zu lang, als dass ich ihn – angesichts meiner begrenzten Zeit – hier übersetzen könnte.

Das Original ist jedoch nachzulesen unter:

http://news.independent.co.uk/world/americas/article316682.ece

 

 

Warum ich gegrinst habe und der Hurrikan Rita

Dienstag, den 27. September 2005

Mitteilung von Cindy Sheehan

 

 

(Übersetzung: Friedhelm Schmitz, 28.09.2005)

Ich hatte ein breites Grinsen im Gesicht, als ich gestern verhaftet wurde. Für dieses Grinsen bin ich heftig angegriffen worden. Anscheinend billigt man mir kein Grinsen zu, aber ich hatte ein paar echt gute Gründe dafür.

Zunächst mal hatte ich Spaß. Ich war mit einer Gruppe gutgelaunter, fröhlicher, glücklicher Leute zusammen. Wir sangen alte Protestlieder und alte Sonntagsschullieder und klatschten dazu. Ich hatte das Gefühl, ich müsse fröhlich sein, um den Ton anzugeben. Wir wollten weder Ärger noch etwas Unfriedliches unternehmen. Zweitens, als ich verhaftet wurde und die Beamten mich hochhoben, hatte ich Angst, Amerika würde meine Unterhose sehen, und das fand ich schon etwas kitzlig.

Es gibt jedoch noch einen viel wichtigeren Grund, weshalb ich gegrinst habe. Ich hatte wirklich nicht mehr richtig gegrinst, seit Casey im Irak gefallen ist. Ich hatte gedacht, meine Hoffnung wäre mit meinem Sohn zu Grabe getragen worden, und ich säße in einem tiefen Loch hoffnungsloser Verzweiflung. Camp Casey hat mir meine Hoffnung zurück gegeben, weil Amerika in gewaltigen Menschenmengen an die Öffentlichkeit getreten ist und seine Stimme, vereint mit der unseren, erhoben hat, unser Land wieder zu übernehmen und diese Regierung verantwortlich zu machen für die Lügen und Fehler, die Zehntausende unschuldiger Menschen umbringen. Letzten Samstag gingen Hunderttausende echter Amerikaner an die Öffentlichkeit, um gegen den Krieg und die Politik von Bush zu protestieren. Hunderte gläubiger Amerikaner kamen am Sonntagabend und nahmen an einem ökumenischen Gottesdienst in der Nähe des Washington Monuments teil. Die so genannte religiöse Rechte hat kein Monopol auf Gott. Ich bin unsagbar froh, dass Amerikas Bürger immer stärker an der Demokratie teilnehmen und Amerika bereit ist, sein Geld dafür einzusetzen, wo seine gemeinsame Stimme es sehen will: nämlich unsere Soldaten nach Hause zu holen und Bush & Co verantwortlich zu machen. Es ist etwas Wunderbares, etwas zu tun, das eine Umkehr bewirkt, und hat etwas von einem echten Wunder, wenn man seine Hoffnung wieder findet. Darum habe ich gegrinst.

Jetzt zum Hurrikan Rita: Voller Erregung wurde ich am Samstag Morgen wach. Ich wusste, die Versammlung und der Demonstrationszug würden atemberaubende Ereignisse werden, und der Gedanke ging mir durch und durch, dass ich ein Teil davon sein würde. Ich schaltete den Fernseher ein und CNN an und geschlagene zwei Stunden beobachtete ich einen ihrer Reporter vor demselben umgestürzten Baum und es regnete nicht einmal. Ich wusste, dass da ein verheerender Hurrikan tobte.  Bei der Nachrichtenübersicht war ich jedoch der Meinung, CNN könne sich auch mit anderen Nachrichten befassen. Diesen Monat sind bisher schon 40 Soldaten im Irak gefallen und zahllose Iraker getötet worden. Der Krieg geht immer noch weiter, aber die Nachrichten sind von Hurrikanen und den schrecklichen Verwüstungen in ihrem Gefolge bestimmt. Eigentlich glaub ich ja, die Hauptmedien haben es ganz gut gemacht, dass sie den Finger auf die Versäumnisse in den Staaten am Golf von Mexiko gelegt haben. Trotzdem, die Nachrichtensendungen von CNN und den anderen Hauptmedien bringen IMMER mehr andere Meldungen als solche über die illegale Besetzung des Irak.

Als Hunderttausende am 19. März, dem zweiten Jahrestag der Irakinvasion, zu Protestmärschen auf die Straße gingen, geschah gerade das Fiasko mit Terry Schiavo. Die Schiavo-Tragödie war schlimm für eine einzige Familie, und die tat mir in der Seele leid; aber ich empfand es als heuchlerisch, dass der Kongress zur Rettung von Einzelleben zu einer Eilsitzung zusammentrat, während gleichzeitig so viele Menschen im Irak sinnlos sterben mussten, teilweise nur deshalb, weil der Kongress sein verfassungsmäßiges Recht zur Kriegserklärung außer Kraft gesetzt hatte. Ich war auch enttäuscht, dass die Tragödie die Berichterstattung über die Protestmärsche überlagerte. Wolf Blitzer nannte unsere Proteste: „Unbedeutend.“

Samstag war das seit Jahrzehnten wichtigste Ereignis der Friedensgeschichte. Die Zahlen wurden von den Hauptmedien zu niedrig angegeben und die wunderbare Kraft blieb unerwähnt. Für die Medienführer wird es immer etwas Wichtigeres zu berichten geben als das furchtbare Geschehen im Irak: Michael Jackson, Scott Peterson, Terry Schiavo, „Die entflohene Braut“ usw. Es wird Zeit, auch unsere Medien verantwortlich zu machen. Eine ausgewogene Berücksichtigung aller Ereignisse und ein wenig besser untersuchte Berichterstattung wären außerordentlich erfrischend.

Ich entschuldige mich für das, was man als gefühllose Bemerkung über die Menschen ansehen könnte, die von Rita in Mitleidenschaft gezogen worden sind, denn das war überhaupt nicht meine Absicht. Ich bin mir dessen bewusst, dass die verfehlte Politik der Regierung Bush uns so zu sagen alle ins selbe Boot verfrachtet hat und dass wir uns dafür verantwortlich fühlen müssen, die Fehler hier und im Irak zurecht zu rücken.

Ich glaube nicht, dass man mich wegen meiner Analyse des Irakkriegs und dem, was ich sage, angreifen kann, weil das alles wahr ist; deshalb muss man mich wegen meines Grinsens angreifen. Für das Grinsen bitte ich nicht um Entschuldigung, obwohl wir im allgemeinen schon Unterschiede machen; und das ist dann wirklich was zum Grinsen!         

 

 

 

Wissenschaftler macht Klimawandel dafür verantwortlich, dass Hurrikan Rita mit Verwüstung droht

Von Michael McCarthy (Umweltchefredakteur, The Independent)

Veröffentlicht: 23.09.2005 (The Independent) (Übersetzung: Friedhelm Schmitz)

Die übermächtigen Hurrikane, die zur Zeit die USA heimsuchen, sind der „rauchende Colt“ der globalen Erwärmung, meint einer der führenden britischen Naturwissenschaftler.

Die wachsende Gewalt von Stürmen wie Katrina, der New Orleans zerstörte, und Rita, der jetzt Texas bedroht, sei sehr wahrscheinlich vom Klimawandel verursacht, hat Sir John Lawton gesagt, der Vorsitzende der Royal Commission of Environmental Pollution (Königlicher Ausschuss für Umweltverschmutzung, Großbritannien). Die Hurrikane würden heftiger, genau wie es Computersimulationen vorhergesagt hätten, und zwar wegen der steigenden Meerestemperatur, sagte er. „Die gesteigerte Heftigkeit dieser Art von Extremstürmen ist höchstwahrscheinlich auf die globale Erwärmung zurückzuführen.“

In einer Reihe unverblümter Kommentare – einem kaum verhüllten Angriff auf die Bush-Regierung, griff Sir John die Neokonservativen in den USA scharf an, weil sie immer noch die Realität des Klimawandels leugnen.

