Greifswalder Scherz  (08.07.2006)

 Foto: Stefan Sauer/DPA

In Greifswald, knapp 40 km von George W. Bushs Besuchsort Stralsund, hat das „Theater Vorpommern“ im Museumshafen eine 12 Meter hohe Statue aufgestellt, die der New Yorker Freiheitsstatue sehr ähnlich ist. Wesentlicher Unterschied:

Statt Fackel zeigt die Greifswalder Version den Stinkefinger.

Das hat die Landes-CDU in helle Aufregung versetzt. Sie tobt.

Die Theaterleute bleiben allerdings ganz gelassen. Natürlich denken sie nicht daran, den „Stein des Anstoßes“ zu entfernen.

;-)

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Die Meldung zu dem Bild:

(Greifswald/dpa) - Der Metallbauer Ralf Schimps vom Unternehmen Schimps & Söhne kontrolliert an der Greifswalder Freiheitsstatue die Scharniere für die aufklappbaren Brüste der Figur (Foto vom 14.06.2006). Das Monument ist Teil des Bühnenbildes für das Kultmusical "Hair", das in Greifswald am 12. Juli auf einer neuen Freilichtbühne des Theaters Vorpommern Premiere haben wird. Statt Fackel trägt die 12 Meter hohe Freiheitsstatue einen Stinkefinger. Das Bühnenbild soll in der nächsten Woche fertig gestellt werden.

Na, also!  (08.07.2006)

 Dr. Werner Schnappauf (Foto: havelshouseofhistory.com)

Wie jetzt eine ddp-Meldung mitteilt,  wird es trotz der Anzeigen (Vgl. „Nachruf auf Bruno“) kein Ermittlungsverfahren gegen den bayerischen Umweltminister Werner Schnappauf (CSU) geben, der den Abschuss von JJ1 (Bruno) angeordnet hatte.

Der Braunbär zählt nämlich nicht zu den Tierarten, die durch das Jagdrecht geschützt sind.

Hoffentlich taucht in Bayern kein Exemplar einer scheinbar völlig ausgestorbenen Art auf! Das wäre sicher auch nicht „durch das Jagdrecht geschützt“.

Horrido!

Haifischmaedchen (12.03.2006)

Akrostichon-Gedicht

Halbe Sachen sind ihr Wesen nicht;

Achtung! heißt es, wenn von fern sie drohen.

Immer zählt man sie wohl zu den rohen

Furien mit den „Zähnen im Gesicht“¹.

Ist auch Abstandhalten meist geboten,

Sollte man sie nicht als schlimm verkennen.

Chaos droht dem, den sie überrennen.

Heut’ sind selber sie die viel Bedrohten.

Meine Meinung hat sich stark gewandelt,

Anders seh’ inzwischen ich die Tiere.

Eins, das weiblich, schwimmt hier² im Reviere.

Doch ich zweifle, ob sich’s wirklich handelt,

Charismatisch meist, um so ein Wesen.

Hebt sein Schreiben es doch hoch heraus.

Einen – wenn auch nur fiktiven – Blumenstrauß

Nehm’s von mir und lass mich weiter lesen!

Als kleine Aufmerksamkeit

zu deinem heutigen Geburtstag,

liebe Kathleen,

mit den besten Wünschen

für das neue Lebensjahr

von Friedhelm

¹ Zitat aus Brechts „Dreigroschenoper

² bei keinVerlag

Sportreporterdeutsch (Kommentar zur Sprache) 

Vor Beginn des Fußballländerspieldebakels (01.03.2006) gegen Italien mit der 4:1-Niederlage für die deutsche Mannschaft erging sich der Reporter, Reinhold Beckmann, in sprachstilistischem Höhenflug, als er die Beliebtheit eines italienischen Abwehrspielers auf dessen „subtile Aura der Arroganz“ zurückführte. Hoffentlich haben ihn alle Fußballfans verstanden. Was genau er damit gemeint hat, weiß ich zwar auch nicht, denn die Umsetzungsmöglichkeiten in normaleres Deutsch reichen von „zarten okkulten Strahlungserscheinungen des Dünkels“ bis zur „Gesamtheit der unterschwellig vorhandenen Wirkungen der Anmaßung“, die von dem Spieler ausgehen soll.

Möge der gemeinte Sinn Reinhold Beckmanns Geheimnis bleiben! Sollte er etwa den Spieler wegen der Aura beneiden? – Er kann ganz beruhigt sein, ein Stückchen davon ist auch ihm selber zu Eigen.

 

Zwischen den Jahren  

(29.12.2005)

Ha! „Zwischen den Jahren“,

so hört man von Scharen.

Die sind doch beschränkt!

Gibt’s niemand, der denkt?

Denn zwischen den Jahren,

ja, nicht einmal Haaren

dort bietet sich Platz.

Was soll dann der Satz,

der offenbar Unsinn?

Ob ich noch normal bin,

das frag’ ich mich jetzt,

von Schrott zugeschwätzt.

Was objektiv stimmt,

zur Kenntnis kaum nimmt

die Masse, die breite.

Selbst viele Gescheite,

die reden so auch.

Der Schall wird zum Rauch

vom Opferaltar,

wo alles, was wahr,

dem Zeitgeist verehrt.

Und das, was verkehrt,

als Wahrheit behandelt.

Die Logik verschandelt!

Doch „Halt!“ ruft ’ne Stimme,

’ne innere, schlimme,

„Du kannst nicht aufs Denken

allein dich beschränken. 

Nach Kälte und Wärme

hat jetzt das Gedärme

die Zeit auch erfasst.

Ob dir das nun passt,

ob richtig verhasst,

ist ganz oder fast

belanglos zu nennen.

Du wirst schon erkennen:

Die Logik ist out,

weil nicht mehr vertraut.

Und tut’s dir auch Leid:

Gefühlt wird die Zeit.

Nach Weihnachten Feiern

mit Fressen und Reihern,

dann fühlt vor Silvester

so mancher, mein Bester:

Das Jahr ist vorbei.

Drum ist’s einerlei,

dass noch ein paar Tage

lang dauert die Plage.

Er fühlt sie als Loch

und folglich sich doch

mit Haut und mit Haaren

ganz zwischen den Jahren.“ 

 

Niederrheiner                        (11.12.2005)

Da lese ich gerade ein Zitat des leider am letzten Dienstag verstorbenen Hanns Dieter Hüsch:

„Ein Niederrheiner ist einer, der nix weiß und alles erklären kann.“

Nun lässt mich die Frage nicht los, woher der mich so gut gekannt hat...

 

Miss World           (10.12.2005)

In Sanya (Hainan, Südchina) wurde heute die neue „Miss World“ gekürt.

Die Wahl fiel auf die Isländerin Unnur Birna Vilhjalmsdottir.

Opa weiß nicht recht...

Seine Nina gefällt ihm viel besser! 

 

Störung            (07.12.2005)

Schon mehr als dreizehn Stunden

ist hier an meinem Ort

– so hab’ ich raus gefunden –

der Festnetzanschluss fort.

Das finde ich schon happig

von dieser Telekom,

gebührenmäßig schrappig,

doch jetzt kein bisschen „fromm“!

Zuerst, da hab’ ich lange

bei mir herum gesucht

und war schon richtig bange,

weil ich nichts fand, verflucht!

Nur: „Server nicht gefunden“,

das sagte mein PC.

So sucht’ ich viele Stunden

und kam nicht auf den Dreh.

Bis im Display am Hörer

von meinem Telefon

was stand von einem „Störer“

als Grund, weshalb kein Ton...

Nun harre ich der Dinge

und hoff’, dass irgendwann

den Störtrupps es gelinge,

damit ich endlich kann

noch kommen zu kV.

Das fänd’ ich wirklich nett!

Wenn nicht, bin ich so schlau

und lege mich ins Bett.  

Leider hat es noch ein paar Stunden mehr gedauert, bis die Störung beseitigt war. Ins Internet konnte ich allerdings immer noch nicht, da ich – als ich noch nicht Bescheid wusste – bei meinen vergeblichen Versuchen, den „Fehler“ zu beheben – offenbar meine Verbindung beseitigt hatte. 

Mein Vater                   (05.12.2005)

Mein Vater hat immer nur Samtband gewebt

– beruflich will damit ich sagen –,

doch dass seine Firma er hat überlebt,

das konnte er schwer nur ertragen.

Mit vierzehn da hatt’ den Beruf er erlernt,

und zwar in demselben Betriebe.

Nur Krieg und Gefangenschaft haben entfernt

ihn neun Jahre von seiner „Liebe.“

Als damals er heimkam nach schrecklicher Zeit,

da lag der Betrieb zwar in Trümmern.

Anstatt jedoch selbst sich zu aalen im Leid,

begann er sich darum zu kümmern.

Und während die Maurer und Dachdecker bauten,

hat er über längere Zeit

die Webstühle, die ihm so innig vertrauten

Maschinen, von Rost erst befreit.

Als Schreiner und Dreher, als Schlosser und Schweißer

Sie aufgebaut, bis sie dann liefen.

Und ob auch die Tage mal kälter, mal heißer,

er musst’ es tun, weil sie ihn riefen.

Und manche Erfindung gelang ihm dabei,

das hat sich ganz einfach ergeben.

Und als aus den Trümmern erstieg Weberei,

da konnt’ sie auch „Schlauchbänder“ weben.

Zwar wurde er dafür auch „technischer Leiter“,

doch hat sich’s für ihn nicht gelohnt.

Der Abbau der Branche schritt weiter und weiter;

So wurde auch er nicht verschont.

Ein Jährchen bevor deren fünfzig vollbracht,

da war seine Arbeit er los.

Das war für ihn fast so wie ständige Nacht,

wie tückischen Meuchelmords Stoß.

Und hätt’ er zu Haus nicht gehabt seinen Garten,

die Frau und die Kinder, die zwei,

dann hätt’ er den Tod wohl kaum können erwarten,

nachdem seine Arbeit vorbei.

Ein Jahr hat danach noch die Firma gelebt,

mit jungen statt älteren Kräften.

Doch dann hat am Ende rein nichts mehr gewebt,

aus war es mit allen Geschäften.

Mein Vater (Jahrgang 1907) kam mit 13 Jahren in die Lehre als Samtbandweber bei einem Betrieb in Rheydt. Am Ende seiner Lehrzeit besuchte er neben der Arbeit Kurse an der Textilschule in Krefeld, wo er zum Textiltechniker ausgebildet wurde. Danach schickte ihn seine Firma für anderthalb Jahre nach Bulgarien, wo er eine Samtbandweberei aufbaute und bulgarische Weber anlernte. Zurück in Deutschland arbeitete er weiter im selben Betrieb.

Zehn Jahre später heiratete er und wurde Vater. 1939 wurde er eingezogen und kam schon bald nach Russland.

Erst 1948 kam er aus der Gefangenschaft zurück, und machte sich tatkräftig an die Arbeit, um aus völlig verbrannten und ausgeglühten Webstühlen wieder brauchbare zu machen. Als ihm das gelungen war – einschließlich einiger beiläufiger Erfindungen, wie z. B. dem Weben von Schlauchbändern, die damals als Trägerüberzüge bei der BH-Herstellung gebraucht wurden – wurde Meister Schmitz zum technischen Betriebsleiter befördert.

Aber die internationale Konkurrenz wurde immer schlimmer. Ein knappes Jahr vor seiner 50-jährigen Betriebszugehörigkeit wurde er entlassen. Mit seinen damals 62 Jahren schickte ihn das Arbeitsamt noch auf entwürdigende Touren zu anderen Webereien, wo er natürlich nicht die geringste Chance hatte. Sein alter Betrieb ging jedoch ein Jahr später in Konkurs. Die Gebäude übernahm ein Supermarkt, zu dem ich später noch oft mit ihm gefahren bin.

Drei Jahre nach seiner Entlassung erkrankte mein Vater an Darmkrebs. Trotzdem ist er fast 89 geworden.   

 

Parforceritt durch die deutsche Lyrik  (04.12.2005)

Wer reitet so spät durch den warmen Lehm?

Herr Walther reitet, es ist wohl angenehm.

Es läuft der Frühlingswind, die Luft ist so blau.

Es scheint so fremd, so unbegreiflich weit,

was auf das Leben folgt. Überlass es der Zeit,

erscheint dir etwas unerhört. Und ob du tau-

sendmal vom künftigen Alter ganz und gar

nicht Ermunterung über Nacht, wahr-

lich ganz und gar nicht eine Romanze

bei stiller Nacht, Erleuchtung wie im Morgenglanze

siehst, sei dennoch unverzagt:

Es bleibt das Glück, wenn über stiller Heide es tagt.

Das Gedicht besteht ausschließlich aus Anfängen und Titeln deutscher Gedichte. Kein einziges anderes Wort ist

hinzugefügt.

Zu den ausgebeuteten Autoren gehören Goethe (mehrfach), Hofmannsthal (mehrfach), Fontane (mehrfach), Hölty,

J. Burckhardt, Eugen Roth, Rückert, Angelus Silesius, Friedrich von Spee, Hebbel, Franz Brentano, Schiller, Raabe, Paul Fleming, Chamisso, Julius Grosse und ein Volkslied.

 

Ganz nebenbei                                                   (03.12.2005)

Als Opa heute oben auftaucht, begrüßt ihn eine ausnehmend fröhliche Nina. Der „doofe Trottel“ ist zwar schon im Supermarkt gewesen, weil er aber sein Geld vergessen hatte, muss er noch mal hin. Irgendwann wird er vielleicht selber einsehen, dass Ninas Charakterisierung zutreffen könnte...

Nina hört mit sichtlichem Vergnügen zu, wie er Mama von seinem Missgeschick erzählt. Offenbar hat sie Hintergedanken, von denen er noch nichts ahnt:

„Bringst du mir bitte ‚Monte’ mit, Opa?“ – Aha, das nennt man wohl „Diplomatie.“

„Aber kein ‚Vanille’! Ich mag nur ‚Schokolade’.“ – Natürlich, wie Euer Gnaden wünschen, sagt Opa zwar nicht, aber seine Gedanken gehen etwa in die Richtung.

Da er auch noch zum Bäcker muss, bringt er zusätzlich ein Weckmännchen mit.

Dann ist er zurück, samt Monte und dem Weckmännchen.

„Ist das für mich?“, tut Nina ganz überrascht. „Danke, lieber Opa!“ Der findet den Kopf von dem Kerlchen ziemlich klein. Nina stimmt lachend zu, beseitigt das Defizit aber sofort durch einen energischen Biss. Als sie den Mund wieder halbwegs leer hat, meint sie:

„Siehst du? Jetzt ist das egal!“ Und weil die Füße auch ziemlich unterentwickelt sind, fährt sie mit ihren „Korrekturmaßnahmen“ fort.

Da Opa noch eine ganze Menge zu tun hat, muss er wieder nach unten. Nina bringt ihn zur Wohnungstür. Unterwegs schnappt sie sich noch ein kleines Päckchen vom Tisch.

„Weißt du, was das ist, Opa?“ – Natürlich schüttelt der den Kopf, denn Ninas Finger verbergen ihm die Aufschrift.

„Das ist Maoam, Opa. Das schmeckt ganz lecker!“ Ehe Opa anfangen kann, sich zu fragen, ob sich ihre Geschmacksvorliebe verändert hat, kommt der Nachsatz:

„Das schenk ich dir, Opa!“ – Opas Weltbild ist wieder in Ordnung.

 

Wie Europa sich erstickt – und die Welt

Enthüllung: Der Preis an Umwelt für den Verbrauch in Europa

Von Stephen Castle in Brüssel („The Independent“)

Veröffentlicht: 30.11.2005

(Übersetzung: Friedhelm Schmitz)

Europas hochtrabender Anspruch im Blick auf Umweltfragen ist gründlich erschüttert worden durch einen verheerenden Bericht über sein Versagen im Kampf gegen die globale Erwärmung und Umweltverschmutzung. Er Besagt: Europa verschlingt die natürlichen Ressourcen mit der doppelten weltweiten Durchschnittsgeschwindigkeit.

Ein Klimawandel, wie ihn der europäische Kontinent seit 5.000 Jahren nicht erlebt hat, ist im Gange, so der Bericht, der gestern davor warnte, dass bis 2050 drei Viertel der Schweizer Gletscher geschmolzen sein werden.

Die Stadtgebiete Europas werden sich in gut einem Jahrhundert ausdehnungsmäßig verdoppeln, da die Lebenserwartung steigt und mehr Menschen allein wohnen. Zunehmender Wildwuchs bei der Ausbreitung der Stadtgebiete hat zur Folge, dass in 10 Jahren eine freie Fläche der dreifachen Größe Luxemburgs zugebaut sein wird. Der Luftverkehr wird sich wohl bis 2030 verdoppeln, und maritime Ökosysteme, Wasservorräte und Luftqualität sind in Gefahr.

Obwohl die „European Environmental Agency“ in ihrer Einschätzung viele Umweltinitiativen lobt, macht sie deutlich, dass noch viel mehr getan werden muss, wenn eine ernste Krise vermieden werden soll.

Großbritannien – obwohl in einigen Bereichen erfolgreich – wird kritisiert wegen der wachsenden Hausmüllmenge, von der nur 14,5 % recycelt oder kompostiert werden bei einer Zielvorstellung von 25 %.

Aber der Bericht, eine Fünfjahreseinschätzung von 32 Staaten, konzentriert sich auf die Bedrohung durch den Klimawandel. Er weist darauf hin, dass die 4 heißesten Jahre seit Beginn der Klimaaufzeichnung 1998, 2002, 2003 und 2004 gewesen sind und dass 10 % der Alpengletscher allein im Sommer 2003 verschwanden.

Jacqueline McGlade, die Geschäftsführerin der Agency, sagte: „Ohne wirksame und nachhaltige Anstrengungen über mehrere Jahrzehnte wird die globale Erwärmung dafür sorgen, dass die Eisflächen im Norden schmelzen und die Wüsten sich von Süden her ausdehnen. Die Bevölkerung Europas könnte gezwungen sein, sich auf die Mitte des Kontinents zurück zu ziehen.“

Sie sagte auch, die Ausbreitung von Asphalt und Beton über ehemalige Grüngürtelbezirke sei eine Erneuerung der Fehler, die zur Verwüstung von New Orleans durch den Hurrikan Katrina geführt hätten, weil man Feuchtgebiete überbaut habe. „Selbst wenn wir es schaffen, die globale Erwärmung auf die EU-Zielvorstellung von maximal 2° C zu beschränken, werden wir in atmosphärischen Bedingungen leben müssen, die Menschen noch nie erfahren haben. Tiefere Einschnitte bei den Emissionen sind notwendig.“

Die Autoren des Berichts glauben, das individuelle Verhalten müsse sich ändern, und sie regen an, durch Änderungen im Steuersystem sicher zu stellen, dass Umweltverschmutzer stärker zur Kasse gebeten werden.

Der Bericht hebt den „ökologischen Fußabdruck“ Europas hervor, die geschätzte Fläche, die nötig ist, um den Bedarf eines Menschen zu produzieren und seinen Abfall aufzunehmen. Bei 5 Hektar pro Person weltweit, ist die Zahl für die 25 EU-Staaten halb so groß wie die für die USA, aber größer als die für Japan und mehr als doppelt so groß wie der Durchschnitt für Staaten wie Brasilien, China oder Indien.

...............

[so weit die Übersetzung. Das Original ist auf der Homepage des „INDEPENDENT“ nachzulesen]

Das Keyboard                                                            (29.11.2005)

Gestern hat Opa ein Keyboard gekauft. Noten kennt er zwar seit frühester Jugend, aber Klavierspielen hat er nie gelernt. Als er ganz allein im Haus ist, probiert er das Ding ganz vorsichtig aus. Die Möglichkeiten sind einfach überwältigend. Aber er muss noch unheimlich viel studieren...

Heute Mittag nimmt die hungrige Mama Kurs auf Opas Esstisch, nachdem sie Nina mit dem Versprechen geködert hat, sie dürfe den Adventskalender auspacken, den Mama vom Betrieb mitgebracht hat, wenn sie den Abstecher in Opas Wohnung „erlaube.“

Zuerst ist Nina völlig vom Adventskalender in Anspruch genommen, dessen straffe Zellophanhülle ihre ganze Fingerfertigkeit erfordert. Opas Hilfsangebot wird abschlägig beschieden:

„Nää (!), danke, Opa, das kann ich selber!“

So ist es auch. Auf Opas Anregung hin sucht sie zwar zuerst das Fensterchen mit der 1, dann aber werden die Fensterchen systematisch der Reihe nach auf gefummelt. Und geleert, wobei die Schokoladefigürchen à 3 g gründlich begutachtet und dann in einem Schüsselchen abgelegt werden. Nur selten verschwindet eins in Ninas Mund. Opa und Mama kommen jedoch nicht zu kurz.

Als Opa gegen Ende der Prozedur unbemerkt das Keyboard einschaltet und eine der gespeicherten 50 Melodien abspielt, hat sich der Adventskalender natürlich auf einen Schlag erledigt. Schon steht Nina am Schreibtisch und testet die Tastatur, ohne sich durch das laufende Lied stören zu lassen.

Dann ist das Lied zu Ende, und Opa drückt eines der vielen Knöpfchen, um es erneut laufen zu lassen. Nina hat ganz genau hingeschaut. Denn als das Lied wieder aus ist, drückt sie mit traumhafter Sicherheit genau dasselbe Knöpfchen mit demselben Ergebnis.

Irgendwelche Hemmungen sind ihr vollkommen fremd. Fasziniert von den vielen Köpfchen muss sie natürlich möglichst alle gleich selber einmal untersuchen und das, was bei Opa Stunden gedauert hat, erledigt sie so zu sagen im „Schnelldurchgang.“

Opa hat offenbar das Richtige gekauft. Das merkt er spätestens in dem Augenblick, als sein Schätzchen – von der „Musik“ überwältigt – zu tanzen beginnt. Er bemüht sich mitzutanzen, muss sich aber in seinen Sessel verweisen lassen:

„Nein (!), Opa! Ich will allein tanzen. Setz du dich da hin!“ Eigentlich ist ihm das auch lieber. So kann er seine Tänzerin ja noch viel besser genießen. Er ist nur ein bisschen traurig, dass Oma das nicht sieht, die sicher auch ihre helle Freude daran gehabt hätte.

Und immer, wenn ein Lied zu Ende ist, kann er gleich sitzen bleiben. Nina hat längst gemerkt, wie sie ein neues hervorzaubern kann. Schließlich ist Mama mit dem Essen fertig, und seltsamerweise ist die Kleine sofort bereit, mit nach oben zu gehen. Wenn man sich klar macht, wie lange sie schon auf den Beinen ist, dann kann ihre Müdigkeit nicht verwundern. Obwohl sie bisher nichts davon hat spüren lassen.

Zurück bleibt ein restlos zufriedener und glücklicher Opa. Und ein sehr verlockendes Sofa!

Kraftwerke     (Aphorismus, 29.11.2005)                                   

Braunkohlekraftwerke sind Dreckschleudern; AKWs auch.

 

Sprachentwicklung

Bisher hat Nina immer „Nein“ gesagt. Neuerdings benutzt sie mit Vorliebe „Nää!“

Opa sorgt sich ein wenig um ihre Sprachkultur und erkundigt sich, ob das die Kinder im Kindergarten sagen würden.

„Nää, Opa. Ich sage das.“, lautet die Antwort.

Nina und Opas Geburtstag

Am Vorabend von Opas 70. Geburtstag hat Nina einen kleinen Kranzkuchen (s. Bild) für ihn gebacken. Das ist gar nicht übertrieben, denn sie hat die Zutaten, die Mama auf dem Ninatisch in der Küche bereit gestellt hat, ganz allein zusammen geschüttet und gerührt, bis der Teig fertig war. Den hat sie dann selber in die kleine Springform gefüllt und die in den Backofen geschoben. Mama hat zwar den Ofen eingeschaltet  und den heißen Kuchen heraus geholt, aber Nina hat ihn dann ganz sorgfältig mit Kuvertüre bepinselt. Natürlich hat sie auch die „Zuckerkonfetti“ darüber gestreut und – das Wichtigste: die sieben kleinen Kerzen hinein gesteckt, eine für jedes Jahrzehnt, und eine gelbe Serviette gefaltet und das Loch in der Mitte damit dekoriert.

Als der Kuchen fertig ist – schon recht spät am Abend – muss sie ihn dem „Geburtstagskind“ selbstverständlich sofort bringen. Mamas Protest ist zwecklos. Opas Überraschung und Riesenfreude sind offenbar der schönste Lohn für die kleine Bäckerin. Nun kann sie sich zufrieden in ihr Bett zurückziehen.

Die eigentliche Überraschung für Opa kommt allerdings erst am Geburtstagsmorgen: Diesmal kommt keine stumme Nina die Treppe herunter – wie sonst auf dem Weg zum Kindergarten –, sondern eine freudestrahlende, die ihm ganz lieb gratuliert und sich herzlich von ihm verabschiedet.

Während Opa noch den ganzen Morgen darüber grübelt, wie Mama das wohl geschafft haben mag, erwartet ihn am frühen Nachmittag noch eine Steigerung: Keine herausgestreckte Zunge, keine Tritte vors Schienbein, keine „bösen“ Wörter, kurz keinerlei Aggression, sondern nur sein lieber Schatz, der ihm haarklein erzählt, wie es im Kindergarten gewesen ist und Opa für eine geraume Zeit seinen mittlerweile erschienenen Gästen abspenstig macht. Gut, dass Oma da ist und sich um die Gäste kümmert.

Als sich Opa dann doch wieder den Gästen widmen muss, weiß sich sein Schätzchen sehr geschickt darin zu fügen und die Gesellschaft durch ihren Charme zu bezaubern. Opa ist ganz stolz!

Am Tag darauf scheint zwar alles wieder „normal“ zu sein, aber bei der Rückkehr vom Einkauf lacht ihn Nina wenigstens wieder an. Wo sie war, will sie zwar nicht verraten, aber das Reklamefähnchen in ihrer Hand verrät es Opa schon von selber – denn der kann ja lesen.

Am Abend kreuzt sie aber ganz plötzlich wieder bei ihm auf und bleibt über eine Stunde allein da, um mit Opa zu spielen, vor allem Rollenspiele mit Tieren, und Bücher zu „lesen“.

Beim Lesen des großen Bilderbuchs „Meine Uhr“, überrascht sie ihn noch einmal, denn sie kann jetzt jede genannte Uhrzeit (volle Stunden) auf der im Buch integrierten Uhr richtig einstellen.

Opa hat ein Glas mit dem Kleingeld, das er regelmäßig aus seiner Geldbörse aussortiert, damit die ihm nicht seine Hose herunterzieht. Zur Feier des Tages schüttet er Nina eine Portion aus dem Glas auf den Tisch, damit sie etwas in ihre Spardose werfen kann. Nina teilt jedoch das Münzhäufchen und erklärt ihm, das kleinere Häufchen sei genug für die Spardose, das größere solle er wieder in sein Glas zurücklegen. Er brauche ja schließlich auch Geld.

Aber eine frische Ananas, die vom Vortag übrig geblieben ist, nimmt sie gern mit nach oben. Allerdings muss sie erst mal daran schnuppern, ob sie auch wirklich frisch ist.

