Kurze Textbeiträge ab dem 3. Advent 2005

 

Muttertagsabend   (14.05.2006)

?Au, fein!?, jubelte Opas kleine Kona (3 ½), als ihr der alte Küchenchef eröffnete, er werde für sie und Papa Tomatensalat machen zum Muttertagsabendessen, weil sie ja keinen Spargel mögen.

Seine Hoffnung, Kona werde beim Essen endlich wieder einmal mit am Tisch sitzen, ging auch in Erfüllung. Oma, die auch eingeladen war, erschien schon, als der ?Koch? noch eifrig zu Gange war. Aber der freute sich darüber, und vor lauter Freude hatte er das Essen schon um 17:45 komplett auf dem Tisch, obwohl er es eigentlich für 18:00 Uhr geplant hatte. Da Mama und Papa auch viel früher herunter kamen als gewöhnlich, konnten alle zügig loslegen.

Kona kann zwar schon mit Messer und Gabel essen, aber sie ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen, sich von Oma ihre Filetscheibe in mundgerechte Stücke zerteilen zu lassen. Oma musste nur darauf achten, dass die Stücke nicht zu klein wurden. Tomatensalat nahm sich die Kleine selber aus der Schüssel; auch zwei Kartöffelchen durfte Mama ihr auf den Teller legen. Aber auf die Holländische Soße mit Frühlingskräutern verzichtete sie dankend:

?Die ist doch für euch Spargelesser!?

Hoffentlich ist das kein neues Schimpfwort (ähnlich wie ?Krauts? im Englischen), dachte Opa, aber die ?Sprecherin? sah so fröhlich aus ? und kaute so verzückt -, dass sich das wohl ausschließen ließ. Allen schmeckte es vorzüglich. Opa hatte wohl beim Kochen, Braten, und vor allem beim Würzen eine glückliche Hand gehabt. Dass von allem hinterher noch etwas übrig war, lag nur an der Menge, die auf dem Tisch stand.

Das Crèmekuchenherz, das Kona mit Opa letzten Freitag zum Muttertag im Kindergarten gefüllt und dekoriert hatte, wurde zum Nachtisch angeschnitten. Den Männern und Oma schmeckte es ganz gut, aber Mama und Kona verzichteten lieber darauf. Bei Kona ganz normal, denn Süßes liegt nun mal nicht auf ihrer Wellenlänge. Folgerichtig landete der Rest in Opas Kühlschrank.

Auch das Wetter hatte zum Glück ein Einsehen: Der Regen hörte auf, und so konnte Kona der lieben Oma auf der Terrasse zeigen, wie schön sie schon mit ihrem Bobby-Car fahren kann und wo im Rasen ? außer den vielen Gänseblümchen ? auch Vergissmeinnicht blühen.

Zum Dank säuberte Oma die Schaukel noch vom ?Kackscheiß? der Amseln, die trotz Regen recht ?(k)a(c)ktiv? gewesen waren.

Flüchtige Begegnung mit dem Tod  (10.05.2006)

 

 In Çapakliköyü  (Foto: F. Schmitz)

Kona (3 ½) kommt am frühen Abend allein zu Opa herunter.
"Mama kommt nach", sagt sie zwar, aber Mama bleibt oben. Nach ausgiebigem Spiel im Sandkasten, auf dem Rasen und mit der Schaukel, als Opa schon ganz außer Atem ist, möchte die Kleine Fotoalben ansehen. Wie immer sucht sie selber eins aus dem Regal.
Diesmal erwischt sie eins von Omas und Opas Urlaub 1991 in der Türkei. Die Großeltern werden natürlich sofort erkannt, selbst wenn sie nur ganz klein oder halb abgebildet sind, wie sehr sie sich auch inzwischen verändert haben mögen. Aber da sind ja auch noch die vielen Unbekannten, vor allem auf den Bildern aus dem anatolischen Dörfchen Çapakliköyü. Ibrahim und seine Familie: seine Frau Leyla und die Kinder Duygu und Cüneyt. Der kleine Cüneyt ist (auf den Bildern) etwa in Konas Alter und scheint ihr mit seinen schwarzen Haaren und Augen richtig zu gefallen. Und dann sind da noch Ibrahims Eltern: Ismaël und Emine. Ob Ismaël die kleine Kona ein wenig an Opa erinnert? Sie scheint ihn jedenfalls sehr sympathisch zu finden.
Leider merkt Opa zu spät, wie bestürzt Kona ist, als er ihr erzählt, Ismaël und Emine seien schon vor einigen Jahren gestorben. Ibrahim habe jetzt keinen Papa und keine Mama mehr.
Mit ganz großen Augen schaut sie Opa ins Gesicht und sagt:
"Aber Opa, du sollst nicht sterben!" Opa erklärt ihr, dass alle Menschen sterben müssen. Das "weiß" sie zwar schon, aber die Tragweite dieser Aussage scheint ihr erst im Blick auf die Menschen, die ihr nahe stehen, bewusst zu werden. Dass Opa also auch sterben muss, gefällt ihr überhaupt nicht. Erst als er ihr versichert, er wolle wenigstens noch so lange leben, bis sie ganz groß sei, ist sie einigermaßen beruhigt.Wie schnell es gehen kann ? mit dem Großwerden und mit dem Sterben, das behält Opa vorsichtshalber für sich.

 

Strafe ändert nichts  (04.05.2006)

 Stechfichte, Picea pungens

Kona beklagt sich beim Abschied vor der Fahrt zum Kindergarten bei Opa, die Fichte neben dem Zugang zum Haus habe sie im Gesicht gepickt. Voller Wiedergutmachungseifer erkundigt sich Opa, ob er den Baum deswegen hauen solle.

„Ach, Opa“, meint Kona, „wenn du den Baum haust, hat er mich doch trotzdem gepickt.“

Das leuchtet Opa ein und er verzichtet darauf, zumal das Picken keine Spuren im Gesicht hinterlassen hat. Und es gehört ganz einfach zur Natur des Baumes, dessen Name „Stech-Fichte“, wissenschaftlich „Picea pungens“ (= stechende Fichte), das ja deutlich genug ausdrückt.

|Z (= Zeichensetzungsfehler)  (02.05.2006)

 (Foto: Lichtburg, Essen)

Ein Leserbrief, den ich gestern gelesen habe, hat mir einen Satz von Dieter  Hildebrandt ins Gedächtnis zurück gerufen:

„Es ist richtig, wenn Politiker immer wieder behaupten: ,Der Mensch steht im Mittelpunkt.’ Falsch ist nur die Schreibweise, denn gemeint ist: ,Der Mensch ist Mittel –  Punkt!’.“

Die Angewohnheit, falsche Zeichen zu setzen, gehört wohl zur Grundausstattung vieler Politiker. Beim genauen Hinhören dürfte man noch öfter fündig werde.

(Vgl. auch „Wirtschaftswachstum...“)

Namensästhetik  (22.04.2006)

 Kona gibt es auch auf Hawaii (Foto: ingrids-welt.de)

Kona ist ärgerlich.

„Ach, Opa, „Kona“ klingt ekelhaft! Das heißt doch bloß „KOMISCHER NAME.“ Auch wenn ich nur aus deinem Kopf komme, hättest du mir doch einen schöneren Namen geben können. Gerade deshalb sogar! Du hast dir nur nicht genug Mühe gegeben. Weiß du was? –

Jetzt bist du nicht mehr mein „Opa“, jetzt nenne ich dich einfach „Blöpa“. Das kommt von „BLÖDER OPA.“

Opa-Blöpa ist ziemlich zerknirscht. Aber was soll er tun? Namen kann man schließlich nicht nach Lust und Laune wechseln. Und die Kona-Küste¹ auf Hawaii ist bestimmt einer der schönsten Orte der Welt.

Darüber muss er erst einmal intensiv nachschlafen. Es ist nämlich schon spät…

 

¹ Kailua-Kona

     Schon zu Zeiten der alten Hawaiianer war Kailua ein bedeutender Ort, heute ist es das Herz der Kailua-Coast und Zentrum für die Hochseefischerei. Die hawaiische Königsfamilie verlebte früher ihren Urlaub im Hulihee Palast, der heute ein Museum ist. King Kamahameha I. verbrachte seine letzten Jahre auf Kamakahonu, einer Halbinsel bei Kailua. Hier kann noch eine alte polynesische Kultstätte besichtigt werden. Führungen und Ausstellungen veranstaltet das King Kamehamea Hotel, das direkt am Hafen auf dieser Landzunge lieg.
     Der Ort Kailua wird meist noch mit dem Zusatz Kona versehen, damit man ihn nicht mit Kailuha auf Oahu verwechselt. Kona bedeutet windabgewandt . Sehr sonnig ist dieser Ort, denn die Küste liegt im Windschatten der großen Vulkane. Regen fällt meist in den frühen Abendstunden, oben in den Hängen regnet es häufiger. Die Vegetation ist dort auch dem entsprechend üppiger.
     Noch vor wenigen Jahren was hier ein verschlafenes Fischerdorf. Heute ist es ein langezogener Ort entlang des Alii Drive, der um die Bucht herumführt. Hier findet man eine Vielzahl an Restaurants, Geschäften, Hotels und Tourveranstaltern.
     In Kailuha-Kona sind noch der Hulihe´e Palace und die aus Lavablöcken erbaute Mokuaiku Church, eine der ältesten Missionskirchen Hawaiis, zu sehen. Ganz aus massiven Korallenblöcken erbaut, war sie mit dem 34 m hohen Turm von Anfang an Wahrzeichen und Orientierungspunkt für Besucher und Seefahrer. (zitiert nach ingrids-welt.de)

Aussprache (02)  (22.04.2206)

  Marqués de Cáceres Rioja, Jg. 1998 (Foto: marquesdecaceres.com)

Meine kleine Enkelin scheint ihren Brechdurchfall hinter sich zu haben. Heute wurden die Eltern schon um sechs Uhr wach, denn eine fröhliche Stimme im Schlafzimmer war nicht zu überhören:

„Mama, Papa, aufstehen! Ein neuer Tag hat angefangen.“

Auch Opa hat profitiert. Vor der Fahrt zum Einkaufen kam sie mit einer Flasche zu ihm rein:

„Das ist eine Flasche Rotwein, Opa. Die ist für dich. Magst du Rotwein?“

Und ob! Als die Kleine wieder weg war, schaute sich Opa die Flasche genauer an: „Marqués de Cáceres“. *grübel, grübel*

Jetzt weiß ich noch genauer, weshalb man fremdsprachige Wörter und Namen unbedingt richtig aussprechen sollte. Wer keine Ahnung vom Spanischen hat, könnte die Bezeichnung vielleicht wie „Kackeres“ ausprechen und wenig schmeichelhafte Assoziationen zum niederrheinischen Platt entwickeln.

 

Hier kommt der neuste Bericht:

Mit dem Zug in die Stadt(19.04.2006)

Heute Morgen bin ich mit Nina und Oma in die Stadt gefahren, mit dem ZUG. Es war ihre erste Zug-Fahrt!

Wir haben in einem modernen, fast neuen Doppelstockwagen gesessen, auf halber Höhe. Die Tür öffnete sich auf Knopfdruck. Keiner von uns musste Nina in den Wagen heben. Ein- und Aussteigen hat sie selbständig erledigt.

Sie war ganz fasziniert. Einen Platz auf meinem Schoß hat sie dankend abgelehnt und meinte, sie könne auch so gut genug hinaus sehen.

Noch toller war ein Besuch bei Macdonalds. Da musste sie natürlich dem doofen Opa alles erklären. Aber die Spitze war die Kinderabteilung bei Karstadt. Zaghafte Angebote, ihr das eine oder andere Spielzeug zu kaufen, wurden zurückgewiesen: Das brauch ich nicht! Ein Verkaufsständer von "Lauras Stern" erregte ihr besonderes Interesse. Aber sie zeigte lediglich, welche der Spielzeuge sie schon hatte. Nur eine schöne Tasche hatte sie noch nicht. Als Oma ihr die kaufen wollte, nahm Nina sie Oma ganz energisch aus der Hand, legte sie sorgfältig in das Fach zurück und sagte: "... wenn ich Geburtstag habe."

Ein anderer Verkaufsständer - diesmal mit Handpuppen aller Art - hat uns am längsten beschäftigt. Nina bestimmte, wer welche Figur übernehmen sollte, und dann wurde gespielt und gesprochen. Anschließend wurde jede Figur umgehend an ihrem individuellen Häkchen aufgehängt, damit nichts durcheinander kam. Aber auch hier waren Mitnahmewünsche Fehlanzeige.

Die Rückfahrt erfolgte aus praktischen Erwägungen im Bus, wobei Nina prompt einschlief. Ich hab sie dann nach der Ankunft ein Stück getragen. Als ich nicht mehr konnte, wurde sie zum Glück wach. Den Rest des Weges ist sie dann selber gelaufen.

Spielregeln und Macht  (18.04.2006)

 Ein paar der „Machtmittel“ (Foto: gesellschaftsspiele-restposten.de)

Neben den Naturgesetzen, die sich nicht so leicht umgehen oder außer Kraft setzen lassen, gibt es eine Fülle von Menschen gemachter Regeln, bei denen das viel einfacher ist. Spielregeln, Satzungen, Vorschriften, Gesetze und so weiter bedürfen „in der Regel“ der Auslegung. Zuweilen sind die Ausleger in ihrer Macht den Gesetzgebern ähnlich, wenn nicht gar überlegen. Wie oft ziehen beispielsweise Bundestagsabgeordnete oder –fraktionen vor das Bundesverfassungsgericht!

Auch Spiele folgen festgelegten Regeln. Daran sollten sich alle (Mit)Spieler halten. Oft überwachen Schiedsrichter die Einhaltung der Spielregeln. Das ist natürlich bei den so genannten Gesellschaftsspielen anders; denn da fehlt meist der Schiedsrichter.

Heutzutage ist eine schier unübersehbare Menge solcher Spiele am Markt. Und alle mit unterschiedlichen Regeln. Meist hat ein Mitspieler vor dem Spielen die Spielregeln studiert und erläutert sie den anderen. So weit, so gut.

Ein Sonderfall ist beim Spielen solcher Spiele mit kleinen Kindern gegeben. Das Kleinkind erlebt vielleicht immer wieder, wie ein „Großer“ die Regeln liest und ihm während des Spielens erklärt, was es darf und was nicht. Daraus kann manche Frustration erwachsen.

Ein wichtiger Schritt in der Persönlichkeitsentwicklung dürfte vorliegen, wenn ein Kleinkind vor dem Spielen dem „Großen“ die Regeln wegnimmt, sie selber „liest“ – obwohl es noch nicht lesen kann – und sie anschließend selbst auslegt. Dann ist „in der Regel“ sichergestellt, dass das Kleinkind gewinnt und ihm Frustrationserlebnisse erspart bleiben.

Nur schade, wenn der „Große“ zu wenig einfühlsam ist, den Zusammenhang zu begreifen.

 

Desillusionierung durch das Internet
(17.04.2006)

Da habe ich mich doch gewaltig getäuscht, als ich annahm, ich sei der einzige Palapuh auf Erden. Das hatte meine kleine Nina schließlich gesagt.

Warum habe ich nur im Internet nachgesehen? Da musste ich natürlich sofort auf folgenden Hinweis stoßen:

Batang Palapuh Nature Reserve
12km north from Bukittinggi

3.1Ha of nature reserve where the Rafflesia Arnoldi flower can be seen in bloom from August through to November.

 

Rafflesia arnoldi (Foto: emp.pdx.edu)

 

Deutsch:

Naturreservat Batang Palapuh

12 km nördlich vom Bukkitingi

 

3,1 ha Naturschutzgebiet, wo die Rafflesia arnoldi (die größe Blume der Welt) von August bis November in Blüte steht.