Angesichts des Heraufziehens von Hurrikan Rita sagte er: „Wenn das die Irren in den Vereinigten Staaten zur Einsicht bringt, dass wir ein Problem haben, dann wird die wahrhaftig furchtbare Lage wenigstens etwas Gutes mit sich bringen.“ Während seiner Rede waren über eine Million Menschen auf der Flucht nach Norden, weg von der texanischen Küste, und Rita, einer der heftigsten Stürme seit Beginn der Aufzeichnungen, heulte durch den Golf von Mexiko. Er wird voraussichtlich heute Abend das Land erreichen und morgen früh Houston, Amerikas viertgrößte Stadt und das Zentrum seiner Ölindustrie. Die Highways von Houston ins Landesinnere waren durch Staus von bis zu 100 Meilen Länge in Richtung Norden verstopft,

Es steht wirklich zu befürchten, dass Houston genau so schlimm von Rita in Mitleidenschaft gezogen werden könnte wie New Orleans von Katrina vor weniger als einem Monat.

Auf die Frage, welche Schlussfolgerung die Regierung Bush aus zwei Hurrikanen solcher Heftigkeit ziehen sollte, die die USA so kurz hintereinander träfen, sagte Sir John: „Wenn das zu erwartende totale Chaos die Extremskeptiker im Blick auf den Klimawandel in den USA dazu bringt, ihre Meinung zu überdenken, dann wäre das schon ein überaus wertvolles Ergebnis.“

Auf die Frage, weshalb er sie als „Irre“ bezeichne, sagte er: „Überall auf der Erde gibt es solche Menschen... die einfach nicht einsehen wollen, dass der Mensch durch seine Aktivitäten das Klima verändern kann und es auch tut.

Ich möchte sie mit den Menschen vergleichen, die geleugnet haben, dass Rauchen Lungenkrebs verursacht.“

Mit seinen Kommentaren ist Sir John der dritte von den führenden Mitgliedern des naturwissenschaftlichen Establishments in Großbritannien, der die Bush-Regierung wegen ihrer Entschiedenheit angreift, mit der sie die globale Erwärmung als reale Gegebenheit anzweifelt.

Sir Johns Kommentare liegen voll auf der Linie der jüngeren Forschung, viel davon aus Amerika selber, die gezeigt hat, dass Hurrikane an Stärke zunehmen und der Klimawandel wohl die Ursache dafür ist.

Ein Untersuchungsbericht von US-Forschern, letzte Woche im US-Journal „Science“, hat gezeigt, dass Stürme von der Intensität des Hurrikans Katrina ihre Häufigkeit in den vergangenen 35 Jahren nahezu verdoppelt haben.

Obwohl weltweit die Gesamthäufigkeit von Tropenstürmen seit 1970 fast gleich geblieben ist, hat sich die Anzahl von solchen mit den Höchstkategorien 4 und 5 stark erhöht. In den Siebzigern gab es einen Schnitt von 10 Hurrikanen der Kategorien 4 und 5 im Jahr, seit 1990 hat der sich beinahe verdoppelt auf 18 im Jahr. Im selben Zeitraum hat sich die Oberflächentemperatur des Meeres, eine der Hauptursachen für die Hurrikanintensität, um durchschnittlich 0.5 ° C erhöht.

Sir John sagte: „Es gleicht immer mehr einem rauchenden Colt. Zu Recht darf man die Schlussfolgerung ziehen, dass die globale Erwärmung, zu einem wesentlichen Teil vom Menschen verursacht, die Oberflächenerwärmung des Meeres vorantreibt, und damit zugleich die Gewalt von Hurrikanen.“

Die Muse wird bitter durch “Pampel”,

Politisches eher durch „Schwampel“.

            Doch richtig zum Kotzen,

            wenn jetzt auch noch protzen

die Männer mit Vornamen „Hampel“.

Doch geht es hier nicht nur um Männer,

um Frauen auch, weiß jeder Kenner.

            Ob durch das Gelaber

            gleich „edler Araber“

wird lahmer Politpöstchenrenner?                      (22.09.2005)

 

Herkunft des Begriffs „Jamaika-Koalition“

WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn benutzte am Wahlsonntag (18.09.2005)als erster die Wortkombination „Jamaika-Koalition“.

Flaggen-Datenbank half weiter

Eine Flaggen-Datenbank habe ihm geholfen, eine griffige Formulierung für die Farbkombination Schwarz-Gelb-Grün zu finden, heißt es bei der ARD. „Jamaika ist das einzige, was wir mit dieser Farbkombination gefunden haben", erklärte Schönenborn auf der Internetseite der „Tagesschau“.

Im ZDF benutzte FOCUS-Chefredakteur Helmut Markwort als erstes die Wortschöpfung. Danach machte sie bei allen Journalisten und Politikern wie ein Lauffeuer die Runde.

Die Flagge Jamaikas zeigt ein diagonales gelbes Kreuz, das das Tuch in zwei schwarze und zwei grüne Dreiecke teilt.

Zum ersten Mal im Dormagener Wochenblatt

Das Dormagener Wochenblatt „Schaufenster“ reklamiert allerdings für sich, den Begriff 1994 „erfunden“ zu haben. Ein ehemaliger Redaktionsleiter habe einer damals auf lokaler Ebene möglichen Koalition von CDU, FDP und Grünen den Namen „Jamaika-Koalition“ gegeben, teilte das Blatt am Dienstag mit. CDU-Lokalpolitiker, die die „Jamaika-Koalition“ zehn Jahre später in einem Wahlkampf in den Mund genommen haben sollen, hätten den Begriff „abgekupfert“.

Nun will das „Schaufenster“ die entsprechende Erst-Veröffentlichung an die Herausgeber führender Nachschlagewerke schicken. Es sei davon auszugehen, dass der Begriff in künftige Bände aufgenommen werde.

 

 

Von der Schwampel-Muse geküsst                                                       (21.09.2005)

Dass auch Politiker oft Sprachkünstler sind, ist eine Binsenweisheit. Ihre sprachliche Kreativität jedoch läuft in aller Regel genau entgegengesetzt zur Kreativität der Dichter. Analog zu diesem Befund könnte man sie auch als „Bläher“ bezeichnen, versuchen sie doch immer wieder, aus einem Furz einen Elefanten zu machen. Manchmal sprießen aber auch bei ihnen bemerke(l)nswerte Blüten.

Als ich vorhin Claudia Roth in einer Nachrichtensendung „mit dem Brustton der Selbstverständlichkeit“ von der „Schwampel“ reden hörte und sah, schoss mir der Gedanke durch den Kopf, der hier seinen Niederschlag findet.

Angesichts der verfahrenen Lage nach dem Wahlergebnis ohne einen eindeutigen Sieger, muss nach Koalitionsmöglichkeiten gesucht werden. Da den Parteien schon seit langem Farben zugeordnet sind, war es seinerzeit möglich, für eine Koalition aus Rot, Grün und Gelb den Namen „Ampelkoalition“ zu prägen, da auch die dem Bild zu Grunde liegende Verkehrsampel genau diese Farben vereinigt. Der Begriff veranschaulicht das Gemeinte an einem allgemein vertrauten Gegenstand.