 

Fortschritt                                                                   (16.11.2005)

Nina sei, ohne sich festzuhalten – weil sie ja in jedem Händchen ein Eis gehalten habe (eins für Opa und eins für sich selber), die Kellertreppe hochgestiegen, sagt Mama. Dann lässt sie die beiden allein.

Die lassen sich das Eis schmecken. Gegen Ende des „Gelages“ fällt Nina ein aufgeweichtes Stückchen Eis auf den Teppich. Sofort bückt sie sich, hebt das, was sich noch fassen lässt, auf und schmiert es dem vor ihr hockenden Opa auf den Kopf.

„Das ist gut für die Haare“, meint sie dabei. Bei so viel Fürsorglichkeit kann Opa natürlich nicht protestieren.

Beim anschließenden Singen geht’s diesmal nicht von Seite zu Seite im Liederbuch, sondern die kleine Sängerin sucht die Lieder ganz gezielt aus. Alle, die sie schon einigermaßen beherrscht, scheinen ihre „Favoriten“ zu sein. Opa rätselt noch, woran sie sie erkennen mag, denn diesmal hat sie ein Liederbuch ohne Bilder ausgesucht.

Als für sie die Zeit kommt, wieder nach oben zu gehen, fällt ihr die neue Fertigkeit wieder ein.

„Weißt du, was ich schon kann, Opa?“, sagt sie, „Ich kann schon ohne Geländer die Treppe rauf gehen!“ Als der ihr zu skeptisch erscheint, ergänzt sie ihre Aussage noch ein wenig:

„Das kannst du glauben! Komm mal, ich zeig dir das!“

Und tatsächlich! Es stimmt! Opa geht zwar vorsichtshalber dicht hinter ihr, aber sie schafft den Aufstieg problemlos.

Na ja, beide Händchen sind auch diesmal wieder voll. Denn Opa hatte den Fehler begangen, seine Geldbörse auf dem Tisch liegen gelassen zu haben. Beim obligatorischen „Blick hinein“ hatte sein Schätzchen unbekümmert zugegriffen. Und was sie jetzt nach oben trägt, ist ihre „Beute.“

Oben kann der Ex-Besitzer nur noch registrieren, wie das Geld klimpernd in Ninas großem roten Sparschwein verschwindet, Münze für Münze.

Eingeständnis                                          (14.11.2005)

Heut’ klang es – recht zerknirscht – aus Edmunds Mund:

„Ehrlich gesagt, ich leide wie ein Hund.“

 [ohne Kommentar]

 

Abendstimmung                                                              (14.11.2005)

Opa hat gestern einen herrlichen Abend mit der jungen Familie verbracht. Allen schmeckte das Essen außerordentlich gut, das er für sie gekocht hatte. Und Nina war mit einem Törtchen für ihn herunter gekommen, das sie (mit Mama) "gebackt" hatte. Eigentlich hätte er das jetzt nicht mehr so schreiben dürfen, denn da er es nicht hatte lassen können, noch einmal "gebacken" zu sagen, bemerkte er, dass sie ganz versonnen einige Male "gebacken" vor sich hin sagte. Nach dem Essen blieben die beiden "Frauen" noch fast zwei Stunden bei ihm.

Dabei überraschte ihn die Kleine, weil sie Oma und Opa sogar auf uralten Kinderbildern mit traumhafter Sicherheit identifizieren konnte, obwohl sie die Bilder noch nie gesehen hatte. Er konnte gar nicht schnell genug immer neue hervorkramen.

Dann spielten alle - unter Ninas Anleitung - noch ein paar Spiele aus dem Kindergarten, zu denen man nur die Hände gebraucht, und die Stimme natürlich, zum Singen. Die Zeit verging wie im Flug.

Als die beiden wieder nach oben gingen, wurde Opa noch ein „überaus freundliches“ Abschiedswort zu Teil:

„Gute Nacht, du blöder Kerl!"

 

Aber es klang wie eine Liebeserklärung, vor allem, wenn man ihre Augen dabei sah. Und wegen des Tonfalls.

 

Ex opere operato                                              (14.11.2005)

Jahrzehntelange aktive Teilnahme an Gottesdiensten beider Konfessionen (römisch-katholisch und evangelisch) hat mir einen Unterschied beim „Vaterunser“ bewusst gemacht, eine Kleinigkeit in manchen Augen (besser: Ohren) vielleicht, aber deutlich.

In der römisch-katholischen Messe ist das Vaterunser viel schneller.

Dass die Geschwindigkeit, mit der das „Gebet des Herrn“ in der Messe gebetet wird, in mir – als evangelischem Christen – ein gewisses Unbehagen auslöste, war mir lange nicht ganz klar. Aber je mehr ich es spürte, desto stärker wurde mein innerer Vorbehalt.

Dann begegnete mir – bei der Beschäftigung mit der katholischen Theologie – der Begriff des „ex opere operato“ (lateinisch; = „aus dem Vollzug des Werkes heraus“), mit dem ausgedrückt werden soll, dass sich die Wirkung, in diesem Fall des Gebetes, aus seinem bloßen Vollzug ergibt, unabhängig von der inneren Einstellung dessen, der es tut, hier: spricht. Derselbe Grundsatz betrifft auch die Sakramente.

Klar, dachte ich zuerst, für einen Katholiken genügt es, das Gebet „herunterzurasseln“, ohne sich etwas dabei zu denken. Aber das erwies sich als falsch!

Nach der heutigen katholischen Lehre ist die Vorstellung, „die Wirkung von Gebeten oder sakramentalen Zeichen ihrem bloßen äußeren Vollzug zuzuordnen, unabhängig von der inneren Einstellung, ein Rückfall in den Aberglauben und ein Verstoß gegen das erste Gebot.“

Dass das nicht immer so war, sondern die lange, auf Peter von Poitiers (um 1205), Thomas von Aquin und Papst Innozenz III. zurückgehende Idee des „ex opere operato“ noch heute in der kirchlichen Praxis nachwirkt, zeigt deutlich, wie lange sich „Sitten und Gebräuche“ halten können.

Ich selber habe es inzwischen gelernt, mich auch innerlich schneller zu sammeln.

 

In der Kirche                                                           (13.11.2005)

Eben war Nina zum ersten Mal in der Kirche. Wenn man von ihrer Taufe mal absieht. Der Kindergarten „Unserer lieben Frau“ hatte die Gestaltung der Sonntagsmesse zum Thema „St. Martin“ in „St. Jakobus d. Ä.“ übernommen. Opa durfte in Mamas Auto mitfahren.

Schon gleich beim Einsteigen erklärte ihm Nina:

„Wenn mir das nicht gefällt, gehen wir alle wieder raus und fahren nach Hause!“ Opa war gespannt.

Zuerst ging’s zum Kindergarten. Opa wartete draußen, und Mama ging mit Nina hinein. Aber lange war er nicht allein, denn – wie alle anderen Mütter – wurde Mama wieder hinaus geschickt. Also ging sie mit Opa schon mal den Kirchberg hinauf und, als es Zeit war, in die Kirche hinein.

Um Punkt 9:30 Uhr öffnete sich die große Kirchentür, und alle Kinder kamen mit ihren Fackeln und den Betreuerinnen herein, angeführt von Dechanten mit den Messdienern.

Da alle Lichter in der Kirche erloschen waren, herrschte ein mystisches Halbdunkel. Trotzdem konnte Opa sehen, dass ihn Nina im Vorübergehen erkannte. Noch schien ihr alles zu gefallen, denn sie lächelte ihm zu.

Da sein Platz aber ziemlich weit hinten war, konnte er das Folgende nur noch akustisch wahrnehmen. Zum Glück gingen bald auch die Lichter wieder an, und erstaunlich kraftvoll erklang der Gesang der hellen Kinderstimmen, nur von Gitarren begleitet.

Opa war froh und zufrieden. Ninas „Rausgeh-Option“ schien vergessen. Und er staunte, welche Teile der Liturgie problemlos von den Kindern übernommen wurden, kindgemäß zwar, aber ohne jeden Verlust an geistlicher Substanz. Leid tat ihm nur der ältere Herr, der ihm vor der Messe – im Blick auf die Gestaltung durch den Kindergarten – erklärt hatte, er bedaure, nicht zu Hause geblieben zu sein. Mit den Kindern gebe es doch „keine richtige Andacht.“ Armer Mann! Opa jedenfalls erlebte den tieferen Sinn des Jesu-Wortes „Lasset die Kinder zu mir kommen!“ ganz neu.

Und das „Wunder“ geschah: Offenbar hatte Nina keinerlei Unlustgefühle. Nichts mit Rausgehen! Nur Opa musste – wegen seiner operationsbedingten Blasenverkleinerung – etwas früher nach draußen. Nach der Erleichterung betätigte er sich als Tester für den vor der Kirche angebotenen „Glühwein“ und stellte fest, dass der eine irreführende Bezeichnung trug. „Lauwein“ wäre treffender gewesen! Den jungen Damen, die das Getränk anboten, blieb gerade noch etwas Zeit, die Temperatur zu steigern.

Dann kamen Nina und Mama im Strom der anderen Messteilnehmer aus der Kirche. Nina wollte weder Kakao noch ein Weckmännchen. „Glühwein“ bot Mama ihr wohlweislich nicht an. Opa auch nicht! Da aber alle Kinder des Kindergartens einen Gutschein erhalten hatten, holte Mama den Weckmann wenigstens ab. Dann ging’s den Kirchberg hinab zum Auto zurück. Beim „Abstieg“ erfuhr Opa, Nina habe „alles schön“ gefunden.

Und der kleine Weckmann war nur noch zur Hälfte vorhanden, als der Wagen zu Hause anhielt.

Koalitionsvereinbarungen                            (12.11.2005)

O-Ton Stoiber:

„Gemein...samm...eeh...“

So klang es, als Edmund Stoiber die Überschrift der Koalitionsvereinbarungen nannte.

Richtig lautet deren Titel natürlich nicht „Gemein sind wir“, sondern:

„Gemeinsam für Deutschland mit Mut und Menschlichkeit“

Marken-Kids

Unter dieser Überschrift berichtet die „Frankfurter Rundschau“ heute (11.11.2005) auf ihrer Titelseite von einem Phänomen, das in Großbritannien immer stärker um sich greift:

Eltern benennen ihre Kinder mit Markennamen, wie „Ikea“, „Moët“, „Apple“ usw.

Diese Erscheinung habe in den letzten zwölf Monaten um 20 % zugenommen.

Dazu ein Kurzgedicht:

Manch Hündchen, das heißt „Waldi“,

doch wenn in Zukunft „Aldi“

als Jungenname üblich,

das wär’ schon recht betrüblich.

Auch wer ganz preisbewusst,

sollt’ dennoch seine „Lust

nicht einfach übertragen

so auf die armen Blagen.

 

Darf Opa zur Chorprobe?                             (10.11.2005)

Heute Abend war Opa noch mal kurz zum Einkaufen weg, als Nina mit Mama nach Hause kam. Natürlich betätigten sich die beiden als „Einbrecher“ in Opas Wohnung, denn  Mama hatte Hunger, und Opa hatte vorsorglich das Sauerkraut mit Schweinebauch und Kartoffelbrei auf dem Herd bereit gestellt. Da Nina im Kindergarten und bei Oma schon genug gegessen hatte, hatte sie natürlich keinen Hunger.

Stattdessen musste Opa ihr zuerst einmal das Reklameschaumgummibällchen von Skoda erklären, das er beim etwas gründlicheren Staubsaugen unter der Couch wieder entdeckt und auf die Couch gelegt hatte. Das Bällchen war eine stark vereinfachte und ziemlich verzerrte Wiedergabe der Erdkugel.

Das war für Nina nichts Neues. Sie wollte jedoch genau wissen, wo sie selber wohl war. Natürlich irgendwo auf dem Grünen, nicht in dem Blauen. Das war ja Wasser. Systematisch zeigte sie auf alle Erdteile, einen nach dem anderen, und gab erst Ruhe, wenn sie wusste, was das war. Opa musste nicht nur zeigen, wo Deutschland und das Rheinland waren, sondern auch Spanien wurde verlangt.

Seltsam, immer wieder kam sie zu Sumatra! Und auch Tasmanien und Neuseeland hatten es ihr offensichtlich angetan. Dabei waren das doch nur kleine grüne Flecken auf dem blauen Bällchen. Vielleicht gefielen ihr die Namen der Inseln? Opa kam nicht dahinter.

Anschließend schnappte sie sich einen Kugelschreiber von Opas Schreibtisch und wollte die Tischplatte im Wohnzimmer „verschönern.“ Merkwürdig: Opas Einwände dagegen wurden diesmal ernst genommen! Natürlich brauchte sie ein Blatt Papier als Ersatz.

Das gab ihr Opa zusammen mit einem Stück Pappe als Schreib- und Zeichenunterlage, da sie sich auf dem Teppich niedergelassen hatte. Die Pappe war natürlich überflüssig, denn Nina zeigte dem alten Mann ganz genau, dass überhaupt keine Löcher ins Papier kommen, wenn man nur behutsam genug mit dem Kugelschreiber umgeht.  

Nachdem sie noch zwei Bücher sehr gründlich studiert hatten, wobei Opa ihr erklärte, wieso sich das große („Unser Haus“) nur so schwer öffnen ließ – es hatte nämlich einen Magnetverschluss -, erwähnte er beiläufig, dass er heute Abend noch zum Chor müsse, zum Singen.

Nina fand das gar nicht gut. Sie meinte:

„Singen kannst du doch auch mit mir, Opa! Das ist doch viel schöner.“

Aber Opa versuchte ihr ganz geduldig klar zu machen, dass er zum Singen gehen müsse.

Und sie selber gehe doch gleich mit Mama zu Papa nach oben. Dann sei er selber doch allein. Das einzige, was sie wohl einsah, war, dass sie Opa nicht daran werde hindern können, zu gehen. Also wollte sie seine Hand.

Als Opa ihr die Hand gab, hatte sie ihm blitzschnell mit dem Kugelschreiber, seinem eigenen, den sie immer noch in der eigenen Hand hielt, etwas auf den Handrücken „geschrieben.“ Das konnte Opa natürlich nicht lesen, obwohl es deutlich nach einer sogar ziemlich eleganten Schrift aussah. Auf ein etwas längeres Zeichen folgte ein ziemlich kurzes.

Als sie ihm das vorlesen sollte, sah sie ihn zuerst recht kritisch an, zumindest kam es ihm so vor. Dann folgte sie seiner Bitte und sagte:

„Da steht: ‚Blöder Kerl!’“

Opa hat die Charakterisierung erst in der Probenpause abgewaschen.    

 

Kuschelwohnen?                                 (10.11.2005)

„Kuschelwohnen macht glücklich“

„Kuschelwohnen färbt Nebeltage heiter“

„Kuschelwohnen lässt die Seele atmen“

„Kuschelwohnen dehnt die Zeit“

Jetzt weiß ich Bescheid. Wenn man sich – für teures Geld – all den Schrott zugelegt hat, den „Das Haus“ (Nr. 11/2005, Seite 11 – 17) anpreist, kann man an heiteren Nebeltagen glücklich die Seele atmen (zum Glück nicht „baumeln“!) lassen und die Dehnung der Zeit genießen.

Oder sich über die unnötigen Ausgaben ärgern.

Dazu:

Man möge mich verschonen

mit solchem „Kuschelwohnen“!

Ich wohne lieber schlicht

und kauf den Krempel nicht.

 

Der Tagedieb               (10.11.2005)

Ein „Tagedieb“ klaut Tage,

so legt das Wort es nah.

Wie’s geht, das ist die Frage,

und auch, ob’s je geschah.

Schaut man auf all die Fakten,

die unsrer Lebenszeit,

schon manches Stück abzwackten,

dann ist man schon bereit,

das eine oder andre

dazuzurechnen wohl.

Doch wenn im Geist ich wandre,

erscheint mir das recht hohl.

Da jeder Dieb den eignen

Profit nur hat im Blick,

so lässt es sich nicht leugnen:

Es klappt nicht mir dem Trick,

den Tagedieb zu fassen

als „das, was Tage klaut.“

Das sollt’ man lieber lassen,

wenn auf den Sinn man schaut.

’ne kleine Zigarette

zählt sonst vielleicht dazu,

obwohl sie doch – ich wette –

ist niemals so’n Filou.

Der Tagedieb, wie alle,

die klauen, tut’s für sich.

Das heißt in diesem Falle,

da denk ich mehr an dich,

du „guter“ Arbeitgeber,

der ohne Lohnausgleich

als Mehrarbeitsanstreber

jetzt klopft die –nehmer weich.

Du klaust mit deinem Treiben

dem armen kleinen Mann

schon ziemlich dicke Scheiben

der Lebenswurst. Und dann?

Wenn du dann auch das Deine

– grad wie ein Ackergaul –

würd’st tun, nur dann alleine

wär’s gut. Dein Trick ist faul.

Wer immer nur im Auge

den eigenen Profit,

dass der so recht nichts tauge,

will sagen ich damit.

Ein Tagedieb deswegen

ist keinesfalls ein Ding,

ein böser Mensch dagegen,

dem ich kein Loblied sing.

 

Umsicht und Fürsorge                              (10.11.2005)

Gestern hat Opa Oma begleitet, als sie Nina im Kindergarten abholte.

Auf dem Weg zu Omas Wohnung hüpfte die Kleine fröhlich voraus, etwa zehn bis zwanzig Meter. Aber an jedem Bordstein wartete sie schön. Nur wo Vorgärten mit einer niedrigen Steineinfassung waren, musste sie an Omas Hand balancieren.

An drei Stellen war die Fahrbahn zu überqueren. An der ersten Stelle ist ein Zebrastreifen. Nina war mit Oma schon drüben, Opa noch auf dem Zebrastreifen, als ein Bus kam. Ganz aufgeregt rief sie:

„Opa, pass auf! Da kommt ein Bus!“

Offenbar hat sie Opa immer im Blick. Nun ja, Trottel darf man ja wohl nicht aus dem Auge lassen. Auch auf dem Stück Weg am Altenheim entlang, einem reinen Fußweg, wo eigentlich nichts passieren kann. Leider wird der Weg immer wieder von Radfahrern benutzt. So war’s auch gestern.

Fast wäre Opa umgefahren worden, aber sein „Schutzengelchen“ konnte ihn noch rechtzeitig warnen.

In Omas Wohnung hatte Nina keine Zeit für frische Pflaumen und ihre geliebten Fruchtzwerge. Zuerst musste sie Opas Kakao fertig machen. Im Handumdrehen schob sie einen Stuhl an den Arbeitstisch und füllte geschickt die richtige Menge Kakaopulver in die große Tasse. Ohne Schweinerei! Nur die kochende Milch durfte Oma hinzufügen.

Erst als Opa seinen Kakao hatte, holte sich Nina zwei Fruchtzwerge aus dem Kühlschrank. Die waren eher leer als Opas Tasse Kakao. Aber der war ja auch viel heißer!

Als der alte Mann in kleinen Schlückchen seinem Heißgetränk zu Leibe rückte, fühlte er sich richtig glücklich – so umsorgt und umhegt.    

 

Abendstunde                                                           (08.11.2005)

Der Kindergarten ist wirklich vorbildlich: Ninas Martinstüte – die sie gestern nicht erhalten hatte, weil sie den Martinszug versäumt hatte – stand eben heute für sie bereit.

Natürlich musste Opa den gesamten Inhalt – der schon gewaltig war – begutachten. Er hatte aber kaum Hände genug, all die „milden Gaben“ abzuwehren, mit denen Nina ihn überhäufen wollte. (Schließlich ist Papa, im Gegensatz zu seiner Tochter, ein ausgesprochener Fan von Süßigkeiten!)

Warum ausgerechnet Opa zum Adressaten all der Geschenke ausgesucht war, blieb ihm allerdings verborgen, denn Nina weigerte sich beharrlich, ihn als „lieb“ zu bezeichnen. Im Gegenteil: einziges Ergebnis seiner Bemühungen war: Wieder einmal durfte er hören, dass er ein „Trottel“ sei. Als er es nicht aufgab, eine günstigere Beurteilung anzustreben, kam nur die Präzisierung:

„Ach, Opa, du bist ein blöder Trottel!“

Auf die vorsichtige Erkundigung, ob jemand im Kindergarten solche Wörter gesagt habe, erfuhr er nur:

„Nein, ich sage das!“

Na ja, da war er schon ganz erleichtert, als sein Vorschlag, noch mal ein paar Bücher zu lesen, mit Begeisterung aufgenommen wurde.

Und dass sich Nina beim Lesen ganz eng an ihn kuschelte, tat dem Trottel richtig gut.   

 

Die Geburtstagskarte                                     (07.11.2005)                                       

Heute hat Opa die erste Geburtstagskarte zum seinem bevorstehenden Siebzigsten bekommen. Und das kam folgendermaßen.

Der Kindergarten hatte am heutigen Spätnachmittag seinen Martinszug. Nina hatte (mit Mamas Hilfe) eine wunderschöne Laterne gebastelt. Um 12 war im Kindergarten Schluss, die Kinder sollten um 17:15 Uhr mit ihren Laternen wieder da sein. Da Mama bis 16:00 Uhr arbeiten musste, hatte Oma die Kleine um 12 abgeholt.

Aber alles kam ganz anders. Als Mama um kurz nach 4 zu Oma gekommen war, war Nina auf ihrem Bauch eingeschlafen. Nicht untypisch!

Mama konnte es nicht übers Herz bringen, das Kind zu wecken. Also verpassten sie den Martinszug – und die Martinstüte! Aber das mit der Tüte war noch das geringste Übel, da Nina sich nichts aus Süßigkeiten macht. Als sie endlich wieder wach war, da war schon alles zu spät. Und sie wollte so wie so noch bei Oma bleiben.

Schon Mittags hatte sie in einer von Omas Schubladen eine winzige Karte entdeckt. Die wollte Oma eigentlich behalten, um sie einem „Geburtstagskind“ ans Geschenk zu hängen. Auf entsprechende Fragen gestand sie Nina, dass Opa als Nächster Geburtstag habe.

Das war für Nina natürlich das richtige Stichwort. Jetzt wollte sie selber Opa die Karte schreiben. Und das tat sie auch umgehend.

Aber als sie am Abend mit Mama nach Hause kam, hatte sie zwar die kleine Karte im lila Umschlag dabei, aber sie wollte sie Opa nicht selber geben. Das musste Mama tun. Ist ja auch nicht normal, dass der Briefschreiber selber seine Post überreicht.

Opa war ganz überrascht und hellauf begeistert; dass sein Geburtstag erst in mehr als zwei Wochen ist, war ihm ganz egal. Und dass Nina ihm die ganze Karte vorgelesen hat, empfand er als besonders hilfreich und angenehm. So konnte er wenigstens alles richtig verstehen.

Da er die beiden am Wagen abgeholt hatte, war ihm kalt geworden. Nina machte die Kälte aber nichts aus. Im Gegenteil, sie ging noch ganz begeistert mit Opa zum Tiefkühlschrank im Keller, um sich ein Eis auszusuchen. Dass Opa keins wollte, war ihr zwar unverständlich, aber sie ließ ihm seinen Willen.

Die Geburtstagskarte hat nun einen Ehrenplatz in Opas Dokumentenmappe!  

 

Wandel                                                                     (06.11.2005)

(Aphorismus)

Früher ließ man Schwerverbrecher baumeln, heute die Seele. – Arme Seele!

 

Nina als Küchengeriagogin¹                               (05.11.2005)

Als Opa gestern stundenlang auf „seine Frauen“ gewartet hatte², vergeblich, weil Mama mit Nina (und Tiffy) nach dem Kindergarten gleich zu Oma gefahren war, da hat er eine Premiere verpasst. Doch heute hat er es am Telefon von Oma erfahren.

Weil Mama Hunger hatte, wollte Oma ihr Rührei machen und Mama ließ die Bemerkung fallen, Nina könne schon Eier aufschlagen – was Oma allerdings anzweifelte. Jedenfalls durfte sich die „kleine Köchin“ einen Hocker als Standfläche an Omas Arbeitsplatte schieben.

Oma gab ihr eine Schüssel und legte ihr Eier hin. Nina nahm das erste Ei und sagte zu Oma:

„Pass auf, Oma! So geht das.“

Dann schlug die das Ei mit Gefühl auf den Schüsselrand, und im Nu waren Eiweiß und Dotter in der Schüssel. Kein Tröpfchen daneben! Dasselbe geschah mit dem zweiten Ei. Oma war starr vor Staunen. Aber nicht lange, denn schon sagte Nina:

„So. Jetzt hast du gesehen, wie das geht. Ich glaube, das kannst du auch.“ Und mit den Worten: „Probier’s doch mal!“, gab sie Oma das nächste Ei.

Oma „probierte“, und es klappte auf Anhieb. Nina strahlte vor Begeisterung:

„Siehst du? Jetzt kannst du es schon.“

Vom Rührei hat sie natürlich selber nichts gegessen. Sie hatte ja bereits im Kindergarten ihr Mittagessen gehabt. Dafür aber hat sie in Omas Bett Mittagsschlaf gehalten. Ausgiebig!

Oma war noch heute ganz voll Bewunderung für den kleinen Schatz, den sie immerhin ganze drei Tage nicht gesehen hatte. Ein echtes Versäumnis, wie Opa nur bestätigen kann.

¹ Eine „Geriagogin“ ist eine „Altenerzieherin“, wie eine „Pädagogin“ eine „Kindererzieherin“ ist. Dass Ninas geriagogische Aktivität sich nicht nur auf Oma richtet, hat Opa ja schon auf seiner Autorenseite zum Ausdruck gebracht.

² Speziell mit dieser „Warterei“ beschäftigt sich der Beitrag "Beim Warten mit dem Mittagessen" vom Vortag:

 

Beim Warten mit dem Mittagessen     (04.11.2005)

Heute treiben’s meine „Frauen“ auf die Spitze!

Jetzt sind es schon wieder Stunden, dass ich sitze

und mit banger Hoffnung auf sie warte.

Bin doch kein Geduldschwein, dick von Schwarte!

Längst das Essen fertig, mehrfach aufgewärmt.

Blick ich in den Spiegel, seh’ ich, wie verhärmt

ich inzwischen aus den Augen schau.

Schwer ertrag ich den Erwartungsstau. 

 

... des Jahres?                  (05.11.2005)

  Seehund, Phoca vitulina (Foto: Aquarium Kiel)

Der Seehund, Phoca vitulina,

der reimt sich ja auf Opas Nina!

Deshalb, ihn jetzt geehrt zu seh’n

als „Tier des Jahres“, das ist schön.

Zwar ist er erst im nächsten Jahr,

was Opas Nina längst schon war,

natürlich nicht als „Tier des Jahres“,

vielmehr als Kind, als wunderbares,

und auch nicht nur als „Kind des Jahres.“

Nein, sie ist mindestens, wen wundert’s,

für Opa – schlicht – Kind des Jahrhunderts.“

 

 "Kind des Jahrhunderts" (Foto: S. Schmitz)

 

Entwicklung                                                 (04.11.2005)

(Aphorismus)

Urnen gehören nicht zu den Entwicklungsvasen, denn sie treten erst in Erscheinung, wenn diese vorbei sind.

(Von Mitteilungen in Bezug auf die Rechtschreibung, bitte ich – aus Pietätsgründen – abzusehen.)

