Alten Mannes Erinnerung    (09.01.2006)

 

Vor vielen Jahrzehnten, da war ich noch klein,

so klein wie zur Zeit noch mein Schatz¹.

Da glaubte ich stets meiner Mutter allein,

für andere war da kein Platz.

 

Wohl war auch mein Vater noch wichtig für mich,

jedoch nicht mehr lang war die Zeit,

denn als er gezogen zum schrecklichen Krieg,

da stand er nicht länger bereit.

 

Fast unbeschwert war noch im Jahre drei acht

der Sommer in Bergen und Wald.

Zwar hat es da einmal ein wenig gekracht –

ich war vor eine Art Bogen geknallt –

 

weil Vater so richtig nicht hatte bedacht,

wie groß er mit mir oben drauf.

Nur ganz kurz danach hab ich wieder gelacht:

Mein Stirnchen war nicht einmal auf!

 

Ach, Vater und Mutter, die ihr für mich wart,

nicht Papa und Mama, nein, nein.

Jetzt trage ich selbst einen steingrauen Bart

und fühle mich manchmal allein.

 

Es zieht wie ein Film oft mein Leben vorbei,

voll Freude, Entbehrung und Leid.

Ob Höhen, ob Tiefen, ob zwanghaft, ob frei,

Irgendwann ist vorüber die Zeit.

 

¹ meine dreijährige Enkelin Nina

  

 

Bilder aus einer herrlichen Urlaubszeit im September 1938 in Adenau

im Wochenendhaus der Familie Putscher aus M.-Gladbach

 

Frau Putscher mit Tochter und Sohn Bernd umrahmen meine Mutter und mich

 

Glückliche Familie auf der Bank vor dem Wochenendhaus

 

Da stehen wir vor dem Häuschen, d. h. ich selber sitze

 

Hier spiele ich mit Irmchen Merten vor der Jugendherberge Adenau

 

Als Erdarbeiter

 

 

Aber auch im Holzgeschäft schon früh tätig

 

Auf dem Weg zur Nürburg

 

Unbeschwerte Kindheit mit Mutter  

 

Tagebucheintragungen einer Klassenfahrt nach Hellenthal

vom 13. bis 21. Juni 1953

 

 Samstag, den 13.06.1953

 

Gegen 14:10 schieben sich die 24 Mann der U II a mit Koschwitz und Liebold durch die Sperre des Rheydter Hauptbahnhofs. Bis Köln begleitet uns StRef. Meurer. Hier geht’s im Gänsemarsch auf den anderen Bahnsteig und in den Zug nach Kall. Dort erstürmen wir die „Zornige Ameise“, wie die Bahn nach Hellenthal von den Einheimischen genannt wird. Noch eine halbe Stunde, und wir sind da.

                                                         

Jugendherberge Hellenthal (die eigene Federzeichnung kommt aus meiner karierten Kladde wie alle Zeichnungen dieser Seite)

 

Der Bahnhof liegt mitten im Dorf. Bis zur Jugendherberge ist es noch ein Weg von 20 Minuten. Dann ist es so weit. Der Herbergsvater zeigt uns den Tagesraum und gibt die üblichen Anweisungen. 19:00 Uhr: Abendessen. Anschließend wird der Dienst eingeteilt. Kurz nach 21:00 Uhr werden wir hinauf geführt. Wir bekommen eine abgeschlossene Etage mit Schlafräumen für je 4 – 8 Mann und Waschraum inklusive 00. Ich teile meinen Schlafraum mit Fitti, Ruski und Hotta. Um 10 liegt alles in den Betten.

 

Sonntag, den 14.06.1953

 

Der Morgen graut. Schon seit geraumer Zeit schickt die Sonne ihre Strahlen über den Berg auf der anderen Seite des Platißtals. Die Gespräche kreisen um die vergangene Nacht. Endlich werden wir geweckt. Waschen, Anziehen, Reinmachen, Frühstück. Anschließend frei bis zum Gottesdienst um 9:00 Uhr. Punkt 12:30 ist alles im Tagesraum. Was gibt’s zu Mittag? – Kartoffeln, Fleisch und Salat in Massen.