 

Also: Palapuh gibt es zumindest noch auf Sumatra (als Naturschutzgebiet) und darüber hinaus in Indonesien auch noch als Familiennamen.

Da kommt mir noch ein verwegener Gedanke. Die Blume soll schrecklich stinken. Und Opa als Raucher... Aber kann ein so kleines Menschlein schon solche Zusammenhänge ahnen?

 

Ostern vor dem 2. Weltkrieg
(16.04.2006)

Opa Willy (1. eigenes Foto)

Meine Erinnerung an die Eiersuche in Großvaters Riesengarten ist noch heute von unangenehmen Gefühlen überschattet. Leider hatte meines Vaters Vater großen Spaß daran, mich Knirps zum Narren zu halten. Dass die Ostereier und Süßigkeiten in seinen Jacken- und Hosentaschen steckten, war mir schon sehr früh bewusst. Seine besondere Taktik bestand nun ausgerechnet darin, hinter meinem Rücken die Sachen gerade dort zu verstecken, wo ich kurz vorher – natürlich erfolglos – gründlich nachgesehen hatte. Und anschließend machte er sich darüber lustig, dass ich wohl doch nicht genau genug nachgeschaut hätte. Dafür hätte ich ihn in der Luft zerreißen können!

Opa Willy und Oma Trina mit mir

Damals habe ich mir geschworen, nie im Leben mit Kindern so umzugehen. Ich hoffe, das ist mir auch einigermaßen gelungen. Dafür lass ich mich lieber mal von meiner kleinen Nina (3 ½) als „Palapuh“ bezeichnen. Auf die Frage, was denn ein Palapuh sei, meinte sie nur, ich sei der einzige, den es gebe. Bin ich also ein Unikat?

Der Vater meiner Mutter dagegen war ein richtiges Goldstück. Er hatte zwar einen dicken Bauch, aber er liebte seine Kinder und Enkel wirklich durch und durch. Leider wohnte er jedoch in Essen, so dass ich ihn nur relativ selten erleben konnte. Er züchtete Hühner, und es war immer ein phantastisches Erlebnis, mit ihm zu beobachten, wie die Küken in der Brutmaschine schlüpften. Und er sang mit uns!  

 

Auf dem Arm von Opa Kray (Foto: A. Schmitz)

 

Lehrstück (zum Abschied)  (13.04.2006)

 

 Foto: Mediologie.de

Endlich hat Nina Opa ihr Geheimnis verraten:

„Opa, ich kann schon Schleife binden.“ Und sogleich demonstriert sie Opa die neue Fertigkeit an ihren hohen Schuhen, weil sie mit Mama im Garten spielen möchte.

„Und weißt du, was ich schon kann?“, fragt Opa.

„Nein. Sag es mir, bitte!“ –

 

 Foto: Wikipedia

 

„Ich kann schon dicke Butterbrote essen“, lautet die Antwort.

„Ach, Opa! Das braucht man doch nicht zu lernen.“

 

Die Liebeserklärung  (11.04.2006)

Heute hat Nina (3 ½) den Nachmittag bei Oma verbracht und dabei, auf dem Töpfchen sitzend, die schönsten Lieder geschmettert. Das konnte Opa am Telefon genau hören. Als ihm Oma aber sagte, sie hätten schon vier Stunden wunderschön gespielt, ertönte sofort der Protest:

„Nein! Das war nur eine Stunde.“ Und dabei saß die Protestierende weit weg vom Telefon, im Badezimmer.

Nach ihrer Heimkehr muss Opa sich natürlich erkundigen, wie ihr Nachmittag gewesen ist. Mama sagt ihm, Nina könne wieder etwas Neues. Aber Nina erklärt das kurzerhand zum „Geheimnis“, das sie Opa nicht verraten will.

Bei Papas Heimkehr meint sie:

„Hast du gesehen, Opa? Jetzt ist Papa da!“

„Ich geh ja schon runter“, beeilt sich Opa zu sagen. „Aber willst du mir nicht doch verraten, was du kannst?“

„Nein, Opa, aber guck mal hierhin!“ Dabei zeigt sie auf ein rotes Pappherz mit der Aufschrift „Ich liebe dich“, das auf ihrem Pulli klebt.

Opa ist wieder unvorsichtig, denn er fragt dummerweise:

„Bin ich damit gemeint?“

Die Antwort katapultiert ihn regelrecht aus der Wohnung:

„Aber nein! Das steht da nur so.“ Vor Lachen wäre er auf dem Weg nach unten fast die Treppe hinunter gefallen.

Aber ein Schlitzohr ist er doch. Am Telefon nämlich hat er von Oma in Erfahrung gebracht, was Nina Neues kann. Sie kann sich jetzt nicht nur selber Strümpfe und Schuhe anziehen, sondern auch die Schnürsenkel binden. Zu einer schönen und festen Schleife, versteht sich.

Aber Opa wird so lange den Unwissenden spielen, bis er Zeuge der neuen Fähigkeit wird oder Nina selber ihm das „Geheimnis“ offenbart.

Wieder mal Opasitting  (11.04.2006)

Gestern hat Nina (3 ½) – die wegen starken Schnupfens nicht im Kindergarten war – „Opasitting“ gemacht, für volle sechs Stunden. Opa kann sich nicht beklagen. Ihre fürsorglichen Bemühungen waren perfekt, sehr nützlich z. B. ihre Hilfe beim Kochen. Dass Opa die mit viel Mühe zubereitete Soße umgehend auf den Komposthaufen gekippt hat, fand sie in Ordnung. Die war nämlich wirklich ungenießbar. Opa hatte das Rezept eines Fernsehkochs etwas abgewandelt: statt in Orangensaft hatte er die Rosmarinzweige im Saft zweier dicker Blutgrapefruits gekocht, da gerade keine Orangen im Haus waren. Den widerlichen Geschmack haben auch Sahne, Pfeffer und Salz nicht übertönen können.

Seine Hähnchenbrustfilets hat er deshalb – statt sie zu braten – lieber reumütig zu Hühnerfrikassee verarbeitet, allerdings ohne Champignons, denn Nina isst keine Pilze. Dass er statt Spargel- Schwarzwurzelabschnitte nimmt, ist kein Fehler. Das Ergebnis schmeckt hervorragend, wie Mama am frühen Nachmittag bestätigt. Aber Nina isst trotzdem nichts davon. Sie leert lieber ihre Frühstücksdose, die schon für den Kindergarten fertig war. Zusätzlich „vernichtet“ sie ein „Beefi“ und eine Banane.

Gegen ein Uhr hat Opa Besuch von einem Versicherungsvertreter. Während der da ist, sitzt Nina die ganze Zeit reglos auf der kleinen Couch vor der Küchenbar. Ein Musterbild des „Mutismus.“ Jedes Mal, wenn Opa um die Ecke lauert, lächelt sie ihm zu. Aber sie beantwortet nicht einmal seine Fragen, und dabei hat der Vertreter offenbar bei keinVerlag schon viele Ninageschichten gelesen und ist sehr lieb. Auch als Opa Nina sagt, der Mann heiße Dennis und habe einen wunderschönen Laptop, kommt sie nicht aus ihrer Reserve heraus. Da kann man nichts machen.

Erst als er wieder weg ist, bricht die aufgestaute Redeflut aus ihr heraus. Einen eigenen Computer werde wohl auch der Osterhase ihr nicht bringen, und den brauche sie doch so nötig. Der „Matratzen-PC“ sei ja bei Oma, und den könne sie nur benutzen, wenn sie dort sei. Ja, auch ein kleines Menschlein hat schon Probleme, vom Schnupfen ganz zu schweigen.

Aber sie malt wieder ein Bild mit einem Haus und sich selber, als modifizierten Kopffüßler zwar, jedoch mit ihrem eigenen Namen in lateinischen Versalien. Und nicht einmal krakelig. Mamas Bild fällt ein wenig kleiner aus als sonst, vielleicht nur eine Platzfrage.

Opa darf inzwischen fortwährend den roten Farbstift anspitzen. Sein Aschenbecher, der ja während Ninas Anwesenheit sonst leer bleiben würde, füllt sich allmählich mit den roten Spitzen. Das liegt nicht an Ninas tadelloser Strichführung, sondern daran, dass der Stift schon zu oft auf die Fliesen gefallen ist. Die Farbmine muss dabei wohl in viele kleine Stücke zerbrochen sein. Als er das Nina erklärt, zeigt sie sich sehr einsichtig. Aber leider wird der Stift davon auch nicht wieder ganz. Immerhin ist der Stift, als er endlich nicht gleich wieder abbricht, noch gut drei Zentimeter lang, für Ninas Händchen gerade noch lang genug.

Draußen scheint zwar die Sonne, aber es ist bitterkalt. Nach einem kurzen Test auf der Terrasse sind sich Nina und Opa einig: zu kalt zum Spazierengehen! Schade.

Später, beim Vorlesen, überrascht die Kleine Opa mit einer neuen Version der „Schmetterling-Marienkäfer-Geschichte“ aus dem dicken Märchenbuch, diesmal einer längeren. Weniger erfreut ist Opa, als sie zwei ihrer Haarklämmerchen – lila Blümchen – in seiner Müslivorratsterrine vergräbt. Zuerst hat Opa es gar nicht bemerkt. In der Annahme, sie picke sich nur wieder ein paar Rosinen heraus, hat er gar nicht richtig hingesehen. Erst ihr schelmisches Lächeln weckt seinen Verdacht. Aber ganz brav sucht sie die Klämmerchen wieder heraus und klemmt sie ihrem kleinen Teller neben der Terrine an den Rand.

„Jetzt hat der Teller Ohren. Guck mal, Opa!“

„O, dann musst du aber aufpassen, was du sagst. Jetzt kann der Teller ja alles hören.“

Opas „Warnung“ wird mit Lachen beantwortet. Und Nina lacht noch immer, als Mama plötzlich in der Tür steht.

Und – o Wunder – diesmal sagt die kleine „Ziege“ nicht, es sei langweilig gewesen mit Opa. 

Nina geht online  (09.04.2006)

Der „PC“, von der Seite gesehen

Zwischen Matratzen und Träumen besteht zweifellos ein enger Zusammenhang, manchmal jedoch auf recht ungewöhnliche Art.

Mama sitzt mit Oma und Opa in Omas Wohnzimmer bei Kaffe und Kuchen. Da Nina (3 ½) sich nichts aus Kuchen macht, hat sie sich ins Schlafzimmer zurückgezogen, natürlich nicht zum Schlafen. Irgendwann fällt den Erwachsenen auf, wie still es dort ist. Doch schon ertönt Ninas Stimme:

„Kommt mal gucken! Ich hab einen riesengroßen Computer.“

In Omas Wohnung gibt es gar keinen Computer. Also ist die Neugier groß. Beim Blick ins Schlafzimmer löst sich das Rätsel.

Nina hockt im Schneidersitz auf dem Teppich vor Omas Bett, vor sich eine ihrer dreiteiligen Spielmatratzen. Die hat sie so vor sich aufgestellt, wie in der Skizze angedeutet.

Ihre Händchen sausen auf dem flachen Teil umher, und ganz begeistert erklärt sie den „Alten“, was sie alles anklickt und sehen kann.

„Ist das nicht toll?“

Da kann das „Publikum“ nur zustimmen.

Bräunetürich-Rätsel  (09.04.2006)

Ich denke mir mal „Bräunetürich“,
das sucht man erfolgreich in Zürich.
Wenn dort nur ein Gasthof vorhanden
mit Küche aus indischen Landen,

dann sollte der fragliche Stoff
zu finden wohl sein, wie ich hoff.
Und fragst Du, wie richtig er heißt,
das Englische hilft, wie zumeist.

Denn brav – Stück für Stück – übersetzt
dorthin, da ergibt sich zuletzt
der fragliche Name ganz leicht.
(Schon klar: Diese Zeilen sind seicht!)

 

Zackenbarsch entschuldigt sich für die dümmliche Zumutung, den Namen der indischen Gewürzmischung aus diesem Text zu erschließen.

Wer ihn findet, darf ihn ausnahmsweise im öffentlichen Kommentar preisgeben. ;-))
(Die Anmerkung bezieht sich auf die Veröffentlichung bei keinVerlag.de)

Zackenbarsch isst Zackenbarsch  (08.04.2006)

 Zackenbarsch (Foto: Web.de)

Mit einem S im Verb wäre der Titel eine ganz banale Feststellung. Mit dem zusätzlichen S ändert sich alles.

Aber keine Bange! Ich hab mich nicht selber gefressen. Es mag zwar Wesen geben, die so etwas tun. Dazu gehöre ich allerdings keineswegs. Eher zu den auf Grund ihrer Zähigkeit recht unverdaulichen. Wer zufällig meinen Beitrag „ Zackenbarschgedanken“ gelesen hat, ahnt schon, wovon jetzt die Rede ist.

Heute habe ich mir die erste Packung gebraten, besser: ihren Inhalt. Es waren vier Stücke im Gesamtgewicht von 400 g. Das Fleisch des Fisches war sehr zart, dafür der Geschmack umso schärfer. Aber vorzüglich. Ich konnte von meiner „Türkisch-Mann-Qualität“ profitieren, die ich in Anatolien an den schärfsten „biber“-Variationen trainiert hatte. So scharf waren die Filets bei weitem nicht.

Nur schade, ich weiß immer noch nicht, wie der Fisch selber schmeckt. Die Tandoori-Marinade hat den Eigengeschmack wirkungsvoll verhüllt. Nicht einmal, dass es sich um Fisch handelte, war zu schmecken oder zu riechen. Und Gräten gab es keine einzige.

Die ganz leicht angedünsteten gemischten Gemüse (Broccoli, Bohnen, Möhren, Blumenkohl), die ich mir dazu gemacht hatte – nur mit Pfeffer und Salz, ohne Fett – waren die perfekte Ergänzung.

Zackenbarsch – der ungefressene – ist rundum zufrieden. Leider gehört die Köstlichkeit nicht zum Dauersortiment des Supermarktes. 

Sind Väter bessere Eltern?  (06.04.2006)

Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die Neuregelungen im Unterhaltsrecht gibt die „Rheinische Post“ von heute (06.04.2006) auch Statistisches zur schlechten Zahlungsmoral Unterhaltspflichtiger an.

Dabei fällt auf, dass zwar 75 % der unterhaltspflichtigen Väter regelmäßig zahlen, aber wenn Mütter zu solchen Zahlungen verpflichtet sind, kommen nur 20 % davon ihren Verpflichtungen nach. Allerdings gibt es nur sehr wenige Mütter, die Alimente für ihre Kinder zahlen müssen.

So’n Käse!  (04.04.2006)

 Münsterkäse (Foto: cma.de)

 

Opa hat sich Münsterkäse gekauft. Gerade will er sich ein Brot damit belegen, als Nina herein kommt.

„Ich habe leckeren Stinkkäse, mein Schatz. Möchtest du mal riechen?“

Zögernd nähert sich Ninas Näschen dem zweifelhaften Zeug.

„Puh! Der stinkt ja wirklich!“

Aufs Probieren verzichtet sie dann lieber doch, da mag Opa noch so viel reden…

 

Momente mit Nina  (03.04.2006)

Ein lautes „Hallo“ reißt Opa aus dem Tiefschlaf vor dem Fernseher. Nina (3 ½) muss herzhaft lachen über Opas Schreck:

„Ich bin’s doch nur!“ Sie kommt gerade mit Mama vom Zahnarzt zurück. Diesmal ist sie selber die „Patientin“ gewesen. Opa ist ganz neugierig, zu erfahren, was der Zahnarzt denn wohl gemacht hat. Nina hat den Mund voll Banane und ist deswegen nicht sehr gesprächig. Je nach Opas Frage nickt sie nur oder schüttelt den Kopf. Nur als Opa fragt, ob der Zahnarzt die Zähne nicht in den Ohren gesucht habe, hält sie es für angebracht, etwas energischer zu antworten:

„Ach, Opa, der Zahnarzt weiß doch, wo die Zähne sind! Sonst wäre er kein Zahnarzt.“ Aber die Einzelheiten der Behandlung erklärt sie zum „Geheimnis“. Als Mama nach oben entschwindet, entscheidet Nina, sie werde nachkommen.