 

A oder I                                                                                 (04.11.2005)

 Vokaldreieck (aus Wikipedia)

A und I sind nur zwei Vokale im Deutschen. Als Buchstaben oder Laute betrachtet, sagen sie nicht viel aus. Lang ausgesprochen, wie bei „ah“ oder „ih“, wird schon eher ein Unterschied erkennbar: „Ah“ drückt Bewunderung aus, „ih“ dagegen Ablehnung oder Ekel.

Die Abbildung („Vokaldreieck“) zeigt die unterschiedlichen Artikulationsstellen der beiden Laute: „A“ entsteht bei offenem, „i“ bei geschlossenem Mund. Allerdings soll das hier keine phonologische Abhandlung werden. Mir geht es um ganz etwas anderes.

Meine geneigten Leserinnen und Leser werden kaum verwundert sein, wenn sie lesen, dass wieder einmal Nina der Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist. Keine Rolle spielt dabei die Tatsache, dass die beiden Laute den vokalischen Anteil an Ninas Namen bilden. Hier geht es vielmehr um „Opa“ und „Opi.“

Als die Kleine sich heute Morgen liebevoll verabschiedete, um zum Kindergarten zu fahren, da drehte sie sich auf dem Weg zum Wagen noch einmal um und rief:

„Tschö, Opi.“

Auf dem Weg zurück ins Wohnzimmer wurde mir bewusst, dass sie in letzter Zeit immer häufiger diese Variante benutzt, um mich anzusprechen. Dabei kann sie auf kein Vorbild aus der Familie zurückgreifen, denn weder Mama oder Papa noch Oma oder sonst jemand verwendet diese Form.

Aber viele ihrer Lieblingstiere und –puppen tragen Namen auf –i (-ie, -y). Mama, Papa und Oma werden auch mit den Varianten auf –i angesprochen, aber eigentlich nur in besonderen Situationen. Na ja, und Opa. Und der glaubt bemerkt zu haben, dass die I-Variante niemals in Kombination mit Schimpfwörtern vorkommt, nur bei Sätzen wie: „Du bist mein lieber Opi.“ Oder „Danke, Opi, das hast du fein gemacht (gekocht, gebacken, gesungen...).“

Inzwischen hat Opa schon richtig Angst, „Opi“ könnte für ihn zum reinsten „Opiat“ werden...

 

Tischgespräche                                           (02.11.2005)

Heute hat Nina schon im Kindergarten zu Mittag gegessen: Königsberger Klopse mit Kapernsoße, Kartoffeln und Bohnen. Außer den Bohnen hat sie alles gegessen. Logisch, dass sie da nicht mitessen will, als sie um 14:30 Uhr mit Mama nach Hause kommt.

Opa hat das Auto gehört und schnell die Kartoffeln abgeschüttet und auf den Tisch gestellt, der schon gedeckt ist, dazu die Pfanne mit den Koteletts. Der Salat stand schon da. Da Opa Hunger hatte, hat er schon eher gegessen. Aber er setzt sich zu Mama, um ihr Gesellschaft zu leisten. Und – o Wunder – Nina möchte auch am Tisch sitzen; allerdings um zu malen, nicht zum Essen.

Irgendwie scheint das Vorbild der essenden Mama abzufärben. Nina macht ihre Frühstücksdose auf und inspiziert, was noch da ist. Nicht schlecht: ein paar Stücke Paprika (gelb), ein paar Gurkenstücke und ein Schwarzbrotbutterbrot mit Salami. Nach und nach verschwinden Paprika und Gurke zwischen Ninas Zähnen, ohne dass sie deswegen das Malen unterbricht.

Da Opa weder zu kauen noch zu schlucken braucht, kann er sich mit Nina unterhalten. Die malt mit Ölkreiden, schönen bunten. Aber der doofe Opa vertut sich immer wieder mit den Farben. Selbst die gelbe Paprika hält er für rot! Geduldig klärt Nina ihn auf. Immer wieder. Bis er sie fragt, ob sie nicht in das Butterbrot in der Dose beißen wolle. Da sagt Nina:

„Das ist kein Butterbrot. Das ist eine Flasche Apfelschorle. Das Butterbrot ist da!“, wobei sie auf die Schorle zeigt. Und dabei grinst sie nicht einmal. Trotzdem glaubt Opa eine gewisse Genugtuung zu spüren.

Dann aber schaut sie ihn plötzlich ganz ernsthaft an:

„Hast du schon gegessen, Opa?“ Als der Gefragte bejaht, ist sie zufrieden. Aber seine Frage, ob er sich denn jetzt auf die Couch legen dürfe, weil er so müde sei, wird abschlägig beschieden:

„Nein, Opa, das sollst du nicht. Du bleibst hier bei uns am Tisch!“ Alles Bitten nutzt nichts. Das einzige Zugeständnis, das Opa erreichen kann, ist:

„Nun hör mal gut zu! Wenn Mama fertig gegessen hat, gehen wir nach oben. Dann kannst du dich auf die Couch legen.“ Und nicht immer die falschen Farben zu sagen, das muss er auch versprechen.

Und so geschieht es dann auch. Als Opa auf der Couch liegt, macht Nina ihm noch mit der Fernbedienung die Stehlampe an, damit er es etwas „gemütlicher“ hat. Alle anderen Lampen werden ausgemacht. An der Tür zur Diele dreht Nina sich noch einmal um, winkt und ruft.

„Schlaf gut, Opa!“

Dummerweise bringt Papa am Abend ganz viel frische Bohnen mit. Die muss Opa natürlich morgen kochen. Mal sehn, ob seine Bohnen denn wenigstens Gnade finden. Um seinen Sauerbraten braucht er sich zum Glück keine Gedanken zu machen...

  

Allerheiligenhöhepunkt              (01.11.2005)

Auf dem Weg zum Mülleimer hat Opa heute Morgen eine letzte (?) Erdbeere entdeckt. Das fällt ihm zum Glück wieder ein, als er den Wagen der jungen Familie am Nachmittag vom Tierpark zurückkommen hört.

Nina ist sichtlich aufgeschlossener als bei der Abfahrt. Diesmal spricht sie sofort mit ihm, als sie ihn hinter dem Zaun entdeckt. Beim Stichwort „Erdbeeren Suchen“ muss Mama sie direkt über den Zaun heben, damit sie schneller anfangen kann. An Opas kleinem Finger geht’s gleich zu den bekannten Stellen. Miffy ist auch dabei.

Der „doofe“ Opa hat ganz vergessen, wo genau er die kleine Erdbeere gesehen hat. Jetzt ist es ja auch schon etwas dunkel. Aber Nina findet sie im Nu, und sogar noch eine zweite.

Ganz nebenbei erfährt Opa, wie sehr sich Miffy gefreut hat, dass sie im Tierpark all die Tiere sehen durfte. Nein, diesmal hat Nina keine Tiere gefüttert. Das hat sie Mama überlassen.

Zurück im Wohnzimmer versucht sich Opa als routinierter Gastgeber: Banane? Apfel? Gurke? Wurst? Käse? Etwas zu trinken? –

„Nein, danke, Opa. Ich habe schon gegessen.“

Opas Enttäuschung scheint ihr nahe zu gehen. Sie nimmt zwei Walnüsse und den Nussknacker aus der Schale auf dem Schranksims und legt dem „Knacker“ auch die Fernsehzeitung als Knackunterlage bereit.

Dummerweise ist die erste Nuss taub. Insgeheim freut sich Opa, denn offensichtlich gibt’s nicht nur doofe (= taube) Opas. Nina macht das so wie so nichts aus, denn sie hat ja keinen Hunger. Bei der zweiten Nuss hilft sie Opa sehr geschickt dabei, den Kern aus der Schale zu befreien. Aber essen darf er die Nuss selber. Grund: siehe oben.

Nina möchte noch einmal mit Opa ein Buch lesen. Miffy kennt ja auch noch nicht alle von Ninas Büchern. Am liebsten wäre ihr ein Mausi-Buch, weil man da so viel ziehen, schieben und klappen kann. Da die aber inzwischen alle oben sind, sucht sie ein paar andere aus.

Und dann zeigt und erklärt sie Miffy alles, was da zu sehen ist und was da steht. Der alte Mann ist reduziert auf die Rolle ihres Sessels und – ach ja – die eines stummen Zuschauers und –hörers. Aber der ist ganz begeistert von dem, was er sehen und hören darf.

Eine Stunde ist im Handumdrehen vorüber. Beim Blick durch die Terrassentür stellt Nina fest:

„Jetzt ist Nacht. Ich geh besser nach oben.“

Aber Opa darf sie wenigstens nach oben begleiten, als Gepäckträger gewissermaßen, damit ihre Jacke, Miffy und eins von den Büchern auch nach oben kommen...    

 

Stoiber und andere Stäuber...          (01.11.2005)

Am Tag vor Allerseelen

mag er sich nicht mehr quälen.

Er bleibt wohl doch in Bayern,

statt Wirtschaft anzuleiern.

Und all der Riesenstaub,

den Stoiber – mit Verlaub –

bisher gewirbelt auf

senkt sacht sich im Verlauf...

Noch ist zwar nicht vorbei

die ganze Spielerei.

Der arme Wählertor

steht ratlos nun davor.

Wer, außer er?

Schon merkwürdig fand ich die Sache,

die Baumann da trieb mit der Sprache.

Zur Frage nach Müntes Gewicht

beging er Grammatikverzicht.

Gleich zweimal erklang ungeniert,

was mich doch schon stark irritiert:

Denn „Wer, außer er?“ ist verkehrt.

Hat Baumann den Dativ verzehrt?

Beim dritten Mal endlich war’s richtig.

Das sage ich, weil es mir wichtig.

Als Schwimmer im „grammar main stream“

sprach brav er nun: „Wer, außer ihm?“

Zum einem Interview mit Thomas Baumann im ARD-Mittagsmagazin am 01.11.2005, 13:20 Uhr, über die aktuelle Lage der SPD. Interviewerin: Hannelore Fischer. 

Zitat

Auf der Titelseite zitiert die Reklamezeitung „Extra Tipp am Sonntag“ heute (30.10.2005) den Vorsitzenden der CDU-Fraktion im NRW-Landtag, Helmut Stahl, mit den Worten:

„Äußere Zeichen wie das Kopftuch, die weltanschauliche Fragen verkörpern, haben an unseren Schulen nichts zu suchen.“

Ordenstrachten und Kreuze sind seit jeher an unseren Schulen zu Hause. Dass es sich auch dabei um „äußere Zeichen“ handelt, dürfte nicht zu leugnen sein. Aber dagegen richtet sich Stahl ganz bestimmt nicht. Ich frage mich nur, worin er denn den Unterschied sieht. Vielleicht darin, dass Ordenstrachten und Kreuze keine „weltanschaulichen Fragen verkörpern“, sondern „weltanschauliche Antworten“?

Gegen Markenklamotten hat Stahl bestimmt auch nichts einzuwenden. Ist nicht auch Abgrenzung gegen andere, die sich so etwas nicht leisten können (oder wollen), für manche Zeitgenossen eine „Weltanschauung“?

Aber – ach ja, richtig! Eine solche Abgrenzung ist selbstverständlich auch keine „Frage“, sondern eine „Antwort.“

Geschmacksurteil – ohne Probieren                                  (28.10.2005)

  Kranzkuchen und Feigen (Foto: Opa)

Heute, am Spätnachmittag, kam Nina mit einem kleinen Kranzkuchen (siehe Abbildung) für Opa nach unten. Den hatte sie mit Mama „gebackt.“

Nina und Mama waren auf dem Weg zum Spielplatz. Nina bestand darauf, dass Opa mitging. Der schaltete natürlich sofort seinen Rechner aus und zog sich Schuhe an. Auf Pantoffeln wollte er nun doch nicht... Nach einem Blick aufs Thermometer (21,8 °C) verzichtete er auf eine Jacke. Absolut richtig, wie sich bald herausstellte.

Staunen durfte er, als ihm Nina auf dem Spielplatz zeigte, wie schnell sie schon – allein – das Klettergerüst zur Rutsche hinaufsteigen konnte. Und Rutschen ist schon lange kein Problem mehr.

Anschließend eröffnete Frau Dr. Nina im Gebüsch am Spielfeldrand ihre Praxis. Mama und Opa mussten sich ganz schön bücken, ehe sie ins eigentliche Behandlungszimmer kamen, das sich dann doch als recht geräumig erwies. Dummerweise war der Erste-Hilfe-Kasten nicht dabei. Aber Frau Doktor ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

Mama „schmerzendes“ Knie erhielt eine sanfte, schmerzstillende Speichelmassage. Dann war Opa an der Reihe.

Erwartungsvoll hob er sein rechtes Hosenbein an, bis sein Gebrechen zu sehen war: Auf dem Schienbein prangte eine verschorfte echte Stoßverletzung, Andenken an eine Bank, die er auf dem Marktplatz übersehen hatte, ausgerechnet auf dem Weg zur Apotheke.

Dr. Nina unterzog die Stelle einer eingehenden Untersuchung. Dann war ihr Entschluss gefasst. Ein buntes Herbstblatt wurde mit einer gehörigen Portion Spucke haftfähig gemacht, und schon war der Schaden versorgt. Der Patient musste selber staunen, dass auch das Herunterlassen des Hosenbeins dem Wund(er)verband nicht schadete.

Wegen des Abendessens ging Opa schon etwas früher nach Hause als die Frauen. Da er aber an der Ecke bei einem Freund hängen blieb, der gerade seine zweite diesjährige Feigenernte einholte, nutzte ihm sein Vorsprung gar nichts. So war auch Nina schon da, als ihm der Freund und Nachbar ein Körbchen frisch geernteter Feigen (siehe Abbildung) gab.

Zu Hause wollte der Beschenkte Nina ein paar davon geben. Aber obwohl er ihr zeigte, wie lecker sie waren, indem er vor ihren Augen eine Feige voll Behagen verzehrte, war der Erfolg gleich Null.

„Nein, Opa, ich mag die Feigen nicht!“, hieß es kategorisch. Auch der Blick in das rote Innere einer frisch durchgebissenen Feige konnte daran so wenig ändern wie Opas Hinweis, dass er ja auch den Kuchen von Nina angenommen habe...

„Das war was anderes! Der Kuchen ist lecker. Die Feigen sind ekelig! Bah!“

Nicht einmal zum Riechen, geschweige denn zum Probieren ließ sie sich bewegen.

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Anm.: Die in der Abbildung zu lesenden Schlagzeilen der Zeitungen sind reiner Zufall. Es handelt sich um Ausgaben vom selben Tag. 

 

Rekordhitze schürt Klimaängste

 Am Strand von Brighton (Foto: Scyscraper)

 

Von Steve Connor (Herausgeber für das Ressort „Naturwissenschaften“, THE INDEPENDENT)

28.10.2005

(Übersetzung: Friedhelm Schmitz)

Zu Hunderten bevölkerten Sonnenanbeter gestern den Strand von Brighton, wo die Temperatur 18,1 °C erreichte. In Kinlochewe an der äußersten NW-Küste Schottlands waren es laue 22,4 °C.

Gerade mal vier Tage vor Hallowe’en genoss Großbritannien den wärmsten 27. Oktober seit Beginn der Aufzeichnungen 1880. Da sich das Vereinigte Königreich in der Hitze förmlich aalte, wäre es früher abwegig erschienen, nach einer Erklärung dafür zu suchen. Aber heutzutage, unter der düsteren Zukunftsaussicht der globalen Erwärmung, treten extreme Wettermuster immer zusammen mit einer Gesundheitswarnung auf. Warum war es also so warm?

Die Wetterexperten erklärten, die Mini-Hitzewelle sei das Ergebnis eines großen Hochdruckgebiets über SO-Europa und niedrigen Luftdrucks unmittelbar westlich von Irland.

Großbritannien war zwischen diesen beiden Wettersystemen wie in einem Butterbrot eingeklemmt und befand sich glücklicher Weise genau im Weg einer warmen Südbrise, die unmittelbar aus dem heißen Sand N-Afrikas herüber wehte.

Ist dies wieder einmal ein Beweis für den Klimawandel? War das die Art von Oktobertag, die Britannien zu erwarten hat in einer Welt, wo globale Erwärmung Wirklichkeit geworden ist?

Gestern sagte der Price of Wales, der Klimawandel sei eines der größten Probleme, mit denen der Mensch konfrontiert sei. Inzwischen hat der oberste Naturwissenschaftler, Sir David King, zum wiederholten Male seine Überzeugung zum Ausdruck gebracht, die globale Erwärmung sei ein größeres Problem als der Terrorismus.

Müssen wir jetzt annehmen, ein ungewöhnlich warmer und sonniger Tag im Spätoktober sei der Vorbote von etwas Beängstigenderem als einem Bombenanschlag auf die Londoner U-Bahn?

Erderwärmungsskeptiker mögen sich abschätzig über den Gedanken äußern, Tatsache ist: Ein Muster extremer Wetterereignisse ist drauf und dran, unerschütterliche Beweise dafür zu liefern, dass sich das Weltklima wandelt.

Ein einzelner warmer Tag Ende Oktober beweist nichts, aber eine Serie warmer Tage oder Wochen oder Jahre kann durchaus als Langzeitmodell des Klimawandels betrachtet werden.

...

[Das Original, zu finden auf der Homepage von THE INDEPENDENT, ist doppelt so lang; lesenswert.]

Quadratur und Würfelung

 

Das "Lösungsmittel"

Um die Schwierigkeiten der Koalitionsverhandlungen bzw. der Regierungsaufgaben zu veranschaulichen, benutzte die Physikerin A. Merkel heute einen bemerkenswerten Vergleich. Im ZDF-Mittagsmagazin (28.10.2005, 13:05 h) sagte sie, diese Schwierigkeiten seien „mindestens so groß wie die der Quadratur des Kreises, wenn nicht gar der Würfelung der Kugel.“

Dann ist ja alles so einfach, dass jeder Handwerker es ausrechnen können müsste. Wozu gibt es schließlich die Näherungszahl Pi? Sicher nicht nur, um Pisageschädigte darauf hinzuweisen, dass sie auch einen Taschenrechner nehmen können.

Jedenfalls lassen sich mit π Quadratur und Würfelung praktisch leicht lösen. Die eigentliche Problematik liegt doch in einem so vernachlässigendwerten theoretischen Bereich, dass man sie schlicht vergessen darf. Oder nehmen Politiker plötzlich etwas so genau?

Meines Erachtens verstehen sie doch auch eine ganze Menge vom Würfeln.

Also Entwarnung: Alles halb so schlimm!

 

Zackenbarsch ist kein Bobo                                           (27.10.2005)

Weshalb gehört Z. nicht zu den „Bohémiens Bourgeois“ – den „Bobos“? — Er schreibt nicht mit einem teuren Füller. Überhaupt noch mit Füller zu schreiben, ja – so peinlich es ihm jetzt auch ist, es eingestehen zu müssen – das hat er schon vor Jahren aufgegeben.

Und wenn er sich gelegentlich (trotz PC) noch einmal kalligraphisch betätigt, dann greift er lieber zur guten alten Stahlfeder, einer breiten, und zum Holzfederhalter.

Was sind eigentlich „teure“ Füller?

Z. weiß es jetzt, nachdem er den höchst informativen Artikel „Ein Herz für Tinte“ von Christa Hasselhorst in der heutigen Sonderbeilage „Inspiration“ der „ZEIT“ studiert hat.

Der „Pen of the year“ von Faber-Castell mit seinem Schaft aus Perlrochenhaut? Der „Caelum“ von Pelikan aus Sterlingsilber mit 18-Karat-Goldfeder? — Pah, das sind doch nur „Peanuts“ mit ihren lächerlichen Preisen von 2.300 bzw. 1.950 €.

Teuer? Nun, da müsste es schon so einer sein, wie ihn sich der Sultan von Brunei gelegentlich im Dutzend schicken lässt — als kleine Aufmerksamkeit für seine Gäste. Zum Beispiel der „Black Diamond“ von „Montblanc“, besetzt mit 4.810 schwarzen Diamanten, zum „Schnäppchenpreis“ von 125.000 €!

Aber Z. wäre es einfach zu umständlich und aufwändig, mit mühseliger Zählerei zu kontrollieren, ob auch wirklich 4.810 Diamanten drauf sind...

Und die andauernd leeren Tintenkartuschen für seinen „preiswerten“ Drucker sind ihm gerade kostspielig genug.

 

Knigge über unter-...                                           (27.10.2005)

„Man soll nie vergessen, dass die Menschen lieber unterhalten als unterrichtet werden wollen.“ (Adolph Freiherr von Knigge, 1788)

Diese Erkenntnis, die Knigge mit 36 Jahren niedergeschrieben hat (in seinem Hauptwerk: „Über den Umgang mit Menschen“), erfreut sich ungebrochener Geltung.

Für die „breite Masse“ der Menschen.

Es sind wohl die Ausnahmen, die dem menschlichen Geschlecht zur Ehre gereichen – und es weiter bringen. Zum Glück kenne ich eine (Noch-)Ausnahme persönlich: Nina. 

 

Der Admiral                                         (26.10.2005)

  

Der Admiral (Vanessa atalanta) ist Ninas Lieblingsschmetterling.

Da Opa den Efeu an der Doppelgarage in diesem Jahr nur so hoch geschnitten hat, wie er ohne Leiter reichen konnte, ist jetzt oben ein Blütenmeer. Na ja, das Wort ist irreführend, da die Efeublüten recht unscheinbar sind.

Nicht aber für die unzähligen Bienen, die die goldenen Oktobertage 2005 dazu benutzen, ihre Nektarvorräte für den Winter noch einmal gehörig aufzustocken. Und seltsam, wann immer die Sonne scheint, sind mit den Bienen auch Dutzende von Admirälen da.

Nina sitzt gern auf ihrer Sandkastenbank und schaut dem emsigen Treiben zu. Hin und wieder landet ein Admiral direkt neben ihr auf dem Boden, manchmal auch auf der Bank, um sich gründlich aufzuwärmen. Dann ist die Kleine ganz fasziniert und hält beinahe den Atem an. Aber ihr Mund steht gar nicht still dabei:

„Guck mal, Opa“, tönt es immer wieder, „da nimmt wieder einer ein Sonnenbad! Und der hat keine Angst vor mir.“ Förmchen, Sieb und Schaufel sind dann vergessen.

Und Opa freut sich insgeheim, dass er zu faul gewesen ist, den Efeu gründlicher zu schneiden.

 

 

Entwarnung

 

 Bild: www.derBabyclub.de

 

„Das ist eine Ente.“

Das sagte Kerstin Stiefel, Sprecherin des rheinland-pfälzischen Landesuntersuchungsamtes, am Dienstag (25.10.2005) zu Berichten über den Tod weiterer toter Vögel (Graugänse) im Landkreis Neuwied. (ap)

Wie sich herausgestellt hat, waren die Graugänse an Rattengift verendet.

Die Entwarnung bezieht sich auf den Limerick (bei Limericks II) Alarm.

 

Rückkehrgedanken                                          (25.10.2005)

Die schlimmste Folge von Opas „langem Vorabend“: Heute hat er Ninas Aufbruch zum Kindergarten glatt verpasst. Verschlafen!

Beim Kochen ist ihm schon bewusst, dass ihr sein heutiges „Menü“ nicht zusagen wird: Milchreis mit Zimt und Zucker. Aber sie dürfte ja so wie so schon im Kindergarten gegessen haben. Und schließlich muss man auch – bisweilen wenigstens – etwas Einfaches, Schnelles und Preiswertes auf den Tisch bringen.

Als Nina um 14:20 mit Mama heimkommt, ruft diese gleich nach etwas Essbarem. Sie ist wenigstens mit dem Angebot zufrieden. Aber leider kann sie nicht mit Opa zusammen essen, sondern muss gleich mit Nina nach oben, um den Schatz aus den nassen Klamotten zu befreien. Nina hat die kurzen Strecken vom Kindergarten zum Wagen und vom Wagen zum Haus jedenfalls gründlich für ihre pfützologischen Untersuchungen genutzt.

Ninas Kommentar beim Blick auf den Teller, als Mama ihr Essen mit nach oben nimmt:

„Puuh, das sieht aber eklig aus!“ Klar; sie weiß ja, dass das Zeug süß ist. Und wenn man Süßes verabscheut...

Wer so etwas kocht, der muss natürlich genau so sein, wie Opa nun einmal ist, nämlich „doof.“ Und dem kann man auch – von der Hälfte der Treppe aus – ruhig mal die Zunge heraus strecken, nachdem man ihm seine „geistigen Qualitäten“ noch einmal ausdrücklich bestätigt hat.

Der alte Mann nimmt das alles ganz gelassen. Er weiß ja: Das Verhältnis zwischen dem Kind und ihm selber ist Liebe in ihrer reinsten Form, von beiden Seiten. Daran können auch solche kleinen Aggressionsschübe absolut nichts ändern, wie sie sich bei Ninas Rückkehr von Kindergarten manchmal zeigen. Offensichtlich ist das nur ein ganz gesunder Vorgang, mit dem sie die Eindrücke des Vormittags „verarbeitet.“ 

Bei diesen Gedanken muss Opa lächeln, als er langsam wieder ins Wohnzimmer zurück geht. Und er ist einfach glücklich! 

 

Die Fortsetzung:   

 

Ein paar Stunden später

Opa ist offensichtlich nicht das einzige Opfer von Ninas Aggression bei der Heimkehr vom Kindergarten gewesen. Von seinem schönen gelben Chrysanthemenbusch liegen einige Dutzend Blütenköpfchen auf dem nassen Pflaster.

Nach dem Mittagsschlaf kommt ein völlig verwandeltes Schätzchen strahlend mit einem neuen Törtchen für Opa herunter. Da sie mit Mama auf dem Weg zum Einkaufen ist, geht Opa mit ihr zur Haustür, wo er die „Bescherung“ sieht.

Auf seine Frage, wer das denn wohl getan haben könnte, kommt ein leicht verschämtes:

„Das war ich, Opa.“ Aber gleich dahinter das Bemühen, ihn zu trösten. Mit einem Blick, der zwischen den Blütenköpfchen und Opas Augen hin und her wandert, meint sie geheimnisvoll:

„Diese Nacht klettern die bestimmt alle wieder rauf!“

Auf dem Weg zum Auto findet sie neben dem Winken und Opa Zulächeln noch genügend Zeit, ihre trockene Hose in der nächsten Pfütze einem gründlichen Materialtest zu unterziehen.

Jetzt darf Opa nur nicht vergessen, heute Abend, wenn sie im Bett ist, die Blütenköpfchen sorgfältig zusammenzukehren und in der braunen Tonne zu entsorgen. Schließlich soll ihre tröstliche Vorhersage doch „wahr“ werden...    

Ninas Lieblingswörter                                             (25.10.2005)

Doch!

Aber!

Nein!

Wie das Akrostichon zeigt, haben Ninas Lieblingswörter durchaus Kampfqualität. „Dan“ ist bekanntlich der Begriff für den „Grad“, den ein/e Kämpfer/in einer der asiatischen Budo-Kampfsportarten erreicht hat. 