 

Wir haben gerade gegessen, da taucht unten auf der Landstraße ein uns wohlbekannter blauer Bus auf. Inhalt: U II b des Rheydter Mädchengymnasiums. Doch wir müssen wandern. Nach einer flüchtigen Begrüßung ziehen wir los. Der Weg führt uns durch das schöne Platißtal und das Mühlbachtal nach Hollerath. Unterwegs wird gesungen. Die Lieder der Spitzengruppe mit den Zünftigen unterscheiden sich erheblich von dem mehr oder minder geistlosen Schlagergegröle der anderen. Hinter Ramscheidt wird eine Pause eingelegt. Dann gehen wir durchs Prethtal zur Unterprether Mühle. Von hier nach Giescheidt haben wir den ersten größeren Berg zu überwinden. Mecki, Wibbel und ich sind als erste oben. Das Photo hat Wibbel auf halber Höhe aufgenommen.

 

                     

 

In Giescheidt warten wir auf den Rest der Spitzengruppe. Der Abstand zum Gros hat sich ins Unermessliche gesteigert. Kosch und Lie liegen meilenweit zurück. Nun ja, zur Belohnung bekommen dann auch die ersten 13 Mann Strafdienst für ihre besondere Schnelligkeit. Nach dem Abendessen ist Freizeit. Unten wird Handball gespielt, natürlich mit den Mädchen. Als es mir zu bunt wird, hau ich ab. Abends in den Schlafräumen geht der Verkehr mit den Mädchen per Kordel weiter. Aber allmählich wird es doch still: Für die meisten war die Wanderung zu ungewohnt.

 

 

Montag, den 15.06.1953

 

Großer Staatsstreich: Mit Hermann Breiner, Jupp Töller und Kurt Drange will ich ein paar Wecklieder singen. Kurt macht einen Rückzieher, ebenso Jupps Klampfe. Wir also nur zu dritt ohne Klampfe runter vor die Gemächer der Mädchen. Schon beim zweiten Lied öffnet sich die Etagentür spaltweit. Man sieht Nachthemden wehen. Noch ein Lied. Dann der Sprechchor: „Wir wünschen einen guten Morgen!“ So ein Kappes! Der Jupp kann doch nicht aufpassen! Oder war ich’s? – Nix wie ab. Der Erfolg ist trotzdem positiv.

 

Zum Frühstück gibt’s Brot mit Wurst und Käse. Der Käse hat einen großen Vorteil: Er ist wie Papier, nur nicht ganz so dick. Gegen 9:30 brechen wir auf zu einer Burgenwanderung. Auf der letzten Anhöhe vor Reifferscheid, an einer kleinen Kapelle machen wir Halt, und Kosch erzählt uns das Wichtigste über Burg und Ortschaft Reifferscheid. Reifferscheid liegt auf einem kleinen Hügel, der nur von Norden zu erreichen ist. An der Ostseite erhebt sich die Burg mit zwei Mauerringen. Davon stehen noch der Bergfried und eine Toranlage. Die übrigen Gebäude sind nur noch in Form von Trümmern und Ruinen erhalten. Die spätgotische Kirche auf der Südseite war in die Ortsbefestigungen einbezogen. Ihr Turm ruht auf vier dicken Säulen. Durch das Matthiastor gelangen wir in den Ort. Dann führt der Weg durch enge, winklige Gassen zum Eingang der eigentlichen Burg.

 

Nach einem Rundblick von der Plattform des Bergfrieds wandern wir über Zingscheid zur Wildenburg. Das ehemalige Burghaus der Wildenburg wurde 1715 in eine Kirche nach dem Vorbild der Klosterkirche von Steinfeld umgebaut, als die Burg in den Besitz des Klosters überging. Der alte Treppenturm dient heute als Glockenturm. Zur Zeit wird die ganze Burg umgebaut. Sie soll Jugendburg der Diözese Aachen werden. Nach SW bildet ein Turm mit 4,40 m dicken Mauern die Verteidigungsanlage. Bis Manscheid kommen wir noch. Dann wird Rast gemacht.

 

Der Rückweg über Winten, Bungenberg, Hahnenberg und Dickerscheid führt durch Wiesen, die nur bisweilen von Fichtenbeständen unterbrochen werden. Nach dem Abendessen wird Stefan Zweigs Weltminute von Waterloo vorgelesen. Ein paar Lieder umrahmen die Lesung. Vor dem Schlafen kommt es noch zu einem kurzen Kontakt mit den Mädchen. Nach ein paar Tauschgeschäften ist endgültig Ruhe. 

