Positive Verweigerungshaltung  (03.06.2006)

Ja, auch das gibt es, so „out“ es in der heutigen Gesellschaft auch sein mag: Bescheidenheit.

Vor ein paar Minuten ist Opa oben, bei der jungen Familie, gewesen – mit Urlaubstaschengeld für sein Schätzchen. Gleich geht’s auf nach Spanien. Fehlschlag auf der ganzen Linie!

„Nein, Opa, das Geld brauche ich nicht. Ich möchte es nicht nehmen. Guck mal, ich hab doch schon so viel!“ Opa muss ihr helfen, das Sparschwein zu öffnen; der Deckel im Boden sitzt wirklich zu fest.

Dann liegt der Inhalt auf dem Teppich. Nicht schlecht.

Aber Opa gibt noch nicht auf. Mit blühender Phantasie malt er ihr all die Situationen aus, in denen sie das Geld doch brauchen könnte. Nichts! Auch Mamas Argumentationshilfen sind zwecklos.

Als Opa Mama das Geld geben will, damit sie es für die Kleine mitnimmt, kommt der Hammer:

„Nein, Opa, du sollst es Mama nicht geben! Und, Mama, du sollst es nicht annehmen!“

Ganz betrübt begibt sich Opa wieder nach unten. Aber er ist ein Schlitzohr. Sein Schätzchen hat gar nicht gemerkt, wie er das Taschengeld (alles Münzen) unter die Münzen auf dem Teppich geschmuggelt hat.

Aber betrübt ist er trotzdem – wenn er an die schatzlosen Wochen denkt, die jetzt vor ihm liegen…

 

Zum Nichtrauchertag (31.05.2006)

 

Aus Rücksicht auf den heutigen Welt-Nichtrauchertag und zu seiner würdigen Begehung habe ich im Laufe des Tages schon über zwanzig

Zigaretten vernichtet und ausgedrückt.

Morgendialog  (31.05.2006)

 Das Objekt der Verwunderung  (Foto: F. Schmitz)

„Wie siehst du denn aus?“, tönt es Opa von oben entgegen, der gerade durch die Diele geht.
Er war kurz zum Mülleimer gegangen und hatte angesichts der Außentemperaturen seine alte Kappe (siehe Bild) aus der Türkei aufgesetzt.

„Bin ich etwa nicht schön?“, lautet seine Gegenfrage.

„Komisch! – Und ein bisschen schön“, versichert ihm sein Schätzchen von der Treppe herunter. „Jetzt siehst du fast so aus wie deine Teppiche!“, lacht es dann.

Kein Name  (30.06.2006)

 Foto: uni-rostock.de

Nach dem Essen hat der kleine Schatz kräftig gerülpst. Mama meint mahnend:

„Ich glaube, hier ist ein Schweinchen im Zimmer.“

Opa sucht nach dem Schweinchen, wird aber gleich davon abgebracht, weil der Schatz sagt:

„Ach Opa, das Schweinchen bin doch ich!“

Opa staunt. Dann fragt er:

„Wie heißt du denn, kleines Schweinchen?“ – Antwort:

„Ich heiße überhaupt nicht. Schweinchen haben doch keine Namen…“

 

Opa muss dem Schätzchen diese Geschichte immer wieder vorlesen. Nur eine Stelle gefällt der Kleinen nicht:
„Aber Opa, warum hast du denn geschrieben ‚der kleine Schatz’? Ich bin doch groß!“

 

Gewürzmischungen können vorzüglich sein  (05.06.2006)

 Die gute Mischung

Opa ist gerade dabei, das Abendessen zuzubereiten, als die junge Familie heimkehrt. Seine Mengen sind für vier Personen gedacht: Schweinefleisch süß-sauer mit Ananas und Paprika, rot und grün. Dazu Reis auf seine bewährte Art, trocken, klumpenfrei und leicht bissfest. Aber Papa hat leider etwas mitgebracht, was Mama unbedingt heute noch kochen muss. Da kann Opa nur noch ganz tief aufseufzen.

Und dabei ist sein Essen so gut wie fertig!

Als er sich dann jedoch mit der ersten Portion an seinen Esstisch begibt, hellt sich seine Miene rasch wieder auf. Er hat zwar keinen Spiegel dabei, aber seinem Gefühl nach muss das einfach so sein. Der Grund ist auch sehr leicht zu finden: Das Essen schmeckt ganz phantastisch! Eigentlich überraschend angesichts der vorgefertigten Gewürzmischung.