Zuerst muss das „Aufweckspiel“ noch ein paar Mal durchexerziert werden:

„Opa, schlaf noch mal!“ Das tut der natürlich sofort. Und jedes Mal wird er von Ninas „Hallo“ aus den Träumen gerissen. Nein, eigentlich nicht ganz. Die „Hallos“ werden immer leiser, sanfter, zärtlicher. Nina ist sehr zufrieden, dass sie auch so noch wirken. Der liebe Schatz!

Dann hat Nina eine neue „Idee“. Opa wird aus dem Fernsehsessel auf die Couch komplimentiert. Sobald Opa liegt, klettert sie im Handumdrehen  auf den Absatz vom Bücherschrank und holt eins der ganz dicken Märchenbücher herunter. Zuerst ist der „Bechstein“ mit dem roten Schutzumschlag an der Reihe. Opa hebt den Kopf:

„Soll ich dir ein Märchen vorlesen?“ –

„Nein, Opa, du bist ja müde. Ich les dir eine Geschichte vor.“ Opa ist ganz Ohr. Nina hockt im Schneidersitz auf einem Spielzeugkarton an Opas Kopfende, das dicke Buch auf den Knien. Zuerst blättert sie ein wenig, dann sagt sie:

„Die Geschichte les ich dir jetzt vor.“ Und dann kommt’s:

„Da waren ein Schmetterling und eine Maus. Die gingen spazieren über eine große Wiese mit vielen Blumen. Und sie gingen und gingen und gingen. Und sie gingen und gingen immer weiter. Dann wurde dem Schmetterling schlecht und er kotzte [sic] auf die schöne Wiese. Und jetzt ist die Geschichte zu Ende.“

Nach einer weiteren Geschichte ähnlicher Qualität – diesmal aus dem blauen „Andersen“, nachdem der „Bechstein“ sorgfältig zurückgestellt worden ist – möchte Nina wieder nach oben gehen. Vorher darf sie sich noch ein Osterei aus Opas Kühlschrank aussuchen. Ihre Wahl fällt auf ein knallrotes.

Beim Weg nach oben dreht sie sich plötzlich nach Opa um:

„Weißt du, was der Benjamin heute Morgen im Kindergarten gesagt hat?“ Das weiß Opa natürlich nicht.

„,Ich bin verliebt’, hat der gesagt.“ Neugierig, wie er ist, möchte Opa auch noch wissen, in wen Benjamin verliebt ist.

„In mich, hat er gesagt.“ Auf die Frage, ob Benjamin denn nett sei, meint sie:

„Ja, schon, es geht.“ Aber die Zusatzfrage, ob sie selber denn auch verliebt sei, wird kategorisch zurückgewiesen:

„Ich bin überhaupt nicht verliebt!“ –

„Auch nicht in mich?“, fragt Opa unvorsichtigerweise.

„Nein, Opa“. –

„Sicher, weil ich zu doof bin.“ –

„Nein, du bist nicht doof.“ Der Ton, in dem sie das sagt, ist unbeschreiblich sanft und lieb.

Stichwort „doof“. Auf dem Weg zurück nach unten fällt Opa noch eine Kleinigkeit vom Mittag ein. Nina hatte ihm ein Bildchen gezeigt, auf dem ein kleines Mädchen eine Rolle Toilettenpapier isst. Beide waren sich einig gewesen, dass man Klopapier doch nicht essen kann. Das Mädchen musste also ziemlich doof sein. Wieder hatte sich Opa hinreißen lassen, und zwar zu der zweifelhaften Bemerkung:

„Mädchen sind oft doof.“ – Große Empörung beim Gegenüber:

„Nein, Opa, das darfst du nicht sagen! Mädchen sind gar nicht doof!“

Reumütig hatte Opa eingeräumt, er kenne ein kleines Mädchen, das schon ein bisschen groß sei, und das sei gar nicht doof. Es sei sogar erstaunlich klug. Ninas Interesse war geweckt:

„Wie heißt denn das Mädchen?“ –

„Es heißt Nina.“ –

„Was für eine Nina meinst du denn?“ –

„Wenn du in den Flur gehst und in den Spiegel schaust, dann kannst du sie sehen.“ –

„Meinst du etwa mich?“

Ja, Schatz, dich hat Opa gemeint, und er glaubt sogar bemerkt zu haben, dass du ein ganz klein wenig rot geworden bist. (Die Anführungszeichen beim vorigen Satz fehlen nicht versehentlich, denn außer dem ersten Wort hat Opa das nur gedacht.)  

 

Verwirrende Gerüche  (02.04.2006)

 Lukas Podolski (Foto: Deutsche Welle)

TV-Werbespot mit dem Fußballspieler Lukas Podolski (1. FC Köln + Deutsche Nationalmannschaft)

Ort: in einem Textilbetrieb

Handlung: Lukas Podolski streift ein Nationalmannschaftstrikot nach dem andern über. Nachschub rollt stapelweise auf einem Fließband heran. Eine junge Frau mit Wäscheklammer auf der Nase verpackt die Trikots, sobald sie wieder zur Verfügung stehen.

Das ist bei keinem Trikot sofort der Fall, denn eine lange Schlange junger Mädchen wartet darauf, Lukas Podolski das jeweil abgestreifte Trikot aus der Hand zu reißen, die Nase hineinzustecken und in Ohnmacht zu fallen.

Eindeutig klar ist nur: Der Spot hat mit Geruch zu tun. Was ich jedoch nicht verstehe:

Weshalb fallen alle Mädchen, die schutzlos (ohne Wäscheklammer) dem Geruch ausgeliefert sind, in Ohnmacht? –

Antwort: Entweder ist sein Körpergeruch zu berauschend – oder er stinkt unbeschreiblich. Da sich alle aber regelrecht danach drängen, ist das erstere wahrscheinlicher.

Aber das Ganze als Axe-Werbung?

Offensichtlich soll Lukas die Trikots mit seinem Körpergeruch „tränken“. Welche Funktion hätte dann aber das Deo? – Eigentlich nur eine kontraproduktive.

Allerdings soll Axe Männer attraktiver machen, so attraktiv, dass „Normalos“ Pop-Stars weit übertreffen, wenn sie nur Axe benutzen. Das vermitteln zumindest die meisten Axe-Spots. Wenn aber das Individuelle durch Axe überlagert wird, erscheint Podolskis Rolle hier ziemlich fragwürdig.

Irgendwie führt sich hier die Werbung selbst ad absurdum. 

 

 

Kleiner Morgenspaß  (02.04.2006)

Kreuzworträtseldefinition aus „Um die Ecke gedacht Nr. 1800“ (stern 14/2006, Seite 75):

[Wort mit 8 Buchstaben]

„Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der …, jeder ist überzeugt, dass er genug davon besitzt.“ (René Descartes)

Na klar! „VERSTAND “!

Da muss ein alter Mann am Niederrhein grinsen über die boshafte Ironie von Descartes.

Zackenbarschgedanken  (01.04.2006)

 

 Die Filets (Foto: NORMA.de)


Heute flatterte mir die übliche NORMA-Reklame ins Haus. Als ich mir die Sonderangebote ansah, war ich plötzlich sehr geschockt.

Ab kommenden Montag werden meine Verwandten als Filets tief gefroren angeboten, zu € 3,99 die Packung. Da werde ich mich mannhaft zusammennehmen müssen und widerstrebend eine Packung erwerben. Wenigstens sollen meine Lieben „zauberhaft würzig“ sein, mit Tandoori¹ mariniert. Ich weiß zwar nicht, was das ist, aber hoffentlich keine Leichenschändung.

Mein Kauf ist nicht kannibalistisch motiviert, sondern ich möchte eine Packung als Beleg einscannen, um die Mitteilung glaubhaft illustrieren zu können. Das Bild im Internet war leider so klein, dass man die Aufschrift „Zackenbarschfilets“ nicht lesen konnte.

Haha! Als Zackenbarsch gehöre ich wohl doch zu der schlaueren Sorte, die sich weder fangen noch filetieren lässt. Auch über „Tandoori“ weiß ich jetzt Bescheid (siehe Anmerkung). Wozu gibt’s denn das Internet? Besonders typisch für die Tradition des indischen Gewürzes scheinen mir die angegebenen Farbstoffe zu sein. ;-)

 

¹ Kurzbeschreibung:

Indische Tandoorigerichte werden traditionell im Tandoori-Ofen bei sehr starker Hitze zubereitet. Diese leckere Würzmischung ermöglicht, original indische Tandoorigerichte in der heimischen Küche zuzubereiten. Die starke Hitze des traditionellen Ofens wird dabei am Besten auf dem Holzkohlegrill simuliert, wobei auch eine Zubereitung im Küchenofen möglich ist.
Ihrer Fantasie bei der Verwendung dieser leckeren Würzmischung sind keine Grenzen gesetzt. Mit dieser unwiderstehlichen Gewürzkombination gelingt jedes Currygericht. Wir empfehlen, dieses Produkt sparsam zu verwenden, da die Würzmischung relativ scharf ist und dadurch ein kleiner Löffel völlig ausreicht. Dieses Produkt befindet sich in einer wiederverschließbaren Dose, welche die richtige Aufbewahrung ohne Aromaverlust ermöglicht.

Zutaten:

Koriander, Salz, Bockshornklee, Zimt, Kreuzkümmel, Cayennepfeffer, schwarzer Pfeffer, Zwiebelpulver, Ingwer, Nelken, Knoblauch, Lorbeerblätter, Muskat, Sellerie, Farbstoff: E 124 & E 102, Gewürzextrakt, Zitronenöl, Zitronensäure

 

Ninas Wirkgeheimnis (01.04.2006)

Nina macht Opa viel Freude. Im Grunde jeden Tag. Schon ein Blick in ihre Augen lässt Opas altes Herz hüpfen.

Da kann sich kein Krebs wohl fühlen, wenn die Freude durch alle Zellen strömt.

Heute hat Opa ein wenig in den Apokryphen gelesen, jenen Büchern der Bibel, die Martin Luther als „nützlich und gut zu lesen“ bezeichnet, aber nicht im Vollsinn als biblisch anerkannt hat, weil ihre Überlieferungsgeschichte etwas von der biblischen abweicht. Die katholische Kirche zählt sie jedoch seit dem Konzil von Trient (1546) zur Bibel.

Und da ist Opa im 30. Kapitel des Buches Jesus Sirach auf zwei Sätze gestoßen, bei denen es ihm wie Schuppen von den Augen gefallen ist:

 

„Gib dich nicht der Traurigkeit hin, und plage dich nicht selbst mit deinen eigenen Gedanken.

Denn ein fröhliches Herz ist des Menschen Leben, und seine Freude verlängert sein Leben.“ (Vers 22 und 23)

 

Na klar! In tiefster Seele hatte er das ja schon längst gespürt.

 

Haarschneiden verboten  (30.03.2006)

Opa ist abgemeldet. Wäre er doch nicht so vorwitzig gewesen! Schließlich hat er ganz genau gewusst, dass er das nicht durfte. Als er davon sprach, er müsse mal wieder zum Friseur, hat Nina (3 ½) ihm das ausdrücklich verboten:

„Du hast so schöne Haare, Opa! Die soll Christa (die Friseuse) nicht abschneiden!“ − Nun hat er es gestern doch gewagt.

Als gegen Abend die „Galgenfrist“ vorüber ist – Nina hat den Nachmittag bei Oma verbracht, geht er recht bekommen zur Haustür. So klingelt nur Nina.

Entsetzt starrt ihn die Kleine an. Mama hätte gar nicht erst zu sagen brauchen: „Guck mal, wie Opa aussieht!“

Nina würdigt ihn keines Wortes. Nicht mal sein Hinweis, dass er nun endlich (nach vielen Ermahnungen ihrerseits) das Katzen-Aa vom Rasen entfernt hat und dass die Haare doch schließlich wieder wachsen, kann daran etwas ändern. Nur ein einziger Satz ist Nina zu entlocken:

„Geh sofort wieder rein!“ Und dabei zeigt ihr Finger unmissverständlich auf seine Wohnung.

Auch heute Morgen bleibt sie stumm. Und wie inbrünstig er auch hinter ihr her winkt, als sie zum Kindergarten fährt, sie ignoriert ihn einfach.

Hätte er doch nur die Perücke von seiner Schwiegermutter nicht entsorgt! Aber ob’s was genutzt hätte?...

 

Glück gehabt   (31.03.2006)

Fortsetzung von „Haarschneiden verboten“

Nina (3 ½) ist eine kluge „junge Dame.“ Den Opa ohne „richtige Haare“ hat sie nur 24 Stunden lang ignoriert. Inzwischen ist das Verhältnis wieder normal. Aber das Überraschungsei liegt noch immer in Opas Kühlschrank.

Wichtiger als solche Nebensachen – die sie so wie so nicht besonders schätzt – ist ihr der geistige Austausch.

Als Opa vorhin (noch vor ihrer Fahrt zum Kindergarten) nach oben kam, trank sie gerade Kakao aus einem kleinen Karton.

„Ach, Opa, dieser Karton hat einen eigenen Namen. Er heißt ‚Tetrapak’. Und der Kakao heißt ‚Choko Drink’, auf dem Tetrapak steht auch noch ‚Olé’. Siehst du?“ Und dabei zeigt ihr Fingerchen auf den Schriftzug. Tatsächlich, Opa staunt.

Den Türrahmen zum Wohnzimmer hat sie mit vielen bunten Bildchen beklebt. Ein paar Passfotos von Mama sind dabei. Aber die meisten zeigen ihre sonstigen Lieblinge: die Teletubbies, den kleinen Eisbär und andere. Opa zeigt auf eins der Teletubbies und fragt, ob sie das selber sei.

„Aber nein, Opa! Und das weißt du doch genau! Ich seh’ doch ganz anders aus.“

Opa meint, ein kleines Wesen auf einer Rakete, das er nicht genau erkennen kann, könne er vielleicht selber sein – es scheint nämlich auch keine Haare zu haben.

„Nein, das bist du nicht. Du hast doch gar keine Rakete. Und das da hat keinen Bart!“ Stimmt! Das muss Opa einsehen.

Er darf sie jedoch nicht nach unten tragen, als es Ernst wird mit dem Weg zum Kindergarten.

„Nein, danke, Opa. Ich gehe lieber selber. Ich bin doch kein Baby mehr!“

Da ist etwas Wahres dran…  

 

Opasitting  (28.03.2006)


Heute Nachmittag ist Opa wieder mit „Ninasitting“ dran. Dabei ist allerdings durchaus offen, wer wen „sittet.“

Es ist zwar nicht so warm wie am Vortag, aber die Sonne scheint. Kein Wunder also, dass Nina nach draußen möchte. Da lockt die große Schaukel im Garten. Opa stellt erfreut fest: Nina kann sich schon selber in Schwung bringen. Und dass sie sich gut festhält, versteht sich von selbst. Opa braucht auch beim Absteigen nicht mehr zu helfen.

Dann kommt das große Staunen: Der Rasen-Wiese-Zwitter wimmelt von Veilchen! Und wie die duften! Sogar der alte Raucher Opa kann das riechen. Beim Abdecken des Sandkastens muss Opa aber doch helfen. Die großen Platten sind für die Kleine noch viel zu schwer.

