Sapphische Odenstrophe

 

Die sapphische Odenstrophe ist nach der um 600 v. Chr. lebenden griechischen Dichterin Sappho benannt. Als Beispiel soll die erste Strophe der Ode an Anaktoria von Sappho in der metrisch genauen Übersetzung von Max Treu dienen:

 

 "Reiterheere mögen die einen, andre

  halten Fussvolk oder ein Heer von Schiffen

  für der Erde köstlichstes Ding, - ich aber

  das was man lieb hat." (S. 90)

 

Das Schema der sapphischen Odenstrophe:

 

  - È - È - È È - È - È

  - È - È - È È - È - È

  - È - È - È È - È - È

  - È È - È

 

Die ersten drei Verse sind metrisch vollkommen gleich und bilden die sogenannten sapphischen Elfsilbler: sie beginnen auftaktlos mit einem (aus zwei trochäischen Versfüßen bestehenden) Trochäus, in der Mitte des Verses steht ein Daktylus, dem wieder ein Trochäus folgt. Der vierte Vers besteht aus einem Daktylus und einem trochäischen Versfuß.

 

Alkäische Odenstrophe

 

Der um 600 v. Chr. lebende griechische Dichter Alkaios entwickelte eine eigene Odenstrophenform, die in der deutschen Literatur von Hölderlin häufig verwendet wurde, so etwa in dem Gedicht Die Götter:

 

  "Du stiller Aether! Immer bewahrst du schön

  Die Seele mir im Schmerz, und es adelt sich

  Zur Tapferkeit vor deinen Strahlen,

  Helios! Oft die empörte Brust mir." (S. 57)

 

Schema:

  È - È - È / - È È - È -

  È - È - È / - È È - È -

  È - È - È - È - È

  - È È - È È - È - È

 

Bis auf den vierten Vers beginnen bei der alkäischen im Unterschied zur sapphischen wie asklepiadeischen Odenstrophe alle Verse auftaktig. Die ersten beiden Verse stimmen metrisch überein und bestehen aus den sogenannten alkäischen Elfsilblern: nach zwei jambischen Versfüßen und einer zusätzlichen Senkung folgt eine Zäsur, an die sich ein Daktylus und ein vollständiger sowie ein verkürzter, unvollständiger (="katalektischer") trochäischer Versfuß anschließen. Der dritte Vers ist durchgehend jambisch vierhebig, mit einer auch hyperkatalektisch genannten überzähligen Senkung am Schluss, und wird als alkäischer Neunsilbler bezeichnet. Zwei Daktylen und zwei darauffolgende Trochäen bilden den vierten, alkäischen Zehnsilbler genannten Vers.

 

Asklepiadeische Odenstrophe

 

Nach dem um 270 v. Chr. lebenden griechischen Dichter Asklepiades ist die

asklepiadeische Odenstrophe benannt. Beispielhaft für diese Odenstrophenform ist Klopstocks Gedicht Der Zürchersee:

 

  "Schön ist, Mutter Natur, deiner Erfindung Pracht

  Auf die Fluren verstreut, schöner ein froh Gesicht,

  Das den großen Gedanken

  Deiner Schöpfung noch einmal denkt." (S. 53)

 

Das zu Grunde liegende Schema der asklepiadeischen Odenstrophe:

 

  - È - È È - / - È È - È -

  - È - È È - / - È È - È -

  - È - È È - È

  - È - È È - È -

 

Alle vier Verse beginnen auftaktlos: dem trochäischen Versfuß folgt jeweils

ein Daktylus und eine zusätzliche Hebung. In den ersten beiden Versen folgt an dieser Stelle eine Zäsur, die in Klopstocks Zürchersee nach den Worten "Natur" und "verstreut" deutlich spürbar ist. Die zweite Hälfte der ersten beiden Verse ist ebenfalls metrisch gleich: an einen Daktylus schließt ein katalektischer, d.h. um eine Senkung verkürzter Trochäus an, so daß beide Verse betont enden. Die dritte Zeile ist der kürzeste Vers der asklepiadeischen Strophe: einem trochäischen Versfuß folgt ein Daktylus, dann endet der Vers wiederum mit einem trochäischen Versfuß. Der vierte und letzte Vers stimmt mit dem dritten bis auf eine zusätzliche Hebung am Versende vollkommen überein.

 

Eigene Oden:

 

Ode an Nina                                     (18.09.2005)

 

Schnelle Wagen mögen die einen, andre

halten Aktien oder ein dickes Konto

für der Erde köstlichstes Ding, — ich aber

Nina, mein Schätzchen.

 

Diese sapphische Odenstrophe ist einem Original der antiken griechischen Dichterin Sappho (An Anaktoria) nachgebildet.

 

Inspirationsgenese (sapphische Ode)

 

Vor den Tasten, noch der Gedanken harrend,

liegt die Hand, bereit, jedes Wort zu tippen.

Alter Mann, das Glas mit dem Rotwein voll noch,

sucht nach dem Thema.

 

Erst ein Schluck dann lässt ihn das Rechte finden.

Mählich formt sich Vorstellung, die befriedigt.

Langsam wächst nun etwas, das sinnvoll dünkt ihn:

Beitrag entstanden!

 

 

Ode an die Leser  (sapphische Ode)

 

Einen Blick nur gönnt, ihr geneigten Leser,

einen kleinen, ganz bescheidenen, meinen Texten,

dass mein Herz an viel Kommentaren Labsal finde,

daran genese.

 

Diese Parodie auf Hölderlin/Weinheber: „Einen Sommer gönnt...“. Weinheber hatte Hölderlins alkäische Ode „An die Parzen“ zu einer sapphischen transfiguriert. Im Gegensatz zu Hölderlin/Weinheber habe ich mich bei der Parodie natürlich mit einem „nicht ganz“ so hohen Thema befasst, dafür aber auch mit nur einer Strophe begnügt (im Gegensatz zu den drei Strophen der Vorlage).

 

 

KV-Sucht-Seufzer  (alkäische Ode)

 

Nur eine Stunde, eine so kurze Zeit,

Gewähr mir, Schicksal, früher den Schlaf der Nacht!

Denn sitz ich länger hier noch ohne

Ruhe, so muss ich’s doch büßen schließlich.

 

Es fehlt die Kraft, der Wille mir dazu wohl.

Mein stetes Zögern ohne den letzten Schritt,

Es raubt mir immer nur Erholung.

Könnt’ ich doch endlich die Sucht besiegen!

 

Ode an meine Sonne  (sapphische Ode)

 

Meine Sonne, Licht meines Lebens, Nina,

Sonne, strahlend, wärmend und schön, voll Anmut,

Kind, ich werd’ dich Sonne nicht rufen, aber

tief in mir bist du’s.

 

Warum ich Nina nicht „Sonne“ nennen darf, macht mein Beitrag „Opas Sonne“ (auf der Seite „Kleine Texte) deutlich.

 

Ode an dein Wesen

 

Schön ist, Nina mein Kind, deiner Erscheinung Pracht,

Anmut, Liebreiz und Charme, schöner jedoch dein Geist,

der die äußeren Züge

noch um viel übertrifft, du Schatz.

 

Diese asklepiadeische Odenstrophe ist der Anfangsstrophe von Klopstocks Ode „Der Zürcher See“ nachgebildet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kostenlose Homepage von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!