Hokmah

 

Halt! zu sich selbst manchmal sagen,

Ordnung – bei offenem Kragen,

Kühnheit, auch Neues zu wagen,

Moden die Herrschaft versagen.

Aber, statt dauernd zu klagen,

Heiter sein, niemals verzagen.

 

Das Akrostichon ist das hebräische Wort חכמח kmāh = „Weisheit“. Die diakritischen Zeichen der hebräischen Buchstaben habe ich leider nicht hinzufügen können. Aber ich stelle es einfach fest, ohne zu klagen... ;-)

 

 

Mitbringsel für Opa                                                      (21.11.2005)

                                                                  

Nina geht mit Mama durch den Supermarkt. Natürlich schiebt sie ihr eigenes Einkaufswägelchen vor sich her. Raffinierte Idee der Geschäftsleitung, die Wägelchen für Kleinkinder. Aber bei Nina dürfte sie sich kaum auszahlen. Denn meist bleibt ihr Wägelchen leer, bis auf einen schönen Apfel, ein kleines Glas Würstchen oder Ähnliches. Ganz selten mal ein kleines Buch.

 

Mama wird aufmerksam, als Nina in ein Regal greift und eine längliche, flache Packung in ihr Wägelchen legt. Zuerst hat sie keine Ahnung, was das sein könnte. Erst als sie – trotz Ninas Protest – das Kartönchen in die Hand nimmt, erkennt sie, was es ist: Wunderkerzen!

 

„Die muss ich Opa mitbringen“, kommt schon Ninas Erklärung. „Das sind Wunderkerzen. Opa freut sich dann!

Damit können wir so schön Weihnachten feiern! Nur Opa und ich.“

 

Und dann erfährt Mama noch, wie die beiden nach dem letzten Weihnachtsfest den beachtlichen Vorrat an Wunderkerzen ganz allmählich abgebaut haben. Der Weihnachtsbaum war zwar nicht mehr da. Aber Opa hat immer seinen gaaaaanz langen Schuhanzieher an die Deckenleuchtblende gehängt, unten eine Wäscheklammer drangeklemmt und daran eine Wunderkerze, oder zwei oder drei... Seitdem ist der Schuhanzieher in Ninas und Opas „Geheimsprache“ der „Ersatzweihnachtsbaum“.

 

Da ist natürlich klar, dass Wunderkerzen Sehen und gleich Mitnehmen für Nina selbstverständlich ist.

 

Und wie Opa sich gefreut hat, das konnte Mama kurz darauf zu Hause erleben. Den „Ersatzweihnachtsbaum“ könnte man ja ruhig schon vor dem Fest ausprobieren. Schließlich muss man ja wissen, ob er immer noch so funktioniert wie damals... 

 

Zufälliger Fernsehabend                                              (20.11.2005)

 

Eigentlich hat Opa gar nicht fernsehen wollen, außer der Tagesschau. Die aber sieht er gerade auf WDR III, als Oma anruft. Um besser telefonieren zu können, hat er den Fernsehton abgeschaltet, und während er noch mit Oma spricht, kommen Nina und Mama herein. Nina hat das Abendessen verschlafen, weil sie erst um 5 ihren „Mittagsschlaf“ begonnen hatte.

 

„Opa, warum hört man denn keine Musik?“, ist Ninas erste Frage. Opa schaut zum Fernseher. Ach so, „Internationales Militärmusikfestival“ aus der Kölnarena. He, und ausgerechnet Simone Standl als Moderatorin. Er schaltet den Ton wieder ein, aber nur so leise, dass Ninas Ohren nicht beleidigt werden. Da er selber noch am Tisch sitzt, macht Nina es sich in seinem Fernsehsessel bequem.

 

Damit er allerdings nicht wieder mit der alten Masche kommt, sie deswegen mit „Opa“ anzureden, macht sie ihm unmissverständlich klar:

 

„Auch, wenn ich hier sitze, Opa. Ich bin Nina, und du bist mein Opa!“ An Sitzmöbel gekoppelte Identitäten findet sie nun mal „doof.“

 

Mama hat eigentlich nur ein paar Sachen runter bringen wollen und „muss“ gleich wieder nach oben. Auf Nachfrage kommt Ninas Antwort:

 

„Geh du nur rauf, Mama. Ich komm später nach.“ Inzwischen blickt sie fasziniert auf den Bildschirm. Die farbenprächtig gekleideten Musiker musizieren nicht nur, sie marschieren auch in den kunstvollsten Linien und – gelegentlich tanzen sie sogar.

 

Opa findet die Bildregie ganz ordentlich. So kann er immer wieder die verschiedenen Instrumente benennen („erklären“ wäre zu viel gesagt). Und bald kann er sich freuen, als sein Schatz ihn von sich aus aufmerksam macht, dass wieder eine „Basstuba“, ein „Helikon“ oder viele „Posaunen“ zu sehen sind.

 

Doch die eigentliche Initialzündung kommt mit einer Ballettgruppe der russischen Luftwaffe aus Moskau. Das muss Nina auch machen! Eigentlich könnte Opa ja auch... Zum Glück sieht sie ein, dass der alte Mann damit überfordert ist. (Aber „Kalinka“ muss er morgen mit ihr singen!)