Nun, der Sand ist noch da. Aber wo sind all die Schäufelchen, Förmchen, Siebchen, Eimerchen und Rechen? Nina hat eine „Idee.“ Bestimmt in der Garage! Opa muss den Garagenschlüssel holen.

„Ja, geh nur, Opa!“, meint Nina. „Ich lauf schon nicht weg.“

Der 30-l-Eimer mit dem Sandkastenzubehör enthält noch mehr: Ein schönes Angelspiel, das gleich mal erfolgreich von der kleinen Anglerin getestet wird. Dann ist ein Geburtstagskuchen für Opa an der Reihe. „Kirschen“, „Erdbeeren“ und „Himbeeren“ (alles aus Sand) dienen als Dekoration.

„Wie alt wirst du eigentlich?“

Die Frage kommt für Opa ganz überraschend. Sein nächster Geburtstag ist ja erst im November. Also gut:

„An meinem Geburtstag werde ich 71“, sagt er wahrheitsgemäß. Dafür erhält der Kuchen noch drei Fische vom Angelspiel als prächtige Zusatzdekoration. Das Seifenblasengeschirr ist ohne Seifenlauge leider nicht sehr spielfördernd. Als die Sonne hinter dunkeln Wolken verschwindet, geht’s wieder nach drinnen.

Opa ergreift die günstige Gelegenheit und legt sich auf die Couch. Nina klettert derweil auf den Absatz des Bücherschranks und holt zwei ganz dicke Märchenbücher herunter. Opa muss genau erklären, was darin zu finden ist. Viele Bilder sind zwar nicht drin. Trotzdem findet Nina den Inhalt interessant. Vorlesen soll Opa aber nichts davon. Diesmal hält Nina den umgekehrten Prozess für angemessener. Na ja, wenn einer der beiden Partner schon flach liegt! Also hockt sie sich vor die Couch und beginnt Opa aus den Andersenmärchen vorzulesen. Hans Christian hätte sich bestimmt gewundert, welche Geschichten in seinem Buch stehen. Für Opa ist’s auf alle Fälle ein Hochgenuss. Deshalb möchte er seine Dankbarkeit zeigen.

„Nina, du kannst dir ein Überraschungsei aus dem Kühlschrank nehmen.“

„Ach, Opa, ich hab doch gesagt: morgen!“, ist die Antwort. Das hatte Opa vergessen.

Beim Anfang seines Frühjahrshausputzes in der Küche hatte er ein paar eingetütete Lakritzrollen entdeckt, die hinter andere Vorräte gerutscht waren. Die liegen jetzt auf der Küchenbar. Als Nina dorthin geht, um aus ihrer Flasche zu trinken, findet sie die Tütchen. Eins zu nehmen und zu öffnen ist kein Problem für sie. Eher schon das Auseinanderrollen. Opa schaut mit einem Auge hin. Die Dinger scheinen schon ein paar Jahre alt zu sein. Aber Nina schafft es, wenn auch die Lakritzschnur immer wieder reißt. Alle kleineren und größeren Partikel werden sogleich in Opas Mund entsorgt. Dem Geschmack nach ist das Zeug noch älter, als Opa befürchtet hat. Aber brav kaut er alles und schluckt es hinunter. Plötzlich fällt er fast von der Couch. Hat er richtig gehört?

„Ich weiß gar nicht, warum ich dich eigentlich füttere“, hört er eine nachdenkliche Nina sagen. Fast hätte er sich verschluckt.

„Ich bin das Opa-Baby, und du bist meine Mama“, wagt er dann tollkühn zu erklären.

„Das ist doch Quatsch! Findest du nicht?“, kommt es fast im selben Augenblick zurück.

Zum Glück ist ein Geräusch an der Haustür zu vernehmen. Mama ist wieder da.  
  

Spaziergang im März   (27.03.2006)


 Scharbockskraut (Ficaria verna)


Heute war es ganz warm; die meisten Fußgänger waren zu dick angezogen, weil die Wärme so unvermittelt gekommen war. Opas Wetterstation hatte zwar Regen angekündigt, aber die Sonne strahlte nur so vom Himmel herab.

Am frühen Nachmittag ist Oma gekommen und möchte mit Nina spazieren gehen. Opa lässt sich nicht lange bitten, als ihm „die Frauen“ eröffnen, er sei als Begleiter willkommen.

Auf dem Spielplatz beginnt die Runde mit einer ausgiebigen Schaukelei. Dann werden Oma und Opa auf der großen Wiese gejagt und gefangen, immer wieder, bis alle außer Atem sind. Da bietet es sich geradezu an, zur Abwechslung die winzigen grünen Knöspchen zu bewundern, mit denen die Sträucher übersät sind. Und natürlich auch die unzähligen Gänseblümchen und die gelben Sterne des Scharbockskrauts auf der Wiese.

Der weitere Weg führt am Bach entlang. Nina kann gar nicht genug bekommen, als Oma ihr erzählt, wie sie früher genau auf diesem Weg ihre ersten Schritte geübt hat.

Als Opa sich beklagt, dass die beiden etwas zu schnell gehen für seine Möglichkeiten, gibt Nina richtig „Gas.“ Aber sie schaut sich immer wieder um, denn dass Opa verloren geht, möchte sie doch nicht. Warm ist es zwar, es bläst jedoch ein ziemlich heftiger Wind. Opa äußert die Befürchtung, dass der Wind ihm die Ohren fortweht.

Das sei „Quatsch“, findet Nina. Sie holt extra ihre eigenen Ohren unter dem Stirnband hervor, um Opa zu zeigen, wie fest die am Kopf angewachsen sind.

„Und deine sind bestimmt noch fester angewachsen, Opa“, meint sie, „die sind ja schon viel länger an deinem Kopf.“ Dieses Argument gibt den Ausschlag: Opa ist beruhigt.

Und dann muss er wieder staunen. Auf der großen Waschbetontreppe neben dem Gymnasium kommt Nina schon ganz bequem an den Handlauf. Mit den schönsten Händchen der Welt. Aber das darf er ja nicht sagen.

„Das sind nur meine Hände! Und ich bin nicht das schönste Mädchen der Welt, ich bin Nina Ellen Marla Schmitz! Und jetzt hör auf mit dem Quatsch!“

Nun ja, Nina mag einfach nichts Süßes, auch keine „Süßholzraspelei.“ 

 

Ist Deutschland noch eine Demokratie? (26.03.2006)


Die Titelfrage klingt unsinnig, wenn man das Grundgesetz im Blick hat. Aber angesichts der Wahlbeteiligung bei den heutigen Landtagswahlen (wie den Wahlen der letzten Zeit überhaupt) ist sie wohl trotzdem nicht ganz abwegig.

Seit kapitalistische Ideen und Strukturen sich nach dem Ende des „real existierenden Sozialismus“ global immer stärker ausgebreitet haben, ist über viele Bürger die Resignation hereingebrochen. Das bei immer mehr Menschen vorherrschende Gefühl drückt sich in dem Satz aus: „Ich kann ja doch nichts ändern!“

Je mehr sich allerdings diese Einstellung ausbreitet, desto mehr wird sie zu einer Prophezeiung, die sich selbst verwirklicht. Das Ende dieser Entwicklung wäre eine reine Oligarchie (Herrschaft einer kleinen Führungsclique, meist der Reichen).

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, wie die Medien mit den Wahlbeteiligungszahlen umgehen. Erst nach vielen Versuchen (in Bildschirmtext und Internet) habe ich die Angaben zur Wahlbeteiligung herausfinden können:


Baden-Württemberg:            53,7 %

Rheinland-Pfalz:                   60,0 %
Sachsen-Anhalt:                   43,2 % (!)


Da die Stimmenanteile der Parteien immer auf der Basis der abgegebenen Stimmen berechnet werden, sind selbst absolute Mehrheiten höchst relativ. Als Sieger dürfte sich eigentlich keine unserer Parteien fühlen, wenn sie die Tatsache der geringen Wahlbeteiligung ernst nimmt.

 

Gewissensfrage  (26.03.2006)


Man hat mir ein Kilogramm Curry-Pulver geschenkt. Ob ich wohl davon ein Osterlamm backen kann?

Rätselhaft  (25.03.2006)

 Die Asselmama (Foto: swirr.at)

„Lasst uns lieber umfegen!“, sagte die alte Assel, als sie mit ihren Kindern aus dem gesteigerten Schöpflöffel gekrabbelt war. „Ohne Simon, den Dichter, über dem Kopf fühle ich mich nicht ganz wohl.

„Gesteigerter Schmerz!“, simonte der kleinste ihrer Taschenschirme. Aber vorsichtshalber übte er sich im Mutismus.

Das Zufriedenheitsparadox   (24.03.2006)

 

Heute hat Opa ganz besonders gründlich DIE ZEIT von gestern (23.03.2006) gelesen, zumindest die Rubrik „Leben.“ Thema: „Die Welt der Alten.“ Besonders lesenswert war die gleichnamige Einleitung von Haug von Kuenheim (71). Wenn der den älteren Verleger Wolf Jobst Siedler zitiert, dann kommt genau das zum Ausdruck, was Opa selber empfindet:

„Man ist gelassener geworden mit den Jahren, fast möchte man es Milde des Alters nennen. Dinge, die einen früher aufgeregt hätten, sieht man jetzt mit Gleichgültigkeit oder, wenn es sich so ergibt, mit Heiterkeit.“

In dem Bericht über einen 90-jährigen, allein lebenden ehemaligen Automechaniker in Hamburg stößt Opa auf den Begriff „Zufriedenheitsparadox“, den Altersforscher für die häufig zu findende innere Einstellung alter Menschen geprägt haben, trotz bisweilen stark eingeschränkter Möglichkeiten nicht weniger zufrieden zu sein, als sie es in ihrer Jugend waren. Und in der Tat, dieses Phänomen durchzieht  ̶  fast wie ein roter Faden – auch die folgenden Darstellungen und Selbstdarstellungen alter Menschen, prominenter wie „normaler.“

Am meisten hat Opa der Bericht über Jerry Lewis beeindruckt. Der war 66, als er nach seinen mittlerweile erwachsenen sechs Söhnen seine Adoptivtochter Danielle bekam. Sie war noch ein rosiges Baby. Jerry bezeichnet sie als seine „Macke.“ Inzwischen sind beide vierzehn Jahre älter. Aber Jerry möchte wenigstens noch so lange leben, dass er mit Dani ihren College-Abschluss feiern kann. Und das ist sein Traum: Endlich reif genug zu werden, sie in ihr eigenes Glück entlassen zu können.

Was Opa an dem Artikel fasziniert, ist die Fülle an Parallelen zu seinem eigenen Leben. Nina ist zwar keine Adoptivtochter, sondern seine eigene Enkelin. Als sie geboren wurde, war es fast genau so alt wie Jerry Lewis damals. Und wie Jerry nur darum „gute“ Bekannte verloren hat, weil er immer von Dani redete, könnte es Opa auch ergehen, wenn er seine Umgebung ständig mit Nina-Geschichten langweilt…

Aber noch lachen seine Zuhörer – meistens. Opa passt auch gut auf, um den ersten gequälten Zug in ihren Gesichtern nicht zu übersehen.


Einbürgerungstest  (23.03.2006)


Da hat Opa aber Glück gehabt! Bei der Teilnahme an einem fiktiven Einbürgerungstest im Internet hat er 100 % der Aufgaben richtig gelöst. Man hat ihm bescheinigt, er könne sich problemlos um die Einbürgerung bemühen, denn die Voraussetzungen seien bei ihm besser als bei vielen Einheimischen.


Zu dumm, dass Opa nicht nur in Deutschland geboren ist, sondern überdies noch vor seiner Übernahme in das Beamtenverhältnis seine deutsche Staatsangehörigkeit hat nachweisen müssen. Natürlich mit Erfolg.

Trotz dieser positiven Erfahrungen hält Opa leider überhaupt nichts von solchen Einbürgerungstests. 


Eier-Flop kurz vor Ostern  (23.03.2006)

 Emblem (vom NDR)

 

Werbung ist manchmal Glückssache. Und die kann schief gehen.

Das musste jetzt VW erfahren. Eine in den USA angelaufene Kampagne für den flotten Golf-GTI musste umgehend eingestellt werden, weil der dabei verwendete Zentralbegriff „Turbo-Cojones“ zu viele Beschwerden ausgelöst hatte, vor allem in Latino-Bezirken.

Die Werbefachleute hatten offenbar angenommen, der Begriff „Cojones“ drücke „Mut, Entschlossenheit, Durchsetzungsvermögen“ aus. Das Dumme war nur, dass das Englische den Begriff (noch) nicht kennt. Das Wort ist nichts anderes als eine spanische Slangbezeichnung für „Hoden“.

 

Merke: Man sollte immer wissen, was man sagt.

 

Berlin - Stadt der Verführung

Es ist ca. 14:50 Uhr. — Die 45-köpfige Gruppe aus dem Rheinland ist gerade auf Gleis 2 im Bahnhof Zoologischer Gar­ten in Berlin angekommen. Jeder Fahrtteilnehmer besitzt ein Blatt mit allen nötigen Angaben zum Programm, und vor allem zu den Verkehrsverbindungen. Dort steht klar und deutlich: „... weiter mit S-Bahn, Gleis 1 (S3 - Erkner, S5 - Strausberg Nord, S7 - Ahrensfelde, S75 - Wartenberg, S9 - B. Schönefeld) bis Jannowitzbrücke/“.

Die Gruppe wartet auf dem Bahnsteig (Gleis 1+2), bis der Leiter von der Besorgung der S-Bahn-Karten zurück ist. Lange dauert es nicht: Er erscheint und setzt sich an die Spitze.

Mit Sack und Pack folgt ihm die Gruppe die Treppe/Rolltreppe
hinunter in den Bahnhofstunnel. Und genau so brav quält sich alles, mit dem ganzen Gepäck, hinter ihm her, die gegenüber­liegende Treppe/Rolltreppe hinauf.

Nur zu dumm, dass man sich auf demselben Bahnsteig (Gleis 1+2) wieder findet, den man gerade verlassen hat.

Merke: Die ersten Schritte in einer Weltstadt sind die g efährlichsten.

 

Der Avibuck (16.03.2006)

Nina sitzt auf Opas Küchenbar und klaubt sich Rosinen aus dem Müsli, das sie gerade ganz sorgfältig für Opa angerührt hat. Plötzlich schaut sie Opa nachdenklich an. Dem schwant schon etwas. Und schon kommt’s:

„Opa, du bist ein Avibuck.“ –

„Was bin ich?“-

„Du bist ein Avibuck.“ –

„Was ist denn ein Avibuck? –

„Guck doch mal in den Spiegel, dann siehst du einen!“

 

My Way(16.03.2005)

 

Mama ist zum Arzt, und Opa passt auf Nina auf. Hingebungsvoll malt Nina ein Bild zum Geburtstag für Mama. Rund um den Malblock liegen Bunt- und Faserstifte in malerischer Unordnung auf dem Teppich.

Als Mama zurückkommt, schimpft sie:

„Nein, Nina! Die Faserstifte liegen ja schon wieder ohne Käppchen auf dem Teppich!“ –

„Ach, Mama“, kommt die Antwort, „das ist nun mal meine Art.“


Opa ist wirklich doof (15.03.2006)

 

Da hatte Opa wohl nur mit einem Auge hingesehen, als der voreilig den folgenden Kommentar schrieb:

"Werbung und Mathematik (14.03.2006)

 

 

 

Manchmal kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Da flattert auf der Homepage von dastelefonbuch.de ein Werbebanner der Firma Falk, das Navigationssysteme fast gratis (?) anpreist (s. Abbildung).