 

Fehlplanung                                         (24.10.2005)

Als Nina heute Abend zu Opa runter kommt, freut er sich zwar – wie immer, wenn er sein Schätzchen sieht –, aber leider hat er nur wenig Zeit. Er muss in spätestens zwanzig Minuten in den acht Kilometer entfernten Nachbarort fahren, um dort bei einem Mundartabend aus eigenen „Werken“ vorzulesen. Mama hört zwar, was er sagt, aber sie lässt ganz unbekümmert die Kleine unten, während sie selber wieder nach oben entschwindet.

Nina ist mit ihrem Körbchen gekommen. Was mag wohl darin sein? – Natürlich! Eins von den Törtchen, die sie gestern Abend „gebackt“ hat: Schokoladenteig mit Kirschen. Versprochen ist versprochen! Mit im Körbchen ist Miffy (oder Nijntje), die mit der Bewachung des Inhalts beauftragt ist. Denn außer dem Törtchen (und Miffy) ist noch mehr im Körbchen: ein kleiner Eichenzweig mit drei Eicheln und ein schöner Kieselstein, beides „Beutestücke“ vom gestrigen Ausflug in den „Regenwald.“ Und alles ist für Opa.

Der schaut verstohlen auf die Uhr: schon fünf Minuten weg! Aber er bekommt Miffy über den Finger gestülpt und muss deren Rolle spielen, bzw. sprechen. Nicht nur mit Nina, nein auch mit dem Osterhasen, der dummerweise neben Opa auf der Fensterbank steht.

Also, um das mal ganz klar zu machen. Der Osterhase steht allein auf der Fensterbank, Opa sitzt in seinem Sessel. Schon wieder falsch, denn inzwischen hat sich Nina den Keramikhasen geschnappt, weil sich das Rollenspiel so viel besser inszenieren lässt.

Früher hatte Opa immer ein bisschen Angst, wenn Nina mit Keramik- oder Porzellanfiguren herumhantierte. Heute würde er ihr ohne Bedenken eine antike chinesische Vase anvertrauen. Noch nie hat sie zerbrechliche Gegenstände fallen lassen. Selbst wenn die so groß waren, dass ihre kleinen Händchen sie eigentlich gar nicht richtig fassen konnten.

Na ja, Opa hat gut reden. Was er nicht besitzt, kann Nina ihm ja auch nie kaputt machen. Logo!

Die Zeit rast... Mama bleibt verschwunden. Und der Osterhase kommt auf die Idee, jetzt könnte Opa mit Nina „Mausi-Bücher“ anschauen. Wenn Osterhasen schon mal reden, dann hat ihre Stimme Gewicht!

Also Ortswechsel: hinüber zur Couch, dem für Vorlesungen traditionellen Platz. Nina kramt schon mal die Bücher aus dem Karton. Freundlicherweise beschränkt sie sich auf drei. Ob sie Opas Unruhe spürt? Nur noch fünf Minuten...

Opa zwingt sich zur Ruhe und setzt sich neben Nina. Die schlägt das erste Buch auf – und sie liest Opa vor. Dabei schiebt und klappt sie alle entsprechenden Vorrichtungen auf den einzelnen Seiten, damit er auch dem Geschehen richtig folgen kann. Bemerkenswert ganz nebenbei: Trotz monatelanger Benutzung sind noch all die im Grunde höchst fragilen Klapp- und Schiebedinger aus Papier noch vollkommen intakt.

Insgeheim verflucht Opa seine Zusage für den Mundartabend. Ninas Vortrag ist tausendmal schöner. Nach dem ersten Buch aber entschuldigt er sich bei Nina und sendet Mama eine unmissverständliche Botschaft durchs Treppenhaus. Da kommt die endlich herunter. Opa ist schon fünf Minuten zu spät dran.

Merkwürdig. Nina protestiert überhaupt nicht, sondern geht brav mit Mama die Treppe hinauf. Allerdings ist Opa keineswegs vergessen. Während sie nach oben entschwindet, dreht sie sich ständig nach Opa um und winkt ihm zum Abschied, inklusive Kusshändchen und „Tschö, Opa“-Rufen. Bis Opa die Haustür hinter sich ins Schloss fallen lässt.

Da Opa gewohnheitsmäßig immer reichlich „Vorlaufzeit“ einplant, kommt er noch lange nicht zu spät. Doch der tosende Beifall, den er für seinen Vortrag einheimst, kann kein winkendes Ninahändchen aufwiegen... Und ihre Stimme erst recht nicht!  

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Wo Opa hin musste, ist bei diesem Link zu sehen:

http://www.odenkirchen.de/archiv_ruekschau/05-10-24_platt.htm

  

Backen                                                    (24.10.2005)

Mit seinen „starken“ Verben ist Opa ins Hintertreffen geraten. Gestern Abend kam Nina mit der Neuigkeit:

„Ich backe mit Mama Törtchen; die sind schon im Ofen!“

Mama erklärte Opa, Nina habe den Teig ganz allein zusammengemengt und –gerührt. Sie selber habe nur die Zutaten auf Ninas kleinen Küchentisch gestellt. Die Förmchen habe Nina selbstverständlich auch selber gefüllt.

Opa staunt. Vorsichtig fragt er, ob er vielleicht..., wird aber sofort von Nina unterbrochen:

„Du kriegst auch welche. Aber erst, wenn sie gebackt sind.“

Der alte Lehrer in Opa wird vorwitzig und wagt den Einwurf: „... gebacken.“ Irgendwie schwebt ihm da etwas von „backen – buk (backte) – gebacken“ im Kopf herum. Nina lässt sich nicht beirren:

„Nein, Opa! ‚Gebackt’ heißt das!“

Als Opa weiterhin auf der anderen Form beharrt, wird sie deutlicher:

„Opa, das heißt ‚gebackt’! Früher hab ich doch auch nicht in die Windel ‚gekacken’!“

Opa gibt auf. Wie soll er der kleinen Sprachtheoretikerin auch erklären, dass es sich dabei schon immer um ein „schwaches“ Verb gehandelt hat?

Und im übrigen: Eigentlich doch ein recht „anrüchiges“ Thema im Zusammenhang mit den Törtchen.

Sonnenschein im Regen                                            (23.10.2005)

Ganz gegen seine Gewohnheit hat Opa am Sonntag länger geschlafen. Eigentlich müsste er deswegen missmutig sein, denn auch der Blick aus dem Fenster ist kaum dazu geeignet, seine Stimmung zu heben. Da er aber – laut Vereinbarung – heute nicht für seine Lieben zu kochen braucht, nimmt er das späte Aufstehen recht gelassen.

Von oben ist zu hören, dass Nina offenbar schon sehr wach ist – und in Bewegung.

Opa nimmt sich zuerst einmal für alles richtig Zeit. Und bald merkt er: Das ist gar nicht so schlecht! Sogar seine Tabletten nimmt er in den vorgeschriebenen Abständen und zu den vorgesehenen Uhrzeiten ein. Aber etwas mehr und anderes als Tabletten muss er natürlich auch essen...

Als er mit Broten und Kaffee zu Mittag am Tisch sitzt, hört er etwas. Er schaut aus dem Fenster und sieht Nina mit Papa und Mama schon beim Auto. Es regnet zwar immer noch, aber Opa ist ja nicht aus Zucker.

Opa erhebt sich, öffnet die Terrassentür und geht über Terrasse und Rasen zum Zaun. Nina sitzt schon im Wagen und winkt ihm fröhlich zu. Auf seine Frage, wohin es denn gehen solle, erfährt er nur: „Wald.“ Mama erklärt ihm, sie wisse selber noch nicht, zu welchem Wald sie fahren würden. Na, groß ist die Auswahl in unserer Gegend eigentlich nicht. Aber schon klappen die Autotüren zu, und die „Staatskarosse“ mit der immer noch winkenden „Prinzessin“ gleitet davon. Opa zieht es vor, doch lieber wieder ins Haus zu gehen, statt im Regen stehen zu bleiben.

Etwa drei Stunden später hört Opa wieder etwas; Blick aus dem Fenster, wie gehabt: Der Wagen ist zurück. Es regnet noch immer. Mama ist schon ausgestiegen, und Papa hebt eine schlafende Nina aus ihrem Kindersitz. Wenigstens kommt Mama diesmal kurz zu Opa herein und erzählt ihm, wo sie gewesen sind: in Liedberg.

Liedberg (Stadt Korschenbroich, Rheinkreis Neuss) ist ein Sandhügel mit Burg, Dorf und Wald, mitten in der Ebene, die vorzeiten einmal das Bett des Rheins gewesen ist. Früher wurde dort Sand abgebaut, feiner weißer, zum Bestreuen der Fußböden zum Sonntag.

Beide Eltern sind schon leicht „ausgeriffelt“. Zu groß ist die Anstrengung gewesen beim Bemühen, Nina wenigstens aus den tiefsten Pfützen und „Gebirgsbächen“ heraus zu halten. Aber sonnenklar ist auch: Nina – unsere „Regenliebhaberin“ – hat ihren Spaß gehabt. Und nicht zu knapp! Dafür war sie auch fast augenblicklich eingeschlafen, als sie die Heimfahrt antraten.

Am Abend kommt jemand die Treppe herunter. Opa, der im Wohnzimmer sitzt, hört, wie dieser Jemand seine Küche betritt, die im Dunkel liegt. Zwischen der Küche, der ehemaligen Essecke – die jetzt Couchecke ist – und dem eigentlichen Wohnzimmer gibt es nur eine „halbe“ Wand.

Natürlich muss Opa fragen, wer denn da in seiner dunklen Küche ist. Aber schon kommt sein strahlender Schatz um die Ecke, schwer bepackt: in einem Händchen eine Plastikdose mit zwei neumodischen „Möhrenfrikadellen“, noch warm, für Opa, in der anderen ein Buch: „Mit Winnie Puuh durch das Jahr.“

Mit den Worten: „Die sind für dich“, stellt Nina die Plastikdose auf den Tisch und steht sofort am Fernsehsessel, wo Opa sitzt.

„Hier ist ein Lied drin“, zeigt sie ihm das Buch, „das kann Mama mir nicht vorsingen. Kannst du das mal?“ Uns schon hat sie das Buch an der richtigen Stelle aufgeschlagen. Die linke Seite zeigt die Kapitelüberschrift: „Herbst. Fröhlich durch Wind und Wetter – September bis Dezember“, darunter steht ein dicker Baum im Herbstlaub, und Winnie, Ferkel, Tigger und I-aah vergnügen sich im Herbstwind. Und rechts ist das Lied:

                                              „Bunt sind schon die Wälder,

                                               gelb die Stoppelfelder,

                                               und der Herbst beginnt.

                                               Rote Blätter fallen,

                                               graue Nebel wallen,

                                               kühler weht der Wind.“¹

Opa hätte die Noten nicht gebraucht. Da das keins von den neumodischen Liedern ist (wo er die Noten dringend benötigt), kann er die Melodie auswendig. Schnell sind die vier Strophen gesungen, und Nina tanzt ganz selig dazu.

Opa könnte zwar ruhig noch mal von vorn beginnen, aber es reizt ihn wieder, einfach das zu tun, was er schon so oft getan hat: einen frei erfundenen Text singen. Früher – in ihrer Jugend – hatte Nina dann immer gleich protestiert, aber inzwischen hat sie sich angewöhnt, erst einmal abzuwarten, was Opa denn genau singt.

Und Opa merkt mit jeder Zeile der erfundenen Strophe, dass er Ninas Geschmack voll getroffen hat:

Ihre Physiognomie wechselt fast unmerklich aus einer oberflächlichen Fröhlichkeit in eine verzauberte Träumerei. Sogar ihr Tanz wird anders, feenhafter.

Und dabei ist dem „einfach strukturierten“ Opa doch nur ein ganz „simpler“ Text beim Singen eingefallen, nämlich: 

                                             „Opa kann noch singen,

                                               lässt das Lied erklingen,

                                               ist es noch so alt.

                                               Nina soll es hören,

                                               Opas Herz betören,

                                               Freude macht das bald.“

Komisch – so etwas klappt nur, wenn Nina anwesend ist. Sie ist wirklich Opas Muse.

¹ Text: Johann Gaudenz von Salis-Sewis (1782)

   Melodie: Johann Friedrich Reichardt (1799)

Friedenspreis nicht an Watte                                    (23.10.2005)

Heute hat der Börsenverein des deutschen Buchhandels seinen diesjährigen Friedenspreis verliehen. Neuer Preisträger ist der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk.

Christel Lauterbach (Justus-Liebig-Universität, Gießen) schreibt dazu:

Der in der Türkei viel beachtete, aber auch umstrittene Autor Orhan Pamuk wird vom Börsenverein des deutschen Buchhandels als "ein Schriftsteller geehrt, der wie kein anderer Dichter unserer Zeit den historischen Spuren des Westens im Osten und des Ostens im Westen nachgeht, einem Begriff von Kultur verpflichtet, der ganz auf Wissen und Respekt vor dem anderen gründet." Und tatsächlich hat der 1952 in einer bürgerlichen Istanbuler Familie geborene Orhan Pamuk ein mittlerweile in zahlreiche Sprachen übersetztes Roman-Oeuvre geschaffen, in dem immer wieder die Konzepte von Orient und Okzident, von islamischer Welt und Abendland hinterfragt werden. Nicht nur durch die EU-Beitrittsperspektive der Türkei und die damit verbundene Diskussion bekommt Pamuks Schaffen in diesen Tagen eine ungeheure Brisanz.“  (Quelle: idw)

Diese zweifellos zutreffende Charakterisierung eines der bedeutendsten türkischen Schriftsteller der Gegenwart, macht allerdings eins deutlich:

Sein Familienname ist eine sehr geschickte Tarnung, denn „Pamuk“ heißt auf Deutsch „Baumwolle“, ja sogar „Watte.“ Seine Bücher aber machen jedem Leser sehr rasch bewusst, dass ihr Autor keineswegs „aus Watte" ist.

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In deutscher Sprache liegen von Orhan Pamuk mittlerweile vor:
Die weiße Festung (dt. 1990), Das schwarze Buch (dt. 1994), Das neue Leben (dt. 1998),

Rot ist mein Name (dt. 2001), Schnee (dt. 2005)

 

Draußen Regen, drinnen Sonnenschein                      (22.10.2005)

Heute war Nina ausgesprochen lieb.

Schon gestern hatte Oma am Telefon erzählt, wie lieb sie gewesen sei, als sie in Omas Wohnung zu Besuch war. Krankheit auf beiden Seiten hatte das ein paar Tage lang verhindert. Vielleicht hatte das eine Art Entzugserscheinung bei den beiden ausgelöst, bei Oma und Nina.

Jedenfalls hatte Nina gestern getanzt und dabei gesungen:

„Ich bin bei meiner lieben Oma!“ An Melodien mangelt es ihr nie, auch nicht an Ausdauer. Und dann war sie dort am Ende noch eingeschlafen, auf ihrer „kleinen Wolke.“ Papa hatte ein paar Stunden warten müssen, bis seine „Frauen“ wieder zu Hause waren.

Heute Morgen war Opa – unter einem Vorwand – nach oben gestiegen. Und, o Wunder, sogleich wurde er von der kleinen Fee in ihr Reich gebeten, wo er doch schon insgeheim damit gerechnet hatte, umgehend wieder hinaus komplimentiert zu werden.

Ganz ausführlich zeigte und erklärte ihm Nina alle neuen Errungenschaften, die er noch nicht kannte. Dann zog sie ein Buch aus einem ihrer Regale, und Opa durfte vorlesen. Das Buch legte sie ihm unaufgefordert so hin, dass er die Texte „richtig“ sehen konnte. Da sich die beiden auf dem Teppich gegenüber saßen, standen für Nina selber alle Bilder auf dem Kopf. Das machte ihr aber nichts aus. Und sie hörte ganz geduldig zu, bis Opa die jeweilige Seite zu Ende gelesen hatte. Dann blätterte sie jedes Mal weiter, bis das Buch aus war.

Anschließend wurde Opa Charlotte vorgestellt, eine schwarze Plüschspinne mit Kordelbeinen und Plüschfüßen. Die sei etwas zum „Erschrecken“, wurde Opa aufgeklärt. Na ja, zumindest Papa ekelt sich vor Spinnen. Opa überhaupt nicht. Und Nina selber auch nicht. Nicht einmal vor „richtigen“. Opa sollte raten, wie viel Beine Charlotte habe. Da er es leider nicht wusste, besser gesagt, so tat, als wisse er es nicht, zählte Nina ihm die Beine vor. Da die Beine ziemlich wir durcheinander hingen, war das gar nicht so einfach. Aber es klappte:

„Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben, acht!“

Leider musste Opa wieder nach unten. Nina begleitete ihn artig bis zur Wohnungstür und verabschiedete ihn nach allen Regeln der Höflichkeit. Opa staunte noch immer, als er unten beim Kochen war. Dass sie das Sauerkraut nicht möchte und den selbst gemachten Kartoffelbrei nicht einmal „probieren“ würde, darauf hatte Nina ihn ja schon vorbereitet. Hm, aber das Fleisch würde sie sicher essen. Das hatte sie nicht nur angekündigt, sondern das wusste er aus Erfahrung. Frische Trauben (statt Sauerkraut) und eine Banane (statt Kartoffelbrei) wäre ja eine einfache Alternative.

Wie richtig seine Annahme gewesen war, zeigte sich beim Mittagessen. Sein liebes Kind aß tüchtig und manierlich, was nicht immer der Fall ist. Und selbst die Tatsache, dass die Trauben nicht „kernlos“ waren, änderte daran nichts. Im Gegenteil, für Opa wieder einmal Gelegenheit, das reibungslose Zusammenspiel von Ninas geschickten Fingerchen mit Lippen, Zähnen und Zunge zu bewundern. Opas Hand reichte als Mülleimerersatz für die Traubenkerne...  

Integration

 

Der Stein des Anstoßes 1998: Fereshta Ludin (Zeichnung: F. Schmitz)

„Kopftuch-Verbot in NRW kommt“, lautet eine Schlagzeile auf der Titelseite meiner heutigen Lokalzeitung („Rheinische Post“ vom 19.10.2005). Der Schluss des dazu gehörigen Artikels spricht von „Symptomen für eine unter Rot-Grün völlig gescheiterte Integrationspolitik.“

Das bringt mich zum Nachdenken. „Parallelgesellschaften“ können Gefahren bergen. Klingt einleuchtend. Deshalb sollten alle Anstrengungen unternommen werden, für eine bessere Integration unserer Mitbürger ausländischer Herkunft zu sorgen.

Also weg mit den Kopftüchern!

Nur gut, dass meine liebe Mutter das nicht mehr erlebt. Die hat nämlich früher viel mit Kopftuch erledigt. Aber Kopftücher sind wohl doch sehr gefährlich.

Noch gefährlicher aber scheint mir der Gebrauch von Fremdsprachen zu sein. Also weg mit Türkisch, Arabisch und Russisch! Und Ersatz durch unser vertrautes Denglisch. Schließlich soll doch jeder verstehen, wovon die Rede ist. Und in muslimischen Moscheen sind Arabisch und Türkisch durch die altvertraute lateinische Sprache zu ersetzen. Semper una lingua sancta!

Anders ist die Sache bei den Standesämtern. Deutschstämmige Vornamen sollten ab sofort verboten werden. Man stelle sich nur die Außenseiterrolle vor, die ihre Träger in einer völlig andersartigen Umwelt – voller ausländischer Vornamen – spielen müssten.

Eine besonders schwierige Frage drängt sich allerdings auch noch auf: Was ist mit den vielen kulinarischen Niederlassungen fremder Kulturen in Deutschland? Schwierig! —

Ach, Unsinn! Zurück zur „gutbürgerlichen Küche“! Das bisschen Übergewicht durch Eisbein und Knödel könnte sich zudem recht günstig auf die Altersstruktur unserer Gesellschaft auswirken und die Rentenproblematik entschärfen.

Aber das Kopftuch geht mir immer noch nicht aus dem eigenen. Was? — Ach, so: Kopf natürlich.

Seit wir demokratisch sind, gehört die „Gleichheit“ zu unseren Grundwerten. Unser Grundgesetz fordert unter anderem die Gleichheit der Geschlechter. Und da wird die Sache mit dem Kopftuch kritisch, denn: nur Frauen sind davon betroffen. Wie ließe sich nur eine größere Geschlechtergerechtigkeit herstellen?

Das Kopftuch ist schon auf den ersten Blick sichtbar. Wenn man gründlich nachdenkt, könnte man vielleicht auch verborgene Integrationshindernisse finden.

Ha! Jetzt hab ich’s! Der Unterschied zur deutschen Tradition bei den Männern ist: die Beschneidung! — Hm... ganz besonders schwierig... — Es sei denn, unser neu gewählter (ach, so demokratischer) Bundestag erließe schleunigst ein Gesetz zur Zwangs-Präputialtransplantation...    

                                              

Die letzte Erdbeere?                                (18.10.2005)

Beim Schneiden der Sträucher im Garten — schmerzhaft, weil Feuerdorn und Heckenrosen — hat Opa eine besonders schöne Walderdbeere entdeckt. Natürlich lässt er sie hängen. Sie befindet sich nämlich außer Schneckenreichweite. Und die Vögel? Komisch, die scheinen sich nichts aus Walderdbeeren zu machen. Na ja, sie haben ja auch genug andere Beeren: Feuerdorn, Hagebutten, Vogelbeeren...

Nina ist letzte Woche nicht im Kindergarten gewesen. Grippaler Infekt. Mama hatte dasselbe: krank geschrieben. Praktisch! Am Montagmorgen war dann alles wieder normal.

Opa hört am frühen Nachmittags Mamas Auto. Ehe Nina ausgestiegen ist, steht er schon parat. Ihrer möglichen Reaktion bei seinem Anblick vor dem Haus, nämlich ihn hinein zu schicken, weil sie doch so gern „Schellemännchen“ macht, kommt er zuvor.

„Ich hab etwas im Garten gefunden“, flüstert er ihr zu. Flüstern wirkt bei Nina besser als lautes Reden.

„Zeig mal!“, flüstert sie zurück und überschlägt sich fast beim Aussteigen. Es sind nur ein paar Schritte bis zu der Erdbeere im Vorgarten.

„Eine Erdbeere! Eine ganz schöne Erdbeere!“

Nina jubelt richtig. Ein Griff, und schon ist die Erdbeere gepflückt. Aber dann ist die Zeremonie anders als sonst. Bisher sind Pflücken und Essen fast simultan gewesen. Heute aber läuft Nina zuerst zu Mama, um ihr den Fund zu „vorzuführen.“

Ob sie wohl ahnt, dass es die letzte gewesen sein könnte? In diesem Jahr natürlich.   

 

Ziele

Auf die Frage eines Journalisten nach den Zielen der CDU bei den heutigen Koalitionsverhandlungen im Berliner Willy-Brandt-Haus antwortete die designierte Bundesfamilienministerin Dr. Ursula von der Leyen im Blick auf die speziellen Zielvorstellungen in ihrem Ressort:

„Wie können wir die älteren Menschen in unserer Gesellschaft mehr integrieren und ihre Chancen besser nutzen?“

Gut aussehen tut sie ja...

[Quelle: „heute journal“ (ZDF), 17.10.2005, 21:45 – 22:15]

Erkenntnis 02                           (16.10.2005)

Nijntje, alias Miffy

Nina liebt Miffy, das kleine weiße Kaninchen. (In den vorigen Geschichten hat der „einfach strukturierte“ Opa dessen Namen zwar immer falsch geschrieben, nämlich mit I am Ende, aber das war ja nicht zu hören.)

Jetzt hat Opa mal im Net nachgesehen, wo das süße Geschöpf herkommt. Und — o Wunder — es ist schon 50 Jahre alt! Und es kommt aus den Niederlanden, wo es sein Schöpfer, Dick Bruna, schon vor einem halben Jahrhundert geschaffen hat.

Aber es kommt noch viel besser: Eigentlich heißt es gar nicht „Miffy,“ sondern „Nijntje,“ und das ist die niederländische Entsprechung für „Ninchen“ oder „kleine Nina.“

 

Schimpfen                         (16.10.2005)

Seit gestern, es war am frühen Nachmittag, findet Opa keine Ruhe mehr. Der Grund? — Er hat geschimpft. Mit Nina. Nicht laut, aber energisch.

Da hatte er doch vorgestern mit viel Mühe die Haustür geputzt. Und wieder einmal gemerkt, warum sein Behindertenausweis als Grad der Behinderung 100 % angibt.

Zugegeben, nach der Putzaktion sind Ninas „Kreidekunstwerke“ alle verschwunden. Restlos. Aber wozu hat Mama wohl die Dose mit der Kreide ausgerechnet auf die erste Treppenstufe gestellt?

Bei der Rückkehr vom Stadtbummel hat Nina natürlich sofort mit der Wiederherstellung der Kunstwerke begonnen, und das am Samstagnachmittag.

Opa hatte etwas gehört — obwohl er „doof“ (= taub) ist. Zur Diele Eilen, Sehen und den Mund Aufmachen waren nahezu simultan.

Aber Opas Bitte, auf die er sich zuerst verlegt hatte, wurde abschlägig beschieden:

„Ich will jetzt neue Bilder malen!“ Opas Argumente waren zwecklos.

Da hat er geschimpft und Nina auch noch die Kreide aus der Hand genommen. Pure Gewaltanwendung!

Und jetzt quält ihn das Bild, das er seitdem vor Augen hat:

Eine tränenüberströmte Nina, die ganz untröstlich ist. Und das Schlimmste: Seit nunmehr rund zwanzig Stunden hat er sie nicht mehr gesehen...

 

Erkenntnis 01

Nina trägt Opa sein gestriges Schimpfen nicht nach. Zum Sonntagsessen erscheint sie strahlend wie immer – mit den Eltern natürlich. Leider ist Opa noch nicht ganz fertig mit dem Essen. Da er die übliche Verspätung einkalkuliert hatte, überrascht ihn das pünktliche Erscheinen seiner „Mitesser.“

Beim obligatorischen Blick in die Kochtöpfe ist Nina zwar noch etwas skeptisch, ob der „kleine“ Braten (ca. 1.880 g) auch lecker sein wird. Aber bei Tisch langt sie um so kräftiger zu. Fleisch, Salat und Nudeln sind ganz nach ihrem Geschmack.

Papa verzichtet leider vollständig auf das Fleisch, weil ihm dessen Inneres „zu rosa“ ist. Da kann Opa noch so wortreich versichern, es sei wirklich gar. Wie zart es ist, merkt man beim Essen ja selber. Nina ist jedenfalls mehr als zufrieden damit.

Während des Essens steht die Terrassentür offen; dieser „goldene Oktober“ lässt das einfach zu. Als Nina ihren Hunger gestillt hat, will sie natürlich nach draußen. Opa soll mitkommen, niemand sonst.

Im Sandkasten entwickelt sich ein überaus produktives Spiel. Zuerst werden Äpfel, Birnen, Pflaumen, Brom- und Erdbeeren „gebacken“, überdimensional. Nina macht fast alles schon allein: feuchtere Sandschicht angraben, Form füllen und Inhalt anklopfen, Platzierungsstelle glätten. Nur die ziemlich schweren — weil großen — „Förmchen“ umdrehen und kräftig ausklopfen, dabei muss Opa helfen.

Anschließend sind die Plastiktiere von Old MacDonald dran. Denen muss Opa seine Stimme leihen, damit sie sich mit Nina, MacDonald und untereinander unterhalten können.