 

Als „Untermann“ jedoch ist er noch ganz brauchbar, vor allem, als eine Polizeigruppe aus Hamburg zeigt, wie viele Polizisten auf ein Motorrad passen. Opas Oberschenkel dürften morgen früh ganz schön blau sein (natürlich nur wegen seines Blutverflüssigungsmedikaments). Sein Schatz ist wenigstens so einsichtig, davon Abstand zu nehmen, ihm tatsächlich auf dem Kopf herumzutanzen.

 

Stichwort „blau“. Simone Standl trägt ein hellblaues Kostüm. Nina bestätigt Opa, dass Simone „schön“ ist, aber „süß“ sei sie nicht. Na ja, „süß“ ist für Nina eben nichts Positives.

 

Opa muss allmählich richtig staunen, wie lange Ninas Aufmerksamkeit ungebrochen bleibt. Sie tanzt zwar selber viel herum, immer im Rhythmus der jeweiligen Musik, isst einen halben Apfel, bringt Opa ein paar Nüsse und den Nussknacker – aber nur für ihn selber. Auch eine Mandarine, die sie schält, muss er essen. Und zwischendurch kurvt sie noch mit ihrem Dreirädchen zwischen Wohnzimmer und Küche umher.

 

Mama kommt herunter, als die Sendung gerade zu Ende ist. Und eine ganz aufgeräumte Nina entschwindet mit ihr in die „höheren Gefilde“, nachdem sie dem „lieben Opa“ eine gute Nacht gewünscht hat.

 

Nanu? – Opa war doch schon so an die „etwas anderen“ Bezeichnungen gewöhnt...

 

verlorene erinnerung      (20.11.2005)

 

futsch

 

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angeregt durch zwei thematisch verwandte texte bei keinVerlag

 

Opas digitaler Rezeptfrust                                        (20.11.2005)

 

Am Freitagmorgen stellt Opa fest: Zwei seiner Medikamente gehen zur Neige. Also ruft er umgehend beim Hausarzt an und bestellt ein neues Rezept. Um 1 Uhr könne er es abholen, wird ihm mitgeteilt. Lästig, aber unvermeidlich; seine Tagesplanung wird über den Haufen geworfen.

 

Anders als sonst ist die Praxistür zu, als er pünktlich davor steht. Ein Zettel fordert jedoch zum Klingeln auf.

 

Opa klingelt und gleich schnurrt der Türöffner. Beim Betreten (besser: „Behumpeln“) der Rezeption überfällt ihn die Sprechstundenhilfe mit der Begrüßung:

 

„Ach, Herr Schmitz, jetzt habe ich doch tatsächlich Ihr Rezept vergessen! Und der Computer ist auch schon heruntergefahren!“

 

Opa ahnt noch nichts Böses, denn der Hausarzt steht ja selber da und telefoniert. Während die Sprechstundenhilfe ihn weiter mit einem Schwall von Entschuldigungen und Erklärungen überschüttet, reicht ihm der Herr Doktor beiläufig die Hand zur Begrüßung. Das Telefongespräch ist nämlich vorbei.

 

Erst ganz allmählich dämmert es Opa, dass es wohl heute nichts mehr wird mit seinem Rezept. Der Hausarzt steht zwar immer noch da und hat das ganze Gespräch gehört, aber er scheint die Fähigkeit verloren zu haben, etwas handschriftlich zu Papier zu bringen...

 

Opa ist einfach zu verblüfft, um den „Meister“ persönlich zu fragen. Und so lässt er sich abspeisen mit dem Hinweis, am Montag könne er das Rezept abholen. Dann werde es garantiert fertig sein.

 

Wieder draußen, kommt Opa ins Grübeln. Die heißen Knoten in seiner Schilddrüse hat der Hausarzt so wenig festgestellt wie seinen Prostatakrebs – trotz regelmäßiger „Vorsorge“untersuchungen. Na ja, das waren Kleinigkeiten. Aber wenn er jetzt auch nicht mal mehr schreiben kann...

 

Fazit: Nina hat Recht mit ihrer Behauptung, Opa sei „eine blöde Niete“, „doof“ und „ein Trottel.“ Das ist wieder einmal deutlich geworden. – Aber am Montag bekommt er ja sein Rezept.

 

Vielleicht...   

 

Lebenskürze                     (19.11.2005)

 

Heute früh lese ich in der Zeitung:

 

„Das Leben ist viel zu kurz, um sich zu ärgern.“

 

Und aus meinem Nickerchen vor dem Fernseher weckt mich um 14:15 Uhr der Moderator Ulrich Kienzle im Rahmen eines Weinwerbungsspots mit den Worten:

 

„Das Leben ist viel zu kurz, um schlechte Weine zu trinken.“

 

Ihr habt ja alle Recht, geht es mir durch den Kopf:

 

„Das Leben ist viel zu kurz, um sich dauernd solchen Mist anzuhören!“

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