 

Wenn etwas mit 100 % Preisnachlass abgegeben wird, dann wird der Preis 0, ein Nichts. Oder? Jedenfalls entspricht das meinem schlichten mathematischen Gemüt. Ob das wirklich so gemeint ist?"

In dem Werbebanner ist überhaupt nicht von Prozenten die Rede, nur von ",-". Ob allerdings Euro gemeint sind oder vielleicht nur Cent lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen.

Nur dass Nina sicher Recht hat mit ihrer Feststellung: "Opa ist doof."

 

Iaus? (13.03.2006)

Nina (3 ½) mag ihr Bilderbuch „Unser Haus“, das ganz ohne Text auskommt. Dafür hat es aber zwei Rücken und der Deckel wird in der Mitte aufgeklappt. Die beiden Deckelflügel überlappen sich um etwa 2 cm und enthalten Magnetstreifen, damit sie besser zusammenhalten. Zusammengeklappt gehört die linke Deckelhälfte unter die rechte. Falsch zugeklappt verdeckt also die linke Hälfte einen 2 cm breiten Streifen der rechten.

Nina weiß, dass auf dem Deckel „Unser Haus“ steht. Gerade hat sie das Buch zugeklappt, aber (mit Absicht) falsch, also mit der linken Seite nach oben. Nun ist die rechte Hälfte so weit verdeckt, wie die punktierte Linie in der Abbildung andeutet.

„Was steht denn jetzt da?“ Opa kommt ihre Frage irgendwie listig vor. Trotzdem ist seine Antwort klar:

„Unser Haus.“ –

„Nein, Opa“, muss er hören, „jetzt steht da ‚Unser Iaus’!“

Opa kann es nicht fassen…

 

Umsatzsteigerung(11.03.2006)

 

Nicht besonders erfreulich ist die Erfahrung, die ich heute gemacht habe. Vor drei Tagen hatte ich einige Bücher und CDs per E-Mail bei Zweitausendeins bestellt. Die Auftragsbestätigung war umgehend da – völlig korrekt. Nur die angekündigte Versandmitteilung ließ auf sich warten.

 

Dafür erhielt ich heute die erste Teillieferung. Zu meiner Überraschung war das Paket schwerer, als ich erwartet hatte. Nach dem Öffnen war klar, weshalb: Alle lieferbaren Titel waren doppelt geliefert worden, auch laut Lieferschein und Rechnung. Dummerweise hatte ich bei der Bestellung eine Abbuchungsermächtigung erteilt.

 

Nachdem ich die Auftragsbestätigung noch einmal kontrolliert hatte, habe ich die Firma angerufen. Die Dame am anderen Ende der Leitung gab mir Recht, konnte sich das „Versehen“ aber nur damit erklären, dass „im Augenblick wegen Lagerumzug alles drunter und drüber“ gehe. Eine interne Regelung, zwecks Vereinfachung und Beschleunigung des Umzugs alle Lieferungen um 100% zu erhöhen, stellte sie in Abrede.

 

Ich solle die zuviel gelieferte Ware bitte zurückschicken. Das Porto – und natürlich der zuviel abgebuchte Betrag – würden mir erstattet.

 

Schön! Jetzt darf ich das Paket wieder verpacken und zurücksenden. Die Umstände, die das einem alten 100%ig schwerbehinderten Mann bereitet, sind allerdings nicht schön.

 

Übrigens ist es das erste Mal, dass mir so etwas bei Zweitausendeins passiert. Dass das Leben nun einmal nicht ohne Veränderungen abläuft, sollte ich eigentlich wissen…

 

Nina ist im Recht(09.03.2006)

 

Heute Abend kommt Nina mit Mama von Oma zurück. Natürlich muss sie wieder bei Opa klingeln, damit der den beiden die Haustür aufmacht.

 

Ihr Versuch, sich hinter Mama zu verstecken, ist schon recht halbherzig, denn längst weiß sie inzwischen, dass Opa sie ja doch sofort sieht, mag er auch noch so „verzweifelt“ nach ihr fragen.

 

Diesmal hat sie ihre rote Kappe ganz tief in die Stirn gezogen und aus ihrem Mund ragt der Stiel eines Lutschers. Von wem sie den Lutscher denn bekommen habe, möchte der neugierige alte Mann wissen.

 

„Von keinem! Von niemand!“, tönt es grimmig unter dem Kappenschirm hervor.

 

Das kann sich Opa nicht vorstellen, und er fragt deshalb – leicht ironisch (was man Kindern gegenüber nie sein sollte!):

 

„Hast du den denn selber gemacht?“ –

 

„Ich habe selber das Papier abgemacht!“ –

 

„Ja, aber den Lutscher musst du doch zuerst von jemandem bekommen haben.“ –

 

„Nein! Hab ich nicht!“ Jetzt ist Nina ganz ärgerlich und blitzt Opa regelrecht an. Die Kappe hat sie zurückgezogen, damit er ihre Blicke besser sehen kann. Zum Glück klärt Mama Opa auf, sie habe sich selber den Lutscher aus dem Küchenschrank genommen, ehe sie zu Oma gefahren seien.

 

„Aha!“ An diese Möglichkeit hatte Opa gar nicht gedacht. Nina ist inzwischen der Spaß am Lutscher vergangen. Sie drückt ihn Mama in die Hand zum Entsorgen – oder zum Weiterlutschen…

 

Entwicklungsstufen(09.03.2006)

 

Opa kann es nicht lassen. Heute Morgen war er schon wieder dreimal oben bei Nina (3 ½). Um 8 Uhr konnte er feststellen, dass sie Mama davon überzeugt hatte, sie könne heute unter keinen Umständen in den Kindergarten gehen, denn sie sei schließlich noch immer krank. Wie Mama selber auch.

 

Opas Bewunderung ihrer „leckeren“ Beine löst wütenden Protest aus:

 

„Nein, Opa! Man darf kleine Kinder nicht essen!“ Und so ein „gefährliches Monster“ muss selbstverständlich sofort der Wohnung verwiesen werden. Da mag Opa noch so sehr beteuern, er habe nur „Quatsch“ gemacht.

 

„Und komm nie wieder hier rein!“, sind Ninas letzte Worte, als sie ihn hinausgeschubst hat.

 

Aber Opa verfügt über ein umfangreiches Arsenal an Vorwänden. Da er die erste Tageszeitung inzwischen ausgelesen hat, könnte er sie ja zu Mama bringen, Und schon ist er wieder oben.

 

Diesmal wird er mit den Worten verabschiedet:

 

„So, raus mit dir! Und komm nie wieder nach oben!“

 

Nun lässt Opa erst einmal zwei Stunden verstreichen. Gestern hat er sich bei Aldi Ostereier gekauft, was er noch nie getan hatte. Zwei davon hat er zum Frühstück gegessen und war überrascht, wie gut sie waren.

 

Das wär’s! Sorgfältig wählt er eins in leuchtendem Orange aus, um es Nina mit Grüßen vom Osterhasen zu bringen. Bei Nina angekommen, hält er ihr beide Hände hin. Mit traumhafter Sicherheit zeigt diese auf die Hand, in der das Ei verborgen ist. Nina findet das Ei sehr schön und legt es behutsam auf ihren kleinen Arbeitstisch.

 

Da stehen auch schon zwei Bleche (falls man das von den modernen Plastikformen überhaupt sagen kann) mit frisch gebackenen Törtchen.

 

Opa erfährt, welches davon für ihn selber vorgesehen ist. Aber er müsse noch warten, denn im Augenblick seien sie noch zu heiß. Neben den „Blechen“ hat Nina viele kleine weiße Zitronenbonbons ausgebreitet. Als Mama einen Teller dazu stellt, darf Nina diesen mit Watte-Pads bedecken und diese anschließend mit Wasser besprühen. Opa begreift erst, worum es dabei geht, als Mama Kressesamen darüber streut.

 

Leider sind die kleinen Bonbons beim Sprühen nass geworden. Umgehend beginnt Nina damit, sie alle in den Mülleimer zu befördern. Opa sagt zwar, es mache ihm nichts aus, dass sie nass sind. Er bekommt kein einziges, denn sie gehören nach Ninas Ansicht in den Mülleimer. Dafür läuft sie dreimal.

 

Als Opa es wagt, auch noch „bitte, bitte“ zu sagen, sieht er in Ninas Augen, dass der Knackpunkt erreicht ist.

 

Erbarmungslos wird er wieder zur Wohnungstür gezerrt. Diesmal lautet der Schlusskommentar:

 

„So, jetzt warst du schon dreimal hier! Das ist genug!“  

 

Rippenbruch? (08.03.2006)

 

Ach, meine alten Knochen!

Sind Rippen gar gebrochen?

Als Nina drauf geritten,

ham Schaden sie erlitten.

 

Ich weiß es nicht genau;

die rechte Brust ist blau.

Und es tut höllisch weh,

gleich wie ich geh und steh.

 

Ganz schlimm wird es beim Setzen,

beim Heben, Husten, Schwätzen.

Vom Recken nicht zu reden.

Einmal erwischt es jeden.

 

Warum bin’s diesmal ich?

Bin doch schon schwach an sich.

Doch leider hilft kein Klagen.

Ich muss es wohl ertragen!

 

Erkältung(08.03.2006)

 

Am Sonntag ist Opa zu kalt wohl geworden;

zu frisch und zu heftig der Wind aus dem Norden.

Aus Eitelkeit gar auf den Mantel verzichtet –

da hat er gehandelt wie „unterbelichtet.“

 

Jetzt muss er die Folgen geduldig ertragen

als Übung im Leiden ganz ohne zu klagen.

Und Oma meint, selbst diese Zeilen, die seien

als Jammergelaber doch kaum zu verzeihen…

 

Pro Genmanipulation(08.03.2006)

 

Der Schinken kommt vom Schweinebein.

Wie gut wär ein Achtbeineschwein!

Das Schwein, vermehrt ums Spinnen-Gen,

ließ Schinkenflut beginnen. Zehn,

die würden es zwar nicht ganz sein.

Zu acht – aus meiner Sicht – kein Nein!

 

Im Frauengefängnis (1.3.2006)

 

Den meisten der Aufseherinnen

war kaum etwas abzugewinnen…

Doch unter den dort Inhaftierten

gab’s einige, die faszinierten.

 

Eindruck bei nachweihnachtlichen Besuchen mit dem

Posaunenchor in meiner Jugend (vor rund 50 – 55 Jahren) 

 

Bei Mamas Krankheit  (22.02.2006)

 

Da hat es ganz selbständig aufgeräumt,

das Ninakind, ohne zu fragen.

Die Mama ist krank, da wird nicht geträumt.

Die Händchen geregt, ohne zu klagen.

 

Daseinstrost (18.02.2006)

 

Du fragst nicht immer wieder.

Du bist immer da.

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Heimliches Plagiat zu einem Gedicht von Janet Klemm (Bratmiez bei Keinverlag)

 

K.E.I.N.V.E.R.L.A.G   (17.02.2006)

 

Akrostichon-Spaltengedicht

 

Malik und Fidibus sei Dan………………..K…arikiert und illustriert,

für die Ide………………………………..…E…rlebt, wenn er’s dezenter treibt,

und dafür, dass sie es dabe…………...... I….ntelligenter als gewisse

nicht schlicht belassen habe…………..…N…achbarn hoch im Norden

Gar mancher, der zuvor ganz bra….….…V…iel Freude und

Geschrieben für sich selber seine Text…E…rfolg mit seinem Wirken.

der findet nunmehr Leser über Lese…….R…eal betrachtet,

Allein schon darum ist das Ganze tol……L…ässt sich überwiegend Positives finden.

Und wer dazu noch mit der Kamer………A…ch ja, dass mancher drüber meckert,

mit Stift und Zeichnun……………………..G…ehört wohl einfach zum normalen Leben.

 

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Anmerkung: Die Spalten sind nacheinander zu lesen, dabei gehört das Akrostichon zu beiden.

 

Motivationskonstrukt oder die Ausrede (17.02.2006)

 

Mama braucht ’nen Kreuzschlitzschrauber –

„Axt“ im Haushalt? – Sauber, sauber!

Aber keinen von den kleinen,

die so „frauenfreundlich“ scheinen,

sondern einen großen, schweren.

Opa kann das Ding entbehren.

 

Nina soll’s nach oben tragen.

Ohne nun erst lang zu fragen,

schlägt sie’s vor die Haustürscheibe.

Hat den Teufel sie im Leibe?

Opa, durch den Krach gestört,

hat sich deshalb sehr empört:

 

„Nina, nein, das ist nicht gut,

denn die Scheibe geht kaputt!“

Nina blickt ihn schelmisch an,

weil er dann nichts machen kann:

„Aber, Opa“, sagt sie dann,

„hab’s doch nicht von selbst getan.

 

Nein, der Schrauber hat’s gesagt,

ganz von selber, ungefragt.

Und was sollte ich denn  machen?“

Opa muss nun – heimlich – lachen.

Dieser kleine Teufelsbraten

ist zu clever wohl geraten…

 

 

Greis wird Olympiasieger    (11.02.2006)

 

Es gibt doch wirklich Wunder noch auf Erden:

Da kann ein Greis Olympiasieger werden!

 

Eh ich jedoch als alter Mann nun Hoffnung fasse,

mich gar dem Freudentaumel überlasse,

muss ich zur Kenntnis nehmen, was hier Sache:

Der „Greis“ ist jung, so jung noch, dass ich lache.

 

Doch daraus ziehe ich für mich den Schluss,

dass ich deshalb auch nicht trainieren muss.

So jung wie jener Greis kann nie ich werden.

Auch untrainiert hab ich genug Beschwerden.

 

Zauberpanne  (10.02.2006)

 

Opa muss von 8:00 bis 14:00 Uhr auf Nina aufpassen. Lesen, Malen, Singen, Spielen… die Zeit vergeht – fast – wie im Fluge.

 

Selbst der Akt mit dem Töpfchen erweist sich als problemlos. Zwar meint Nina zunächst noch, sie wolle den Pipi aufhalten, bis Mama wieder da sei. Aber eine halbe Stunde später ist sie doch bereit, das Geschäft lieber sofort zu erledigen. Opa will sie dabei allein lassen; das erweist sich jedoch als überflüssig. Denn anders als sonst, hat Nina diesmal gar nichts gegen seine Anwesenheit.

 

Dann möchte Nina nach unten, in Opas Wohnung. Sein Kühlschrank wird inspiziert. Aha, kleine Frikadellen und Paprika – rot, grün, gelb! Nina ist zufrieden und lässt sich ihre Auswahl schmecken. Auch eine Scheibe Blutwurst findet ihre Zustimmung, obwohl Blutwurst ganz neu ist für sie, da Mama nie welche kauft.

 

Leider ist Opa sehr müde und möchte sich gern auf die Couch legen. Zaghafte Andeutungen seinerseits werden brutal abgeschmettert:

 

„Nein, Opa! Jetzt sollst du nicht schlafen!“

 

Da kommt ihm eine Idee. „Ich kann zaubern“, sagt er geheimnisvoll. „Soll ich mal ein großes Tier auf die Couch zaubern?“

 

„Au ja!“, kommt Ninas Antwort.

 

„Aber dann musst du dir die Augen zuhalten, bis ich fertig bin.“ Nina ist einverstanden. Dann spricht Opa:

 

„Abrakadabra, simsalabim“, und wirft sich auf die Couch.

 

„Hier liegt jetzt der große Bär“, sagt er zu der Kleinen.

 

„Und ich bin der Löwe!“, schallt es ihm im gleichen Augenblick entgegen. Und schon hat der „Löwe“ ihn mit seinen Pranken gepackt und die Zähne in sein rechtes Bein geschlagen.