Plötzlich schaut Nina Opa ganz tief in die Augen und setzt ihr strahlendstes Lächeln auf.

„Opa“, sagt sie, „weißt du, wer in deinen Augen ist?“

Opa hat natürlich keine Ahnung. Zum Glück beendet Nina seine Unwissenheit:

„Opa, da bin ich selber! In deinen Augen!“

Nicht nur da, denkt Opa insgeheim.

 

Gut

Schlechte Texte sondern die Leute. — Schrecklich?

 

(Projekt: "Heimliche Plagiate" bei keinVerlag.de; 13.10.2005)

 

Der Arm ist heil                            (12.10.2005)

Opa ist ungehorsam gewesen. Vorhin hat er sich einfach des vorzüglichen Verbandes entledigt, den Nina (3) ihm gestern angelegt hatte. Dreißig Stunden müssten gereicht haben, meint er.

Dabei hatte Nina ihm am frühen Abend noch eingeschärft, er müsse den Verband unbedingt „bis Weihnachten“ dran lassen.

Als Binden und Pflastern und Mullkompressen weg waren, zeigte es sich: Die fürchterliche Wunde war zum größten Teil in das Verbandmaterial hinüber gewechselt. Der letzte Rest Filzstiftfarbe wird bestimmt unter der Dusche verschwinden, der Opa sich endlich wieder „vollständig“ hingeben kann.

Nur eine kleine Sorge trübt Opas Aufatmen ein wenig: Ob Nina morgen etwas merken wird? Vorsichtshalber nimmt er sich vor, etwas „mit langen Ärmeln“ anzuziehen.

Hoffentlich denkt er auch dran!

Armverletzung                              (11.10.2005)

Gegen Abend ist Opa noch mal rasch zum Supermarkt gefahren.

„Was hast du denn gemacht?“

Die plötzliche Frage einer Bekannten reißt ihn aus seiner Einkaufskonzentration. Entsetzt starrt die Bekannte auf Opas rechten Unterarm.

„Trümmerbruch von Elle und Speiche“, will er gerade sagen, aber dann müsste er ja einen Gipsverband tragen, doch der Verband, der bei seinem kurzärmligen Hemd in voller Breite zu sehen ist, das ist nun mal kein Gipsverband.

Opa muss lachen. Die Bekannte guckt leicht verwirrt.

„Ach, ist nicht so schlimm!“, beeilt sich Opa zu versichern. Und dann gesteht er die Wahrheit:

Kurz nach Mittag war Nina zu ihm gekommen, „bewaffnet“ mit einem Erste-Hilfe-Kasten, den Mama gerade „ausrangiert“ hatte, weil das „Haltbarkeitsdatum“ abgelaufen war.

Opa hatte sich natürlich gleich mit Filzstiften eine grausige Riesenwunde auf den Unterarm gemalt, richtig krass! — Zum Glück hatte er den Gedanken an Marmelade gerade noch rechtzeitig verworfen; da wäre die Schweinerei etwas zu arg geworden.—

Opa hatte seinen Spaß daran gehabt, mit welcher Umsicht und Geschicklichkeit „Schwester“ Nina seinen Arm „versorgt“ hatte.

Sicher, ein paar Pflaster weniger hätten auch gereicht, und die Mullkompressen wären auch nicht unbedingt nötig gewesen. Aber die abschließenden drei elastischen Binden hatten alles ganz schön getarnt.

Natürlich hatte Opa den Verband am Arm gelassen, bis Nina sich zum Mittagsschlaf nach oben verzogen hatte. Aber vorher hatten sie noch ein paar Lieder miteinander gesungen und im Sandkasten gespielt.

Als Nina dann nach oben gegangen war, hatte Opa sich so an den „Verband“ gewöhnt, dass er ihn vollkommen vergessen hatte. Auf Dauer!

Denn jetzt, im Supermarkt, hat er ihn ja noch immer am Arm.

Da muss auch die Bekannte lachen.

Und ein paar Stunden später überkommt Opa selber ein Schmunzeln, weil er plötzlich bemerkt: Selbst jetzt — beim Aufschreiben der Geschichte — ist das Ding noch nicht weg.

Sollte er vielleicht mit dem Entfernen bis morgen warten? Stören tut’s jedenfalls überhaupt nicht, und irgendwie war Opa ja seit jeher ein Gewohnheitstier...   

 

Warum ich manchmal skeptisch bin                    (10.10.2005)

Leseempfehlungen sind längst nicht immer hilfreich. In dieser Einschätzung hat mich vor einiger Zeit ein kleines Erlebnis bestärkt.

Als Elke Heidenreich noch als Kabarettistin auftrat, habe ich sie sehr geschätzt. In ihrer Rolle als Leseberaterin erscheint sie mir dagegen weniger überzeugend, seit sie in einer Zeitschrift (leider ist mir entfallen, wann und wo) sehr eindringlich das „Buch“ von Michael Moore Bowling for Columbine zum Lesen empfohlen hat.

Dummer Weise ist „Bowling for Columbine“ kein Buch, sondern ein Film, ein wirklich sehenswerter – nebenbei bemerkt.

Wer Urteile über Bücher fällt, sollte sie zumindest selber gelesen haben. Vorher!

 

Perspektiven                                       (09.10.2005)

Nina (3) spielt in der Oktobersonne auf der Terrasse vor Opas Wohnzimmer; Mama sitzt lesend am Gartentisch. Opa selbst ist der Zutritt zur Terrasse „verboten.“ Er könnte ja Ninas Aktivitäten „stören.“

Nina malt mit Rieseneifer neue bunte Kreidebilder auf die grauen Betonplatten der Terrasse, viel schöner als die vor dem letzten Regen. Opa blättert noch mal in dem Zeitungsstapel auf seinem Wohnzimmertisch. Vielleicht kann er ja noch etwas Interessantes entdecken.

Plötzlich sieht er Nina auf dem Absatz – einer Art niedriger Außenfensterbank – vor seinem großen Wohnzimmerfenster herumturnen. Mit weit ausholenden Bewegungen verziert sie die Scheibe mit bunten Arabesken.

Opa möchte das ignorieren, aber ehe es ihm selbst bewusst wird, hat er schon hinaus gerufen:

„Was machst du denn da, Nina?“

So „schlicht“ kann nur ein „einfach strukturierter“ Opa fragen.

„Ich male, Opa“, kommt sofort von draußen die präzise Antwort – wenn man mal von dem Unterschied zwischen Malen und Zeichnen absieht.

„Warum malst du denn auf die Scheibe?“ will Opa wissen.

„Das ist schön, Opa!“

Als Opa erfahren möchte, weshalb Nina das „schön“ findet, stürzt ihn die spontane Antwort in tiefes Grübeln:

„Das ist Kunst, Opa!“

 

Giordano Bruno

 

italienischer Naturphilosoph, Dominikaner und „Ketzer“

(* 1548 in Nola bei Neapel, V 17.02.1600 in Rom verbrannt)

Bruno vertrat den Gedanken der Unendlichkeit des Weltraums. Er stellte sich damit der herrschenden Meinung einer in Sphären untergliederten geozentrischen Welt entgegen. Was jedoch für die damalige Zeit noch schwerer wog, war, dass seine Thesen von einer unendlichen Welt die Personalität Gottes in Frage stellten und er sich sehr negativ über Jesus Christus äußerte. Als Ketzer verurteilt, wurde er auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Vorher wurde ihm noch die Zunge heraus geschnitten.

     

Lebenslauf

Giordano Bruno wurde unter dem Namen Filippo in Nola bei Neapel geboren. Von seinem Heimatort ist seine spätere Selbstbezeichnung "Nolano" (der Nolaner) abgeleitet. Sein Vater war Giovanni Bruno, ein Soldat, seine Mutter Fraulissa (Flaulisa?) Savolino.

Bruno studiert zunächst in Polen und tritt 1565 in den Dominikanerorden ein. Dort legt er den Taufnamen Filippo ab und nimmt den Ordensnamen Jordanus/Giordano an.

Bald darauf gerät er in Konflikt mit der Kirche, weil er sich der Marienverehrung verweigert und alle Heiligenbilder aus seiner Klosterzelle entfernt. Doch das wird als jugendliche Verirrung aufgefasst und bleibt zunächst einmal folgenlos. 1572 empfängt er die Priesterweihe. 1576 gerät er zum ersten Mal unter Ketzereiverdacht und muss Neapel verlassen. Er flieht nach Rom, um sich dem Papst zu Füßen zu werfen. Als dort jedoch ruchbar wird, dass Bruno seine Flucht aus dem Kloster mit der Beförderung der

Schriften des Kirchenvaters Hieronymus in die Latrine gekrönt hatte, muss er auch von dort fliehen.

Die wieder entdeckten Ideen der antiken Naturphilosophien übten große Anziehung auf ihn aus. Zu dieser Zeit wurde das geozentrische Weltbild durch Kopernikus angegriffen. Hierdurch ermutigt, entwickelte Bruno im Laufe der folgenden Jahre seine eigene Philosophie.

Über Chambery geht er zunächst nach Genf. Er tritt der calvinistischen Kirche bei, aber Calvin kann mit den kopernikanischen Thesen, denen Bruno anhängt, gar nichts anfangen. Bruno wird verhaftet und von den Calvinisten exkommuniziert. Er widerruft und kommt frei.

Er gelangt 1579 nach Toulouse, hat dort kurz einen Lehrstuhl inne. Zu dieser Zeit beginnt sein phänomenales Gedächtnis Furore zu machen. Bruno arbeitet mit einem speziellen Merksystem. Aber die Erklärung, dass er magische Fähigkeiten habe, scheint manchen Zeitgenossen dann doch einleuchtender.

Die Hugenottenkriege treiben ihn dann zwei Jahre später nach Paris weiter. Dort bleibt er bis 1583, wird von Heinrich III. gefördert. Mit Empfehlungsschreiben von diesem geht er 1583 nach England, versucht zunächst in Oxford zu lehren, verursacht mit seinen Angriffen auf Aristoteles jedoch einen Skandal und erhält

keinen Lehrstuhl. Bis Mitte 1585 lebt er dann im Haus seines Freundes und Förderers, des französischen Botschafters in London. Dort veröffentlicht er seine "italienischen Dialoge", darunter Cena de le Ceneri (Das

Aschermittwochsmahl) (1584), in dem er schonungslose Polemik gegen den Oxforder Gelehrtenstand übt und das Londoner Geistesleben heftig karikiert, sowie De l'Infinito, Universo e Mondi (Über die Unendlichkeit, das Universum und die Welten). In letzterem erklärt er die Sterne damit, dass sie wie unsere Sonne seien, dass das Universum unendlich sei, es eine unendliche Anzahl von Welten gebe und diese mit einer unendlichen Anzahl intelligenter Lebewesen bevölkert seien.

1585 geht er wieder nach Paris, die Stimmung dort ist aber nicht so aufgeschlossen wie noch zwei Jahre zuvor. Nach Tumulten, die durch seine 120 Thesen gegen die aristotelische Naturlehre und ihre Vertreter entfacht wurden, und nach einer Schmähschrift gegen den katholischen Mathematiker Fabrizio Mordente muss er Paris verlassen.

Er reist nach Deutschland weiter und versucht einen Lehrstuhl in Marburg zu erhalten. Das gelingt ihm nicht, aber in Wittenberg erhält er eine Lehrerlaubnis. Von 1586 bis 1588 lehrt er dort Aristoteles. Als die

Meinungsverhältnisse in Wittenberg wechseln, geht er für ein halbes Jahr nach

Prag. Es gelingt ihm zwar, die Gunst von Kaiser Rudolf II. zu erhalten, aber keinen Lehrauftrag. Mit einer finanziellen Unterstützung von 300 Talern von Rudolf II., reist er nach Helmstedt weiter. Dort erhält er eine Professur. Auch hier hält es ihn nicht lange, nach den Calvinisten in Genf wird er jetzt von den Lutheranern exkommuniziert.

Wo auch immer Bruno wirkt, versucht er Fuß zu fassen und einen festen Lehrstuhl zu erhalten - erfolglos. Brunos Talent, sich in der Welt der komplizierten Machtverhältnisse der Renaissance zu behaupten, könnte zwiespältiger nicht interpretiert werden: Auf der einen Seite gelang es ihm immer wieder, mächtige Gönner auf seine Seite zu ziehen. Auf dem theologisch-philosophischen Kampfplatz aber scheint er ein besonderes Talent dafür gehabt zu haben, sich mit rücksichtsloser Polemik, beißendem Spott und insbesondere mit der Leugnung der Gottessohnschaft Christi und mit seiner kompromisslosen Gegnerschaft zu Aristoteles Feinde zu schaffen.

1590 landet er in Frankfurt am Main, legt sich mit den Stadtoberen an, die ihn prompt 1591 ausweisen. Es folgt ein Kurzaufenthalt in Zürich. Während seiner Frankfurter Zeit beginnt vielleicht so etwas wie Heimweh nach Bruno zu greifen. Aber in Italien war die Inquisition mächtig, die katholische Kirche kämpfte mit allen Mitteln gegen die Reformation. Doch schließlich waren es der Tod des konservativen Papstes Sixtus V. und die Vakanz eines Lehrstuhls für Mathematik an der Universität Padua, die den Ausschlag gaben, dass Bruno nach Italien zurück tendiert. Schließlich erreicht ihn eine Einladung nach Venedig.

Zwar lehrt er zunächst in Padua, aber dieser Lehrstuhl wird bald an Galileo Galilei vergeben. Bruno nimmt jetzt die Einladung nach Venedig an. Sein Gastgeber, Zuane Mocenigo, möchte in die Gedächtniskunst eingeweiht werden, doch es ist nicht unwahrscheinlich, dass er sich von Bruno Einblick in weit "magischere" Künste erhoffte. Wohl aus Enttäuschung, dass diese Erwartungen nicht erfüllt wurden, kommt es zum Streit. Während Bruno noch überlegt, Venedig zu verlassen, wird er von Mocenigo denunziert und am 22. Mai 1592 von der Inquisition verhaftet. Im venezianischen Kerker widerruft er nach sieben Verhören. Aber die Macht der Inquisition trifft auf nicht viel Widerstand in Venedig, das sich für Bruno mehr oder minder als nicht zuständig erachtet haben dürfte.

Anfang 1593 wird Giordano Bruno nach Rom gebracht und in der Engelsburg gefangen gesetzt. In den folgenden sieben Jahren wird der Prozess gegen ihn vorbereitet. Er versucht vergeblich, eine Audienz bei Papst Clemens VIII. zu erreichen, ist bereit, teilweise zu widerrufen. Das genügt der Inquisition nicht. Als sie den vollständigen Widerruf fordert, reagiert Bruno hinhaltend und schließlich weigerlich: u.a. an der Leugnung der Gottessohnschaft Christi und des Jüngsten Gerichts und der Behauptung vieler 'Welten' hält er fest. Am 8. Februar 1600 wird das Urteil verlesen:

Giordano Bruno wird aus der Kirche und dem Orden der Dominikaner ausgestoßen und wegen Ketzerei und Magie zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt.

Bruno reagiert auf das Urteil mit seinem berühmt gewordenen Satz:

„Mit mehr Angst verkündet Ihr das Urteil, als ich es entgegen nehme.“

Von achtjähriger Kerkerhaft körperlich gebrochen, wird der 52-jährige Giordano Bruno am 17. Februar 1600 auf dem Campo dei Fiori auf dem Scheiterhaufen hingerichtet.

Seine Bücher werden auf den Index der verbotenen Schriften gesetzt, wo sie bis zur Abschaffung des Index 1965 im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils auch blieben. Das Todesurteil gegen Bruno wurde von Papst Johannes Paul II. am 12. März 2000 im Rahmen eines Gottesdienstes zum 'Tag der Vergebung' öffentlich bereut.

Mathematiker?

Seltsame Blüten gedeihen fast überall.

Unter den „Familienanzeigen“ (auf Seite D5) in der „Rheinischen Post“ von heute (08.10.2005) findet sich als prächtiges Beispiel dafür die folgende „Blüte“:

Das Produkt aller natürlichen Zahlen größer als Null,

bis zur Zahl n einschließlich, ist nicht durch

die Primzahl n + 1 ohne Rest teilbar.

Dass diese Formulierung des begeisterten Hobby-Mathematikers aus Geldern, der für sein Inserat gutes Geld ausgegeben hat, nicht ganz stimmt, ist auf den ersten Blick klar, und zwar ist das Satzstück nach dem zweiten Komma unscharf.

Der Ausdruck „die Primzahl n + 1“ lässt sich unterschiedlich auffassen:

a) Die Primzahl ist n, und dazu wird 1 addiert.

b) Die Primzahl ist (n + 1).

Gemeint war wohl b). Aber dass Produkte natürlicher Zahlen durch Primzahlen nur dann ohne Rest teilbar sind, wenn sie die betreffende Primzahl als Faktor enthalten, ist eine Binsenweisheit.

Die Version a) ist dagegen ganz falsch, wie folgende Beispiele zeigen (wobei schon ein Beispiel zur Widerlegung genügt hätte):

1 x 2 x 3 x 4 x 5 = 120                      1 x 2 x 3 x 4 x 5 x 6 x 7 = 5040

120 : (5 + 1)      =   20                       5040 : 8                         =  630

Merke: Auch in der Mathematik ist Sprache durchaus wichtig!

 

Idee beim Lesen

Als Opa gerade im neuen stern geblättert und dabei den lesenswerten „Zwischenruf“ von Hans-Ulrich Jörges („Ärztin oder Krankenschwester“, stern 41/2005, S. 36) überflogen hat, kommt ihm ein Gedanke:

Wie wäre es, wenn ich meine Nina dazu überredete, statt ihres Ausdrucks „doofer Opa“ lieber die viel elegantere Version „einfach strukturierter Opa“ zu benutzen?

Hat was!                                                    (Der folgende Text ist die Fortsetzung.)

Sprachregelungsversuch

Nach Ninas Heimkehr aus dem Kindergarten versucht der „einfach strukturierte“ Opa sein Glück. Nina hört ihm geduldig zu. Dann kommt ihr Veto:

„Ich möchte das nicht sagen.“ Punktum.

Opa gibt nicht auf. Wieder hört Nina zu. Jetzt ist ihr Widerspruch jedoch entschiedener:

„Nein, Opa, ich will nicht ‚einfach strukturiert’ sagen, „du bist ‚doof’. — Und blöd!“

Trotzdem wagt Opa einen letzten Versuch, diesmal mit „schlicht.“ —

„Nein, Opa, das will ich auch nicht sagen. Und das heißt nicht „schlicht“, das heißt „schlecht.“

Als sie Opas traurige Miene sieht, meint sie versöhnlich:

„Du bist doch kein schlechter Opa.“

Ihre Antwort auf Opas klägliches „Was denn?“:

„Du bist lieb.“ — (Pause) — „Und doof!“

Rückkehr vom Kindergarten                      (04.10.2005)

So fröhlich, wie sie heute Morgen das Haus verlassen hat, kommt Nina um 14:15 Uhr zurück. Aber zunächst hat sie überhaupt keine Lust, das Auto zu verlassen.

Auf dem Schoß hat sie ihre geöffnete Frühstücksdose und lässt es sich schmecken. Nein, zum Frühstück hat sie nichts davon angerührt, da hat sie „etwas Braunes“ gegessen. Sie weiß nicht, was das war. Schokolade war es nicht. Brot war es auch nicht. Pudding erst recht nicht. Opas vorsichtige Frage, ob es etwa „Aa“..., wird mit einem Aufschrei der Empörung im Keime erstickt:

„Nein, Opa!, so was kann man doch nicht essen!“

Da sie auf die Fragen bei „Brot“ mit „so was Ähnliches“ geantwortet hat, einigen sich Mama und Opa auf „Lebkuchen“.

Ninas „Picknick“ zieht sich in die Länge. Mama darf schon mal die Sachen ins Haus tragen. Inzwischen staunt Opa über Ninas Appetit. Als nächstes ist ein Würstchen an der Reihe, das unter Ninas geschickten Fingern im Handumdrehen seiner Pelle beraubt wird.

Endlich im Haus angekommen, schüttet Opa nur rasch noch die Nudeln ab. Der Tisch für Nina, Mama und Opa selbst ist schon gedeckt. Aber Nina weigert sich, am Tisch Platz zu nehmen. Dummerweise hat sie das Ebay-Päckchen auf der Treppe entdeckt und muss das natürlich erst mal auspacken. Zum Vorschein kommt ein Malbuch mit den Teletubbies.

Während Mama und Opa mit dem Essen begonnen haben, sitzt Nina auf der Couch im Nebenraum und „studiert“ ihre neue Errungenschaft.

„Jetzt möchte ich das ausmalen!“, tönt es unüberhörbar von der Couch. Opa lässt Essen Essen sein und beeilt sich, den „Wunsch“ seiner Prinzessin zu erfüllen. Angesichts der schnell geöffneten Buntstiftdose bricht eine regelrechte Danklitanei aus. Während sie „malt“, singt Nina eine ganze Reihe unterschiedlicher Melodien, aber alle mit nur dem einen Wort als Text: Danke! Das erfüllt Opa mit tiefem Glück.

Trotz des „Picknicks“ im Auto kommt Nina aber schließlich doch noch zum Esstisch.

Nein, an ihrem Platz und auf ihrem Teller möchte sie immer noch nichts.

„Danke! Ich kann doch von Mamas Teller mit essen!“ Und unbekümmert greift sie sich die Nudeln gleich Händchenweise, und Opa staunt schon wieder, weil alles ganz sorgfältig im Mund verstaut wird. Zwischendurch sind auch hin und wieder die dicken Bohnen dran, die Opa zu Salat verarbeitet hat. Nina bestätigt ausdrücklich, dass sie ihr gut schmecken. Aber sie benutzt sie ungeachtet dieser Aussage auch fröhlich als biologisches Forschungsmaterial, indem sie jeweils eine halbe Bohne abbeißt und den Rest durch leichten Fingerdruck auf Mamas Teller „zurückflutschen“ lässt. Die Schalen und die geschälten Halbkerne „darf“ Mama essen.

Als Opa Nina ein Papiertaschentuch für ihre Finger reichen will, verzichtet sie dankend darauf und zeigt ihm, wie einfach sie sich die Finger an den Lehnen seines Fernsehsessels abwischen kann. Zum Glück sind die Bezüge abnehmbar, so dass Opa sie waschen kann.

Opa hat ja auch gar nichts zu tun. Wenn er noch die Zeit hat, solchen Kram für kV zu schreiben...

                                                                                          

Morgenunterhaltung im Vorübergehen             (04.10.2005)

Ort des Dialogs: Diele

Opa: „Guten Morgen, meine liebe Nina.“

Nina (lächelnd): „Guten Morgen, Opa.“

Opa: „Wo geht ihr denn heute hin?“

Nina (mit gerunzelter Stirn): „Nicht gehen, Opa, fahren!“

Opa: „Wo fahrt ihr denn heute hin?“

Nina (strahlend): „Zum Kindergarten. Mama holt mich wieder ab. Um 2 Uhr! Tschö, Opa.“

Opa: „Tschö, mein Schatz.“

Inzwischen ist Nina mit Mama schon zu weit vom Haus weg, als dass sie noch gegen den „doofen Namen Schatz“ protestieren könnte. So beschränkt sich ihre Antwort auf ein fröhliches Winken...

 

Fürsorgliche Warnung und Streich   (03.10.2005)

Auf dem Weg zur Schaukel im Garten kommt Nina mit einem kleinen Teller durch Opas Wohnzimmer. Opa schaut ganz überrascht: Auf dem Teller liegt ein sehr großes Nussplätzchen. Nina sieht Opas Riesenaugen und sagt:

„Das ist für dich!“

Opa ahnt, dass das Plätzchen gerade aus dem Ofen kommt.

„Hast du das mit Mama gebacken?“ fragt er.

„Ja, und noch mehr“, ist die Antwort.

„O, das ist ja noch warm“, meint Opa, als er das Plätzchen in die Hand nimmt.

„Nein, Opa“, ertönt es sofort, „das ist nicht warm, das ist heiß. Das kannst du noch nicht essen. Da musst du noch ein bisschen warten!“

Opa legt das Gebäck gleich wieder zurück, damit es in Ruhe abkühlen kann. Zufrieden nimmt Nina mit Mama Kurs auf die Schaukel. Durchs Fenster sieht Opa noch, wie sie – statt zu schaukeln – erst noch auf Mama einredet. Dann steigt sie wieder ab und verschwindet mit Mama um die Hausecke.

Aha, denkt Opa, jetzt geht es erst mal auf Walderdbeersuche. Da die auch im Vorgarten zu finden sind, führt die Suche ums Haus herum; Gelegenheit, „Schellemännchen“ zu spielen. Und schon ertönt die Klingel!

An der Haustür angekommen, sieht Opa natürlich niemanden.

Im Garten sitzt Nina längst auf der Schaukel. Als Opa sich bei ihr über das „böse Schellemännchen“ beklagt, das ihn zur Tür gescheucht hat, lacht sie ihn entwaffnend an und sagt:

„Ach, Opa, das war doch ich!“  

 

Doof                                                     (03.10.2005, 10:00 h)

Zumindest in einer Hinsicht hat Nina Recht, wenn sie Opa als „doof“ bezeichnet, in der Grundbedeutung des Wortes nämlich, das ja die niederdeutsche Variante des hochdeutschen „taub“ ist.

Da schreibt Opa, um seine Sehnsucht in den Griff zu bekommen, gegen Mitternacht den Beitrag „Wieder ohne Nina“, und dabei ist sie schon seit 22:00 Uhr mit ihren Eltern wieder da.

Und der „doofe“ Opa hat nichts bemerkt!

Als er heute Morgen das Fotoalbum wieder nach oben trägt, aus dem er ein paar neuere Ninabilder eingescannt hat, will er sich schon ärgern, dass er gestern offenbar das Licht hat brennen lassen.

Und was sieht er? – Die ganze Familie fröhlich beim Frühstück!

Insgeheim meint er zwar: Die hätten sich ja auch mal bemerkbar machen können! Aber die Freude überwiegt, vor allem, als Nina ihn anlächelt und „Hallo, Opa!“ sagt...

Schon wieder ohne Nina                             (3.10.2005, 00:32 h)

Letzten Freitagnachmittag hat sie zum letzten Mal gewinkt, und dann war sie weg.

Mit Papa und Mama ist sie wieder mal zu den anderen Großeltern gefahren. Stimmt schon, die möchten schließlich auch etwas von ihrer kleinen Enkelin haben. Und Willi, das Kaninchen, auch. Mehr als sechs Stunden haben sie für die Fahrt gebraucht, die sonst knapp drei dauert. Von einem Stau in den anderen! Kein Wunder beim Herbstferienbeginn.

Nur im Hintergrund konnte Opa ihre Stimme am Telefon hören. Aber morgen wird sie wohl wieder hier sein. Hoffentlich schaffen sie’s dann schneller!

Vorsichtshalber hat Opa schon einen großen Braten vorbereitet, wie ihn Nina so gern mag. Und die große Gurke wartet auch schon im Kühlschrank. Wenn sie nur nicht wieder kurz vor der Ankunft bei einem Schnellimbiss Rast machen! Von sich aus würde Nina das bestimmt nicht tun. Hofft Opa jedenfalls.