Das ist so ein Zeitpunkt, wo Opa sich an einen Grundsatz erinnern muss, dem er seine Schlankheit verdankt: Aufhören, wenn es am besten schmeckt!

Nur für einen kurzen Augenblick ist Opa in Versuchung…, dann siegt seine Vernunft. J Wie meistens. (?)

 

Eigentor  (24.06.2006)

 Winnie und Ferkel (Bild: Disney/Cinetext)

Passend zur Fußball-WM 2006 – zu der sich die Türkei ja nicht qualifiziert hatte – scheint die Entscheidung des türkischen Staatsfernsehens TRT, die Zeichentrickserie „Winnie the Pooh“ wegen des darin vorkommenden Ferkels nicht auszustrahlen, für die islamischen Traditionalisten zum Eigentor geworden zu sein.

Ein ausführlicher Artikel von Thomas Seibert mit dem Titel „Keine Schweinerei im türkischen TRT“ („Rheinische Post“ vom 24.06.2006, Seite A6) schließt mit dem Satz:

„Sollten religiöse Eiferer tatsächlich versucht haben, die türkische Öffentlichkeit vor angeblich unislamischen Zeichentrickserien zu schützen, steht schon jetzt fest, dass sie ihr Ziel verfehlt haben: Wegen der vielen Berichte über die Schweinereien bei TRT sind die türkischen Zeitungen in diesen Tagen voll mit rosa Ferkeln.“

 

Die charmante Störung  (14.06.2206)

 Das kleine „Fräulein“ (Foto: mypage.bluewin.ch)

Beim Lösen des Kreuzworträtsels „Kreuzweise“ im neuen stern, fühlt sich Opa durch eine Bewegung auf der Fensterbank gestört. Als er aufschaut, sieht er ein Buchfinkenmädchen – wohl durch die offen stehende Terrassentür herein gekommen –, das sich verzweifelt bemüht, durch die Fensterscheibe hindurch wieder nach draußen zu kommen.

Als er aufsteht und sich dem kleinen Eindringling nähert, wird dessen Panik noch größer. Zum Glück ist Opas erster Griff zwischen die Blumentöpfe erfolgreich. Seine gute Absicht wird allerdings mit heftigem Protestgekreische aus weit geöffnetem Schnäbelchen kommentiert. Aber fast senkrecht saust das Vögelchen in die Höhe, als er draußen den Griff etwas lockert.

Ob das, was nun auf ihn nieder prasselt, ein Danklied oder Protestfortsetzung ist, kann er beim besten Willen nicht unterscheiden…

Vatertag 2006  (25.05.2006)

 Unser Vatertags„orden“ (Gestaltung: F.-J. Deußen)

In Anbetracht der vielen Alten und auf die eine oder andere Weise Behinderten hat mein Schützenzug „Gneisenau“ in diesem Jahr erstmalig etwas durchgeführt, das der verschwundenen Fähigkeit seiner Mitglieder Rechnung trägt: statt einer Wanderung eine Planwagenfahrt. Schon im Blick auf das miese Wetter war das hervorragend. Unter der Plane konnten wir sitzen, und zwar halbwegs geschützt.

Angesichts der Tatsache, dass der Tod innerhalb der letzten zehn Jahre 28 Brüder aus unseren Reihen gerissen hat, war es nicht verwunderlich, nur mit einem Dutzend der noch verbliebenen 18 Schützenbrüder die Fahrt antreten zu können. „Tempora mutantur, et nos mutamur in illis“, sagten schon die alten Römer – nun gut, und wir waren aus Wanderern zu Planwagenmitfahrern geworden. Immer noch besser, als begraben zu sein wie die, die uns endgültig verlassen haben.

Der „Orden“, den uns unser Spieß zu Beginn der Fahrt überreichte, zeigt unser Zugemblem mit der Leier, Symbol für die Tatsache, dass unserem Zug nur angehören kann, wer seit mindestens einem Jahr dem Kirchenchor von St. Jakobus d. Ä. Jüchen aktiv als Sänger angehört. Der Nachteil: da in den letzten Jahren keine neuen Männerstimmen im Chor hinzugekommen sind, gab es auch keine neuen Schützenbrüder. Das heißt, unser Zug stirbt aus.

Aber davon war bei unserer Fahrt nichts zu spüren. Trotz Kälte und Regen haben wir so kräftig (vierstimmig) gesungen, dass unsere Pferde ein paar Mal „mitgesungen“ haben.