 

Wieder mal ein blauer Fleck, der vermeidbar gewesen wäre…

 

Profilachse verdrängen Zwiebelfische  (09.02.2006)

 

Vorweg: Hier geht es nicht um ein ichthyologisches (fischkundliches) Thema im eigentlichen Sinne. Eher um ein graphisches Phänomen aus dem Bereich des Drucker- und Setzergewerbes.

 

Heute Morgen las ich etwas in der Zeitung, was mir den Sachverhalt bewusst gemacht hat: Mit dem mittlerweile überlebten Handsatz sind die „Zwiebelfische“ (Buchstaben aus einem anderen Typensatz) ausgestorben, denn die Automatik des elektronischen Satzes verhindert solche Ausnahmen. Zwiebelfische begegnen einem heute also fast nur noch in ganz alten Druckerzeugnissen.

 

Die anderen Fische, auf die ich heute gestoßen bin, waren „Profilachse“. Lachse als Profis, keine Amateurlachse? Vorstellen konnte ich mir darunter nichts Vernünftiges; ein einfach zu anthropomorpher (vermenschlichter) Begriff für einen Fisch. Aus dem Zusammenhang wurde mir jedoch bald klar: Gemeint war „Vorbeugung“, „Verhütung“, also „Prophylaxe.“

 

Zugegeben – der Rechtschreibfehler stand in einem Leserbrief. Aber der Schreiber hätte gewiss nichts dagegen gehabt, wenn die Redaktion ihn berichtigt hätte…

 

Treulieb (2. Februar 2006)

 

Manchmal ist er schon recht schlapp,

Auch wenn er noch gar nicht alt.

Treulieb nennt er sich ganz knapp;

Täuscht mit Gartenzwerggestalt.

 

Hat jedoch, wenn’s geht ums Schreiben,

Immer wieder auf dem Kasten

All das, was zum Zeit Vertreiben

Sicher mehr tut als Belasten.

 

Treu erfüllt er seine Pflichten,

Rastet selten oder kaum,

Echt begabt zum Schreiben, Dichten,

Uns zu zaubern manchen Traum.

 

Lieber, drum ist – leicht beklommen –

In der Gratulantenschar

Ein ganz alter Barsch gekommen,

Bietet Herzensglückwunsch dar.

  

Mit den besten Wünschen

für das kommende Lebensjahr,

lieber Matthias,

als kleine Aufmerksamkeit

von Friedhelm

 

 

Gedenktag (1. Februar 1907/2006)

 

Heute wäre mein Vater 99 geworden. Leider ist er schon seit 10 Jahren tot. Sicher hätte er viel Freude an meiner kleinen Nina, die ihn schon in allen alten Fotoalben identifizieren kann, ganz egal, wie alt er auf den Bildern ist.

 

Heldentum    (12.01.2006)

 

Beim Arztbesuch am späten Vormittag musste sich Nina in den Finger stechen lassen, weil der Arzt Blut für eine Untersuchung brauchte. Kein Problem! Nicht die Spur von Panik oder Tränen. Die jungen Frauen in der Praxis – der Arzt natürlich auch – waren ganz beeindruckt von Ninas Tapferkeit. Die Belohnung, eine Handvoll Gummibärchen, steckte sie ungerührt in die Hosentasche.

 

Peinlich ist ihr nur, wenn Mama von ihrer „Heldentat“ erzählt. Angeblich weiß sie nicht einmal mehr, welches der „gestochene“ Finger ist. Nur dass ihre „Beine ein bisschen gewackelt“ haben, verrät sie Opa insgeheim.

 

In seinem Wohnzimmer holt sie die restlichen Bärchen aus der Tasche. Mit einem einzigen Griff. Es sind noch vier. Opa erhält gleich ein weißes. Zu den übrigen sagt sie allerdings:

 

„Das sind meine!“ Dann entdeckt sie ein Haar zwischen der Bärchen.

 

„Puh! Ekelig! Haare will ich nicht essen!“ Opa darf das Haar „entsorgen.“ Zur Belohnung erhält er noch eins (wieder ein weißes).

 

„Das ist die Schwester von dem, das du gegessen hast. Das möchte zu seinem Bruder in deinem Bauch.“ Auch kein Problem. Opa schafft die „Familienzusammenführung.“

 

Die restlichen beiden verschwinden zwischen Ninas Lippen und die kleine Heldin mit Mama nach oben.

 

Nachtrag:

 

Ninas Lungenentzündung hat sich doch wieder verschlimmert. Das erste Antibiotikum hat nicht gewirkt. Vermutlich keine Viren, wie ursprünglich angenommen, sondern Streptokokken.

Nun ist ein anderes Medikament an der Reihe...

 

Dass der Schatz am Abend noch einmal unten erscheint (mit Geschenken für Opa!), tut diesem in der Seele weh; denn sie möchte Schokolade von ihm, weil Mama keine mehr hat. Aber der doofe Trottel hat auch keine mehr! Und dabei hat Nina in den letzten Tagen mehr als ein Kilo abgenommen. Und sie möchte bei ihm bleiben, aber der blöde Kerl muss zur Chorprobe und hat ausgerechnet danach noch eine Vorstandssitzung angesetzt.

 

Heiterkeit des Alters           (12.01.2006)

 

Opa ist um Auskunft über das englische Wort „serenity“ gebeten worden. Bei seinen Recherchen stößt er auf einen Satz von Arthur Bliss (in: “As I Remember“, 1970):

 

“What is called serenity of age is only perhaps a euphemism for the fading power to feel the sudden shock of joy or sorrow.“

 

(deutsch: “Was man die Heiterkeit des Alters nennt, ist vielleicht nur eine beschönigende Umschreibung für die nachlassende Fähigkeit, den plötzlichen Schock von Freude oder Kummer zu empfinden.“)

 

Blödsinn! – Zu genau weiß Opa, wie heftig er solche Momente empfinden kann. Dass er dabei trotzdem heiter und gelassen bleibt, könnte ja auch auf die in einem langen Leben gereifte Erfahrung zurückzuführen sein. Bei diesem Satz hat er mit dem Gedanken kokettiert, „Altersweisheit“ statt „Erfahrung“ zu schreiben. Aber dann wollte er doch lieber ganz bescheiden sein. ;-)

 

An der langen Leine           (12.01.2006)

 

 Von 7:20 bis 9:00 Uhr ist Opa heute oben gewesen, weil Mama schon früh zum Arzt musste und Nina nicht allein bleiben sollte.

 

Als er oben ankommt, schläft sein Schatz noch. Also kann Opa Zeitung lesen. Da er sich ein wenig verschlafen hat, hat er noch keinen Kaffee getrunken. Und Rauchen kommt oben schon gar nicht in Frage. Komisch, ohne Kaffee und Zigarette ist die Zeitung richtig langweilig. Wie sich die Zeit doch dehnen kann, die sonst immer im Nu vorbei ist.

 

Zum „Zeitvertreib“ blättert der alte Mann in Ninas Fotoalben. Sie machen sichtbar, dass auch ein kleiner Mensch schon seine Geschichte hat. Um nicht auf der Couch einzuschlafen, kann man gymnastische Übungen einlegen. Hin und wieder.

 

Bei einer Dehnübung hört Opa plötzlich stoppersockenbewehrte Füßchen in der Diele. Und schon biegt Nina ins Wohnzimmer ein. Keine Verwunderung, schon gar kein Erschrecken, dass Mama nicht zu sehen ist! Opa erhält ein zauberhaftes Lächeln, als er erklärt, Mama sei beim Arzt und werde wohl bald wiederkommen. Opa wundert sich. Hat Mama ihm nicht gesagt, Nina sei schwierig, wenn sie gerade aufgestanden ist?

 

Allerdings: alle Angebote, Essen und Trinken betreffend, werden abgelehnt. Und auch fürs Töpfchen besteht kein Bedarf. Stattdessen nimmt Nina vier Bücher, die sie mit Opa lesen möchte.

 

Das erste handelt von der kleinen Kim, die ein Brüderchen bekommen hat und jetzt mit ihrer Eifersucht zu kämpfen hat. Nun verlaufen solche „Lesungen“ ja praktisch nie ohne Begleitgespräch. Bei diesem Buch ist das Gesprächsthema „Liebhaben.“

 

Wen Nina denn lieb habe, will Opa wissen. –

Klar: Mama, Papa – und Oma. Auf seine Frage, ob sie ihn selber denn nicht auch ein wenig lieb habe, muss er sich mit der kryptischen Antwort zufrieden geben:

 

„Ach, Opa, ich bin nur deine Enkelin!“

 

Und dann ist das Gespräch übers Liebhaben zu Ende, denn plötzlich leuchten Ninas Augen auf, als sie über seine Schulter blickt. Opa kann sich schon denken, warum:

 

Mama, die sich leise herein geschlichen hat, steht im Türrahmen. Und schon hat Nina Opas kleinen Finger gepackt und zieht ihn von der Couch:

 

„Komm, Opa! Wenn Mama hier ist, musst du wieder nach unten gehen. Ich bring dich zur Tür.“

 

Na, da kann er sich wenigstens Kaffee aufschütten...

 

 

 

Özgeçmiþ                                                                   

(Lebensweisheit zum Thema Glück)                                                                                              

 

 

 

Eskiden öðretmendim, bugün dedeyim. –

Þimdi çok mutluyum.

Lebenslauf

 

Früher war ich Lehrer, heute bin ich Opa. -

 

                                                                              Jetzt bin ich glücklich.

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Beim Hochladen sind leider zwei türkische Zeichen verändert worden (das "geschwänzte" S, dt. "sch", und

das "stumme" G, das als Dehnungszeichen dient. Alle Versuche, diese Veränderungen zu vermeiden, waren vergeblich.

 

 

Entwarnung                   (09.01.2006)

 

Nina braucht nicht ins Krankenhaus! Sicher eine Folge all der guten Wünsche bei kV, wofür Opa hier noch einmal ausdrücklich dankt.

 

Heute hat sie beim Kinderarzt ein Inhalationsgerät erhalten. Anschließend ist sie mit Mama zu Oma gegangen. Aber inhalieren möchte sie nicht. Erst als Oma ihr einen Euro verspricht, ändert sie ihre Meinung. Und es klappt auch ganz gut.

 

Als sie den Euro hat, möchte sie sich auch selber noch etwas Geld aus Omas Portmonee aussuchen. Sie kennt eben ihre Oma ganz genau! Zielsicher angelt sie sich zwei 2-Euro-Stücke.

 

„Das genügt – für heute!“, verkündet sie zu Omas Beruhigung. Die aber beschließt, ihr Geld zukünftig außerhalb von Ninas Reichweite aufzubewahren. Sonst könnten die Therapiemaßnahmen zu teuer werden.

 

Wie schon gestern verzichtet Nina auch heute wieder auf den Mittagsschlaf. Erst nach 18 Uhr kommt sie mit Mama nach Hause zurück. Opa wird zur Tür geklingelt. Aber Mama hat nicht geklingelt und Nina auch nicht. Der „Übeltäter“ war das Bärchen in Ninas Hand! Das jedoch hat weder Hände noch Füße dazu benutzt. Aber Nina verrät Opa, wie das Bärchen es gemacht hat: mit dem Ohr!

 

Überhaupt ist Nina sehr aufgeschlossen und freundlich mit Opa. Sein Hinweis, morgen müsse er schon ganz früh zum Friseur, um sich die Haare schneiden zu lassen, stößt auf Skepsis.

 

„Nein, du sollst dir nicht die Haare schneiden lassen. Deine Haare sind schön.“ Er meint, er könne sich ja einmal eine Frisur wie Calliou, der kleine Glatzkopf im Kinderfunk, machen lassen. Da muss Nina lachen. Aber er muss ihr versprechen, dass er auf „solchen Quatsch“ verzichtet. Anders als sonst, erzählt sie Opa davon, was sie in den über sechs Stunden ihrer Abwesenheit gemacht hat. Nur als er darauf hinweist, dass oben „ein Mann“ sei, klärt sie ihn ganz energisch auf:

 

„Ach, Opa, das ist doch kein Mann! Das ist Papa!“

 

Und dann treibt sie die Sehnsucht nach oben. Da ist zunächst einmal große Verblüffung: Weder Papa noch sonst ein Mann ist zu finden. Systematisch durchsucht Nina die ganze Wohnung, schaut im Schlafzimmer unter jedes Deckbett, sogar in den Kleiderschrank. Nichts! Wohnzimmer, Kinderzimmer, Küche – nichts. Die Badezimmertür steht halb offen, drinnen ist es ganz dunkel. Aber Nina hat ja ganz hervorragende Augen. Trotzdem: nichts!

Dann aber schaut sie hinter die Tür – und lacht sich kaputt. Endlich! Versteckspiel zu Ende.

 

Opa hat inzwischen die Essensreste von heute Mittag nach oben gebracht. Die zeigt er Nina – zur Kontrolle. Beim Paprikasalat hat er heute die Stücke ziemlich groß gelassen. Schon sind beide Händchen gefüllt: rechts ein Stück Paprika (grün) und links das ganz Berühmte – die Handvoll Reis.

 

Bevor sie jedoch die Sachen zum Mund führt, bedankt sich Nina noch ganz artig. Den Rest darf Mama nun warm machen...

 

Beleidigung?         (09.01.2006)

 

 

Was hat er nur neulich gesagt?

Da hätt’ ich doch besser gefragt...

Wart’ mal, wie war das denn bloß:

„Undichte Stelle...kurz Michael...los!“?¹

 

Freundlich gemeint war’s wohl nicht.

Wünsch mir (wie Goethe) „Mehr Licht!“

 _______________________________________________________________________ 

¹ Da ich nicht Michael heiße, muss er wohl umschrieben haben. Vielleicht kommt ja der eine oder andere Leser

(Leserinnen sind natürlich auch damit gemeint) dahinter, was gemeint ist.

 

Fürsorge             (08.01.2006)

 

Opa hat gerade eine gute halbe Stunde mit Nina gespielt, in ihrem Zimmer. Er war nach oben gekommen, weil das Schlagzeug einen ziemlichen Krach gemacht hatte. Aber der „Krachschläger“ war Papa. Nina macht das nur ganz leise. Um ihm zu zeigen, wie das geht, nimmt sie Opa mit in ihr Zimmer.

 

In einem Körbchen finden die beiden allerlei zauberhafte Dinge: Perlen, Figürchen und dergleichen mehr. Schließlich stoßen sie auch auf ein paar Kärtchen mit Gestalten darauf, die nach Ninas Meinung zum Ausschneiden sind. Aber im Augenblick findet sich im Zimmer keine Schere. Nina nimmt die Kärtchen, und mit den Worten:

 

„Ich mach das mal“, verschwindet sie ins Wohnzimmer. Kurz darauf kommt sie allerdings schon zurück:

 

„Opa, ich muss jetzt essen. Komm, ich schmeiß dich raus!“

 

Diesmal ist der Griff nach Opas kleinem Finder ausgesprochen behutsam und ihr Blick reine Zuneigung. An der Wohnungstür dreht sie sich zu Opa um und fragt:

 

„Soll ich dir das Licht anmachen?“ – Ehe Opa antworten kann, flammen die Lampen im Treppenhaus schon auf. Opa bedauert beinahe, dass der übliche Schubser unterbleibt. Und statt die Tür hinter ihm zuzuknallen, flüstert sie ihm nur noch ein bezauberndes „Tschö“ hinterher.

 

Aber das Schönste: In der ganzen Zeit hat sie nur ein einziges Mal gehustet – und das auch noch ganz leise!

 

Hoffnungsschimmer           (08.01.2006)

 

 Vielleicht kommt Opas kleine Nina doch noch um eine stationäre Behandlung herum.