Und nun gibt es plötzlich die „Schwampel“, zweifellos eine originelle Bildung, aber genau so unsinnig wie originell. Was ist das?

Sprachlich handelt es sich bei dem Begriff um eine Kontraktionsform (Zusammenziehung) aus „schwarze Ampel“. Aber schwarze Ampeln gibt es gar nicht. Dass der Begriff ein Gebilde meint, bei dem Rot durch Schwarz ersetzt ist, Grün und Gelb hingegen erhalten bleiben, muss man einfach wissen. Eine solche „Ampel“ wäre im Straßenverkehr der reinste Horror, denn warum sollten die Fahrer ausgerechnet dann anhalten, wenn überhaupt kein Licht leuchtet? „Schwampel“ benutzt also allenfalls etwas Sinnloses zur „Veranschaulichung“.

Vielleicht habe sich die Politiker etwas Ähnliches überlegt, die statt „Schwampel“ lieber „Jamaika-Koalition“ sagen. Das ist allein schon deswegen „politischer“, weil es die zweisilbige „Schwampel“ oder das dreisilbige „Rot-Grün-Gelb“ durch den achtsilbigen Begriff „Jamaika-Koalition“ ersetzt (Blähung!). Und in der anderen Hinsicht, nämlich im Blick auf das notwendige Vorwissen, um den Begriff verstehen zu können, ist er nicht weniger „politisch“ als die „Schwampel“. Denn wer kennt schon alle Flaggen der Welt, selbst wenn er wissen sollte, dass sich das Wort auf eine Flagge bezieht?

Wer allerdings die Flagge Jamaikas vor Augen hat, der sieht sofort sehr anschaulich, dass Gelb Schwarz und Grün durchkreuzt. Ob das auch mitgemeint ist?

Jedenfalls erfüllen „Schwampel“ und „Jamaika-Koalition“ mustergültig die Grundregel der politischen Sprache:

„Das Gedachte verhüllen!“ Vielleicht sogar: „Verhüllen, ob überhaupt gedacht wird!“

 

 

 

What has happened to Iraq's missing $1bn?

September 19th, 2005 3:36 pm
By Patrick Cockburn/The Independent

One billion dollars has been plundered from Iraq's defence ministry in one of the largest thefts in history, The Independent can reveal, leaving the country's army to fight a savage insurgency with museum-piece weapons.

The money, intended to train and equip an Iraqi army capable of bringing security to a country shattered by the US-led invasion and prolonged rebellion, was instead siphoned abroad in cash and has disappeared.

"It is possibly one of the largest thefts in history," Ali Allawi, Iraq's Finance Minister, told The Independent.

"Huge amounts of money have disappeared. In return we got nothing but scraps of metal."

The carefully planned theft has so weakened the army that it cannot hold Baghdad against insurgent attack without American military support, Iraqi officials say, making it difficult for the US to withdraw its 135,000- strong army from Iraq, as Washington says it wishes to do.

Most of the money was supposedly spent buying arms from Poland and Pakistan. The contracts were peculiar in four ways. According to Mr Allawi, they were awarded without bidding, and were signed with a Baghdad-based company, and not directly with the foreign supplier. The money was paid up front, and, surprisingly for Iraq, it was paid at great speed out of the ministry's account with the Central Bank. Military equipment purchased in Poland included 28-year-old Soviet-made helicopters. The manufacturers said they should have been scrapped after 25 years of service. Armoured cars purchased by Iraq turned out to be so poorly made that even a bullet from an elderly AK-47 machine-gun could penetrate their armour. A shipment of the latest MP5 American machine-guns, at a cost of $3,500 (£1,900) each, consisted in reality of Egyptian copies worth only $200 a gun. Other armoured cars leaked so much oil that they had to be abandoned. A deal was struck to buy 7.62mm machine-gun bullets for 16 cents each, although they should have cost between 4 and 6 cents.

Many Iraqi soldiers and police have died because they were not properly equipped. In Baghdad they often ride in civilian pick-up trucks vulnerable to gunfire, rocket- propelled grenades or roadside bombs. For months even men defusing bombs had no protection against blast because they worked without bullet-proof vests. These were often promised but never turned up.

The Iraqi Board of Supreme Audit says in a report to the Iraqi government that US-appointed Iraqi officials in the defence ministry allegedly presided over these dubious transactions.

Senior Iraqi officials now say they cannot understand how, if this is so, the disappearance of almost all the military procurement budget could have passed unnoticed by the US military in Baghdad and civilian advisers working in the defence ministry.

Government officials in Baghdad even suggest that the skill with which the robbery was organised suggests that the Iraqis involved were only front men, and "rogue elements" within the US military or intelligence services may have played a decisive role behind the scenes.

Given that building up an Iraqi army to replace American and British troops is a priority for Washington and London, the failure to notice that so much money was being siphoned off at the very least argues a high degree of negligence on the part of US officials and officers in Baghdad.

The report of the Board of Supreme Audit on the defence ministry contracts was presented to the office of Ibrahim al-Jaafari, the Prime Minister, in May. But the extent of the losses has become apparent only gradually. The sum missing was first reported as $300m and then $500m, but in fact it is at least twice as large. "If you compare the amount that was allegedly stolen of about $1bn compared with the budget of the ministry of defence, it is nearly 100 per cent of the ministry's [procurement] budget that has gone Awol," said Mr Allawi.

The money missing from all ministries under the interim Iraqi government appointed by the US in June 2004 may turn out to be close to $2bn. Of a military procurement budget of $1.3bn, some $200m may have been spent on usable equipment, though this is a charitable view, say officials. As a result the Iraqi army has had to rely on cast-offs from the US military, and even these have been slow in coming.

Mr Allawi says a further $500m to $600m has allegedly disappeared from the electricity, transport, interior and other ministries. This helps to explain why the supply of electricity in Baghdad has been so poor since the fall of Saddam Hussein 29 months ago despite claims by the US and subsequent Iraqi governments that they are doing everything to improve power generation.

The sum missing over an eight-month period in 2004 and 2005 is the equivalent of the $1.8bn that Saddam allegedly received in kick- backs under the UN's oil-for-food programme between 1997 and 2003. The UN was pilloried for not stopping this corruption. The US military is likely to be criticised over the latest scandal because it was far better placed than the UN to monitor corruption.

The fraud took place between 28 June 2004 and 28 February this year under the government of Iyad Allawi, who was interim prime minister. His ministers were appointed by the US envoy Robert Blackwell and his UN counterpart, Lakhdar Brahimi.

Among those whom the US promoted was a man who was previously a small businessman in London before the war, called Hazem Shaalan, who became Defence Minister.

Mr Shalaan says that Paul Bremer, then US viceroy in Iraq, signed off the appointment of Ziyad Cattan as the defence ministry's procurement chief. Mr Cattan, of joint Polish-Iraqi nationality, spent 27 years in Europe, returning to Iraq two days before the war in 2003. He was hired by the US-led Coalition Provisional Authority and became a district councillor before moving to the defence ministry.

For eight months the ministry spent money without restraint. Contracts worth more than $5m should have been reviewed by a cabinet committee, but Mr Shalaan asked for and received from the cabinet an exemption for the defence ministry. Missions abroad to acquire arms were generally led by Mr Cattan. Contracts for large sums were short scribbles on a single piece of paper. Auditors have had difficulty working out with whom Iraq has a contract in Pakistan.

Authorities in Baghdad have issued an arrest warrant for Mr Cattan. Neither he nor Mr Shalaan, both believed to be in Jordan, could be reached for further comment. Mr Bremer says he has never heard of Mr Cattan. 

http://www.michaelmoore.com/words/latestnews/index.php?id=4160
Generated on: Monday 19th of September 2005 03:46:53 PM

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Was für eine edle Sache?