Wenn ich selber den „Vatertagsorden“ betrachte, bin ich gleichzeitig zufrieden und unzufrieden. Zufrieden macht mich die Tatsache, dass ich unseren Spieß, von Hause aus Dekorateur und Designer, der ihn gestaltet und gemacht hat, davon überzeugen konnte, dass nur das so genannte „lange S“ für unseren Namen „Gneisenau“ bei der gewählten Schrift in Frage kommt. Unzufrieden hingegen bin ich wieder einmal, weil er immer noch „Christi Himmelfahrt“ in einen Wort geschrieben hat. Aber das lange S gibt mir Hoffnung… 

Kleine Technikerin
  (24.05.2006)

 Der zerlegte und sein noch ganzer Bruder (Foto: F. Schmitz)

 

Opa sitzt beim Lösen des Kreuzworträtsels „Um die Ecke gedacht“ in der neuen ZEIT-Nummer, als sein Schätzchen (3 ½) hereinkommt. Stifte üben auf die Kleine eine unbeschreibliche Faszination aus.

 

Also dauert es nicht lange, bis Opa keinen Kugelschreiber mehr in der Hand hat. Was Opa kann, das kann sein Liebling natürlich auch – sogar noch besser. Also beginnt sie voller Eifer, Buchstaben in die Karos zu schreiben. Ein I, das ganz allein in einem noch völlig leeren Bereich des Rätsels landet, erweist sich hinterher sogar – o Wunder – als richtig.

 

Aber dieser blöde Kugelschreiber ist so anders als die meisten! Dass die Mine durch Drehen raus und rein geht, braucht Opa nicht vorzumachen. Für ein geschicktes kleines Mädchen kein Problem!

 

Der alte Mann passt einen Augenblick nicht auf, und schon ist ein Unglück geschehen: Die Kleine hat den Kugelschreiber völlig auseinander genommen. Ein paar Teile sind dabei zu Boden gefallen.

 

„Fass bitte nichts an! Ich mach das schon!“, wird er energisch zurück gepfiffen, als er sich nach den Teilen bücken will. Hurtig turnt die kleine Fee von ihrem Hochstuhl herunter und sucht nach den Kugelschreiberteilen, findet sie und legt sie auf den Tisch. Schon sitzt sie wieder oben und zeigt Opa, wie man das blöde Ding zusammenbaut. Schon wieder kein Problem! Und ungerührt werden weiter Buchstaben in die Kästchen gesetzt.

 

Anschließend ist noch Papier nötig, damit ein Bild für Mama gemalt werden kann. Opa staunt, wie schöne Blumen da entstehen! Und der Stift funktioniert einwandfrei.

Buntstifte holt sich die Kleine selber, denn sie weiß ja, wo die Dose steht. Dann geht’s mit dem Bild nach oben, zu Mama.

 

Kaum ist Opa allein, überprüft er den Kugelschreiber. Ob er ihn wohl auch auseinander nehmen und wieder zusammensetzen kann? – Irgendwie schafft er’s zwar, aber jetzt staunt er noch mehr…

 

Um das technische Problem zu illustrieren, hat Opa den ganzen und den zerlegten Kugelschreiber fotografiert. (s.o.)

 

 



Strumpfhose oder Leggins  (22.05.2006)

Opa ist erst heute Früh, um 07:20 Uhr, zu Bett gegangen, als er seine beiden Tageszeitungen gelesen hatte. Eine Stunde später wird er wieder wach und ärgert sich, dass er verpasst hat, wie sein Schätzchen zum Kindergarten gestartet ist.

Rasch macht er sich fertig, um Mama die eine Zeitung zu bringen, die sie abonniert hat. Auf seine Frage, wie die Kleine denn heute zum Kindergarten gekommen sei, zeigt Mama nur auf die Couch. O, da sitzt ja sein Schatz! – Schlagartig wird Opa klar, dass er sich um eine Stunde „verdacht“ hat. Also steht die Abreise“ noch bevor.

Aus Schätzchens dunkelblauem Kleidchen mit Miffy-Applikation in Strass-Steinchen, lugen zwei bunt beringelte Beine hervor. Nach seinem Kompliment, wie schön die Kleine heute wieder aussehe, besonders auch mit der Ringel-Strumpfhose, merkt er, dass er sich wieder „verdacht“ hat. Spätestens, als er hört:

„Ach Opa, das ist keine Strumpfhose! Das ist eine Leggins – Strumpfhosen sehen anders aus.“

Leicht geknickt – trotz der eigentlich recht freundlichen Behandlung – beschließt er, gleich wieder nach unten zu gehen und durch Waagerechtlagerung auf seiner Couch wieder etwas Ordnung in sein Denkvermögen zu bringen.