 

Dienstag, den 16.06.1953

 

Im Anschluss an das Frühstück hält uns Herr Dr. Liebold einen Vortrag über Entstehung, Alter und Wirtschaft der Eifel. Die Eifel wurde im Devon, im Altertum der Erde, vor rund 1 Milliarde Jahren also, gefaltet. Später wurde das Gebirge, das die Höhe der Alpen erreichte, durch Meer und Witterungseinflüsse bis auf die Rumpfscholle abgetragen. Die Nordeifel besteht im Wesentlichen aus Schiefer und Buntsandstein. Die wasserscheide der Eifel liegt bei Rescheid. Viel Regen bringen die Westwinde. Es gibt wenig Ackerbau, dafür viel Viehzucht und Forstwirtschaft. Von Bedeutung sind (besser: waren) mehrere Bleivorkommen bei Mechernich.

 

Nach dem Mittagessen wandern wir über Hellenthal ins Oleftal. Die Sonne lacht. Was bleibt uns da übrig als mitzulachen! Die hohen Fichtenwälder hallen bald wider von unserm Scherzen und Singen. Lustige Lieder, Wander- und Fahrtenlieder, alles, was uns gerade einfällt, erklingt in zwangloser Folge. Mit der Zeit jedoch werden die Abstände zwischen den einzelnen Liedern größer; es gibt so viel Schönes und Ungewohntes zu schauen, dass zwei Augen fast zu wenig sind, alles zu erfassen. Hier eine schöne Blume, dort ein toter Dachs, ein paar Schritte weiter eine herrliche Lichtung, goldgrün in die dunkle Fichtenmauer eingesprengt, ein seltsam verwachsener Baum, ein Bussard, sogar eine Hirschkuh. Und stetig wechselt das Bild. Unsere Fotografen geben sich redliche Mühe, das Schönste für immer festzuhalten.

 

Als wir nun schon eine ganz beträchtliche Weile flussaufwärts gewandert sind, hören wir von einem Waldarbeiter, dass wir uns bald in Belgien befinden. Wir schlagen also einen Seitenweg ein. Nun geht es steil bergauf, zunächst in der gewünschten Richtung. Aber nach einer halben Stunde führt der Weg uns solch abenteuerliche Krümmungen, dass wir Kundschafter aussenden, um die Richtung zur Jugendherberge herauszubekommen. Sie finden auch tatsächlich den richtigen Weg, und mir erhöhtem Tempo geht’s heimwärts durchs Platißtal.

 

Zum Abendessen gibt es Grießbrei mit Rosinen. Zwischen Rudi, Mecki und mir entwickelt sich ein spannendes Wettessen. Rudi ist bald ausgeschaltet. Der Kampf spitzt sich zu. Ich spüre eine innere Beklemmung. Der Kampf geht weiter. Mecki bekommt gerade die neunte Kelle, ich bin noch bei der achten. Lebhafte Anfeuerungsrufe. Bei 10 kann ich gleichziehen. Mecki hält mit. Nr. 11! Mecki gibt auf. Aus lauter Verzweiflung würge ich noch zwei Kellen hinunter: Sieger mit 13:11. Dann sitze ich da wie ein Mehlsack. Hilfreiche Geister zerren mich an die frische Luft. Ein kleiner Ringkampf soll mich aufmuntern. Zuletzt sitzt Ulli auf meinem schwergeprüften Bauch. Das Gefühl ist unbeschreiblich.

 

Um 8 steigt ein Gemeinschaftsabend mit den Mädchen. Auf Wunsch höherer Instanzen soll zunächst ein Reigen getanzt werden. Da die Geschichte ausartet, werden Lieder gesungen. Dann kommt der Vorschlag: gemeinsame Spiele. Und nun geht es los: geistreiche Spiele, geistlose Spiele, Spiele mit Gesang und Spiele ohne Gesang. Schnell ist die Zeit um. Zum Schluss veranstalten wir noch eine Polonaise, ehe wir den Gemeinschaftsabend durch lebhaften Brief- und Warenverkehr zwischen den Schlafräumen fortsetzen.

 

Mittwoch, den 17.06.1953

 

Nach dem Frühstück spielen wir mit den Mädchen. Fast mit Gewalt holt man uns in den Tagesraum zurück. Wir lesen die Novelle Moordenaars Graf von Hans Grimm. Dann rufen wir den Mädels ein letztes Lebewohl zu. Sie müssen wieder zurück. Uns ruft gleichfalls die Pflicht: „Rin in die Kartoffeln!“ Beim Kartoffelschälen zeigt sich, werTalent hat.