Das Wetter war zwar nicht ganz danach, aber im Garten könnten die letzten Walderdbeeren reif sein. Um noch mit Nina nachschauen zu können, müssten sie aber ankommen, solange es noch hell ist.

Opa sollte endlich damit aufhören, sich Sorgen zu machen. Möchte er eigentlich auch. Schließlich weiß er genau, dass das nur eine dumme Angewohnheit ist. Aber sie scheint zu den Dummheiten zu gehören, von denen man so schlecht los kommt.

Mensch, Opa, mach endlich Schluss damit. Morgen ist das Warten vorbei!

Hurrah! Nicht erst morgen, nein, heute schon, denn es ist ja schon nach Mitternacht! 

Ninas Geheimnis                        (01.10.2005)

 

Das Bild ist am 19.09.2005 von Mama im Tierpark gemacht worden. So sieht Opas Schatz aus.

Seit ihrer Geburt „tackt“ Nina regelmäßig. Zugegeben, das Wort „tacken“ gehört nicht zum normalen deutschen Wortschatz. Aber es gehört zu Ninas ganz persönlichem und ist für sie eines der wichtigsten Wörter.

Am kommenden Montag, dem 3. Oktober, beginnt in Deutschland die „Weltstillwoche“, die von der WHO ausgerufen worden ist, um auf die Bedeutung des Stillens hinzuweisen. Was durch große Untersuchungsreihen in den letzten Jahren immer deutlicher geworden ist, hat Nina für sich selber längst erkannt – und Mama zum Glück auch.

Mein kleiner Schatz hat sich bestimmt nicht zuletzt deshalb so prächtig entwickelt, weil das „Tacken“ – das Trinken aus der Mutterbrust – bis heute eine heiß geliebte Selbstverständlichkeit geblieben ist. Sicher war es ein wesentlicher Grund dafür, dass Nina weitgehend von Krankheiten verschont blieb und die gelegentlichen Kränkeleien im Handumdrehen überwunden waren.

Mamas Seufzen im Blick auf die Aussicht, in ein paar Jahren regelmäßig in der großen Pause auf dem Schulhof aufkreuzen zu müssen, um dort ihrer „Pflicht“ nachzukommen, hält Opa für maßlos übertrieben.

Wildwestmethoden jetzt legal

Ab heute (1. Oktober 2005) gilt in Florida ein Gesetz, das der Gouverneur, Jeb Bush, der jüngere Bruder des Präsidenten, im April gebilligt hat. Leider kein Aprilscherz!

Das Gesetz erlaubt es den Bürgern von Florida, sofort die Waffe zu ziehen, wenn sie sich zu Hause oder in der Öffentlichkeit bedroht fühlen.

Es ist zu befürchten, dass damit kleine Auseinandersetzungen (z. B. im Straßenverkehr oder bei Nachbarschaftsstreitigkeiten) in hemmungslose Waffengewalt ausarten. Da erscheint mir die Frage nicht ganz unberechtigt, ob man einem solchen US-Demokratiemodell weltweite Verbreitung wünschen sollte...

 

„Stilvoll“

Foto: Werner Gabriel (Rheinische Post)

Glosse zu einem schönen Herbstwaldartikel

Auf Seite A3 bringt die RP von heute (01.10.2005) unter dem Titel „Kleine Blätterkunde“ einen lesenswerten Beitrag, der rund 2/3 der Seite einnimmt. Die Autorin Dirke Köpp stellt darin sechs Baumarten unserer Wälder vor, vor allem unter dem Aspekt ihrer Erscheinungsform im Herbst.

In sieben farbigen Bilder werden dazu die behandelten Bäume, einschließlich ihrer Blätter in Großaufnahme, und die ansehnliche „Informationsquelle“, die Waldpädagogin Nina Piechottka, gezeigt. Zu hoffen und – optimistischer Weise – zu erwarten ist, dass auch viele junge Menschen den Artikel lesen werden.

Da aber sind wir bei dem Punkt, der mich ein wenig bekümmert. Ob die Autorin oder jemand aus dem Satz dafür verantwortlich ist, kann ich natürlich nicht entscheiden. Aber ein ziemlich dummer Rechtschreibfehler hat mich beim Lesen leider doch etwas gestört, vor allem, weil er so konsequent durchgehalten wird.

Jedes Mal, wenn von der Stieleiche die Rede ist, steht da „Stileiche“ – auch in der Bildlegende – und aus dem Stängel (alte Rechtschreibung „Stengel“), dem Stiel, wird „Stil.“

Da der Artikel sachlich, sprachlich und „stilistisch“ durchaus gelungen ist, wäre es gar nicht nötig gewesen, den Wald auf diese Weise „aufzuwerten.“ Mir tun schon die jungen Leserinnen und Leser Leid, die hier vielleicht ihre „Stilkunde erweitern.“

 

Gewohnheit                                                        (30.09.2005)

Opa

schanzt Mini

Nina Schmitz

beim Essen

die besten Bröckchen

zu. 

Anagramm: Die zweite und die dritte Zeile enthalten dieselben Buchstaben, nur in anderer Reihenfolge.

 

Tippen                                                                (30.09.2005)

Wenn ich es mal erlebe, wie andere Menschen mit der Tastatur umgehen (bzw. früher mit der Schreibmaschine), dann komme ich aus dem Staunen nicht heraus.

Viele beherrschen sogar das Zehnfingersystem!

Mir selber ist schon das so genannte „Zweifinger-Suchsystem“ viel zu kompliziert. Das weiß ich aus entsprechenden vergeblichen Versuchsreihen. Dabei kamen immer nur Legastheniker-Texte heraus.

Wahrscheinlich ist mein Gehirn zu simpel gestrickt. In meiner Jugend habe ich zwar jahrelang Trompete gespielt, und das nicht einmal schlecht, aber dafür brauchte ich ja auch nur drei Finger.

Inzwischen habe ich mich längst damit abgefunden. Wenn man alt ist, sollte man nicht unbedingt mit aller Gewalt unerreichbare Ziele anstreben.

Und so tippe ich meine Texte weiter wie bisher, mit nur einem einzigen Finger der rechten Hand – und das ist ausgerechnet der „Stinkefinger“. Bitte nicht weiter sagen.

 

Harter Kurs                           (29.09.2005)

Opa hat etwas Schönes gekocht und sorgfältig den Tisch gedeckt. Aber Mama und Nina lassen auf sich warten. Opas düstere Vorahnungen bestätigen sich, als die beiden gegen halb Vier endlich ankommen: Sie haben schon bei Oma gegessen!

„Spinat!“, strahlt Nina ihn an. Sie will nicht mal in seinen Topf gucken, als sie hört, dass er auch Pilze in die Tomaten-Hackfleisch-Soße getan hat. „Puuhhh!“, sagt sie nur.

Am Morgen hatte Opa ein Päckchen mit Mamas Anschrift entgegengenommen.

„Sicher was für mich“, sagt Nina, als sie es auf der Treppe liegen sieht. Jetzt will sie natürlich erst recht sofort nach oben gehen. Seufzend blickt Opa seinen Grazien nach...

Zurück im Wohnzimmer, lässt er seine Blicke schweifen. Da! Die Obstschale! Einer Eingebung folgend, nimmt er vorsichtig eine dicke, vollreife Nektarine und steigt mühsam die Treppen hinauf. Er klopft zwar höflich an die Wohnungstür, tritt aber doch gleich ein. Wegen seiner Schwerhörigkeit kann er so wie so nicht entscheiden, ob jemand „Herein“ gesagt hat.

Stolz thront die Prinzessin auf der Couch, natürlich schon „im Inhalt des Päckchens“: einem traumhaft schönen hellblauen Esprit-Jäckchen mit zierlichen Stickereien. Ebay lässt grüßen.

Opas Nektarinen-Trick erweist sich als wirkungsvoll. Nina greift dankend zu und beißt gleich hinein. Eigentlich ist die Frucht für das kleine Händchen viel zu groß, aber Mamas Angebot, sie klein zu schneiden, wird abschlägig beschieden. Als Mama sich beklagt, dass die Kleine (jetzt, mit ihrer Bronchitis) sich fast nur von Obst ernährt, sieht man förmlich, wie Nina die Ohren „zuklappt.“

Opa setzt sich auf die Couch, wird aber von Nina gleich wieder hoch gescheucht:

„Da sollst du nicht sitzen, Opa; das ist Papas Platz!“ Opa will auf die andere Seite wechseln, wird jedoch schon wieder belehrt:

„Da auch nicht! Das ist Mamas Platz.“ –

„Jetzt bin ich aber ganz traurig“, versucht Opa es noch einmal, „wo darf ich denn sitzen?“ Und schon kommt eine genaue Beschreibung, warum keine der vorhandenen Sitzgelegenheiten für ihn in Frage kommt; alle sind entweder Papa oder Mama oder Nina selber zugeordnet.

„Soll ich denn so traurig wieder nach unten gehen und weinen?“, macht er den letzten Versuch. Nina nimmt die Nektarine vom Mund und sagt so trocken, wie das bei der saftigen Frucht möglich ist:

„Ja, Opa, das ist besser!“

 

Kleine Beschwerden                                    (29.09.2005)     

Im Kindergarten grassiert Bronchitis. Logisch, dass Nina auch nicht ungeschoren davongekommen ist. Oma, die als Kindergartenersatz herhalten muss, scheint darunter stärker zu leiden als Nina selber. Wohlgemerkt: unter NINAS Bronchitis, Oma selber hat (noch) keine!

Nach dem obligatorischen Besuch beim Kinderarzt gehen die beiden zur Apotheke, um das erhaltene Rezept für den Hustensaft einzulösen. Über den Kinderarzt kann sich Nina gar nicht beruhigen, noch des Nachmittags erzählt sie Opa, wie „doof“ der Doktor war:

„Weißt du, wo der meine Ohren gesucht hat? Hier!“, und dabei zeigt sie in die Tasche vorn auf dem Latz ihrer Hose. Sie selbst hat ihm zeigen müssen, wo ihre Ohren sind!

Beiläufig erfährt Opa, dass es Oma nicht gelungen ist, Nina zum Einnehmen des Hustensaftes zu bewegen. Als Mama da ist, versucht sie ihr Glück. Vergeblich.

Dummerweise hatte Oma Nina am Hustensaft riechen lassen. Opa schnuppert auch mal und kann Nina verstehen. So ein künstlicher, süßlicher Geruch kann bei einem Kind, das fast nichts Süßes mag, nur auf Ablehnung stoßen.

Vor die Alternative gestellt, Saft schlucken oder weiter husten, entscheidet sich Nina ganz spontan für weiter husten. Opa staunt, wie wirksam der Hustensaft zu sein scheint. Denn nach dem einmaligen Riechen hustet der Schatz schon bedeutend seltener.

 

Hektischer Morgen                                  (28.09.2005)

Heute Morgen hat Opa Pech. Als er schon vor 8 die Müllabfuhr hört, sieht er beim kurzen Blick aus dem Fenster, dass er gestern Abend die falsche Tonne raus gestellt hat: Nicht die graue (Restmüll), sondern die gelbe (Verpackungen, Plastik) hätte es sein müssen. Hätte er doch nur selber auf der Liste nachgesehen, statt sich auf das Vorbild eines Nachbarn zu verlassen!

Leider ist Opa noch nicht angezogen, obwohl er schon seit zwei Stunden seine Zeitungen studiert. Was soll’s? Rasch entschlossen schnappt er sich den Hausschlüssel und begibt sich nach draußen, so wie er ist, im Morgenmantel und mit nackten Füßen in den alten Schlappen. Zum Glück liegt das Haus an einem Fußweg, der alle 100 Meter von einer Stichstraße berührt wird. Also: so schnell es geht, die gelbe Tonne zur nächsten Stichstraße bringen! Dem Himmel sei Dank! Es klappt.

Als er zurück kommt, verlassen Nina (3) und Mama gerade das Haus. Ninas Blick gleitet ziemlich kritisch über die Opafigur, die sich ihr da bietet, von Kopf bis Fuß. Schon wieder hat Opa Glück, denn Nina verkneift sich jeden Kommentar.

Mama fällt ein, dass sie etwas vergessen hat. Sie muss noch mal rauf. Sie gibt Nina den Autoschlüssel mit der Bitte, schon mal den Wagen aufzuschließen. Opa begleitet Nina zum Auto, voller Neugier, ob sie das auch schafft. Zur Not könnte er ihr ja helfen.

Als sie an der Autotür stehen, steckt Nina souverän den Schlüssel ins Schloss. In diesem Augenblick kommt „Mira“, eine schwarze Katze aus der Nachbarschaft, vorbei. Nina hat nur noch Augen für Mira, und sie erzählt Opa, was Mira gestern gemacht hat. Ganz nebenbei macht es „klick“, und die Zentralverriegelung ist offen.

Am liebsten möchte Nina jetzt noch die nassen Autoscheiben trocken putzen, aber leider ist sie zu klein, um ganz heran zu kommen. Und Mama, die inzwischen wieder da ist, drängt sie einzusteigen. Keine Zeit!

Gekonnt schwingt sich Nina in ihren Kindersitz und klickt das Gurtschloss zu. Ein letztes Winken, und das Auto mit den beiden verschwindet um die Ecke...

 

Nina und der Computer                                         (27.09.2005)

Als Mama am frühen Nachmittag mit Nina nach Hause kommt, muss sie gleich noch mal weg, weil sie noch einkaufen will. Opa und Nina sind also allein.

Nina interessiert sich für Opas frisch gebratene Frikadellen, probiert eine, findet sie „lecker“ und isst sie samt einer halben rohen grünen Paprikaschote gleich auf. Opas freundliche Einladung, dazu doch besser am Tisch Platz zu nehmen, wird dankend abgelehnt. Die Hände wäscht sie sich jedoch ganz von selber.

Dann möchte Nina an Opas PC mit den „Teletubbies“ spielen. Na gut! Ist ja auch schon ein paar Wochen her, dass die beiden das gemacht haben. Opa geht also auf die Homepage der Teletubbies bei BBC. Nina thront natürlich auf Opas Schoß.

Kaum ist die Homepage geöffnet, spürt Opa, wie Ninas Händchen seine Hand sanft, aber bestimmt von der Maus weg schiebt. Das ist für Opa ganz neu. Mama hatte zwar schon mal Andeutungen gemacht, hm, so richtig hatte er sich das jedoch nicht vorstellen können. Jetzt ist er richtig gespannt.

So schnell, wie es nun los geht, kann Opa kaum gucken. Die Maus ist zwar eigentlich viel zu groß für Ninas Händchen, trotzdem kommt sie ganz problemlos damit klar. Blitzschnell saust der Mauszeiger über den Monitor. Spiel Auswählen, auf ganzen Bildschirm Umschalten und Spielen, einschließlich Verschieben von Objekten, Kolorieren, Anklicken und Doppelklicken usw., läuft ohne Unterbrechung. Opa kommt aus dem Staunen nicht heraus. Dabei stehen alle Anweisungen nur in Englisch auf dem Bildschirm. Und auch zu hören ist nur die englische Sprache. Ach ja, richtig lesen könnte sie ja auch keine deutschen Texte...

Opa ist auf die Rolle des passiven Zuschauers beschränkt, und die von Ninas „Sitzkissen“ natürlich. Wenigstens darf er gelegentlich ein wenig kommentieren. Schließlich sind alle Spiele, die Nina „mag“, durchgespielt. Ein paar mag sie nun mal nicht. Die sind ihr zu „doof.“

„Jetzt bin ich fertig“, sagt Nina nach einer knappen halben Stunde, „wir gehen nach oben!“ Selbstverständlich hat Opa nicht die geringsten Einwände.   

 

Die Rolltreppe                        (27.09.2005)

Wegen einer leichten Bindehautentzündung darf Nina heute nicht in den Kindergarten. Ansteckungsgefahr! Also liefert Mama sie um 8 bei Oma ab. Nach einem gemütlichen Frühstück geht’s gegen 10 mit dem Bus in die Stadt.

Im Kaufhof möchte Nina mit der Rolltreppe nach oben fahren. Oma soll sie dazu auf den Arm nehmen, wie sie’s gewohnt ist. Aber Oma findet Nina inzwischen schon etwas zu schwer für ihre angeknackste Wirbelsäule.

Also stellt sie die Kleine auf die Stufe vor sich. Nach einem Augenblick der Verblüffung kreischt Nina vor Begeisterung. Am liebsten würde sie jetzt tanzen. Aber sie möchte auch das Vergnügen nicht in Gefahr bringen, das ihr der geheimnisvolle Anstieg bereitet. Immer wieder jubelt sie:

„Das muss ich Mama erzählen!“

Der auf der Treppe unterdrückte Tanz wird im ersten Stock sofort nachgeholt, immer um Oma herum. Und dass Tanzen ohne Singen nicht geht, versteht sich eigentlich von selbst.

Der Vormittag vergeht wie im Flug. Nach manchem Abenteuer und „ungeplanten Einkauf“ (immer zu Ninas Gunsten!) sitzen die beiden endlich wieder im Bus. Und da scheint Ninas Köpfchen bald immer schwerer zu werden. Oma will ein wenig stützen. Ihre helfende Hand wird zwar zuerst weg geschoben, aber nicht lange... 

Zurück im „Dorf“ muss Oma sich Nina auf die Schulter legen, um aus dem Bus aussteigen zu können. Wider Erwarten wird der Schatz dabei jedoch keineswegs wach, und was die arme Oma im Kaufhof noch hat vermeiden können, ist nun ihre Dauerbeschäftigung für die letzten rund 400 Meter Heimweg. Nina merkt nicht einmal mehr, wie Oma sie zu Hause vorsichtig aufs Bett legt.

Dafür merkt Oma um so deutlicher, was sie getan hat. Arme Oma! Danke.

 

Nina und Sprachen                                (27.09.2005)

Nina spricht Hochdeutsch, und zwar in einem für ihre drei Jahre schon bemerkenswert „elaborierten Code.“ So ganz nebenbei hat sie auch bereits eine Menge englischer Brocken aufgeschnappt. Ein paar englische Kinderlieder beherrscht sie schon vollständig, wobei sie offensichtlich versteht, wovon die Rede ist. Quelle: meist Kindersendungen von BBC.

Etwas anders ist die Sache beim niederrheinischen Platt. Wenn Opa mal – heimlich – Platt mit ihr spricht, scheint ihr das richtig Spaß zu machen. Jedenfalls lacht sie viel dabei. Verständigungsprobleme? – Fehlanzeige. Allerdings geht es beim Platt auch nie um schwierige (abstrakte) Sachverhalte. Die Situation trägt immer erheblich zum Verständnis bei.

Seltsam ist nur: sie wiederholt die Ausdrücke völlig akzentfrei und auch im Gespräch mit anderen Menschen. Oft berichtet eine völlig verblüffte Oma davon (wie sie z. B. gesagt hat: „Opa es e Deer!“).

Aber Nina scheint das Platt für eine Sprache zu halten, die speziell für „Quatsch“ da ist, etwas zum Lachen.

Da hat Opa noch eine Menge zu tun (und zu reden), um das etwas zurecht zu rücken...

Prüfung bestanden                                                  (26.09.2005)

Kurz vor Acht. Opa hört Nina mit Mama die Treppe herunter kommen. Es geht zum Kindergarten. Opa lässt die Zeitungen liegen und beeilt sich, rechtzeitig in der Diele zu stehen, um den beiden einen guten Morgen zu wünschen. Zum Glück schließt er Fizz (Großporträt auf Ninas T-Shirt) und Miffi (in Ninas rechtem Händchen) in die namentliche Begrüßung ein. Nina strahlt ihn an:

„Wir gehen in den Kindergarten! Und Oma holt uns um 12 ab.“

(Das hätte Opa mal sagen sollen! Hätte er von „Gehen“ gesprochen, wäre er sofort berichtigt worden: „Wir ‚fahren’!“ – Na ja, das wussten schon die alten Römer: „Quod licet Iovi [Nina], non licet bovi [Opa].“ Zu Deutsch: „Was Jupiter sich leisten kann, steht keinesfalls dem Ochsen an.“)

Auf dem Bürgersteig vor dem Haus dreht sich Nina noch einmal um, wirft Opa ein zauberhaftes Lächeln zu und winkt.

Opa freut sich über seine ungebrochene Lernfähigkeit. Heute hat er Fizz und Miffi ja nicht vergessen. Alles scheint besser zu werden...

 

Ninas Farbenspiel                                                                       (25.09.2005)

Zu den Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl 2005)

Nina sitzt am Tisch und „malt“ mit Wasserfarben. Sie hat nur einen kleinen Farbkasten mit sechs Farben. Opa zeigt ihr, wie sie durch Mischen andere Farben machen kann; der Kastendeckel hat dafür sogar eigens verschiedene Fächer.

Nina findet das ganz toll, wie aus Rot und Gelb Orange entsteht. Und aus Gelb und Blau Grün. Aber Grün ist ja schon da.

Begeistert macht sie sich selber ans Werk.

Zuerst mischt sie Orange mit Schwarz. Ergebnis: Grau. Dann kommt etwas Rot zu Grün. Ergebnis: Grau. Und je mehr sie versucht, um so deutlicher merkt sie: Immer wieder kommt Grau dabei heraus. Aber Grau gefällt ihr nun wirklich nicht.

Opa denkt: ‚Ja, wenn das so ist...’

 

Internet und Rumpelstilzchen

Das Märchen vom Rumpelstilzchen veranschaulicht eine menschliche Urangst: Wer weiß, wer ich bin, hat Macht über mich.

In Ansätzen ist das sicher nicht unbegründet. Wer Vorschriften oder Gesetze übertritt, wird zur Rechenschaft gezogen werden, wenn man seinen Namen kennt. Kein Wunder also, dass das „Rumpelstilzchensyndrom“ – wie man diese Urangst vielleicht nennen könnte – in einschlägigen Kreisen besonders stark verbreitet ist.

Schon seit Generationen bedienen sich auch Künstler häufig solcher Geheimhaltung ihrer wirklichen Identität, indem sie Pseudonyme oder Künstlernamen wählen, um in ihrem Privatleben von den Folgen ihrer „Werke“ unbehelligt zu bleiben.

Die Wahl zu Reklamezwecken soll hier außer Betracht gelassen werden.

Dass das Internet geradezu eine Flut solcher Pseudonyme oder Nicknames ausgelöst hat, darf also nicht verwundern, denn nie zuvor hat es solche Massen von Individuen gegeben, die sich „veröffentlicht“ haben. Aber – wohlgemerkt – nicht als die Menschen, die sie wirklich sind, sondern nur in Teilaspekten ihrer Persönlichkeit.

Und hier zeigt sich allerdings auch eine merkwürdige Auffächerung dieser Erscheinung. Während ein großer Teil der „Surfer“ – vorwiegend jüngere, wie ich meine – die wirkliche Identität hinter dem Nickname ängstlich verbirgt, gibt es andere – meist wohl ältere – , denen es nichts ausmacht, ihre Identität preiszugeben. Manche verzichten von vornherein auf den Nickname und nennen sich beim „richtigen“ Namen.

Schaut man sich nun die Nicknames einmal etwas genauer an, zeigt sich wiederum etwas ganz Verblüffendes. Während sie einerseits der Tarnung dienen, enthüllen sie andererseits oft erheblich mehr, als der richtige Name je könnte. Ich verzichte hier absichtlich auf Beispiele, und zwar aus zwei Gründen. Erstens möchte ich niemandem zu nahe treten. Und zweitens kann sich jeder Leser seine eigenen Gedanken machen, wenn er – zum Beispiel allein bei kV – die Nicknames betrachtet.

Altmodisch, wie ich bin, habe ich selber kein Problem damit, meine Identität preiszugeben. Mein eigener Nickname ist lediglich eine Konzession an das, was ich einmal für „notwendig“ gehalten habe, um überhaupt Zutritt zum Internet zu erhalten.

Friedhelm Schmitz (alias „Zacken B. Arsch“¹)

  

¹ Bevor jemand anders auf die Idee kommt, das so zu schreiben, tu ich’s lieber selber. ;-)   (24.09.2005)

 

Lasseru!                                             (24.09.2005)

Das waren noch Zeiten! Inzwischen hat auch Nina ihre „Vergangenheit.“

Da war zum Beispiel die Phase vor gut anderthalb Jahren. Damals – wie heute immer noch – suchte sie ständig Gemeinschaft, sehr zu Mamas Leidwesen auch des Nachts. Nur gelegentlich wollte sie unbedingt in ihr Kinderzimmer, und da – in ihr „Häuschen“,  unter den kleinen Tisch mit der Decke darüber.

Wehe, jemand hob einen Zipfel der Decke an, um hinein zu lauern!

„Lasseru!“, fauchte ihm die kleine „Katze“ entgegen.

Bald wussten alle, das war ein untrügliches Signal, dass kurz darauf die Windel gewechselt werden musste...

Die frühkindliche Sprachform hat sich mittlerweile zu einem „elaborierten Code“ entwickelt: „Lass mich bitte in Ruhe!“

Aber dessen Deutung ist erheblich schwieriger. Schließlich gehören die Windeln längst der Vergangenheit an.

 

Buchstabensuppe                               (20.09.2005) 

Nina geht inzwischen ausgesprochen gern in den Kindergarten. Opa merkt das jeden Morgen, wenn sie mit Mama zum Auto geht. Sie strahlt Opa an und redet freundlich mit ihm. Aber sie geht ja auch nicht allein; „Miffi“, ihre weiße Häschenhandpuppe mit dem gelben Kleidchen, muss immer mit.

Gestern hat sich Nina einfach an den Mittagstisch im Kindergarten gesetzt und mit gegessen, obwohl sie wusste, dass Oma schon da war, um sie abzuholen. Da musste Oma eben ein wenig warten. Aber es gab ja auch Suppe mit Buchstaben. Und Nina liebt Buchstaben!

„Nein, Opa, ein O war nicht dabei, aber ein M wie Mama und ein U wie Uli und ein N wie Nina; ja, auch ein P wie Papa. Aber jetzt wollen wir nicht mehr von Buchstaben sprechen!“, bekam Opa auf seine diesbezügliche Frage zu hören.

Stattdessen musste er mit Nina raus in den Garten. Bei dem herrlichen Spätsommerwetter war das ja auch viel schöner.

 Ninas Schwester                            (20.09.2005)

„Ninas kleine Schwester“ befindet sich zwar eigentlich seit dem Urlaub noch in Spanien, aber sie spielt trotzdem eine große Rolle. Jeden Tag.

Gestern Nachmittag fielen Nina die Romane von Theodor Fontane auf, die Oma gerade liest. Da es Pappbände aus Opas Schullektüren-Bibliothek sind, aber schön glatt, schnappte sich Nina gleich einen Kugelschreiber, den Blick auf die Bücher gerichtet. Oma ahnte schon, was sie vorhatte. Also schnell ein Schreibheft hingelegt und Nina gebeten, nur ja nichts auf die Bücher zu schreiben, die ja Opa gehören. Ein Schreibheft ist ja auch zum Schreiben viel besser.

Aber dann musste Oma ins Badezimmer.

Als sie zurück kommt, sind die Bände „signiert.“ Zum Glück nur von außen. Komisch, mit den eigenen Büchern, so viele es auch sein mögen, würde Nina das nie machen. Oma ist enttäuscht, weil Nina ungehorsam und „böse“ gewesen ist.