Unten angekommen, ist es kurz vor Neun. Der neue ALDI-Laden ist also schon fast eine Stunde auf. Ei was! ALDI kann warten!   

Zum zweiten Mal im Kasperletheater  (16.05.2006)

Opas kleine Enkelin hat die Plakate an verschiedenen Stellen im Ort sofort entdeckt:

"Da ist Kasperle! Und da auch!" Opa versucht sich "freihändig" an seinen Terminkalender zu erinnern. Das müsste doch klappen. Und schon fällt ihm das Versprechen regelrecht aus dem Mund:

"Ja, mein Schatz. Das sehen wir uns an. Es ist die Geschichte vom Räuber Hotzenplotz." - "Au, fein!" Jetzt ist alles geritzt.

Und heute ist der ersehnte Tag da! Kona und Opa gehen ganz allein. D. h., Mama bringt die beiden nur - früh genug - zum evangelischen Gemeindesaal, wo Opa übermorgen wieder mit seinem Chor proben wird. Zum Glück scheint der Andrang nicht übermäßig groß zu sein.

Als Kona mit Opa im Schlepptau den Saal betritt, sind außer der ersten Reihe noch die meisten Plätze leer. Ganz vorne sitzen lauter kleine Tamilinnen. Als sie Opas Enkelin bemerken, beginnen sie gleich, ihren Namen zu rufen. Die jüngsten sind noch im Kindergarten, sogar in Konas Mäuse-Gruppe. Das laute Hallo ist zwar nicht ganz nach Konas Geschmack, aber trotzdem scheint ihr die fröhliche Begrüßung zu gefallen. Jedenfalls deutet Opa ihr bezauberndes Lächeln so.

Vorn ist die Bühne aufgebaut, drei Scheinwerfer bestrahlen schon den roten Vorhang. Aber es ist noch sehr früh; das Spiel beginnt erst in 25 Minuten. Einige Kinder singen die Kinderlieder mit, die dem Lautsprecher entströmen. Und - Opa staunt - auch seine Kona. Texte und Melodien sind ihr bestens vertraut.

Der erste Besuch im Kasperletheater liegt nun schon ein knappes Jahr zurück (vgl. den Limerick: "Mit Kona im Kasperletheater"). Damals war sie vollkommen stumm geblieben, aber voll konzentriert.

Nach zwanzig Minuten hat sich der Saal ganz gut gefüllt (ca. 50 Kinder und Erwachsene), und dann geht es auch bald los.

Nach einem Klingeln öffnet sich der Vorhang, und Opa wagt einen Blick zur Seite, obwohl ihm ausdrücklich verboten wurde, irgendwie zu stören. Übrigens, auch, nicht einzuschlafen, hat er versprechen müssen. Aber das kleine Wesen, das er da neben sich sieht, ist ganz anders als das im Jahr zuvor. Begeistert ruft und redet sie mit, sogar ziemlich laut. Und sie klatscht, wann immer sich eine Gelegenheit bietet. Eins allerdings vergisst sie nie: Opa wird streng überwacht. "Frau" will sich ja nicht blamieren! Gerade mal klatschen darf er, aber rufen nicht; denn sonst sieht er sofort den Finger vor Konas Lippen. Wenn nicht, wird er vorwurfsvoll angestoßen.

Als das Stück schließlich aus ist, wirkt Kona recht zufrieden. Dass es sinnlos ist, "noch mal" zu sagen, weiß sie offensichtlich. Und noch mehr: Bevor sie aufgebrochen waren, hatte Opa sie gebeten, mit daran zu denken, dass er hinterher noch Brot kaufen müsse. Auf der Treppe vom Gemeindesaal nach unten kommt die Erinnerung:

"Opa, du musst noch Brot kaufen." Aber Opa hat noch eine andere Idee. Am Markt, den sie gerade überqueren, liegt ein hübsches Bistro. Seine Einladung, dort noch etwas zu trinken, ehe sie zum Bäcker und nach Hause gehen, stößt auf deutliches Wohlwollen. Also hinein.

Kona sucht den Tisch aus. Gar nicht so einfach, wenn alle noch frei sind. Noch ehe die Kellnerin kommt, entscheidet sich die Kleine, was sie trinken möchte. Opa staunt schon wieder: Fanta, nicht Wasser - wie sonst. Nun ja, dann nimmt Opa eben ein Pils. Und schon staunt Opa noch mehr: Sie scheint das Glas gar nicht mehr absetzen zu wollen; nach dem ersten Zug ist die Hälfte der 0,2 l verschwunden! Armes Schätzchen! Was muss das für ein Durst gewesen sein! Um wenigstens einigermaßen mithalten zu können, trinkt Opa auch schneller als sonst. Unter diesen Umständen sind die Gläser rasch leer.