 

Der Plan für die Gestaltung des Nachmittags befriedigt uns tief… Wir sollen nämlich nichts tun. Einsichtigerweise hat Herr Koschwitz diese Freizeit angeordnet und ist darauf bedacht, dass sie auch richtig ausgenutzt wird. Wir sollen uns auf der Wiese pflegen oder kleine Spaziergänge machen. Die Ziele müssen angegeben werden. Ich bleibe mit Hermann und Hotta auf der Wiese. Ihre Steigung lockt zu gewagten Akrobationen: Rollen vor- oder rückwärts, Hechte in oder über Heuhaufen, Saltos und Radschlagen. Um uns dreht sich bald alles. Nachher sitzen wir gemütlich am Rand des Schattens. Der Abend ist herrlich. Ein wenig getrübt wird die Stimmung jedoch durch eine Radiomeldung: Da ist von einem Aufstand in der DDR die Rede. Aber Genaueres ist nicht zu erfahren.

 

Donnerstag, den 18.06.1953

 

Ein Morgen wie die anderen: Früh um 7 Uhr beim Aufstehen lacht die Sonne uns fröhlich an. Aber ihr goldhelles Lachen muss allmählich einem diesigen dichten Grauschleier weichen. Beim Frühstück ist der Himmel bereits ganz mit Wolken überzogen. Heute sind wir von Herrn Baron von Saldern-Leppin zu einem Besuch im Staudter Hof eingeladen.

 

Nach einem botanischen und zoologischen Rundgang durch den interessanten Park führt uns der Herr Baron in den Speisesaal des Staudter Hofes. Hier hält er uns einen anregenden Vortrag über Vögel und Vogelschutz. Er zeigt uns Nist- und Futterkästen, die er in seiner Brandenburger Heimat mit Erfolg erprobt hat. Über Lie haben wir uns köstlich amüsiert; dass er sich nicht vor dem Baron auf den Boden warf, war alles. Viel hat daran jedenfalls nicht gefehlt.

 

                                  

 

Kurz nach dem Essen marschieren wir zur Post in Hellenthal und fahren von dort mit dem Bus nach Steinfeld. Vorbei an Reifferscheid geht die Fahrt, durch Benenberg und schon sind wir da. Schmucklos ist die Klosteranlage, ausgenommen das Innere der in Jahre 1142 gegründeten Kirche. Alle Stilformen bis zum Barock fanden ihren Niederschlag in der reichen Ausstattung des Gotteshauses. Wir hören das Orgelwunder. Bevor wir unsere Rückkehr antreten, besuchen wir den schlichten Ehrenfriedhof und umschreiten die Klostermauer, die 30 Morgen umschließt.

 

In der Jugendherberge erwartet uns nach dem Abendessen ein Lichtbildervortrag des Schleidener Kulturamtsleiters Grues: „Eine kulturhistorische Wanderung durch den Kreis Schleiden“. Kurz einige Stichworte und Zahlen:

 

Landkreis Schleiden – räumlich größter Kreis der Bundesrepublik. Nur 60.000 Einwohner. Mechernich (4.500), Gemünd (2.500), Schleiden (2.000). 262 Ortschaften, 124 Volksschulen, 110 Kirchengemeinden (90 % katholisch, 9 % evangelisch). Nur 4 Bauernhöfe mit mehr als 100 ha Land, 16 Betriebe mit 50 ha, 200 mit 20 ha, 530 mit 15 ha, 5936 mit weniger als 10 ha. Hauptberufe in der Forstwirtschaft, bei der Bundesbahn und in den Bleibergwerken bei Mechernich (2.000 Arbeiter). Bleiabbau seit der Römerzeit. Römisch-keltische Mischkultur (Holz-Steinhaus). Wasserleitung Mechernich-Köln (67 km) von den Römern gebaut. Nach den Römern Einzug der Franken (Fachwerkhaus). Im Mittelalter viele Burgen. Nach dem Vortrag ist fast wieder ein Tag vorbei.

 

Freitag, den 19.06.1953

 

Gleich nach dem Frühstück brechen wir auf. Unser Ziel ist heute die Kronenburg. Durch Unterpreth steigen wir den Prether Bach entlang. Schließlich erreichen wir die Wasserscheide. Im Kronenburger Wald auf der Lichte Hardt (647 m) halten wir Mittagsrast. Auf dem Weitermarsch Richtung Berk mache ich eine Entdeckung: Auf dem Weg liegen überall Quarz- und Bleiglanzkristalle. Erklärlicherweise bilde ich bald das Schlusslicht. Mein Brotbeutel wird immer schwerer, obwohl nichts Essbares darin ist.