Samstag, den 17. September 2005

Mitteilung von Cindy Sheehan (Übersetzung: Friedhelm Schmitz, 18. September 2005)

Es hat einen Monat, eine Woche und vier Tage gedauert, dass ich in einem Straßengraben in Crawford, Texas, gesessen habe. Mein Ersuchen war ganz einfach: Ich wollte mit dem Mann sprechen, der über eine Million unserer jungen Leute zum Kämpfen, Töten und Sterben in ein Land geschickt hat, das nicht im mindesten eine Bedrohung für die USA war. Ich wollte ihn fragen: „Was ist die edle Sache, von der Sie andauernd reden?“

Nun, wir wissen alle, dass George Bush niemals auf die Straße kam, um mit mir zu reden. Gott sei Dank! Viele Leute sagen, ich sei der „Funke“, der „Katalysator“, das „Gesicht der Anti-Kriegs-Bewegung“ usw. Ich bitte darum, das anders zu sehen. George Bush und seine überheblichen Ratgeber sind der Funke, der das Präriefeuer des Friedensaktivismus in Brand gesetzt hat, der über Amerika und die ganze Welt geschwappt ist. Hätte er sich mit mir an jenem schicksalsschweren Tag im August getroffen, wäre es nicht gut gewesen für ihn (weil ich wusste, er würde lügen, und ich hätte diese Tatsache öffentlich gemacht), aber es hätte eine geringere Auswirkung auf die Friedensbewegung gehabt, wenn er es getan hätte.

Beim Nachdenken über die Ereignisse dieses vergangenen Augusts, bin ich auf zwei Gründe gestoßen, warum sich George nicht mit mir treffen konnte: Er ist ein Feigling, und es gibt keine „edle Sache.“ Hätte George so viel Mut und Integrität im ganzen Leib, wie Casey [C. Sheehans gefallener Sohn] im kleinen Finger hatte, wäre er mit mir zusammengekommen. Aber ironischerweise, hätte George so viel Mut und Integrität besessen, wäre er nie und nimmer „präventiv“ in ein praktisch wehrloses Land eingefallen. Sein kriecherisches Kabinett und sein speichelleckerischer Anhang sind gleichfalls der unwiderlegbare Beweis, dass er ein Feigling ist. Da wagt es lieber keiner, anderer Meinung zu sein als er. Wie kann es sich da eine Mama aus Vacaville, Kalifornien, unterstehen, die Frechheit zu haben, dem Kaiser der Prairie Chapel Road zu widersprechen!!??

All die „Edle-Sache“-Gründe, die George verschiedentlich für die Invasion und andauernde illegale Besetzung eines souveränen Staates angegeben hat, sind ganz offensichtlich falsch und lächerlich. In letzter Zeit (seit er vor Längerem zugegeben hat, dass der Irak keine Massenvernichtungswaffen und Verbindungen mit dem 11. September hatte) behauptet er, die Besetzung des Iraks verbreite „Freiheit und Demokratie“ im Mittleren Osten. Wirklich? Hat er eine Ahnung davon, dass die Verfassung, an und nach der die irakische Regierung arbeitet, auf der Scharia gründet und dass sie die Freiheit der Frauen untergräbt? Macht er sich klar, dass seit über 50 Jahren die Frauen im Irak gleichberechtigt waren? Macht George sich klar (natürlich tut er das), dass die Marionettenregierung, die die USA im Irak eingesetzt haben, aus genau denselben Typen besteht, die die Invasion befürwortet haben, um sich selber die Taschen voll zu machen? Was ist das für eine Freiheit und Demokratie? Wenn George so unheimlich scharf auf Freiheit und Demokratie im Irak ist, warum praktiziert er die dann nicht hier in Amerika? An die 62 % der Amerikaner glauben, was George im Irak getan habe, sei ein Fehler und wir sollten damit beginnen, unsere Soldaten zurück zu holen. Nun, George, 62 % sind eine deutliche Mehrheit, und Sie sollten damit anfangen, auf die Leute zu hören, die Ihr Gehalt bezahlen.

Er hat auch behauptet, was wir im Irak tun, „mache Amerika sicherer.“ Eine Behauptung, die sich noch leichter widerlegen lässt als der „Freiheit-und-Demokratie“-Quatsch. Um dieses Stückchen Irreführung zu widerlegen, brauchen wir nur auf die Staaten am Golf zu blicken. Fragen Sie speziell mal die Einwohner von New Orleans, ob sie sich sicherer fühlen. Durch Veruntreuung unseres ganzen Personals und der Ausrüstung und dadurch, dass er Milliarden von Dollars in den Sand des Irak gepumpt hat, hat George unser Land viel verwundbarer gemacht für den Angriff durch Mächte von außen. Zudem, nach den kalten und herzlosen Äußerungen von Leuten wie Michael Chertoff und Georges eigener „Mama“, scheinen die Menschen von New Orleans für die Herrschaftselite dieses Landes als „Kollateralschaden“ hinnehmbar zu sein. Meiner bescheidenen Ansicht nach ist das einzige, was Amerika sicherer machen wird, George und seine gefühllosen und gefährlich inkompetenten Helfershelfer aus unserem Weißen Haus heraus zu bekommen.

Wir kennen inzwischen alle den Grund, weshalb wir im Irak sind. George hat ihn uns von einem Kurzurlaub in San Diego mitgeteilt, am selben Tag, als Katrina die Golfstaaten heimsuchte: „Es geht um Öl!“ So ist es, und so können George, Dick und ihre üblen Spießgesellen höhere Profite aus dem Fleisch und Blut unserer Kinder herauspressen [im Original steht: „rape“ = „vergewaltigen“]. Tatsächlich ist das keine „edle Sache“, es ist die allerschändlichste Ursache für einen Krieg, der jemals geführt wurde. Als Amerikaner wussten wir entweder von vornherein in aller Klarheit oder wenigstens im Unterbewusstsein, dass dieser Krieg die Konzernkassen füllen sollte. Fünfzehn tapfere junge Amerikaner sind bisher allein in diesem Monat schon [wieder] gefallen, während unsere Aufmerksamkeit, und das zu Recht, auf die Golfstaaten gerichtet war. Mehr als zweihundert unschuldige und unglückliche Iraker sind allein in dieser Woche schon [wieder] getötet worden. Wie viel Blut wollen wir als Amerikaner George, dem Kongress und den Konzernen noch zu vergießen erlauben, ehe wir ein Ende dieses Krieges fordern und Rechenschaft für die Menschenleben, die grundlos vernichtet worden sind?

Es ist auch Zeit, das Geldausbluten in den Irak zu beenden. Ich war Zeuge der bitteren Armut und des Verlassenheitsgefühls, worin die weniger glücklichen Menschen in New Orleans lebten, schon ehe die Deiche brachen. Es ist Zeit, Hoffnung in unsere eigenen Gemeinden zurückzupumpen. Es ist Zeit, sich um Amerikaner zu kümmern. Wie viele Millionen unserer Steuerdollars sollen wir George, dem Kongress und den Konzernen für Missbrauch und Vergeudung im Irak noch zubilligen?

Keinen einzigen Blutstropfen mehr! Kein einziges Menschenleben mehr! Keinen einzigen Pfennig mehr zum Töten!

Wenn Sie unser Land lieben und einen Wandel zum Besseren wünschen, kommen Sie am 24. dieses Monats nach Washington und stehen Sie auf und lassen Sie sich zählen für den Frieden! Die ganze Welt zählt auf Sie.