Nina wird tatsächlich ein bisschen rot, aber dann kommt ihre Verteidigungsrede:

„Ach, Oma, meine Schwester hat mir gesagt, ich soll das tun. Ich selber wollte ja gar nicht. Aber meine Schwester...“

Ninas „alter ego“, personifiziert in der Gestalt der imaginären „kleinen Schwester.“ Opa findet das wunderschön und ist jetzt richtig glücklich mit seinen „signierten“ Büchern.

Nina ist stärker als die starken Verben            (19.09.2005)

Am Sonntag war Opa mit Nina und ihren Eltern im Tierpark. Eigentlich hatte er das gar nicht eingeplant, aber als die junge Familie losfahren wollte, war es Nina gewesen, die darauf bestanden hatte, er solle mitkommen. Er musste jedoch seine Krawatte wieder umbinden, die er nach dem Besuch im Wahllokal schon wieder abgelegt hatte. Nina hat schließlich recht genaue Vorstellungen davon, wie ein Opa auszusehen hat, wenn man ihn mal mitnimmt.

Im Tierpark war Nina die Führerin, die schon alles kannte und Opa auf alles Sehenswerte aufmerksam machen musste.

„Guck mal da, Opa!“, tönte es in einer Tour.

Vor dem riesigen Keiler hatte sie überhaupt keine Angst. Sorgfältig legte sie ihm die Futterpellets aufs Mäuerchen und freute sich, wie er sie mit seiner Zunge aufnahm.

Vom Rotfuchs war sie nicht ganz so begeistert. Erstens schlief er nämlich, und zweitens stank er ziemlich stark.

„Puh, der stinkt aber ganz schlimm! Das kann ich nicht leiden“, sagte sie und strebte weiter. Da waren die Meerschweinchen schon angenehmer und der große Affe, der geruhsam einen Salatkopf verzehrte.

Am Schluss durfte Nina sich ein Eis aussuchen. Ihre Wahl fiel auf ein gelbes Eis am Stiel.

„Au, meine Güte, da hast du aber schon ein großes Stück abgebissen!“, meinte Opa nach wenigen Augenblicken.

„Ach, Opa, das heißt doch nicht ‚abgebissen’, das heißt ‚abgebeißt’. Mama hat das neue Schränkchen doch auch nicht ‚gebizzen’, sie hat es ‚gebeizt’!“

Angesichts solcher Systematik gab sich ein resignierender Opa geschlagen; schließlich wusste er aus Erfahrung, wann es zwecklos ist, mit Nina über etwas zu streiten. Dabei beherrscht die Kleine sehr viele starke Verben im Schlaf. Die Gehege, wo die Tiere zu viel „geschissen“ hatten, gefielen ihr zum Beispiel nicht besonders. Aber bei manchen Fragen hat sie eben ihre eigene Meinung, und die ist das einzige, was zählt.

 

Das kann Nina nicht verstehen                  (11.09.2005)

Die ganze Familie ist eingeladen zu einem besonderen Geburtstag. Omas Schwester und ihr Mann sind 50 geworden. Gefeiert wird mit vielen Gästen im Schloss Wickrath (Mönchengladbach), einem zauberhaften Gebäudekomplex in einem wunderschönen ausgedehnten Park.

Als Oma und Opa losfahren, hält Nina noch ihren „Mittagsschlaf“, der angesichts der Tageszeit besser „Vorabendschlaf“ hieße. Mama will mit ihr nachkommen.

Die Festtagsgesellschaft ist recht vielseitig und abwechslungsreich. Aber Opa sehnt sich nach Nina. Deshalb spaziert er mehrmals durch den Park, in die Richtung, aus der Mama und Nina wohl kommen werden.

Endlich, nach fast zwei Stunden, werden die beiden jenseits eines großen Teiches sichtbar. Opa winkt und zeigt ihnen durch Gesten, an welcher Seite der kürzere Weg zu finden ist. Und er humpelt ihnen entgegen.

Nina ist schon mächtig beeindruckt durch die Umgebung. Sie weiß kaum, worauf sie Opa zuerst aufmerksam machen soll, die bunten Enten, die schwarzen Schwäne oder die Springbrunnen. Auf dem Weg zum Festsaal müssen sie noch einen recht breiten Wasserlauf überqueren. Die solide Holzbrücke spannt sich ziemlich hoch über dem Wasserspiegel. Opa kann Ninas Erregung an seinem kleinen Finger spüren, den Ninas Händchen fest umschlossen hält.

Dann sind sie da. Nina ist das einzige Kind unter rund achtzig Erwachsenen. Gelegenheit, auf höchst charmante Weise „Miss Schüchternheit“ zu spielen.

Beim Essen beschränkt sie sich auf rohe Paprikastreifen und – Hirschbraten. Mama hat ihr eine Scheibe in Stückchen geschnitten, wovon eins nach dem andern in ihrem Mündchen verschwindet. Zwischendurch wird die Serviette ausgiebig benutzt. Das muss genetisch bedingt sein; auch Opa konnte als Kind keine Soße oder anderen Schmutzerscheinungen an Händen oder Mund leiden.

Nach dem Essen wird die Umgebung erkundet. Die Flut von schönen Eindrücken, wie Blumen, Skulpturen, Wasserspielen, Schmetterlingen, Pferden (die allerdings „stinken“, weil sie „Aa ins Stroh gemacht haben) und exotischen Wasservögeln, kann Nina nur mit Tanzen und Singen „verarbeiten“. Sie ist glücklich. Daran kann auch ein leichter Nieselregen nichts ändern, der später einsetzt. „Ist doch nicht schlimm“, meint sie und lächelt.

Leider müssen Mama und Nina das Fest schon früher verlassen. Auf dem Weg zum Parkplatz sieht Nina Mama an und sagt:

„Mama, das kann ich nicht verstehen. Warum war denn Opa da?“

 

Opas Zwangslage                                              (10.09.2005)

Opa hat’s schwer. Sein Alltagsleben ist rundum von Verboten eingeschränkt. Nicht nur, dass er Nina nicht als seine „Sonne“ bezeichnen darf. Neuerdings ist auch der Begriff „Schatz“ verboten. Ninas neuste Äußerung:

„Du sollst nicht mehr ‚Schatz’ zu mir sagen. Ich bin ‚Nina’. ‚Schatz’ ist ein doofer Name. ‚Schatz’ Sagen ist verboten!“

Alle Argumentationsversuche sind zwecklos.

 

Zwischenfall im Kindergarten               (23.08.2005)

Als Papa und Mama Nina heute im Kindergarten abholen wollten, fanden sie eine alarmierende Situation vor: Ein Halbkreis von Kindern und Eltern stand um eine Matratze herum, und auf der lag Nina, fest schlafend!

Die Vorgeschichte: Beim Mittagessen hatte es Möhren gegeben, aber die mag Nina nur roh. Aus Enttäuschung (?) – zumal es nicht einmal Nudeln gab – war sie auf ihrem Stühlchen eingeschlafen. Eine Erzieherin hatte sie vorsichtshalber auf die Matratze gebettet, ehe sie vom Stühlchen kippen konnte.

Bei der Heimkehr war Nina allerdings schon wieder hellwach.

 

Herbert W. macht schon wieder einen Witz

Am 23.08.2005, als die Fahrer der „Deutschlandtour“ um 14:21 Uhr die Loreley passieren, sagt Herbert Watterott (ARD) über den berühmten Felsen:

„Es gibt sogar einen Text auf die „Loreley“, der von vielen in der Region zwischen November und März gesungen wird.“

Von Ralf Scholt aufgefordert, das Lied einmal anzustimmen, singt er zwar nicht, aber er zitiert:

„Lore, leih’ mir dein Herz...“

 

Ninas erster Tag im Kindergarten                               (23.08.2005)

Am Sonntagabend war Nina erst um 22:00 Uhr zum Schlafen gekommen. Der folgende Montag brachte nicht nur den Schulbeginn in Nordrhein-Westfalen, sondern auch ihren ersten Kindergartentag. Da hieß es früh aufstehen!

Natürlich wollte sie nicht, als Mama sie weckte. Aber Mama erzählte ihr ganz einfach, wie sehr Frau Arndt und die Kinder auf sie warteten, und auf einmal war Nina Feuer und Flamme.

Von all dem bekam Opa natürlich nichts mit. Der hörte nur, wie um 7:40 Uhr die junge Familie die Treppe herab kam. Als er in die Diele trat, um rasch noch einen Blick auf seinen Schatz zu erhaschen, schaute er in zwei strahlende Augen. Diesmal brauchte er auch gar nicht erst zu fragen und sich über „Auskunftsverweigerung“ zu grämen. Denn geradezu jubelnd schallten ihm schon von der Treppe die Worte entgegen:

„Wir fahren in den Kindergarten!“ Und fröhlich winkte ihm dann die Kleine noch zu, als der Wagen startete.

Eine halbe Stunde später waren die Eltern zurück, und Opa erfuhr, Nina habe genau so fröhlich gewinkt, als sie sich im Kindergarten verabschiedet hätten.

Den ganzen Morgen waren Opas Gedanken im Kindergarten. Ob sich ihre Fröhlichkeit wohl halten würde? Bis 14:00 Uhr, das war doch schon ziemlich lange! Aber Opa hatte schließlich schon manche Lektion in Geduld hinter sich gebracht.

Kurz vor Zwei fuhren die Eltern zum Abholen. Als sie nach zwanzig Minuten zurückkehrten, stand Opa schon an der Straße. Gott sei Dank! Nina war immer noch fröhlich. Schon von weitem winkte sie mit ihren beiden kleinen „Schultüten“, als sie Opa sah. Aber sie konnte Opa nicht mehr viel erzählen und zeigen. Dafür war sie einfach zu müde.

Von Mama erfuhr er jedoch, alles habe problemlos geklappt. Fröhlich habe Nina mit den anderen Kindern gespielt, zwei Bilder gemalt (die sie Opa noch kurz zeigte), am Frühstück und Mittagessen teilgenommen und auch den regelmäßigen Gang zur Toilette nicht vergessen.

Nach ihrem Mittagsschlaf, durfte, nein: musste er alles bewundern, was in den beiden Schultüten gewesen war. Und sie hatte auch nicht vergessen, was er ihr bei der Heimkehr beiläufig versprochen hatte:

„Wenn du geschlafen hast, gehen wir Erdbeeren suchen.“ Als er alles Neue gebührend bestaunt hatte, meinte sie plötzlich:

„Und jetzt suchen wir die Erdbeeren!“

Zum Glück waren in der Zeit ihres verlängerten Wochenendes mehr und schönere Erdbeeren gereift als normalerweise. Nach der erfolgreichen Suche im Garten wollte sie noch bei Opa bleiben. Opa hatte gerade ein neues LNB an seiner Satellitenschüssel und einen digitalen Receiver installiert. Sehr sachverständig half sie ihm beim Testen. So fand sie z. B. die WDR-Moderatorin Simone Standl sehr nett, vor allem auch ihr Kleid. Leider musste er beim Gesprächspartner von Frau Standl passen. Es wollte ihm einfach nicht einfallen, dass der Sprecher des „Weltjugendtages“ Matthias K. hieß.

Als Nina dann ein paar Walnüsse und den Nussknacker brachte, wurde es einfacher für ihn. Er musste nur darauf achten, dass er die Kerne nicht aus den geknackten Schalen holte. Das machte Nina selber, nur das Knacken war ihr noch zu schwer. Dafür denkt sie aber immer ganz gewissenhaft daran, Opa ein Blatt Papier als Unterlage für die Knackerei hinzulegen, damit sich der „Müll“ einfacher entsorgen lässt.

(Und jetzt hat Opa ausgerechnet dieses Blatt dazu benutzt, diese Tagesbilanz aufzuschreiben.)  

 

 

Herbert Watterott macht einen Witz               (19.08.2005)

Bei der Übertragung der Deutschlandtour 2005 sagte der Sportreporter Herbert Watterott am 19. August 2005, um ca. 14:10 Uhr:

„Wir sind in der ARD und befinden uns in SAT.1.“

Watterott sprach dabei den Ortsnamen (A-6822) „Sateins“ wie den Fernsehsender aus, indem er statt SA-TEINS das Wort SAT-EINS trennte.

Hoffentlich hat er von dem Privatsender kein Bestechungsgeld erhalten!

 

 

Benedikt XVI. und Nina                                     (19.08.2005)

Im Fernseher läuft die Reportage von der Ankunft Benedikts XVI. in Köln. Nina ist „beschäftigt“. Nur gelegentlich streift ihr Blick den Bildschirm. Um so überraschender deshalb ihr plötzlicher Kommentar:

„Ach, weißt du Opa, Oma soll besser Papst werden.“

Zu näheren Erläuterungen ist sie nicht bereit. Es interessiert sie auch nicht wirklich. Stören lässt sie sich bei ihrem Spielen durch solche „Nebensächlichkeiten“ jedenfalls nicht.

 

 

Ninas erster Einkauf                                         (15.08.2005)

Heute, am frühen Nachmittag, war Nina mit Oma im Supermarkt. Zum ersten Mal nahm sie sich selber einen kleinen Einkaufswagen. Oma war schon gespannt, was sie wohl hineinlegen würde. Wider Erwarten war der kleine Wagen noch ganz leer, als sie schon an den Sachen vorbei waren, die Nina gern mag: Obst, Gemüse, Würstchen..., sogar Spielsachen und Bücher! Aber Nina benutzte das Wägelchen keineswegs – wie Opa – als Gehhilfe.

„Ich kauf was für Mama und Papa“, beschwichtigte sie Oma, die angesichts des leeren Gefährts schon etwas ungeduldig wurde. Schließlich, am Ende der langen Fleischtheke, bog Nina in den Gang mit Süßigkeiten und Gebäck ein. Nun ging alles ziemlich schnell.

Ganz bestimmte Schokoladen- und Schokoriegelsorten füllten schon bald den Boden des Einkaufswagens. Ein paar mal musste Oma helfen, weil die gewünschten Dinge für Nina zu hoch lagen. Aber was sie aussuchte, wusste die Kleine ganz genau. Weil sie jedoch auch weiß, dass all diese Sachen Geld kosten, wusste sie auch, wann es genug war.

Zum Schluss nötigte sie Oma nur noch, mit ihr zum Joghurtregal zurück zu gehen. Da waren noch ein paar Becher Früchtejoghurt fällig – wieder ganz bestimmte Sorten. Und dann war endgültig Schluss. Zumal Oma auf die entsprechende Frage bestätigte, dass sie selber alles im Wagen habe, was sie kaufen wolle.

„Ich hab jetzt auch alles“, meinte Nina. Nur Geld hatte sie nicht mit. Dafür musste Oma herhalten.

„Du kannst ja mal bezahlen“, sagte Nina großzügig.

Ninas Einkäufe kamen in eine große Tüte. Aber es musste eine Papiertüte sein. Darauf bestand sie. Eine Plastiktüte kam nicht in Frage. Und diese große Papiertüte wurde Opa vorgeführt, als die beiden am Abend bei ihm angekommen waren.

Nina zeigte ihm den Inhalt in allen Einzelheiten. Und bei jedem Teil erfuhr er, ob es für Mama oder für Papa war. Und dass gar nichts für ihn selber war, erfuhr er auch. Aber das lag wohl daran, dass er in ihrer Gegenwart noch nie mit sichtbarem Behagen Süßigkeiten zu sich genommen hatte. Jedenfalls versuchte er sich mit diesem Gedanken zu trösten.

Richtig glücklich war Nina, als sich Mama und Papa bei ihrer Heimkehr riesig über die Geschenke freuten. Am liebsten hätte sie die Köstlichkeiten gleich ausgepackt, aber selber gegessen hätte sie von dem Kram um alles in der Welt kein Stückchen. Leider von dem schönen Essen, das Opa gekocht hatte, auch nichts. Sie wollte unbedingt wieder Pizza mit ihm backen, wie zwei Tage zuvor. Irgendwie sah sie schließlich zwar ein, dass es dafür schon zu spät war, aber andererseits musste so ein sturer Opa auch ein bisschen bestraft werden, indem man seine neuste Kreation, auf die er so stolz war – einen Eintopf aus großen weißen Bohnen, Tortiglioni, zwei in Würfel geschnittenen Schnitzeln, Salz, Pfeffer, Thymian und Bohnenkraut – ganz schlicht verschmähte. Ohne erst zu probieren, versteht sich.   

 

Kategorische Erklärung                                           (15.08.2005)

In einer Woche ist es so weit: Dann kommt Nina in den Kindergarten. Heute kam Opa zufällig darauf zu sprechen.

„Ich gehe nicht mehr in den Kindergarten!“, bekam er als Antwort zu hören.

Seitdem grübelt er, wie sie das gemeint hat. Wahrscheinlich – so hofft er – mehr im Sinne einer augenblicklichen Situationsbeschreibung, versucht er sich zu trösten. Denn bei den Probebesuchen vor einigen Wochen hatte ihr der Kindergarten sehr gut gefallen...

 

Hilfe beim Pizzabacken                                      (14.08.2005)

Fürs Mittagessen hat Opa Pizza vorgesehen. Natürlich selbst gemachte, keine fertig gekaufte. Mama hat mit untrüglichem Gespür herausgefunden, wann Opa Ninas „Hilfe“ dabei am besten gebrauchen kann.

Nina begleitet Opa in den Keller. Weil sie schon „stark“ ist, trägt sie die Kilotüte Mehl ganz allein nach oben. Opa hat ja noch genug Dosen zu tragen.

Teig Kneten und Bleche Einfetten sind schon spannende Tätigkeiten. Opa muss alles haargenau erklären. Nina hat viele „Verbesserungsvorschläge“, die sie auch gleich in die Tat umsetzt. Na ja.

Selbstverständlich sitzt sie auf der Küchenbar, Opas „Schlachtfeld“. Zum Glück nimmt sie Opas Warnung vor den Knethaken des Handrührers ernst, trotzdem hat die Rührschüssel in ihren Händchen festen Halt.

Aber sobald genug geknetet ist, muss sie den Teig abschmecken. Opa kann erleichtert aufatmen, ihr Geschmackstest fällt positiv aus. Als Opa den Teig auf den Backblechen verteilt, „hilft“ sie mit dem Pinsel dabei...

Dann kommt das Belegen. Vierzehn Scheiben gekochter Schinken sind in ihren Augen eindeutig zu viel für zwei Bleche. Zwei Scheiben muss Opa abtreten: ein Röllchen für jede Hand. Als das erste Händchen leer gegessen ist, nimmt sie immer wieder Tomatenscheiben von den Pizzen, um ihnen das Schicksal des heißen Backofens zu ersparen.

Doch dann kommt Opas Schreck: Trotz eifrigsten Suchens findet er keinen Oregano mehr bei den Gewürzen. Und er war sich doch so sicher...

„Was suchst du denn, Opa?“, kommt Ninas Stimmchen.

Als Opa ihr gesteht, dass er keinen Oregano mehr hat, blitzen ihre Augen auf:

„Aber Opa, der ist doch im Garten! Lass mich runter, ich hol dir welchen!“

Opa ist völlig perplex. Wie konnte er das nur vergessen? Und schon saust Nina durch den Regen über den Rasen und ist fast im gleichen Augenblick schon wieder zurück, beide Händchen voll Oregano. Und ehe sich Opa versieht, ist die ganze Beute schon auf den Pizzen gelandet.

Vorsichtshalber nimmt Opa das „Gestrüpp“ noch einmal herunter, um es zu kontrollieren. Aber es ist wirklich nur Oregano, kein fremdes Blättchen ist dabei. Ein paar winzige Käferchen lassen sich rasch entfernen. Opa hackt den Oregano klein, und Nina verteilt ihn noch einmal auf den Pizzen.

Als die Bleche dann im Ofen sind, holt Mama die kleine Helferin wieder nach oben. Die Vorbereitungsprozedur hätte zwar ohne Nina nicht so lange gedauert, aber ohne sie wäre Opa aufgeschmissen gewesen. Und ist es wirklich schlimm, dass statt um Eins erst eine halbe Stunde später gegessen wird?

 

 

Oma-Negative      (12.08.2005)

Nina (3) findet in Omas Schlafzimmer Fotonegative. Oma erklärt ihr, was das ist, und zeigt ihr, wie sie darauf etwas sehen kann, unter anderem sich selber als kleine  Fledermaus.

Nina will alle Negative gleich aus der Hülle nehmen. Als Oma protestiert und darauf hinweist, dass die Negative dann Schaden nehmen und man sie nicht mehr gebrauchen kann, meint der süße Floh:

„Ach, Oma, geh doch bitte ins Wohnzimmer! Dann hab ich meine Ruhe.“

 

ebay-Generation                            (12.08.2005)

Ninas Mama hat schon manches von ihren eigenen und Ninas Kleidungsstücken bei ebay ersteigert.

Oma hat sich vom letzten Stadtbummel einen wunderschönen Angorapullover mitgebracht, denn der nächste Winter kommt ja bekanntlich bestimmt. Nina sieht den Karton mit dem Pulli im Regal und will natürlich gleich wissen, was darin ist. Denn der Karton ist ja noch unbekannt. Oma nimmt den Karton aus dem Regal und hebt den Deckel ab.

Geradezu ehrfürchtig streichelt Nina mit ihrem Händchen den Pulli. Dann schaut sie Oma an und fragt:

„Hast du den feinen weichen Pulli ersteigert?“

 

Spargel mit drei Überraschungen  (08.08.2005)

Ninas Papa hatte Spargel mitgebracht, normalerweise im August in frischer Form nicht am Markt. Und gleich 2,5 kg, zu je 500 g verpackt. Die Packungsaufschrift löste das Rätsel: Der Spargel kam aus Peru.

Ninas Papa ist ein lieber Mensch, denn er rührt selber keinen Spargel an, höchstens verpackten.

Natürlich hat Opa gleich am nächsten Tag die milde Gabe in den Menüplan eingefügt und verarbeitet. Dabei überraschte ihn die Frische der Ware. Selbst die Schnittstellen brauchten kaum eingekürzt zu werden. Nur ein einziger Nachteil war feststellbar: Da die Stangen sehr dünn waren, dauerte das Schälen erheblich länger als sonst, und dann noch bei dieser Menge!

Die zweite Überraschung ergab sich bei Tisch. Keiner der Spargelesser konnte sich erinnern, jemals so köstlichen Spargel erlebt zu haben.

Nina hat allerdings — leider — nicht probiert. Sie nahm nur eine Stange in die Hand und schnupperte daran, entschied sich aber gleich dazu, sie unangebissen zurück zu legen. Papas Vorbild? Sie begnügte sich jedenfalls mit gekochtem Schinken und Kartoffeln. Auf die leckere holländische Soße verzichtete sie auch.

Nach der Mahlzeit erlebte Opa die dritte Überraschung. Auf der Toilette. Beim „kleinen Geschäft“ fehlte der typische Geruch vollkommen, der sonst nach Spargelgenuss immer festzustellen ist. Auch bei allen folgenden „Sitzungen“. ...?

Ob die Peruaner ihren Spargel etwa genetisch manipuliert haben? Na, wenigstens haben Nina und ihr Papa mit Sicherheit keinen Schaden davongetragen. Und Opa ist ja schon alt...

 

Kontrolle  (8. August 2005)

Opa kommt am frühen Nachmittag vom Einkaufen zurück und erlebt eine freudige Überraschung: Oma, die Nina des Nachmittags betreut, sitzt mit der kleinen auf seiner Couch. Der Regen hat die beiden vom Spielplatz vertrieben, und seine Wohnung lag näher als Omas.

Interessiert beobachtet Nina, wie Opa auf der Küchenbar die Einkäufe aus dem Korb nimmt. Alles wird genau begutachtet, Unklares durch Fragen geklärt. Die letzte Frage ist unausweichlich:

„Opa, wo hast du das alles gekauft?“

Kaum hat Opa geantwortet: „Bei Lidl, mein Schatz.“, kommt schon der Einspruch:

„Aber Opa, das stimmt nicht. Du warst bei Rewe!“

Als Opa Nina fragend anschaut und gerade noch einmal betonen will, dass er wirklich bei Lidl war, kommt schon die Begründung:

„Lidl gibt es doch nicht mehr. (Da hat sie eigentlich Recht, nachdem die Jüchener Lidl-Filiale Ende 2004 geschlossen hat.) Und guck doch mal, da steht doch REWE auf dem Korb!“

Tatsächlich, es ist nämlich der rote REWE-Einkaufkorb, den der Supermarkt, gefüllt mit Fleisch und Gemüse, vor rund zwei Jahren als Eröffnungsangebot für 10 € verkauft hat.

Opas Beteuerungen, er sei bei Lidl in Mönchengladbach-Giesenkirchen gewesen und habe die Sachen nur in den Rewe-Korb gepackt, können Nina nicht recht überzeugen. Das kann er ihrem skeptischen Blick entnehmen. Endlich kommt ihm die rettende Idee.

„Pass mal auf“, sagt er und kramt den Einkaufsbon aus der Tasche. „Das ist der Zettel von der Kasse bei Lidl“, sagt er und zeigt ihn seinem Schatz. Ganz oben steht als erstes — ziemlich klein zwar, aber Nina hat ja gute Augen — LIDL. Nina schaut ganz genau hin.

„O ja! Da hast du aber noch mal Glück gehabt“, meint sie dann und setzt ihr strahlendstes Lächeln auf.

Dass sie Großbuchstaben lesen kann — sie ist ja immerhin schon drei Jahre alt — hat eben, am Ende zu Opas Glück, seine zwei Seiten... 

 

An der Kasse

Vor der Kasse im Supermarkt legt Mama noch schnell einen Schokoriegel in den Einkaufswagen. Schon ertönt Ninas Stimme:

„Den brauchst du nicht, Mama. Leg den wieder zurück!“

Mama verlegt sich auf Verhandeln. Umsonst.

„Nein! Zu Hause haben wir doch noch welche. Und gesund sind die auch nicht!“

Mama seufzt und ergibt sich in ihr Schicksal.                     (10.08.2005)

  

Ninafrei! (6. Juni 2005)

Gerade habe ich ein Stündchen auf der Couch gelegen und geschlafen. Und das zwischen Neun und Zehn am Vormittag!

Als Kind fand ich es furchtbar, wie meinem Großvater ständig die Augen zufielen, wenn er nicht im Garten arbeitete, sondern sich mal hingesetzt hatte. Als Erwachsener hatte ich für dieselbe Erscheinung bei meinem Vater schon etwas mehr Verständnis. Übrigens seltsam: Dass ich etwas Entsprechendes bei Großmutter oder Mutter erlebt hätte, daran kann ich mich gar nicht erinnern. Die waren wohl immer zu sehr beschäftigt.

Als Opa kann ich mich natürlich nicht selber beim Einnicken beobachten.

Deshalb stört es mich auch nie. Aber wenn dann mein Schätzchen zugegen ist, normalerweise fast immer, kann ich was erleben.

„He, Opa, aufwachen!“, ertönt es im ersten Augenblick des Liderniedergangs, und gleichzeitig trommeln erstaunlich harte Fäustchen auf meine — medikamentnebenwirkungsbedingt — hochempfindliche Brust. Dann weiß ich, jetzt dauert’s nur noch Sekundenbruchteile, bis meine Augen gewaltsam aufgerissen werden. „Schlafen verboten!“, gellt es ganz dicht an meinem Ohr, dass auch meine fortgeschrittene Schwerhörigkeit kaum noch Schutz bietet.