 

            

 

Von Berk aus geht der Weg bergauf. Auf steiler Höhe überragt die Kronenburg das Kylltal. Von Norden war früher der einzige Zugang. Durch das noch erhaltene Tor kommen wir in eine Gasse, die uns zu einem zweiten, dem sogenannten Mitteltor, führt. Dahinter, schmucklos in die Häuserfront eingefügt, steht die Kirche. Beim Eintritt in das Gotteshaus zieht eine schlanke Säule den Blick auf sich, die in der Mitte der Halle aufragt und das gesamte Gewölbe trägt. Neben der Kirche liegt ein kleiner Ehrenfriedhof, auf dem sich um eine Steinsäule schlichte Steinkreuze reihen, die die Namen der Gefallenen beider Weltkriege aus dem Ort tragen. Nachdem wir über Schuttberge zur Burgruine hinaufgeklettert sind, haben wir einen guten Überblick über die Befestigungsanlage. Kronenburg ist noch heute ein anschauliches Bild von einer mittelalterlichen Stadt. Der Ort konnte sich nicht ausdehnen, da er auf drei Seiten steil abfällt. Zu unserer Freude erfahren wir, dass uns der Bus bis Rescheid bringen wird.

 

Auf dem Weg zur Haltestelle kommen Bulle & Co und erzählen, dass sie in einer Wirtschaft ein zerschlagenes Glas bezahlen mussten. Sie hatten aus ihren leeren Gläsern einen kunstvollen Turm errichtet, und da war das Unglück geschehen. In Rescheid erwischen wir einen Traktor mit Anhänger,

 

                         

 

der uns bis Giescheid mitnimmt. So sind wir, zwar leicht zerquetscht, doch schon um 5 in der Herberge. Der Abend bringt uns einen geschichtlichen und volkskundlichen Vortrag über die Eifel und Hellenthal von Herrn Lehrer Fechner. Der Lehrer erzählt uns viel Lehrreiches und Unterhaltendes, das sich auf Grund unserer in den vergangenen Tagen erlangten Kenntnisse besonders einprägt. Das Hellenthaler Brauchtum wird eingehend behandelt. Noch in den Betten werden die interessanten Sitten und Gebräuche lebhaft diskutiert.

 

Samstag, den 20.06.1953

 

Heute morgen führt uns der hiesige Revierförster, Herr Brocher, durch seinen Forst. Der noch sehr junge Förster verfügt über ein äußerst umfangreiches Wissen. Nach der dreistündigen Wanderung haben wir einen schönen Überblick über die Forstwirtschaft der Eifel erhalten. Ob es die Art der Hölzer, der Wildschaden oder die Gehälter der Jungförster, die Berufsmöglichkeiten der Holzfäller, die Verbreitung der einzelnen Wildarten oder die Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung sind, Herr Brocher weiß über forstgerechte Düngung eben so gut Bescheid wie über die Strafbestimmungen für Wilderer. Auf dem Rückweg finden wir Walderdbeeren. Auch nicht zu verachten!

 

Nach dem Essen verteilen wir uns in der Umgebung der Jugendherberge, um ein wenig auszuruhen. Beim Mittagessen hat Koschwitz uns mitgeteilt, dass wir am Nachmittag schwimmen wollen. Die markantesten Punkte des Nachmittags sind der Bauch von Lie und das Medusenhaupt von Ei. Was haben wir gelacht! War ja auch mächtig komisch. Die Rutschbahn war übrigens auch ganz prima. Nach dem Schwimmen darf jeder tun, was er will. Um acht steigt unsere lustige Abschiedsfeier. Unter Leitung von „Generalmusikdirektor“ Jupp erklingen Wanderlieder und Kanons. Hermann produziert mit beneidenswerter Begabung "Wallensteins Tod". Auch als russischer Flohzirkusdirektor erregt er große Heiterkeit. Nachdem ich noch ein paar Geschichten von Ludwig Thoma gelesen habe und Kurtchen uns die "Polenhochzeit" gebracht hat, steigen wir zum letzten Mal in unsere Kojen.

 

Sonntag, den 21.06.1953

 

Heute morgen ist Großreinemachen. Vor der Abfahrt muss alles blitzsauber sein. Dann geht’s an Packen. Der letzte Kaffee. Um 10:50 Uhr steigen wir in Hellenthal in den Bus nach Kall. In fröhlicher Stimmung verbringen wir die Zeit im Zug. Wir brauchen nur zu singen, und gleich sind wir unter uns. Um 14:45 Uhr rollen wir in Rheydt ein.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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