Ihre

Cindy Sheehan  

Ein Lichtblick in der Bush-Welt  (Übersetzung 16./17.09.2005)

Inmitten der elenden Pleiten auf demselben Planeten

Mitteilung von Cindy Sheehan vom 16.09.2005

Es ist erst einen Monat und eine Woche her, seit ich in einem Straßengraben in Crawford, Texas, gesessen habe. Kaum zu glauben, wenn ich es mir durch den Kopf gehen lasse. So viel ist in dieser Zeit passiert, und eigentlich so wenig.

Ich bin nach Camp Casey III in Covington, Louisiana, gekommen, nachdem ich mich um 3 Uhr morgens auf den Weg zu Flughafen gemacht hatte. Jetzt ist es 3 Uhr morgens am nächsten Tag und wir fahren mit dem Wagen herum und versuchen ein Hotel zum Schlafen zu finden, irgendwo bei Jackson, Mississippi. Ich war vorbereitet auf einen Schock angesichts dessen, was ich in Louisiana sehen würde, aber ich glaube, man kann sich nie wirklich vorbereiten auf eine so verheerende Tragödie. Wenn man sein ganzes Leben in einem Land gelebt hat, fällt es unendlich schwer, eine so gefühllose Gleichgültigkeit von dieser grenzenlosen Breite zu sehen. Wenn ich darüber nachdenke, wie die Mutter des Schwachsinnigen, der unser Land regiert, gesagt hat, die Leute im Astrodome wären glücklich, dort zu sein, bringt mich das in unvergleichliche Wut. Die Menschen in Louisiana, die evakuiert wurden, hatten nette, wenn auch bescheidene Häuschen, die ganz prima waren. Ich wüsste gern, warum die Regierung sie unter großen Kosten evakuieren ließ und Familien entwurzelt hat, die seit Generationen in ihren Gemeinden gewohnt haben.

...

In der Zeitung habe ich gelesen, George Bush habe geäußert, der Wiederaufbau der Golfstaaten würde „Schwerarbeit“ sein. Das sagte er auch über die Entsendung von Truppen in den Irak und die Lektüre der täglichen Gefallenenlisten: „Es ist Schwerarbeit.“ Dieser Kerl hat im ganzen Leben noch keinen einzigen Tag Schwerarbeit erlebt. Die Leute da unten in Covington äußerten sich verächtlich über Georges gestrige kleine Vergnügungsreise auf Staatskosten nach Louisiana. Er blieb im French Quarter, und damit einer Station, die kein bisschen zerstört worden war. Die „Veteranen für den Frieden“ nahmen mich mit zur Innenstadt von Algiers auf dem Westufer [des Mississippi]. Der Teil von Algiers, in den wir kamen, war sehr arm und schwarz. Die Leute von Algiers wissen, was Schwerarbeit ist.

...

In Algiers war keine Überschwemmung, da gibt es nur Sturmschäden. Es gibt entwurzelte Bäume und abgedeckte Dächer.  Es gibt umgewehte Verkehrsschilder und eine Leiche lag 2 Wochen herum, bevor sie schließlich weggeholt wurde. Aber obwohl Algiers Katrina relativ unbeschadet überstanden hatte, versuchte unsere Bundesregierung (meist erfolgreich), die Leute mit Gewalt aus ihrer Gemeinde zu entfernen. Malik Rahim, ein neuer Freund von uns und Einwohner von Algiers, erzählte uns, was in den Tagen nach dem Hurrikan passierte. Die Regierung rief das Kriegsrecht aus, aber es gab keine wirksame Polizeigewalt, um es durchzusetzen. Malik sagte, die Gesetzlosigkeit sei ungehemmt ausgebrochen. Den Menschen gingen Nahrung und Wasser aus, und sie wurden gezwungen, zum Superdome zu gehen. Sie wollten nicht zum Superdome gehen, weil ihre Häuser ziemlich heil geblieben waren; sie wollten bleiben und mit Nahrung und Wasser versorgt werden. Eine Stadt von 76.000 Einwohnern schrumpfte bis auf 3.000. Die Standhaften wurden letzten Mittwoch belohnt, als die „Veteranen für den Frieden“ mit Nahrung und Wasser in die Stadt gefahren kamen. Die Leute vom Camp Casey III waren die ersten, die überhaupt irgendeine Hilfe nach Algiers brachten. Die Leute, die sich eigentlich um ihre Bürger hätten kümmern sollen, unsere Regierung, ließen sie im Stich.

Im Laufe von 2 kurzen Wochen haben Malik und seine Gruppe in Algiers ein Krankenhaus eröffnet, das gleichzeitig als Nahrungs- und Versorgungsverteilzentrum dient. Wir brauchen mehr Hilfe in Algiers. Malik und die übrigen Dutzende prächtiger Freiwilliger wollen noch 2 Krankenhäuser in Algiers einrichten, und Malik hätte liebend gern jemanden, der ihm ein flaches Boot zur Verfügung stellt, damit er in die armen überschwemmten Gemeinden kommen kann, die immer noch keine Hilfe erfahren haben, um ihnen Nahrung, Versorgungsgüter und medizinische Hilfe zu bringen. Ärzte werden dringend benötigt. Malik hat auch ein Kommunikationszentrum in einer Wohnung in der Nähe seines Hauses eingerichtet zum allgemeinen Gebrauch. Die Hilfeleistungen in Algiers stehen völlig unter dem Grundgedanken: Was braucht die Gemeinde? Eine Redensart in Algiers lautet: Nicht Almosen, sondern Solidarität.

Die Einwohner von Algiers brauchten verzweifelt Hilfe und Hoffnung schon vor dem Hurrikan. Wenn ich daran denke, wie viele andere arme Wohngemeinden andauernd geschädigt und so verzweifelt und hoffnungslos gemacht werden durch die verfehlte Politik der Bush-Regierung, macht mich das schrecklich wütend. Aber wenn ich sehe, was die Leute von Algiers im Augenblick tun, um sich selber zu helfen, und was die Menschen in Amerika tun, um ihnen zu helfen, sich selber zu helfen, gibt mir das Hoffnung. Ich glaube, Algiers kann ein Modell für all unsere Gemeinden werden.

Eine Sache, die mir ernsthaft Sorgen gemacht hat bei meinem Besuch in Louisiana, war der dortige Grad an Militärpräsenz. Vorher hatte ich mir eingebildet, wenn das Militär zu einem CONUS (Continental US) Einsatz gebraucht würde, wären die Soldaten dort, um den Menschen zu helfen, sie mit Kleidung, Nahrung, Unterkunft und Schutz zu versorgen. Aber was ich sah, war eine besetzte Stadt. Ich sah Soldaten herumlaufen in Patrouillen zu 7 Mann mit umgehängten Waffen. Ich wollte schon einen von ihnen fragen, was es ihm ausmachen würde, mich zu erschießen. Sandsäcke wurden von Privatgrundstücken entfernt, um Maschinengewehrnester damit zu errichten.

Die weitaus meisten Menschen in New Orleans, die plünderten, taten das, um ihre Familien mit Nahrung zu versorgen oder um an Mittel zu kommen, mit denen sie ihre Familien hinausbringen konnten. Wenn ich ein Geschäft hätte mit einem Vorrat an versicherten Waren und eine Tragödie würde sich ereignen, würde ich meine Türen weit öffnen und jedem sagen, er solle sich nehmen, was er brauche. Das sind doch nur Sachen. Wenn unsere Mitbürger den Befehl erhalten „scharf zu schießen“ (to shoot to kill) auf andere Mitbürger, dann ist das militärischer und Regierungs-Faschismus, der aus dem Ruder gelaufen ist. Was ich heute in Algiers gesehen habe, hat mir die Hoffnung zurückgegeben, aber ich habe heute in Algiers auch Dinge gesehen, die mich zutiefst entsetzt haben.