Urlaub hat also doch etwas sehr Schönes! Ungestört kann ich mich nun meinen Schwächen hingeben, wenn dann nicht gerade das Telefon klingelt oder ein Hausierer an der Haustür schellt!

Aber jedes mal, wenn ich mich auf meine Couch lege, durchzuckt mich schmerzlich die Erkenntnis: Diesmal wird dir niemand mit liebevoller Hartnäckigkeit die Lider hochreißen! Einziger Trost: Der Urlaub ist schon fast zur Hälfte vorbei. Lange dauert’s nicht mehr.

Alte Leute hängen nun einmal an ihren Gewohnheiten. 

 

Einstimmung auf den Urlaub

Mama hatte wohl sehr anschaulich die Reize des bevorstehenden Spanienurlaubs geschildert.

Am nächsten Tag war es sehr heiß. Opa und Nina waren allein im Garten. Opa saß im Schatten und las ein Buch. Jetzt, wo auch das Planschbecken schon halb im Schatten der großen Tanne lag, spielte die kleine Nina Pfützentreten.

Ab und zu tauchte Opas Blick aus dem Buch auf und registrierte keine besonderen Vorkommnisse: Pfützentreten mit nackten Füßen im Planschbecken war bedeutend harmloser als das, was er bei Spaziergängen immer — aber leider erfolglos — zu verhindern suchte.

Opas Augen und Konzentration versanken wieder im Buch. Erst nach geraumer Zeit spürte er instinktiv eine Veränderung: Nina bewegte sich regelmäßig zwischen Sandkasten und Planschbecken hin und her.

Als er richtig hinschaute, sah er, was die Kleine machte. Eifrig schaufelte sie ihr Eimerchen voll Sand, lief damit zum Planschbecken und kippte den Sand hinein. Wieder und wieder.

„Hallo, Nina, was machst du denn da?“ Opas können manchmal richtig dumme Fragen stellen, manche jedenfalls.

Aber ganz geduldig kam die Antwort:

„Ich bringe Sand ins Wasser, Opa.“

Jetzt hatte Opa die Bestätigung, dass er keine Fata Morgana sah.

„Und warum tust du das?“, fragte er leicht beunruhigt, denn Papa hatte das Planschbecken am Vortag sauber gemacht, weil es mit in den Urlaub sollte. Diesmal kam Ninas Antwort ganz begeistert:

„Ich mach mir einen Strand, Opa!“

 

Schneckenrätsel

Zum Abendbrot gibt’s Bratwurstschnecken, Salzkartoffeln und Salat (Tomaten, Gurken, Paprika in drei Farben).

Erste am Tisch ist Nina, ausnahmsweise. Auf Opas „Guck mal die Würste, die ich heute gebraten habe!“, kommt wie aus der Pistole geschossen ihre Frage: „Sind das Schnecken?“

Da Opa vorher noch nie solche Würste gebraten hat, ist er ziemlich verblüfft. Auf Nachfrage bestätigt Mama, dass sie die Dinger auch noch nie gekauft hat, obwohl es sie bei Aldi gibt. Die einzigen formal vergleichbaren Gebilde, die Nina kennen könnte, sind süße Hefeteigschnecken. Die aber liegen weitab ihrer Geschmacksrichtung.

Wie kommt die Kleine nur auf die zutreffende Bezeichnung für die spiralförmig aufgerollten dünnen Bratwürste?

Mamas nüchterne Erklärung ist einleuchtend: „Ja, Opa, du hast die leere Packung wohl noch nicht entsorgt, und da steht’s doch wahrscheinlich drauf!“

Nun ja, schließlich wird Nina in gut vierzehn Tagen schon 3... 

 

Widerspruch – einmal positiv

Heute hat Opa auch einmal von Ninas Widerspruchsgeist profitiert.

Als er beim Diskutieren über Altes und Junges sich selber als alt bezeichnete, meinte sein Schatz:

„Ach nein, Opa, du bist doch nicht alt! Oma ist auch nicht alt.“

Was er denn ihrer Meinung nach sei, wollte Opa natürlich wissen.

Ninas Antwort – recht diplomatisch:

„Du bist nicht alt, du bist lieb!“

 

Überfluss

Früh am Geburtstagsmorgen hat Opa sein kleines Geschenk für Nina verpackt. Sogar eine hübsche Schleife hat er hingekriegt. Als er oben Lebenszeichen vernimmt, ruft er vorsichtshalber erst noch an, um sich zu vergewissern, ob er auch kommen darf. Er darf.

Nina schenkt ihm ihr zauberhaftestes Lächeln, als er seine kleine Glückwunschrede hält. Quer durch das Wohnzimmer ist ein großes Transparent gespannt mit der Aufschrift: „HAPPY BIRTHDAY.“ Als Opa das Lied anstimmen will, wird er gleich unterbrochen:

„Nein, Opa! Das Lied sollst du nicht singen. Das ist ein doofes Lied!“

Na schön. (Stimmt ja auch. „Der Mond ist aufgegangen“ ist viel schöner!)

Mittlerweile hat Opa sein Geschenk hinter dem Rücken hervor geholt.

Als das die kleine Prinzessin im Reich ihrer neuen Geschenke bemerkt, huscht ein leichter Schatten durch ihre Heiterkeit.

„Ach Opa“, lässt sich ihre kleine Stimme vernehmen, „nimm das Geschenk nur wieder mit nach unten. Guck mal, ich hab doch schon so viele Geschenke!“

24.07.2005

 

Die Wikingerhelme

Erster Tag nach Ninas Geburtstag. Opa macht seiner Prinzessin seine Morgenaufwartung. Kritischer Blick aus leicht zusammen gekniffenen Augen:

Gott sei Dank! Prüfung bestanden!

Die kleinsten Sachen hat sich Nina aus den neuen Geschenken herausgesucht. Im Augenblick ist sie mit winzigen Wikingerhelmen (?) aus Plastik beschäftigt. Opa findet keine passenden Figürchen dazu. Er spürt, wie ihn ein nachdenklicher Blick seines Schätzchens streift.

Als er sich gar noch eines der Helmchen auf den Kopf setzt, wird’s schon recht kritisch:

„Ach, Opa, dafür sind die doch viel zu klein!“

Wo Nina Recht hat, hat sie Recht. Aber wo sind denn nur die kleinen Wikinger?

Dass so ein kleines Persönchen schon so tief aufseufzen kann, findet Opa erstaunlich. – Jetzt konzentriert sie sich ganz auf die „Helme“. Opa ist vorübergehend abgemeldet.

Aber was macht sie denn da? Sie steckt die „Helmchen“ ineinander, und unter ihren geschickten Fingerchen entsteht in Windeseile ein beweglicher — Tausendfüßler!

„So geht das! Das sind keine Helme. Das ist ein Tausendfüßler!“, kommt es entschlossen aus dem süßen Mündchen.

Aber das ist noch nicht alles. Opa ahnt schon, was sich unmittelbar anschließt:

„Und jetzt geh bitte wieder runter!“

Wenigstens höflich! Schwacher Trost! Manchmal ist ein zu begriffsstutziger Opa eben fehl am Platze...

                                                              25.07.2005

 

Tamponade oder Mädchen und Technik

Opa kann sich noch daran erinnern. Früher hieß es einmal, Frauen hätten keinen Sinn für Technik. Oma hat das wohl zu ernst genommen...

Aber schon Ninas Mama hat die Mär als kleines Mädchen widerlegt.

Nina braucht ein Brettchen. Also zieht sie Opa in den Keller, dahin, wo er Werkzeug und allerlei interessante Kleinigkeiten hat. Unterwegs erfährt er wenigstens, wofür sie das Brettchen braucht: Für ihre kleinen Autos. Früher nannte man die „Matchbox-Autos“. Wie die heute heißen, hat Opa irgendwie nicht ganz mitbekommen. Und der Zusammenhang zwischen diesen kleinen Autos und dem Brettchen wird ihm auch nicht ganz klar.

Na ja, bald haben die beiden ein Brettchen gefunden, das Ninas Vorstellungen entspricht: den Deckel einer alten Zigarrenkiste. Wohl oder übel muss Opa das gute Stück seines Deckels berauben.

Auf dem Rückweg nach oben erfährt er schon etwas mehr. Nina will eine Waschanlage für ihre kleinen Autos bauen. Eigentlich könnte Opa den Rest der Zeile mit Fragezeichen füllen, um anzudeuten, wie viel Ahnung er inzwischen hat...

Oben angekommen, geht Opas „Einweihung“ aber weiter: Nina zeigt ihm ihre „Schätze“.

„Damit mach ich jetzt die Waschstraße, guck mal!“

Opa erblickt eine Menge großer Stopfnadeln – aus Mamas Nähzeug – und: eine neue Packung Tampons aus dem Badezimmer. Die ersten davon sind schon säuberlich ausgepackt. Opa wird’s schon etwas mulmig. Aber er hat keine Zeit, sich weiter gehende Gedanken zu machen.

„Guck mal“, hört er schon wieder, „ich zeig dir, wie das geht.“

Energisch steckt Nina eine Stopfnadel nach der anderen in das Brettchen, schön in einer Reihe entlang der Längsseite und mit Abstand von einander. Opa darf die Reihe auf der gegenüber liegenden Seite stecken. Als genug Stopfnadeln ihren Platz gefunden haben und eine Art kleiner Stopfnadelallee bilden, beginnt es Opa zu dämmern...

„Und jetzt kommen die Bürsten, die Walzen“, meint Nina. Opa ist doch nicht so dumm, wie er manchmal tut. Gemeinsam spießen die beiden jetzt die Tampons von oben senkrecht auf die Stopfnadeln. Opa staunt! Eine richtige kleine Waschstraße!

Die eine Reihe Nadeln muss zwar noch mal neu gesteckt werden, damit die Waschstraße für die kleinen Autos eng genug ist, aber das Ergebnis ist mehr als verblüffend. Und wenn Mama das sieht, wird sie sicher auch nicht schimpfen, wegen der Tampons...

26.07.2005

 

Scheißpolitik

„Da steht AA!“, überrascht mich meine Nina am frühen Morgen und zeigt auf die Titelseite der „Frankfurter Rundschau“ (vom 16.07.2005). Und tatsächlich, sie hat Recht:

Rechts oben steht die Schlagzeile „Schily gibt AA Schuld“.

Und nun erklären Sie einem kleinen Kind von kaum drei Jahren einmal, dass da zwar „AA“ steht, aber nicht gemeint ist!

Oder sollte Schily das etwa doch gemeint haben?

 

Kinderohren

Oma betreut Nina an fünf Nachmittagen in der Woche von 12 bis 19 Uhr. Dazu holt sie die Kleine meist ab. Dann laufen die beiden den knappen Kilometer zu Omas Wohnung und des Abends zurück. Mama muss ja den ganzen Nachmittag arbeiten.

Opa geht manchmal mit. Dann müssen die beiden „Frauen“ zwar etwas langsamer gehen, aber so viel Rücksicht bringen sie schon auf. Gelegentlich müssen sie tatsächlich „zurück sehen“, wo er denn bleibt. Für Opa ist es schon bequemer, wenn er sie besuchen fährt.

Opa gegenüber hat Oma heute Mittag Spinat erwähnt, den sie sich gekocht habe.

Als die beiden „Frauen“ in Omas Wohnung angekommen sind, gibt es Gurke, Brot, Schinkenwurst und Nektarine für Nina. Apfelschorle natürlich auch.

Heute hat Nina Appetit. Bald hat sie ihre Portion bewältigt. Erwartungsvoll schaut sie Oma an.

„Möchtest du noch etwas?“, fragt Oma. „Noch eine Nektarine?“

Nina schüttelt den Kopf:

„Nein, danke. Ich warte auf den Spinat!“

Zum Glück kocht Oma immer etwas mehr, als sie selber essen kann...

27.07.2005

 

Klarstellung

Als Opa beim Abendessen kurz aufsteht, um noch etwas zu holen, streicht er Nina übers Köpfchen, weil sie heute besonders lieb war.

„Lass mich in Ruhe!“, blitzt sie ihn an.

„Aber ich hab dich doch nur gestreichelt“, verteidigt er sich.

„Ich bin doch keine Katze!“ — Recht hat sie ja...                             5. August 2005

 

Das Geschenk

Heute wurde mir ein Geschenk zu Teil. Völlig unerwartet. Ich habe weder Geburtstag noch sonst ein Jubiläum. Zudem ist es ein sehr kostbares Geschenk:

Eine Stunde Lebenszeit!

Damit sich niemand den Kopf zu zerbrechen braucht, wie so etwas geschehen konnte, hier die ganze Geschichte, die eigentlich recht kurz ist:

Als ich um 20:02 Uhr den Fernseher einschaltete, um die Tagesschau zu sehen — schon ein wenig ärgerlich, weil ich den Anfang verpasst hatte —, da sah ich gar keine Tagesschau, obwohl ich den richtigen Kanal gewählt hatte. Zum Glück war ich allein; niemand konnte also meine Verwirrung bemerken.

Beim Blick auf die Uhr fiel es mir dann wie Schuppen von den Augen: Es war erst 19:02 Uhr! — Eine ganze Stunde mehr zum Leben! Und dazu, die kleine Geschichte schriftlich festzuhalten, was jedoch nur einen Bruchteil der geschenkten Zeit gedauert hat...                           05.08.2005

 

Opas Sonne?

Als Opa am Morgen hört, wie Nina und ihre Eltern das Haus verlassen, geht er rasch in die Diele, um noch einen Blick auf sein Schätzchen zu erhaschen. Seine Frage, wohin sie denn gehe, wird gleich berichtigt:

„Wir gehen nicht. Wir fahren!“

Wenigstens Mama hat so viel Verständnis, Opa das Ziel zu nennen. Nina sieht wieder ganz zauberhaft aus, und Opa meint:

„Ach Nina, du bist meine Sonne!“ —

„Ich bin doch keine Sonne“, kommt die Antwort, „ich bin nur Nina!“ —

„Für mich strahlst du wie die Sonne“, versucht Opa zu erläutern. Aber gleich kommt wieder die Ablehnung:

„Nein, guck mal, ich hab doch keine Strahlen. Das sind nur meine Ohren und meine Haare!“

Opa lässt nicht locker mit seinem Gesäusel. Ninas Blick wird dabei noch eine Spur ernster:

„Nein. Sonne Sagen ist verboten! Ich hab doch eine Jacke an. Sonnen haben keine Jacken!“

 06.08.2005

Identität

Kindermund kann sehr knapp, und trotzdem genau sein.

Der kleine Sohn krabbelte bellend auf dem Wohnzimmerteppich herum und spielte „Hund".

Da es in der Nachbarschaft und im Bekanntenkreis mehrere Hunde gab, fragte ihn der Papa:

„Welcher Hund bist du denn, bist du Waldi, Struppi oder Hasso?"

Prompt kam die Antwort: „Ich bin ein Selberhund."

 Der Selberhund (Foto: Horst Deußen)

 

Dialog beim Abendessen

Nina stopft sich beim Abendessen Salat in ihre Apfelsaftschorleflasche.

Auf Opas Frage, was das denn solle, antwortet sie:

„Ich mach mir Salatsuppe, und die trink ich dann.“

Tatsächlich trinkt sie – hin und wieder – aus der Flasche. Aber das Salat- Hineinstopfen scheint ihr insgesamt deutlich mehr Spaß zu machen.

Dummerweise lässt sich Opa nach einiger Zeit zu einer zweiten Bemerkung hinreißen. Prompt kommt die Quittung:

„Ach Opa, jetzt mach mal die Augen, den Mund und den Bart zu!“

Seitdem grübelt Opa – bisher ergebnislos – über der Frage, wie er dem letzten Teil dieser Aufforderung nachkommen soll...                                  (17.07.2005)

 

 

Der folgende Text wirkt zwar recht lang, besteht aber aus vielen ganz kleinen Texten

(gereimten Aphorismen)

DE BONO FVMATORVM

SIVE

DE INIMICITIA PERFIDIOSA HOMINVM MALORVM

Paccaleo Fabri avctore

e collegio gymnasii Francisci Maioris

ad ecclesias Gisonis

Hier verdeutscht vom Verfasser:

PROMETHEISCHE WEISHEITEN

ODER

MEHR ALS HUNDERT APHORISMEN

ZU EINEM FUMOLOGISCHEN CREDO

(nach dem Volksmund)

Wo man raucht, da lass dich ruhig nieder,

gute Menschen rauchen immer wieder.

Wo man raucht, kannst du getrost dich betten,

böse Menschen meiden Zigaretten.

Wo man raucht, da kannst du dich auch setzen,

böse Menschen tun statt rauchen hetzen.

Wo man raucht, herrscht wahre Friedensreife,

böse Menschen haben keine Pfeife.

Wo man raucht, da wirst du nicht getadelt,

bösen Menschen fehlt der Rauch, der adelt.

Wo man raucht, da wird dich niemand schlauchen,

böse Menschen halten nichts vom Rauchen.

Wo man raucht, gibt’s keine andren Laster,

böse Menschen sind meist Kritikaster.

Wo man raucht, sind alle lieb und teuer,

bösen Menschen fehlt nun mal das Feuer.

Wo man raucht, schreibt man Verständnis groß,

böse Menschen leben tabaklos.

Wo man raucht, sei dein Erholungsbettchen,

böse Menschen haben keine Blättchen.

Wo man raucht, genießt du Tabaks Würze,

böse Menschen ham nur ihre Fürze.

Wo man raucht, kannst du im Qualm dich gerben,

böse Menschen haben Angst vorm Sterben.

Wo man raucht, färbt dich der Teer zwar gelber,

böse Menschen stinken nach sich selber.

Wo man raucht, setz nur getrost dabei dich,

böse Menschen sind auf Raucher neidisch.

Wo man raucht, da findest du Prometheus’ Enkel,

böse Menschen fürchten Raucherschenkel.

Wo man raucht, da kommst du gut zurecht,

bösen Menschen wird vom Rauchen schlecht.

Wo man raucht, lässt man dich gelten ganz,

böse Menschen hassen Toleranz.

Wo man raucht, da schaut man lieb auf dich,

böse Menschen sind pervers an sich.

Wo man raucht, da brauchst du nichts zu missen,

böse Menschen sind vom Geiz gebissen.

Wo man raucht, da bist du richtig, Junge,

böse Menschen ängstigt Raucherlunge.

Wo man raucht, sind menschlich die Reviere,

böse Menschen rauchen nicht –  wie Tiere.

Wo man raucht, herrscht froher Witz statt Tratsch,

böse Menschen machen lieber Knatsch.

Wo man raucht, empfängt dich Heiterkeit,

böse Menschen tun sich selber Leid.

Wo man raucht, da ist die Luft zum Schneiden,

böse Menschen sind nicht so bescheiden.

Wo man raucht, da findest du auch Feuer,

bösen Menschen ist das viel zu teuer.

Wo man raucht, wird man dich liebevoll umarmen,

böse Menschen sind verhinderte Gendarmen.

Wo man raucht, erwacht der Geist zum Leben,

böse Menschen nur nach Stumpfsinn streben.

Wo man raucht, da fühlst du dich geborgen,

böse Menschen machen dir nur Sorgen.

Wo man raucht, kannst du dich amüsieren,

böse Menschen müssen lamentieren.

Wo man raucht, verfliegt ganz rasch dein Kummer,

böse Menschen sind geborne Brummer.

Wo man raucht, herrscht Euphorie,

böse Menschen rauchen nie.

Wo man raucht, da bist du immer richtig,

böse Menschen nehmen sich zu wichtig.

Wo man raucht, ist zwar die Bude (Raucherzimmer!) furchtbar klein,

böse Menschen dürfen aber nicht herein.

Wo man raucht, da ist der Raum (s.o.) recht knapp,

böse Menschen könnten das nicht ab.

Wo man raucht, ist Platz nur für ’ne Backe,

böse Menschen ham ’ne andre Macke.

Wo man raucht, da schwelen Opferfeuer,

bösen Menschen ist das nicht geheuer.

Wo man raucht, kannst du dich konservieren,

böse Menschen wollen’s nicht kapieren.

Wo man raucht, muss Bosheit schnell verschwinden,

böse Menschen wirst du hier nicht finden.

Wo man raucht, da triffst du keine Schweine,

böse Menschen sind fast niemals keine.

Wo man raucht, kannst du den Schlund dir teeren,

böse Menschen möchten’s dir verwehren.

Wo man raucht, da bleibt kein Auge trocken,

böse Menschen bleiben da nicht hocken.

Wo man raucht, wird man dich niemals hassen,

böse Menschen können das nicht lassen.

Wo man raucht, da wird man dich willkommen heißen,

böse Menschen sollen sich getrost was scheißen.

Wo man raucht, da tut dir keiner Weh,

böse Menschen trinken lieber Tee.

Wo man raucht, da brauchst du nicht zu fliehn,

böse Menschen hassen Nikotin.

Wo man raucht, macht dich der Tabak munter,

böse Menschen machen alles runter.

Wo man raucht, genieß das Kondensat,

böse Menschen tun nichts für den Staat.

Wo man raucht, bist du bei Brüdern, Schwestern,

böse Menschen müssen immer lästern.

Wo man raucht, da denkt man nicht an morgen,

böse Menschen machen sich nur Sorgen.

Wo man raucht, da sind auch gute Freunde immer,

böse Menschen haben davon keinen Schimmer.

Wo man raucht, da kannst du glücklich leben,

böse Menschen nie auf Wolken schweben.

Wo man raucht, sind keine Menschenfresser,

böse Menschen halten sich für besser.

Wo man raucht, triffst du die Sündenböcke,

böse Menschen tragen saubre Röcke.

Wo man raucht, entstehen braune Soßen,

böse Menschen machen die im Großen.

Wo man raucht, sei Gift, so meinen Tester,

böse Menschen sind die wahren Pester.

Wo man raucht, da kannst du ruhig weilen,

böse Menschen stets dem Rauch enteilen.

Wo man raucht, kannst du in Wolken segeln,

böse Menschen halten nichts von Vögeln.

Wo man raucht, wird’s Atmen leicht beschwerlich,

böse Menschen lieben’s nicht gefährlich.

Wo man raucht, gehn alle Viren ein,

böse Menschen glauben, nur zum Schein.

Wo man raucht, ist immer etwas Glut,

böse Menschen haben Eis im Blut.

Wo man raucht, da gibt es kein Gelärme,

böse Menschen haben schwache Därme.

Wo man raucht, da kannst du ruhig schnorren,

bösen Menschen ist das zu verworren.

da setzt du an kein Fett,

böse Menschen schwören auf Diät.

Wo man raucht, da wirst du schneller alt,

böse Menschen werden r(a)uchlos kalt.

Wo man raucht, da bleibst du immer schlank,

böse Menschen macht der Neid ganz krank.

Wo man raucht, glimmt dir des Schicksals Rot,

böse Menschen gehn von selber tot.

Wo man raucht, darfst du getrost was sagen,

böse Menschen können’s nicht vertragen.

Wo man raucht, erlebst du heitre Sachen,

böse Menschen können gar nicht lachen.

Wo man raucht, darfst du auch frei dich rotzen,

böse Menschen finden das zum Kotzen.

Wo man raucht, ist Husten keine Schande,

böse Menschen hüsteln nur – die Bande.

Wo man raucht, da leidest du gemeinsam,

böse Menschen leiden lieber einsam.

Wo man raucht, da blühen Geist und Kunst,

böse Menschen fliehen blauen Dunst.

Wo man raucht, die Ernte (23) sicher ist,

böse Menschen stochern nur im Mist.

Wo man raucht, sind zuggestählte Hasen,

böse Menschen können ja nur blasen.

gedeiht kein Schieber,

böse Menschen lutschen lieber.

Wo man raucht, ist’s mollig warm im Winter,

böse Menschen suchen was dahinter.

Wo man raucht, da darfst du’s auch mit Fleiße,

böse Menschen finden Rauchen Scheiße.

Wo man raucht, da walten Menschlichkeit und Friede,

böse Mädchen sind vor Abstinenz frigide.

Wo man raucht, da sei dir nichts zu teuer,

böse Menschen hinterziehen (Tabak-)Steuer.

Wo man raucht, kannst du auch selber drehen,

böse Menschen nie auf Rauchen stehen.

Wo man raucht, da triffst du nie auf Plebs,

böse Menschen fürchten Lungenkrebs.

Wo man raucht, da sind die wahren Staatserhalter,

böse Menschen denken nur ans eigne Alter.

Wo man raucht, da denkt man optimistisch,

böse Menschen sind nur egoistisch.

Wo man raucht, triffst du auf nette Gesten,

böse Menschen tragen weiße Westen.

Wo man raucht, da fühlt man sich geächtet,

böse Menschen haben uns entrechtet.

Wo man raucht, ist es für alle urgemütlich,

böse Menschen tun sich an sich selber gütlich.

Wo man raucht, da wird man dich nicht meiden,

böse Menschen fürchten Raucherleiden.

Wo man raucht, da triffst du nicht auf Waffen,

böse Menschen sind die, die nicht paffen.

Wo man raucht, da ist die Luft so mild,

böse Menschen macht das richtig wild.

Wo man raucht, bist du willkommen rascher,

böse Menschen haben keinen Ascher.

Wo man raucht, sind freundlich die Manieren,

böse Menschen hassen Inhalieren.

Wo man raucht, kann sich dein Geist entfalten,

böse Menschen müssen sich enthalten.

Wo man raucht, kannst du dich frei ergehen,

böse Menschen tun sich keine drehen.

Wo man raucht, bekommst du Lust auf mehr,

bösen Menschen stehn die Lippen leer.

Wo man raucht, erlebst du Wolken sprießen,

böse Menschen können nicht genießen.

Wo man raucht, magst du dich niederlegen,

böse Menschen hätten was dagegen.

Wo man raucht, erschaffst du warmen Mief,

böse Menschen sind nur destruktiv.

Wo man raucht, ein Hoffnungslicht dir brennt,

böse Menschen leben abstinent.

Wo man raucht, da nimmt man dir nichts krumm,

böse Menschen sind zum Ziehn zu dumm.

Wo man raucht, da findest du Kultur,

böse Menschen sind dafür zu stur.

Wo man raucht, da schau dich ruhig um,

böse Menschen nehmen Rauchen krumm.

Wo man raucht, da wird dein Geist verbessert,

böser Menschen Hirn ist oft verwässert.

Wo man raucht, ruhst du in Morpheus’ Armen,

böser Menschen Los ist zum Erbarmen.

Wo man raucht, fühlst du dich neu geboren,

bösen Menschen fehlt der Bock aufs Schmoren.

Wo man raucht, da lass dich sacht vernebeln,

böse Menschen sitzen meist an längern Hebeln.

Wo man raucht, da wird dich niemand leimen,

böse Menschen rauchen im Geheimen.

Wo man raucht, kannst du dich sicher wähnen,

böse Menschen reizt der Qualm zu Tränen.

Wo man raucht, wirst du dich nicht erkälten,

böse Menschen lassen das nicht gelten.

Wo man raucht, kann kein Katharr entstehen,

böse Menschen lassen Durchzug wehen.

 

Wo man raucht, wird nicht nur braun die Decke,

sondern bringt man sich auch selber um die Ecke.

 

   

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