Auf meine kleine Enkelin  (12.08.2006)

 

Parodie auf Emanuel Geibels „Süß ist’s“

 

Süß ist’s, Erinnerung zu saugen,
wenn deine Tage bald vergehn,
doch süßer noch, mit Schätzchens Augen
die Welt noch einmal frisch zu sehn.

Dann mag sie ruhig mit dir schimpfen,
dich schmähen einen blöden Mann.
Gehörst du denn noch zu den Pimpfen?

Ihr Schimpfen? – Ich hab Spaß daran.

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Die Vorlage von Emanuel Geibel (1815 – 1884) lautet:

 

Süß ist’s, den Reiz der Welt zu saugen,

wenn Herz und Sinn in Blüte stehn,

doch süßer noch, mit deines Kindes Augen

die Welt noch einmal frisch zu sehn.  

kV-Autors Nachtlied zur Forumsdiskussion       (27.04.2006)

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

Von den meisten Usern
kommt Mist,
bei so viel „Loosern“
so was ist
ziemlich normal;
der Geist scheint beinahe schon alle.
Schalt ab, eh’ die Galle
hoch kommt brutal!

Wachstumsvollendung  (22.02.2006)

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

Über allen Stränden

nimmt zu

das Schwanverenden

und im Nu

Medienstuss.

Experten proben Palavern.

Mit den Kadavern

sei damit Schluss!

 Der Greis           (10.01.2006)

Im Altenheim „Maria Frieden“, Jüchen

(Parodie auf Rilkes „Panther“¹)

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Bilder²

so müd geworden, dass er nichts mehr hält.

Ihm ist, als gäb es nur noch Bilder

und hinter all den Bildern keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,

der ist vorbei, schon längst Vergangenheit.

Mehr als ein Humpeln bis zur Zimmermitte,

das schafft er nicht mehr. Zahn der Zeit!

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille

sich lautlos auf –. Geht dann ein Bild hinein?

Er rückt zurecht ein wenig nur die Brille

Und nippt an seinem Gläschen Wein.  

¹ Original:

Rainer Maria Rilke

Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe

so müd geworden, daß er nichts mehr hält.

Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe

und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,

der sich im allerkleinsten Kreise dreht,

ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,

in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille

sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,

geht durch der Glieder angespannte Stille –

und hört im Herzen auf zu sein.
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² des Fernsehprogramms

Der Tausendfüßer         (10.01.2006)

Im Vorgarten eines Einfamilienhauses, Jüchen

(Parodie auf Rilkes „Panther“¹)

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Halme

So müd geworden, dass er nichts mehr hält.

Ihm ist, als gäb es nur noch Halme

und hinter all den Halmen keine Welt.

Der weiche Gang der über hundert Beine

ist trotzdem noch ganz gut koordiniert,

obwohl er völlig hirnlos, hat der Kleine

das Laufen wirklich fast perfektioniert.

Nur manchmal hält er plötzlich inne

und rührt sich nicht, wirkt fast wie tot.

Das kommt wohl, weil ihm seine Sinne

Signal gegeben, dass ein Vogel droht.

 

Opas Nachtlied         (04.01.2006)

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

Meine kleine Nina

Ist krank.

Sie hat Angina –

Gott sei Dank

nicht eben schwer!

Sie hustet zum Glück nur bisweilen.

Heilung mög’ eilen,

hoffe ich sehr.

Des Frustrierten Nachtlied  (04.01.2006)

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

Wieder mal der Gipfel,

die Kuh!

An deinem Zipfel

spürest du

nichts. Was denn auch?

Die Alte schnarcht schon im Bette.

Wart’ nur, ich wette,

bald schnarchst du auch.

Fahrradcenterfehlkauf         (03.01.2006)

Parodie auf Goethes „Heidenröslein“

Sah ein Greis ein Fahrrad stehn

(Fahrrad besser meiden!),

war ganz rot und wunderschön,

lief er schnell, es nah zu sehn,

sah’s mit vielen Freuden.

Fahrrad, Fahrrad, Fahrrad rot.

(Fahrrad besser meiden!)

Greis sprach bald: „Ich kaufe dich.“

(Fahrrad besser meiden!)

Fahrrad sprach: „Ich trag dich nicht,

dass du ewig denkst an mich,

denn ich will’s nicht leiden.“

Fahrrad, Fahrrad, Fahrrad rot.

(Fahrrad besser meiden!)

Trotzdem kauft’ der „wilde“ Greis

’s Fahrrad, statt’s zu meiden.

Fahrrad „dankte“ ihm die Sach’,

dass er sich die Knochen brach,

musst’ es eben leiden.

Fahrrad, Fahrrad, Fahrrad rot.

(Fahrrad besser meiden!)

Anmerkung: Zackenbarsch ist nicht identisch mit dem übermütigen Greis!

Als er das letzte Mal mit dem Fahrrad gestürzt ist, war er 21 – und volltrunken.

Und heil geblieben ist er dabei auch!

Autors Nachtlied         (02.01.2006)

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

In fast alle Adressen

im Nu,

kV indessen –

einfach zu,

was du auch machst.

Es ist in der Tat nicht zu fassen.

Sollst du es lassen? –

Hauptsach’, du lachst.

Miffys Nachtlied    (02.01.2006)

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

Opa war heut’ oben

bei Ni.

Den möcht’ ich loben

dafür, wie

Stimm’ er mir gab:

Als hätt’ ich selber gesprochen.

Bald, ach, den „Knochen“

Ni schickt’ hinab...

Gasheizers Nachtlied     (02.01.2006)

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

Winter brachte leise

für Gas

horrende Preise

ohne Maß.

Ein zieht der Frost.

Die Euros verschwinden: Im Keller

Gasuhr rast schneller.

Rechnung per Post.

Großvaters Nachtlied    (02.01.2006)

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

Opas liebes Schätzchen,

das träumt.

Sein süßes Spätzchen,

das ihn zäumt,

liegt jetzt im Schlaf.

Die Äugelein sind nun geschlossen,

Blitze verschossen.

Schlummert so brav.

 

Users Nachtlied         (02.01.2006)

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

In allen Läden

herrscht Ruh,

drum ohne Schäden

gehst du,

kaum mal gestört,

entlang die verwaisten Fassaden.

Da ist kein Laden,

den man noch hört.

Aber’s fließt leise

der Spam,

der dich umkreise,

enthemm.

Will er dich ziehn,

dann hilft nur ihn löschen im Nu.

Anders kannst du

ihm nicht entfliehn.

Zuschauers Nachtlied       (02.01.2006)

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

Über alle Frequenzen

kommt Mist,

wo früher Grenzen

heute ist

alles banal;

der Geist ist gestorben im Äther.

Schalt ab, denn später

wird es brutal.

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