[Hier folgt eine Liste dringend benötigter Dinge für das provisorische Krankenhaus in Algiers und die Anschrift, an die solche Dinge geschickt werden können.]

Die Kinder in Algiers haben auch keine Schule gehabt. Malik möchte gern eine Schule aufmachen, und sie brauchen dafür Schulmaterial und Lehrer.

Ich habe ein Gutachten von einem Arzt, der nach Louisiana gekommen ist, um zu helfen. Das Versagen auf allen Ebenen unserer Regierung ist kriminelle Vernachlässigung. Zehntausende Familien in unserem Land sind ins äußerste Verderben gestürzt worden durch die Inkompetenz und Herzlosigkeit der so genannten Führung. Amerika tritt auf den Plan, um Amerikanern zu helfen. Amerika tritt auf den Plan, um George zur Rechenschaft zu ziehen für die Scheußlichkeiten im Irak. Das eine, was George uns gelehrt hat, das ist, dass wir selbständig sind und ein Land haben, für das zu kämpfen sich lohnt, und dass wir uns nicht zurückziehen.

Ich habe gehört, dass Pat Boone in einer konservativen Talk Show in San Francisco (ja, so was gibt es) mit Melanie Morgan (die mit mir in Fehde liegt) den Hörern erzählt hat, wir hätten dem Roten Kreuz Vorräte gestohlen und sie „den Feinden Amerikas [gegeben], die wie die Typen sind, die Flugzeuge in unsere Gebäude fliegen wollen.“ Boone sagt, wir hätten sie den Feinden Amerikas gegeben, weil wir sie von einer Moschee aus verteilt haben. Erstens, mich des Diebstahls zu bezichtigen, ist Verleumdung, denk ich mal, und zweitens: Wir haben Amerikanern geholfen. Nur weil ihre Regierung sie im Stich gelassen hatte, hätten wir sie nicht ernähren und mit dem Nötigsten und Medikamenten versorgen sollen? Ich hatte bisher gemeint, Pat Boone sei als Christ anzusehen. Und drittens, ist nicht die Religionsfreiheit eines unserer Verfassungsrechte?

Es ist ein christlicher Grundsatz, die Hungrigen zu speisen, die Nackten zu kleiden und den Obdachlosen eine Unterkunft zu geben. Das ist es, was in Algiers und anderen Orten in Louisiana im Augenblick passiert... aber seitens der Menschen Amerikas, nicht seitens der so genannten Christen, die an der Macht sind. Wenn George Bush wirklich auf Gott gehört hätte und Christi Worte gelesen hätte, wären die Ereignisse im Irak und die Verwüstung von New Orleans nie geschehen.

Mir ist es ganz egal, ob ein Mensch schwarz, braun, weiß, gelb oder rosa ist. Mir ist es ganz egal, ob ein Mensch Christ, Moslem, Jude, Buddhist oder Heide ist. Mir ist es ganz egal, welche Fahne jemand grüßt. Wenn ein Mensch Hunger hat, dann muss ihm ein anderer Mensch etwas zu essen geben. George Bush muss mit dem Gerede aufhören, die Fehler seiner rundum gescheiterten Regierung zugeben, unsere Truppen aus dem besetzten New Orleans und dem besetzten Irak zurückziehen und sich selber von der Macht verabschieden. Der einzige Weg, wie Amerika sicherer werden kann, besteht darin, dass wir eine neue Regierung bekommen, die sich um die Amerikaner kümmert, selbst wenn sie nicht zu den obersten zwei Prozent der Reichsten gehören. 

 

Ihre Cindy Sheehan  

[Cindy Sheehan ist die Mutter eines Irak-Gefallenen, die schon seit längerer Zeit in der Nähe von Bushs Anwesen gegen den Irakkrieg demonstriert hatte und jetzt zur Hilfeleistung nach Louisiana gekommen ist. Der Originaltext ist zu finden auf der Homepage von Michael Moore unter MUST READ. Schluss folgt.]

 

Neuer Ost-West-Atomwettlauf?                 (14.09.2005)

Wie die französische Nachrichtenagentur afp meldet, hat der russische Verteidigungsminister Iwanow beim Treffen der NATO-Verteidigungsminister in Berlin verlauten lassen, Russland werde seine Verteidigungsdoktrin überprüfen. Dazu sei es durch die Planung von atomaren Erstschlägen durch die US-Regierung gezwungen. Die Schwelle für den Einsatz von Atomwaffen zu senken, sei sehr gefährlich. Dem ist nichts hinzuzufügen.

 

USA planen atomare Erstschläge            (12.09.2005)

Wie die Organisation „GlobalSecurity.org“ mitteilt, planen die Vereinigten Staaten die Verwirklichung einer neuen „Verteidigungsstrategie“. Die seit zehn Jahren geltende Doktrin, die atomare Erstschläge ausschließt, soll durch eine neue ersetzt werden, nach der solche Schläge gegen „Schurkenstaaten“ durchgeführt werden sollen. In erster Linie ist dabei an den Iran und Nordkorea gedacht.

Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass nur ganz wenige Zeitungen (etwa „Washington Post“, „Rheinische Post“) die Meldung verbreitet haben, meist nur ganz klein und im Zeitungsinneren versteckt. Die übrigen Medien halten sich in dieser Hinsicht fast alle ganz bedeckt.

Wie der Planentwurf, der „Global Security“ vorliegt (und vom Pentagon bestätigt wurde), vorsieht, sollen Atomwaffen für Erstschläge gegen terroristische Gruppen und Staaten zur Anwendung kommen, die „einen Angriff mit Massenvernichtungswaffen vorbereiten“. Das klingt irgendwie vertraut. Waren solche Töne nicht auch vor dem Irakkrieg zu hören?

Jedenfalls ist es höchst bedenklich, was sich im Pentagon entwickelt. Höchste Zeit, dass sich das amerikanische Volk einer Administration entledigt, deren Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit neues Unheil herauf beschwören könnte!

 

Moore-Brief an die Bush-Wähler            (11.09.2005)

An alle meine amerikanischen Landsleute, die George W. Bush gewählt haben:

An diesem 4. Jahrestag des 11. September bin ich nur neugierig, wie es sich anfühlt.

Wie fühlt es sich an, zu wissen, dass der Mann, den Sie gewählt haben, uns zu führen, nachdem wir angegriffen wurden, einfach einen Kerl an die Spitze der FEMA (Federal Emergency Management Agency = Bundesnotfalllenkungsagentur) gesetzt hat, dessen wesentliche Fähigkeit darin bestand, Pferdeschauen zu veranstalten.

Genau. Pferdeschauen.

Ich möchte wirklich wissen – und ich frage Sie das ernsthaft und mit dem nötigen Respekt – was Sie empfinden angesichts der äußersten Verachtung, die Herr Bush für Ihre Sicherheit gezeigt hat. Los, seien Sie nur einen Augenblick ehrlich zu mir! Fangen Sie nicht an, sich darüber auszulassen, dass diese Katastrophe in New Orleans die Schuld einer der ärmsten Großstädte in Amerika sei. Vergessen Sie Ihren Hass auf Demokraten und Liberale und jeden, der mit Familiennamen Clinton heißt. Schauen Sie mir nur in die Augen und sagen Sie mir, unser Präsident habe das Richtige gemacht nach dem 11.09., indem er einen Pferdeschauveranstalter als Spitzenmann dafür ernannt hat, uns im Not- und Katastrophenfall zu beschützen.