 

Als sie gestern Morgen – vor der Fahrt zur Untersuchung im Krankenhaus – im Auto saß,

antwortete sie auf Opas Frage nach ihrem Befinden mit einem Lächeln. Und, o Wunder, gefragt, ob Opa doof sei, mit Kopfschütteln. Als er wissen wollte, ob er lieb sei, hat sie genickt.

 

Die Untersuchung im Krankenhaus hat ergeben: Ihre Lungenentzündung ist nicht übermäßig schwer. Ob sie unbedingt stationär behandelt werden muss, lässt sich am Montag noch entscheiden.

 

Vorhin aber ist Opa ganz zuversichtlich geworden, denn eine fröhliche Nina wollte ihn gar nicht sehen und hat ihn mit gewohnter Energie und „Gewalt“ der Wohnung verwiesen...

 

Wenn das kein gutes Zeichen ist!

 

Erinnerung an ein Märchen der Brüder Grimm 

(04.01.2006)

  

Heut’ hatten für fast sieben Stunden

sich Nina und Opa gefunden.

            Zuerst war’n sie oben;

            er kann sie nur loben.

Im Nu waren Stunden entschwunden.

 

Sie lasen von Hoffmanns Paulinchen¹;

er las, und es staunte sein Ninchen,

            wie rasch ward zu Asche

            Paulinchen, die „Flasche.“

Danach war’s jedoch Ninas Masche,

 

mit der dieses winzige Ding

die neueren Spiele anging,

            was staunen ihn ließ,

            wie’s „cool“ unterwies.

Sein Staunen war gar nicht gering.

 

„Die Regeln, die sollst du nicht lesen“,

entschied der energische „Besen.“

            „Verboten“ der Schrieb,

            weil Ninakind lieb

der einzige „Lehrer“ gewesen.

 

So spielten sie streng auf die Weise,

die Nina recht klar, aber leise           

            dem Alten erklärt.

            – Kein „Aber“ gewährt! –

Vielleicht hat der Kerl ja ’ne Meise...

 

Wer selber die Regeln bestimmt,

schon klar, welchen Kurs damit nimmt

            sein Glück in dem Spiel.

            – War’s wirklich ihr Ziel? –

Den Opa hat’s gar nicht ergrimmt.

 

Dann kam sie mit einer CD,

wollt’ Moorhühner jagen im Schnee.

            Doch da hieß es Warten,

            denn passwordlos starten

wollt’ leider nicht Mamas PC.

 

Als näher der Mittag gerückt,

da ham sich nach unten verdrückt

            zum Kochen die zwei.

            Klar: Nina dabei,

ganz vorne, begeistert, entzückt.

 

Zusammen den Tisch auch gedeckt,

Besteck und Servietten gecheckt.

            Das Fleisch aufgetragen,

            was sonst für den Magen,

und auch noch Salat abgeschmeckt.

 

Um vierzehn Uhr saßen die zwei

am Tisch und probierten dabei

            mit cleveren Zungen,

            ob alles gelungen.

Bis schließlich sie waren so frei,

 

schon mal mit dem Essen zu starten

und nicht mehr auf Mama zu warten.

            Ganz richtig zu tafeln,

            statt lange zu schwafeln,

steht zu wohl vom Warten Genarrten.

 

Als endlich die Mama erschienen,

erhellten sich glücklich die Mienen.

            Als kam Mamas Frag’,

            wie gewesen der Tag,

traf’s Opa jedoch wie zehn Bienen.

 

Da sprach – wie die Ziege bei Grimm² –

die zärtliche, liebliche Stimm’:

            „Der Morgen war fies,

            ich fühl mich ganz mies!“

Zum Glück fand das Mama nicht schlimm.

 

Da lachten von Herzen die drei

und hatten viel Spaß noch dabei.

            Dass Nina geflunkert

            und Freude gebunkert,

ward spürbar und sichtbar ganz frei.

 

 

 

 

¹ s. Heinrich Hoffmann: „Der Struwwelpeter“

² s. Brüder Grimm: „Tischchen, deck dich,...“

  

 

Computerfrust            (04.01.2006)

 

Parodie auf Heinrich Heines „Die Lorelei“

 

Ich weiß nicht, warum mein Computer

so oft mich lässt im Stich.

Ich dachte, es wäre ein guter,

sonst hätt’ ich erworben ihn nicht.

 

Oft mitten beim Tippen und Lesen,

da macht er ganz plötzlich Schluss.

Das ist es dann wieder gewesen;

und groß ist stets mein Verdruss.

 

Denn meist war dann all meine Mühe

schon wieder mal für die Katz.

Dass mir das nicht andauernd blühe

und ich noch vor Ärger zerplatz,

 

das wünsche ich mir von Herzen

und tu dafür, was ich kann.

Doch neigt der Computer zu „Scherzen“,

kann ändern ich kaum was daran.

 

So schwebt zwischen Bangen und Hoffen

mein Hang zu diesem Gerät.

Und ist auch das Ende noch offen,

ich hoffe, es ist nicht zu spät.

 

Mich Opa vor meinem Computer

ergreift es mit wildem Weh.

Ich frag mich andauernd: „Was tut er?“

weil ich davon kaum was versteh.

 

Ich fürchte, das Ding will verschlingen

am Ende mich alten Mann

und um den Verstand mich noch bringen,

obwohl ich ihm gar nichts getan.   

 

Opas Nachtlied         (04.01.2006)

 

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

 

Meine kleine Nina

Ist krank.

Sie hat Angina –

Gott sei Dank

nicht eben schwer!

Sie hustet zum Glück nur bisweilen.

Heilung mög’ eilen,

hoffe ich sehr.

 

Des Frustrierten Nachtlied  (04.01.2006)

 

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

 

Wieder mal der Gipfel,

die Kuh!

An deinem Zipfel

spürest du

nichts. Was denn auch?

Die Alte schnarcht schon im Bette.

Wart’ nur, ich wette,

bald schnarchst du auch.

 

Fahrradcenterfehlkauf         (03.01.2006)

 

Parodie auf Goethes „Heidenröslein“

 

Sah ein Greis ein Fahrrad stehn

(Fahrrad besser meiden!),

war ganz rot und wunderschön,

lief er schnell, es nah zu sehn,

sah’s mit vielen Freuden.

Fahrrad, Fahrrad, Fahrrad rot.

(Fahrrad besser meiden!)

 

Greis sprach bald: „Ich kaufe dich.“

(Fahrrad besser meiden!)

Fahrrad sprach: „Ich trag dich nicht,

dass du ewig denkst an mich,

denn ich will’s nicht leiden.“

Fahrrad, Fahrrad, Fahrrad rot.

(Fahrrad besser meiden!)

 

Trotzdem kauft’ der „wilde“ Greis

’s Fahrrad, statt’s zu meiden.

Fahrrad „dankte“ ihm die Sach’,

dass er sich die Knochen brach,

musst’ es eben leiden.

Fahrrad, Fahrrad, Fahrrad rot.

(Fahrrad besser meiden!)

 

 

 

 

 

 

Anmerkung: Zackenbarsch ist nicht identisch mit dem übermütigen Greis!

Als er das letzte Mal mit dem Fahrrad gestürzt ist, war er 21 – und volltrunken.

Und heil geblieben ist er dabei auch!

 

Autors Nachtlied         (02.01.2006)

 

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

 

In fast alle Adressen

im Nu,

kV indessen –

einfach zu,

was du auch machst.

Es ist in der Tat nicht zu fassen.

Sollst du es lassen? –

Hauptsach’, du lachst.

 

Miffys Nachtlied    (02.01.2006)

 

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

 

Opa war heut’ oben

bei Ni.

Den möcht’ ich loben

dafür, wie

Stimm’ er mir gab:

Als hätt’ ich selber gesprochen.

Bald, ach, den „Knochen“

Ni schickt’ hinab...

 

Gasheizers Nachtlied     (02.01.2006)

 

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

 

Winter brachte leise

für Gas

horrende Preise

ohne Maß.

Ein zieht der Frost.

Die Euros verschwinden: Im Keller

Gasuhr rast schneller.

Rechnung per Post.

 

Großvaters Nachtlied    (02.01.2006)

 

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

 

Opas liebes Schätzchen,

das träumt.

Sein süßes Spätzchen,

das ihn zäumt,

liegt jetzt im Schlaf.

Die Äugelein sind nun geschlossen,

Blitze verschossen.

Schlummert so brav.

 

Users Nachtlied         (02.01.2006)

 

 

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

 

In allen Läden

herrscht Ruh,

drum ohne Schäden

gehst du,

kaum mal gestört,

entlang die verwaisten Fassaden.

Da ist kein Laden,

den man noch hört.

 

Aber’s fließt leise

der Spam,

der dich umkreise,

enthemm.

Will er dich ziehn,

dann hilft nur ihn löschen im Nu.

Anders kannst du

ihm nicht entfliehn.

 

Zuschauers Nachtlied       (02.01.2006)

 

Parodie auf „Wandrers Nachtlied“ (Goethe)

 

Über alle Frequenzen

kommt Mist,

wo früher Grenzen

heute ist

alles banal;

der Geist ist gestorben im Äther.

Schalt ab, denn später

wird es brutal.

 

Erste Neujahrsüberraschung           (01.01.2006)

 

Opa hat sich geirrt. Als der Silvestertag auf Mitternacht zugeht, hört er oben kleine Füße trappeln. Sollte Nina etwa auf sein? Da muss er sich Gewissheit verschaffen. Also nichts wie rauf!

 

Das neue Jahr ist gerade eine Minute alt, als er die Wohnungstür aufmacht. Wohnung leer, aber Balkontür offen. Alle sind auf dem Balkon, Nina auf Papas Arm. Und was für eine Nina! Hellwach und restlos begeistert! Das Feuerwerk ist auch gewaltig!

 

Wann sie denn geschlafen habe, will Opa wissen. Antwort: überhaupt nicht! Mittags ist nämlich ein Missgeschick passiert. In dem Fast-Food-Restaurant, wo sie gewesen sind, hat Mama drei Becher zum Tisch gebracht und ist zur Toilette gegangen. Es waren zwei große Becher mit Fanta (für Mama und Nina) und ein kleiner Becher mit Cola (für Papa). Dummerweise hat Mama nichts dazu gesagt.

 

Bescheiden, wie Nina nun mal ist, hat sie sich den kleinen Becher genommen und zügig geleert. Als Mama an den Tisch zurück kam, war nichts mehr zu ändern.

 

Aber das musste wohl so sein. So hat Opa wenigstens ein wunderschönes Erlebnis mit Nina beim Jahreswechsel. Um zu sehen, woher die Licht- und Knallerscheinungen kommen, deren Quelle vom Balkon aus nicht zu sehen ist, geht Opa auf den Flur, um dort aus dem Fenster zu schauen. Bei seiner Rückkehr findet er Nina auf Mamas Arm.

 

„Ach, mein Schatz, hast du dein Reitpferd gewechselt?“, will er wissen. (So’n Quatsch, das sieht er doch!) Aber Nina versteht sofort und lacht:

 

„Ja, jetzt ist Mama mein Pferd.“

 

Und sie kann kein Ende finden, Opa auf all die bunten Raketen hinzuweisen, wenn sie sich auch hin und wieder die Ohren zuhalten muss...

 

Dreimal Hagen   (31.12.2005)

 

Früher hätte man das am Fahrkartenschalter sagen können. Bis Hagen fährt nämlich die S8 von Mönchengladbach. Aber der Automat ist dadurch nicht zu beeinflussen.

 

Für den von Tronje hat Opa seit frühster Jugend sympathische Empfindungen gehegt.

(Siegfried mochte er weniger und Kriemhild schon gar nicht.)

 

Heute bevorzugt er Rether, weil der viel ästhetischer „killt.“

 

Mutter und Tochter   (31.12.2005)

 

Als Mama heute Morgen zu Nina (3) sagte: „Morgen fängt ein neues Jahr an.“, kam als Reaktion:

 

„Das fass ich nicht! Das kann ich kaum glauben! Jetzt muss ich aber staunen!“

 

Was sich Nina dabei gedacht hat, hätte Opa zu gern gewusst. Aber leider war er nicht persönlich dabei. Mama hat es ihm erst am Nachmittag erzählt, als sie zu ihm herunter gekommen war, um ihm zu klagen, wie arm sie sei.

 

Auf Nachfrage erfuhr Opa die Ursache: Beide Computer oben waren besetzt. Papa „arbeitete“ an seinem, und an Mamas Gerät jagte Nina Moorhühner. Sie weiß sogar schon, wofür sie die meisten Punkte bekommt. Und das setzt sie konsequent um.

 

Aber am Mittag hat Opa unmittelbar mitbekommen, wie Nina den plötzlichen Wetterumschwung „verarbeitet“ hat. Dass der Schnee im Handumdrehen verschwunden war, mochte sie zwar nicht, aber dass es wenigstens regnete, stimmte sie dann doch recht zufrieden.

 

Pfützen über Pfützen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Opas neuer Trick (28.12.2005)

 

Um 18:15 saß Nina mit Mama und Papa schon eine Viertelstunde bei Opa am Abendbrottisch. Leider hatte sie keinen Appetit und verweigerte alles, ganz gleich, wie viel Mühe sich Opa auch mit dem Kochen gemacht hatte. Zum Glück ließen es sich die Eltern um so besser schmecken, obwohl sie gerade eine Schachtel Pralinen geleert hatten. Die hatte Opa ihnen als „Trost“ hingestellt, weil sie pünktlich zur vereinbarten Zeit da gewesen waren. Opa aber hatte über seinem kV-Beitrag „Mittagsschlaf“ den nötigen Blick auf die Uhr vergessen, und die Klöße waren noch nicht fertig.

 

Nach dem Essen wollte Nina bei Opa bleiben.

 

„Geht nur schon rauf!“, sagte sie. „Ich komm mit Opa nach.“

 

Zuerst wollte sie Fotoalben ansehen. Opa war schon ziemlich müde, denn nach einer sehr kurzen Nacht hatte er nur über den Mittagsschlaf geschrieben, statt einen zu halten. Nina aber hatte sich gründlich ausgeruht.

 

Als Opa versuchsweise seinen „Mittagsschlaf“ vorlas, konnte er an Ninas Augen schon erkennen, was kommen würde, nämlich:

 

„Noch mal!“

 

Nach zwei weiteren „Vorlesungen“ – bei denen Nina das Ziehen an Opas Ohr prompt in die Tat umsetzte und sich köstlich amüsierte, sang er es nach der Melodie von „Geh aus, mein Herz“, was er natürlich auch noch zwei mal wiederholen musste.

 

Immerhin schien das Lied auch eine pädagogische Wirkung zu haben. Denn als er Nina erklärte, wie müde er sei und dass er sich jetzt gern auf die Couch legen würde, schien sie zuerst gar nichts dagegen zu haben. Im Gegenteil: Sie stopfte ihm alle verfügbaren Kissen unter sein müdes Haupt – kleiner „Ohrtest“ inklusive. Und die Pantoffeln zog sie ihm auch aus, die er „versehentlich“ anbehalten hatte. Und – o Wunder – sie legte sich selber auf die kleine Couch, die der großen gegenüber steht.

 

Als Opa gerade wegzudämmern begann – Nina war ganz still – ertönte plötzlich von oben Ninas Schlagzeug. Offenbar machte sich Papa (?) oder Mama (?) damit vertraut. Da musste man ja unbedingt nach dem Rechten sehen. Schließlich hatte Nina niemandem die Erlaubnis erteilt!

 

Im Handumdrehen hatte sie Opa und sich selber die Pantoffeln wieder angezogen, half ihm beim Aufstehen und zog ihn zur Tür. Na ja.