Als Opa aufstehen will, hält ihn Kona zurück:

"Halt, du musst doch noch bezahlen!" Aber hinaus zur Kellnerin gehen, die dort Tische abwischt, und ihr sagen, dass Opa bezahlen will, das möchte sie doch nicht. So etwas könnte ja schließlich dem Ruf der absoluten Schüchternheit abträglich sein.

Erst als Opa ihr versichert, dass er wirklich zahlen wird, darf er sich erheben. Das merkt auch die Kellnerin und kommt ihnen entgegen. Zahlung erfolgt zu allseitiger Zufriedenheit.

Auf dem Weg zum Bäcker erkundigt sich Opa, ob Kona ein Brötchen essen möchte. Da sie seine Frage verneint, braucht sich Opa keine Gedanken zu machen, wie er eine zu unaufmerksame Verkäuferin möglichst elegant dazu bringen könnte, ein Brötchen zu spendieren. Beim Eintreten in die Bäckerei wird ihm noch einmal eingeschärft, dass kein Brötchen erwünscht ist.

Der Rückweg führt an den Schaufenstern des Optikers vorbei. Die quellen fast über von Dingen, die es gar nicht gibt: rosa Kühe mit bunten Streifen und Blumen - noch viel unnatürlicher als die Milka-Kuh. Kona muss lachen, denn ihr fällt bei dem Anblick wieder ein, dass sie Opa hereingelegt hat mit ihrer Flunkerei, sie glaube an lila Kühe.

Die Geschichte, die Opa gestern darüber geschrieben hat, musste er ihr mehrmals vorlesen, so viel Spaß hatte sie dabei.

Und dann muss Opa wieder staunen: Kein einziges Mal kommt die Bitte, er möge sie ein Stück tragen. Opa fühlt sich ernst genommen mit seinem Hinweis vor dem "Ausflug", er könne "den schweren Brocken" wirklich nicht mehr tragen. Aber sämtliche Mäuerchen längs des Weges - so weit sie sich dafür eignen - müssen natürlich als "Laufsteg" genutzt werden. Dass Opa beim Auf- und Abstieg ein wenig hilft, ist selbstverständlich. Dafür wird ihm auch gezeigt, wie all die Stiefmütterchen in den Vorgärten die beiden anschauen. Nur, wen mehr - Opa oder Kona -, das lässt sich nicht entscheiden.

Und dann passiert etwas ganz Schreckliches: Opa weiß nicht mehr, wo sie wohnen!

"Ach, Opa, das macht nichts. Komm nur, ich zeig es dir!" Angekommen, braucht Opa nicht einmal die Haustür aufzuschließen. Kona klingelt Mama von oben herunter. In der Diele liegt noch die Tüte Capri-Sonne, die mangels geeigneter Tasche vor dem Weggang liegen geblieben ist. Opa hat die Tür noch nicht hinter sich zu gezogen, da wird ihm die Tüte, schon völlig leer, in die Hand gedrückt. Nun ja, das "Entsorger-Image" hat er sich selber aufgebaut. Aber zum Mülleimer ist es ja nicht weit...

 

Backlash*  (15.05.2006)

Opa macht gern Witze oder Quatsch. Manchmal ist Kona (3 ½) richtig sauer darüber. Dieser Tage hat sie es umgekehrt gemacht - und Opa war der Angeschmierte.

"Mama, hör mal", hat sie vorgestern zu Opas Tochter gesagt, "Opa denkt jetzt, ich glaube, es gibt lila Kühe. Ich habe ihm von der lila Kuh vor Real erzählt und gesagt: ,Es gibt auch lila Kühe.' Da hat er sich richtig aufgeregt und gesagt, dass es keine lila Kühe gibt. Dabei weiß ich doch schon lange, das ist nur Reklame von Milka."

Mama fand die Sache recht amüsant. Aber als sie dann bei kV lesen musste, Kona glaube an lila Kühe, hat sie Opa aufgeklärt.

Der schämt sich jetzt, dass er so gründlich auf sein Schätzchen hereingefallen ist. Aber wie sagt schon der Volksmund? - "Wie du mir, so ich dir." Ob Kona das Sprichwort kennt, weiß Opa nicht. Danach gehandelt hat sie jedoch auf jeden Fall.

Und zutiefst ist der Blamierte noch stolz darauf.

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* englisch für "Gegenschlag"

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