Sind wir heute sicherer als vor dem 11. September? Wenn Sie hören, dass die Männer Nr. 2 und Nr. 3 nach dem Pferdeschauveranstalter in der Verantwortung für die Notfallvorsorge null Ahnung in Notfallvorsorge haben, glauben Sie dann wirklich, dass wir sicher sind?

Wenn Sie sich Michael Chertoff ansehen, den Chef der Homeland Security (Heimatschutz), einen Mann mit wenig Erfahrung in nationaler Sicherheit, fühlen Sie sich dann sicher?

Wenn Männer, die nie beim Militär gedient haben und niemals junge Burschen im Kampf haben sterben sehen, unsere jungen Leute in den Krieg schicken, glauben Sie, die wissen, wie man einen Krieg führt? Wissen die, was es bedeutet, die Beine abgeschossen zu bekommen für eine Bedrohung, die es niemals gegeben hat?

Glauben Sie wirklich, dass die Übertragung wichtiger öffentlicher Dienste an Privatfirmen bessere Dienste für die Menschen ergeben hat?

Warum hassen Sie unsere Bundesregierung so sehr? Schon seit 25 Jahren haben Sie Politiker gewählt, deren Hauptziel es war, die Bundesregierung ihrer Mittel zu berauben. Glauben Sie, die Kürzungen bei Bundesprogrammen wie FEMA und dem Heeres-Pionier-Corps waren gut oder schlecht für Amerika? GUT ODER SCHLECHT?

Glauben Sie angesichts des historischen Hochs der Staatsverschuldung wirklich, dass da Steuerermäßigungen für Reiche immer noch eine gute Idee sind? Werden Sie auf Ihre Steuerermäßigungen verzichten, damit Hunderttausende Obdachlose in New Orleans ein Dach über dem Kopf bekommen?

Glauben Sie an Jesus? Wirklich? Hat er nicht gesagt, wir würden danach beurteilt werden, wie wir die Geringsten unter uns behandelt haben? Der Hurrikan Katrina kam und fegte die Fassade weg, wir wären ein Volk der Freiheit und Gerechtigkeit für alle. Der Wind heulte und das Wasser stieg und was sich zeigte war, dass die Armen in Amerika dem Leiden und Sterben überlassen bleiben, während der Präsident der Vereinigten Staaten herumspielt und ihnen rät, Kuchen zu essen.

Das ist kein Witz. Am Tag, als der Hurrikan zuschlug und die Deiche zerbrach, waren Herr Bush, John McCain und ihre reichen Kumpane damit beschäftigt, sich mit Kuchen voll zu stopfen. Einen ganzen Tag, nachdem die Deiche brachen (dieselben Deiche, deren Reparaturetat gekürzt worden war), spielte Herr Bush eine Gitarre, die ihm irgend ein Country-Sänger gegeben hatte. Das alles, während New Orleans im Wasser ertrank.

Es sollte NOCH EINEN Tag dauern, ehe ein Rinnsal von Bundeshilfe und –truppen schließlich ankam. Diesmal saß er keine sieben Minuten in Trance, während ihm Kinder „Mein Geißlein“ vorlasen. Diesmal waren es VIER TAGE Nichtstun, außer dass er sagte: „Brownie (FEMA-Chef Michael Brown), du machst einen Mordsjob!“

Meine republikanischen Freunde, stört es Sie eigentlich, dass Sie die Witzfiguren der Welt sind?

Und glauben Sie an diesem geheiligten Tag der Erinnerung eigentlich, dass wir die, die am 11.09.2001 gestorben sind, ehren oder blamieren? Wenn wir nichts gelernt haben und heute haargenau so verwundbar und unvorbereitet sind wie an jenem sonnig heiteren Morgen, sind dann nicht die 3000 umsonst gestorben?

Unsere Verwundbarkeit beschränkt sich nicht auf den Umgang mit Terroristen und Naturkatastrophen. Wir sind verwundbar und unsicher, weil wir es zulassen, dass einer von acht Amerikanern in fürchterlicher Armut lebt. Wir akzeptieren ein Erziehungssystem, in dem eins von sechs Kindern keinen Abschluss macht und die meisten von den anderen keinen zusammenhängenden Satz bilden können. Die Mittelklasse kann Hypotheken und Krankenhausrechnungen nicht bezahlen, und 45 Millionen haben keinerlei Krankenversicherung.

Sind wir sicher? Fühlen Sie sich wirklich sicher? Sie können sich noch so lange ausklammern und noch so viele abgeschottete Wohnsiedlungen errichten. Eines Tages wird die Frucht von dem, was Sie gesät haben, durch Ihre Mauern krachen und Vergeltung fordern. Wollen Sie wirklich warten, bis das geschieht? Oder hoffen Sie darauf, wenn die Armen sich nur lange genug selber überlassen bleiben, sich zu verderben, zu erschießen und zu ertränken im Dreck, der die Straßen füllt, werde das Problem irgendwie von selber verschwinden?

Ich weiß, Sie wissen es besser. Sie haben dem Land und der Welt einen Mann gegeben, der der Aufgabe nicht gewachsen war, und alles, was er tut, ist nur, Leute einzustellen, die den Aufgaben auch nicht gewachsen sind. Das haben Sie uns, der Welt und den Menschen von New Orleans angetan. Bringen Sie das bitte in Ordnung. Bush ist Ihre Aufgabe. Und wissen Sie, für unseren Frieden und unsere Sicherheit muss das in Ordnung gebracht werden. Was schlagen Sie vor?

Ich habe schon eine Vorstellung, und das ist keine Pferdeschau.

Ihr

Michael Moore     

Barbara Bush über die Opfer von New Orleans

New York (Editor & Publisher, 6. September 2005) — Bei einer Tour durch die Hurrikan-Hilfsstationen in Houston in Begleitung ihres Gatten, des ehemaligen Präsidenten George H. W. Bush, sagte Barbara Bush heute in Bezug auf die Armen, die alles zu Hause verloren haben und evakuiert worden sind:

„Für die entwickelt sich das ja ganz prima.“

Die Bemerkung der früheren First Lady wurden heute Abend in „Marketplace“ bei National Public Radio ausgestrahlt.

Sie war heute Teilnehmerin einer Gruppe im Astrodome in Houston, zu der ihr Ehemann und der frühere Präsident Bill Clinton gehörten und die von ihrem Sohn, dem derzeitigen Präsidenten, ausgesucht war, um zu Spenden für den Wiederaufbau aufzurufen.

In einem Abschnitt des Höhepunktes der Schau auf die Evakuiertenflut in der texanischen Stadt sagte Barbara Bush:

„Nahezu jeder, mit dem ich gesprochen habe, sagt: ‚Wir werden nach Houston ziehen.’“

Dann fügte sie hinzu: „Wie ich höre, wollen sie alle in Texas bleiben. Jeder ist einfach überwältigt von der Gastfreundschaft. ... Und so viele von den Leuten hier in der Arena, wissen Sie, sind doch so wie so unterprivilegiert. So entwickelt sich das [sie kichert dabei ein wenig], das hier sehr gut für die Leute.“

 

 

Offener Brief von Michael Moore an George W. Bush

(den Brief habe ich heute von Michael Moore erhalten und gleich ins Deutsche übersetzt)

 

Freitag, den 2. September 2005

Lieber Herr Bush,

haben Sie vielleicht eine Ahnung, wo unsere ganzen Hubschrauber sind? Mittlerweile ist es 5 Tage nach dem Hurrikan Katrina, und noch immer hängen Tausende hilflos in New Orleans herum und müssen aus der Luft gerettet werden. Wo in aller Welt könnten Sie all unsere Militärhubschrauber verlegt haben? Brauchen Sie Hilfe, um sie wieder zu finden? Ich hatte mal vergessen, wo ich meinen Wagen auf einem Parkplatz bei Sears hingestellt hatte. Mensch, war das ein Mist!