 

Oben saß Papa im Wohnzimmer am Computer und erwies sich als völlig unschuldig. Mama dagegen machte sich verdächtig eifrig in der Küche zu schaffen. Aha! – Da das Schlagzeug unbedingt überprüft werden musste, wurde Opa mit ins Kinderzimmer geschleift.

 

„Repetitio mater est studiorum“, sagt sich Nina wohl und erklärte Opa zum x-ten Male, was man mit dem Schlagzeug machen kann und wie das geht...

 

Aber dann ging es erst richtig los. Eins nach dem andern wurde ihm eine ziemliche Auswahl der neuen Spiele vorgeführt und erläutert. Zwischendurch ein wenig Versteckspiel und Tierdialoge. Leider wurde Opa immer müder. Zaghafte Andeutungen, er würde gern nach unten gehen, um zu schlafen, wurden kategorisch abgelehnt:

 

„Nein, Opa, das geht nicht! Du musst mit mir spielen.“

 

Sein Versuch, Ninas Couch für ein Nickerchen zu nutzen, war erst recht zum Scheitern verurteilt. Und eigentlich war’s ja auch richtig schön mit der Kleinen... – Aber die Müdigkeit! Kurz vor der drohenden Ohnmacht kam ihm plötzlich eine Idee:

 

„Hör mal, Nina, kannst du mich nicht rausschmeißen?“ –

 

„Au ja!“ Und schon hatte sie seinen kleinen Finger gepackt und zog ihn zur Wohnungstür. Den Opa natürlich, denn der hing ja noch an seinem Finger dran! Der Rest war reine Routine: Tür auf, schnell um Opa herum, ein Schubs und Klatsch! Tür zu!

 

Endlich konnte ein zufrieden schmunzelnder Opa seiner geliebten Couch zustreben – um 20:20 Uhr.

 

 

Ein islamischer Weihnachtsbaum          (21.12.2005)

 

                                                            

 

Im Umriss erinnert die abgebildete uralte arabische Kalligraphie an einen Weihnachtsbaum. Die Schriftzeichen sind im Original auch noch grün.

 

Dabei enthält sie den Text des islamischen Glaubensbekenntnisses, auf Deutsch:

 

„Und wisse, es gibt keinen Gott außer Gott, und Muhammad ist der Gesandte Gottes.“

 

Also wohl doch kein Weihnachtsbaum, auf jeden Fall aber für die Gläubigen eine frohe Botschaft.

 

 

 

Prioritäten   (20.12.2005)

 

Manchmal laufen die Dinge einfach wie verhext. Da hat ihm Mama gestern Abend sein Schätzchen überlassen, doch er muss früher weg als sonst, weil er vor der Chorprobe noch eine wichtige Verabredung mit seinem katholischen Kollegen hat. Es geht um die Liedauswahl der beiden Kirchenchöre für den ökumenischen Jahresabschlussgottesdienst.

 

Zunächst ist jedoch noch alles wunderschön. Nina beschäftigt sich voller Inbrunst mit dem Keyboard – dem sie allmählich schon erste Melodiestückchen zu entlocken gelernt hat. Dann verblüfft sie Opa, indem sie einen Lala-Wecker, dessen abgebrochene „Antenne“ er wieder repariert hat, dazu bringt, eine Melodie zu spielen und Lämpchen aufblitzen zu lassen. Die „Antenne“ dient dabei als Schalter. Aber bei Opas Versuchen war das Ding tot geblieben. Nina zeigt ihm, dass der Stundenzeiger und der Weckerzeiger mit den rückseitigen Knöpfchen zur Deckung gebracht werden müssen. Dann klappt es. Leider rast die Zeit nur so dahin.

 

Dann muss Opa noch das Märchen von Hänsel und Gretel vorlesen. Als das zu Ende ist, sagt er Nina, jetzt müsse er weg – zum Chor. Nina protestiert heftig. Aber pflichtbewusst steht Opa auf, um Mama zu rufen. Das ist für Nina zu viel.

 

„Nein, Opa, bitte nicht! Dann muss ich wieder rauf, und du bist weg.“ Und die Tränenflut ist nicht mehr aufzuhalten. Opa kann nicht anders – das ist „höhere Gewalt.“

 

Wenn er anfängt, über Prioritäten nachzudenken, dann ist das Ergebnis vorprogrammiert.

Also nimmt er wieder auf der Couch Platz und sein Schätzchen in den Arm. Leicht ist es nicht, die Tränen zu beenden. Zum Glück hat er immer genug Papiertaschentücher bei sich.

 

Und dann kommt eben auch noch Rotkäppchen! Wenn er schon zu spät dran ist, dann auch richtig! Innerlich kann er seines Staunens kaum Herr werden. Die kleine Prinzessin, für die sonst immer Mama das Höchste ist, kuschelt sich ganz eng an ihn! Ein höheres Glück kann er sich beim besten Willen nicht vorstellen.

 

Und der Sylvestergottesdienst wird sich auch eine halbe Stunde später noch musikalisch gestalten lassen.

 

Dass dem so ist, weiß er nach der Chorprobe ganz genau. Und er freut sich über seine Entscheidung. Wäre er nur bei den eigenen Kindern auch schon so weise gewesen! 

 

Dichter Nebel            (18.12.2005)

 

Schon seit meinen frühsten Zeiten

hat er meinen Weg begleitet,

mich – den Irrenden – geleitet,

ließ den Pegasus mich reiten.

 

Der Poet, bei dem das Licht –

allermeist im Herbst und Winter –

schamhaft gleichsam so wie hinter

Schleiern barg sein Angesicht,

 

gab mir Nahrung für den Geist,

zeigte sich als milder Walter,

half mir werden zum Gestalter,

der ihn jetzt sein Vorbild heißt.

 

Vielen Menschen zwar ein Graus,

weil er ihnen Schmerz bereitet,

wenn er ungefragt gebreitet

seinen weiten Mantel aus,

 

hat er mir doch nichts getan.

Weil er nie mich hat vernichtet,

stets mein Inneres gelichtet,

schau ich ihn als Vorbild an.

 

„So geht das!“                                             (17.12.2005)

 

Opa hat gerade die überzähligen Münzen aus seinem Portmonee in das alte Marmeladenglas geworfen, das für diesen Zweck im Schrank steht. Als er das Glas zurückstellen will, kommt Nina herein. Da er weiß, wie gern sie etwas in eine ihrer Spardosen steckt – drei davon hat sie: eine bei Papa und Mama, eine bei Oma und eine bei ihm selber -, schüttet er eine Portion aus dem Glas auf den Tisch.

 

„Das Geld kannst du in deine Spardose stecken“, sagt er dabei. Nina sieht sich das Häufchen an, schiebt ihr Händchen quer hindurch und teilt es. Nun sind es zwei Häufchen, ein größeres und ein kleineres. Das größere schiebt sie in Opas Richtung, schaut ihn an und sagt:

 

„Das kannst du behalten, Opa. Du brauchst doch auch Geld.“ Dann nimmt sie ihre „Opa“-Spardose vom Schranksims und lässt das kleinere Häufchen darin verschwinden. Opa ist so verblüfft, dass er gar nichts sagen kann.

 

Aber lange darüber nachzudenken, dafür bleibt ihm keine Zeit. Denn seine Nina steht vor ihm und studiert die Spardose, die sie immer noch in der Hand hält. Durch den Schlitz und das Loch im Deckel lässt sich nichts von dem erkennen, was darin enthalten ist. Opa ahnt schon fast, was jetzt kommt:

 

„Opa, kannst du mir die Dose bitte mal aufmachen? Ich möchte sehen, was drin ist.“

 

Als gelernter Pädagoge setzt Opa zu einer – zugegebenermaßen recht langatmigen – Erklärung an, weshalb er das nicht könne. Schließlich habe nur die Sparkasse den passenden Schlüssel dafür.

 

Während er redet, fällt ihm der Essay von Heinrich von Kleist „Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ ein. Immer deutlicher wird ihm nämlich ein Parallelthema bewusst: „Über die allmähliche Entstehen der Stirnfalten beim Zuhören.“

 

Die Augen in der „Faltenstirn“ haben inzwischen eine teppichfreie Stelle des Fliesenbodens entdeckt, und ehe Opa seinen Gedankengängen weiter folgen kann, gibt es einen Knall und ein Klirren. Die Spardose liegt am Boden, der Plastikdeckel ist abgeplatzt und die Münzen haben sich über die nähere Umgebung ergossen.

 

„Siehst du, Opa? So geht das!“ reißt ihn Ninas Stimme in die Realität zurück. Ganz taub ist Opa ja noch nicht, aber wieder mal ganz stumm.

 

Traurig, traurig...              (14.12.2005)

 

Gestern Abend hat Zackenbarsch in der „Aktuellen Stunde“ (WDR) seinen großen Bruder (350 kg) gesehen. Den hatte man schon umgebracht und nahm ihn gerade auseinander. Köche können manchmal etwas Abschreckendes haben.

 

Als Zackenbarsch ihn anschließend auf der Homepage des Senders suchte, um ein letztes Bild von ihm zu speichern, konnte er ihn nirgends entdecken. Na klar, der war ja inzwischen „verarbeitet“...

 

Das *viel mir auf!

 

Untertitel auf Seite 2 der heutigen „Rheinischen Post“ (12.12.2005):

 

„Die Entscheidung, dass Schröder Aufsichtsratchef der Pipeline-Gesellschaft wird, viel [sic] möglicherweise noch zu seiner Amtszeit.“

 

(Ohne Kommentar)

 

* Das Sternchen kennzeichnet Sprachformen, die es (eigentlich) nicht gibt.

 

Morgensonne vor Sonnenaufgang¹             (12.12.2005)

 

Als Nina heute Morgen mit Mama zum Kindergarten aufbricht, ist sie nicht stumm, wie sonst meistens. Schon vom Treppenabsatz herunter redet sie mit Opa, der unten wartet. Als der seine Bewunderung für ihre schöne gepolsterte rosa Jacke äußert, kommt von oben:

 

„Ja, Opa, die hat Oma mir gekauft!“

 

Da Opa gehört hat, dass Mama diese Woche länger arbeiten muss und Oma seinen Schatz vom Kindergarten abholt, erkundigt er sich noch einmal bei ihr nach den Einzelheiten. Ehe Mama die entsprechenden Antworten geben kann, ertönt schon Ninas Stimme:

 

„Oma holt mich um 2 Uhr ab. Ich freu mich schon darauf!“ Und das Tollste: Als die Kleine unten ankommt, muss Opa sich bücken, um den Abschiedskuss in Empfang nehmen zu können, der ihm unaufgefordert in den Bart gedrückt wird.

 

Wenn das kein phantastischer Start in den Tag ist!  

 

¹ Schon um 8 Uhr, während die „richtige“ Sonne heute erst um 8:28 Uhr aufgeht.

 

Dr Übberzieher                                           (11.12.2005)

 

Erinnerung in Rheydter Platt

 

De letzte Daach es et jätt kälder jewuade. Wie esch hüüt Morje eruut jonn woll, hann esch övverleit, off esch mesch ene Mankel aanträcke sollde. Dobee veel mesch mine Opa en.

 

Dä hott en janze Reeh staatse Mänkel. Et Sonndes, vör de Kerk, trook hä sine Sonndesmankel aan. En de Weäk ding-et eene van die Werkeldaachsmänkel. Dökes hann esch min Oma kalle jehuet. Die ding net Platt kalle, mar „Hochdeutsch möt Häggelatze.“

Jedes Ki’er sait se:

 

„Bis-de auch warm jenuch anjezooren?“ Un wenn hä dann kene Mankel aanhott, sait se:

„Tu dich lieber ene Übberzieher“ an, sons hols-te dich noch watt!“

 

Vör min Oma wuare Mänkel „Übberzieher.“ Vleets hat se jedait, „Mäntel“ wü’er och jätt Plattes. Dä Ongerscheet es jo net jruet.

 

Un dat „Übberzieher“¹ hüüt noch jebruck weäde, dat mer sesch „nix hollt“, dat konnt se sescher noch net wi’ete.

 

¹ Geschichte der „Überzieher“ (aus Wikipedia)

Die ersten Kondome wurden aus gewebtem Stoff gefertigt. Sie waren nicht besonders wirksam bei der Empfängnisverhütung. Die ersten wirkungsvollen Kondome wurden aus Schafsdärmen oder anderen tierischen Membranen hergestellt und sind auch heutzutage noch erhältlich. Sie gelten als sinnlicher, da sie die Körperwärme besser übertragen, sind jedoch nicht so wirkungsvoll wie künstlich hergestellte Kondome bei der Verhütung von Schwangerschaften sowie Geschlechtskrankheiten und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (beispielsweise AIDS, Hepatitis C). Bereits Casanova benutzte solche Kondome, die im 18. Jahrhundert English Overcoats“ genannt wurden, um sich vor der gefürchteten Syphilis zu schützen. Über die Namensherkunft gibt es viele Theorien. Die verbreitetste ist, dass sie ihren Namen von Dr. Condom erhalten haben, der Hofarzt von Charles II. war und Hammeldärme zur Empfängnis- und Infektionsverhütung empfohlen haben soll. Eine andere Variante bezieht sich auf die Kombination der Wortbestandteile "con" (ital., bzw. vom lat. "cum" abgeleitet für "mit") und "doma" (vom lat. "Domus" für "Haus" oder "Kuppel").

1842 machte Charles Goodyear eine bahnbrechende Erfindung: die Vulkanisierung von Kautschuk. Damit war es möglich, Gummi herzustellen, das wasserfest, wärme- und kältefest sowie bruchstabil war. 1855 stellte dieser das erste Gummi-Kondom her, das 1870 mit zwei Millimeter Dicke und vernahtet serienmäßig produziert wurde. 1912 entwickelte der jüdische Gummifabrikant Julius Fromm eine Methode nahtlose Kondome herzustellen, indem ein Glaskolben in eine Gummilösung eingetaucht wurde. Ab 1930 wurde Latex als Material benutzt. Diese Entwicklung von Latex-Kondomen war ein großer Schritt nach vorne in Bezug auf Wirksamkeit und Verfügbarkeit. Trotzdem war der Verkauf von Kondomen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts vielerorts verboten beziehungsweise nur zum medizinischen Gebrauch erlaubt. In Irland galt eine solche Regelung sogar noch bis Anfang der 1990er Jahre.

 

Nina und die Vergänglichkeit              (11.12.2005)

 

Beim Spielen in Opas Wohnzimmer blieb Nina gestern ganz plötzlich vor der Seitenwand von Opas Schreibtisch stehen. Ungläubig unterzog sie die Kunststoffoberfläche („Buchenachbildung“) einer eingehenden Überprüfung. Dann kam die unvermeidliche Frage:

 

„Opa, wo sind denn meine Bilder?“

 

Seltsam, die „Bilder“ (Bleistift- und Kugelschreiberzeichnungen und einige Aufkleber) hatte Opa schon vor seinem Geburtstag entfernt und sich dabei über die tolle Wirksamkeit seines neuen „Power“-Reinigers gewundert. Das aber war inzwischen schon mehr als zwei Wochen her.

 

Und nun erst war das Nina aufgefallen. Dabei konnte sie sich noch ziemlich genau erinnern, was wo geklebt hatte und was ihre „Bilder“ darstellten.

 

Enttäuschung? – Fehlanzeige. Im Gegenteil. Mit sichtbarem Interesse ließ sie sich von Opa erklären, wie er es geschafft hatte, das alles weg zu bekommen. Ihre Miene strahlte heitere Gelassenheit aus, während sie ihm aufmerksam zuhörte.

 

Vielleicht war sie sich ihrer Fähigkeit bewusst, alles in kürzester Zeit neu zu erschaffen...

Opa wurde schon etwas unruhig bei dem Gedanken.

 

Aber diesmal blieb er (besser: sein Schreibtisch) noch verschont.

 

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