Vielleicht auch eine Ahnung, wo all unsere Nationalgardisten sind? Jetzt könnten wir sie nämlich wirklich mal gebrauchen, und zwar genau für so was wie das, wozu sie sich verpflichtet haben, nämlich zur Hilfe bei nationalen Katastrophen.

Letzten Donnerstag war ich in Südflorida und saß draußen, als mir das Auge des Hurrikans Katrina über den Kopf zog. Da war er zwar erst Kategorie 1, aber es war schon ziemlich heftig. Elf Leute starben und, wie heute, gab es noch Häuser ohne Strom. An jenem Abend sagte der Wettermensch, der Sturm sei auf dem Weg nach New Orleans. Das war am Donnerstag [der vorigen Woche]! Hat Ihnen das niemand gesagt? Ich weiß, Sie wollten Ihren Urlaub nicht unterbrechen, und ich weiß auch, Sie erhalten nicht gern schlechte Nachrichten. Zudem mussten Sie sich um Spendenbeschaffer kümmern und Mütter gefallener Soldaten ignorieren und verunglimpfen. Der haben Sie’s aber mal gezeigt!

Ganz besonders gefällt mir, wie Sie am Tag nach dem Hurrikan, statt nach Louisiana zu fliegen, nach San Diego geflogen sind zu einer Party mit Ihren Geschäftspfeifen. Lassen Sie sich nur von niemandem deswegen kritisieren – schließlich war der Hurrikan vorbei, und was zum Teufel hätten Sie tun können, etwa den Finger in den Deich stecken?

Und hören Sie einfach nicht auf diejenigen, die demnächst enthüllen werden, wie Sie ganz besonders den Pioniertruppen-Etat für New Orleans diesen Sommer das dritte Jahr nacheinander gekürzt haben. Sagen Sie ihnen doch einfach, selbst wenn Sie das Geld nicht gestrichen hätten, um diese Deiche zu reparieren, dann wären ja trotzdem keine Pioniere da gewesen, um sie auszubessern, weil Sie ja einen viel wichtigeren Bauauftrag für sie hatten – AUFBAU DER DEMOKRATIE IM IRAK!

Am Tag 3, als Sie endlich Ihr Urlaubsdomizil verließen, ich muss schon sagen, da war ich tief bewegt durch die Art, wie Sie Ihren Air Force One Piloten aus den Wolken in den Sinkflug übergehen ließen, als Sie über New Orleans flogen, so dass Sie einen schnellen Blick auf das Unglück erhaschen konnten. He, ich weiß schon, dass Sie nicht anhalten, sich ein Megaphon schnappen, sich auf einen Müllhaufen stellen und wie ein Oberbefehlshaber handeln konnten. Da gewesen, selbstverständlich getan.

Nun wird es die geben, die versuchen werden, diese Tragödie politisch auszuschlachten und gegen Sie zu verwenden. Sorgen Sie nur dafür, dass Ihre Leute ständig darauf hinweisen. Reagieren Sie auf nichts. Auch nicht auf die nervtötenden Wissenschaftler, die vorhersagten, das würde passieren, weil das Wasser im Golf von Mexiko immer heißer wird und damit einen Sturm wie diesen unausweichlich macht. Ignorieren Sie sie mitsamt all ihren kleinen „Globalerwärmungsküken“. Es ist doch überhaupt nichts Ungewöhnliches an einem Hurrikan, der so groß war, als hätte man einen F-4 Tornado, der sich von New York bis Cleveland erstreckt.

Nein, Herr Bush, machen Sie nur ruhig weiter wie bisher. Es ist nicht Ihre Schuld, dass 30 % der Einwohner von New Orleans in Armut leben und Zehntausende keine Transportmittel hatten, um aus der Stadt zu kommen. Mann, sind doch Schwarze! Ich meine, ist doch nicht so, als wäre das in Kennebunkport passiert. Können Sie sich vorstellen, Weiße fünf Tage auf ihren Dächern zu lassen? Bringen Sie mich nicht zum Lachen! Rasse hat nichts – NICHTS – damit zu tun!

Bleiben Sie am Ball, Herr Bush. Versuchen Sie doch nur, ein paar von unseren Armeehubschraubern zu finden, und schicken Sie sie hin. Tun Sie doch einfach so, als wären die Leute von New Orleans und der Golfküste in der Nähe von Tikrit.

Freundliche Grüße

Michael Moore

P.S. Diese lästige Mutter, Cindy Sheehan, ist nicht mehr in der Nähe Ihrer Ranch. Sie und Dutzende andere Angehörige von Irakkrieg-Gefallenen fahren nun durchs Land, mit Zwischenstopps in vielen Städten am Weg. Vielleicht können Sie sie noch einholen, ehe sie am 21. September nach Washington, D.C. kommen.

 

 

Wähler = Kälber?                   (12.08.2005)

Nun hat Edmund Stoiber noch einmal nachgelegt.

„Nur die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.“, hat er jetzt verlauten lassen.

Was meint dieser Satz (den einige Erich Kästner zuschreiben, andere für ein altes Sprichwort halten)?

Wer überhaupt wählt, ist folglich ein „Wähler“. Das Zitat legt nahe, dass alle Wähler Kälber sind. Die zu Wählenden, also die Wahlkandidaten, werden als „Metzger“ definiert. Sobald sie gewählt sind, können sie ihrer bestimmungsgemäßen Tätigkeit nachgehen, also die „Kälber“ schlachten. Irgendwie erscheint das gar nicht so abwegig.

So gesehen ist Stoibers Satz schon erstaunlich offen, für einen Wahlkämpfer von geradezu ungewöhnlich schonungloser Direktheit.

Aber was machen die – nicht genannten, aber als Gegenteil mitgedachten – weniger dummen Kälber? Selber Wählen kommt ja nicht in Frage, sonst würden sie ja nicht das Gegenteil der dümmsten Kälber sein. Als einziger logischer Ausweg erscheint: Sie lassen wählen. Allmählich dämmert mir auch die Ursache für den Zusammenhang zwischen den „größeren intelligenten Bevölkerungsgruppen in Bayern“ und den CSU-Wahlergebnissen...

Nur: Wo bleibt denn dabei die Demokratie? Stoibers Satz – wörtlich genommen – setzt Teilnahme an der Wahl mit Dummheit gleich, könnte also die Anzahl der Nichtwähler vergrößern.

Bei seiner Kritik an den Wählern hat Stoiber offensichtlich ganz vergessen, was sein bedeutendster eigener Vorgänger Franz Josef Strauß gesagt hat:

„Die letzte Entscheidung hat in unserer freien rechtsstaatlichen Demokratie – Gott sei Dank – der Wähler.“

Aber ehe ich nun Franz Josef Strauß zum Kronzeugen der Demokratie erhebe, möchte ich noch eine kluge Frau zu Wort kommen lassen, die schon kurz nach dem 1. Weltkrieg erkannt hatte:

„Das allgemeine, gleiche, geheime, direkte, aktive und passive Wahlrecht für alle Erwachsenen bedeutet nur die letzte Entwicklungsstufe der bürgerlichen Demokratie und wird zur Grundlage und zum Deckmantel für die vollkommenste politische Form der Klassenherrschaft der Besitzenden und Ausbeutenden.“¹

¹ Clara Zetkin: „Ausgewählte Reden und Schriften“, Band II: Auswahl aus den Jahren 1918 – 1923. Berlin 1960. Seite 263.   

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